Liebe Schwestern und Brüder!
Wir stehen am Anfang der Ferienzeit. Viele Menschen fahren in diesen Tagen in den Urlaub. Sie freuen sich auf Erholung, auf Ruhe und neue Kraft. Man möchte für einige Tage den Alltag hinter sich lassen, den Terminkalender schließen und die Last der Verantwortung ein wenig ablegen. Es tut gut, einmal an einem anderen Ort zu sein und frei durchatmen zu können.
Auch Jesus kennt dieses menschliche Bedürfnis. Das Evangelium erzählt uns, dass er sich mit dem Boot an einen einsamen Ort zurückziehen wollte. Hinter ihm lagen schmerzvolle Tage. Johannes der Täufer, sein Wegbereiter, war auf grausame Weise hingerichtet worden. Jesus sucht die Stille. Er sucht einen Ort, an dem seine Seele zur Ruhe kommen kann.
Doch die Menschen lassen ihn nicht allein. Sie folgen ihm. Sie bringen ihre Krankheiten, ihre Sorgen, ihre Ängste und ihre Hoffnungen mit. Sie spüren: Bei diesem Jesus finden wir, was wir sonst nirgends finden.
Das Evangelium berichtet nicht, dass Jesus ungeduldig wird. Es heißt vielmehr: „Er hatte Mitleid mit ihnen.“ Das Herz Jesu bleibt offen. Er sieht die Not der Menschen und nimmt sie ernst.
Wie tröstlich ist das auch für uns! Wir dürfen mit allem zu Christus kommen: mit unserer Freude und Dankbarkeit, aber auch mit unserer Müdigkeit, unseren Sorgen, unseren Enttäuschungen und unserer Schuld. Niemand muss sich verstellen. Niemand muss erst stark sein, bevor er zu Jesus kommen darf.
Die Jünger sehen am Abend vor allem das Problem. Fünf Brote und zwei Fische – das reicht doch niemals. Jesus aber sieht nicht zuerst den Mangel, sondern die Möglichkeit des Vaters. Er nimmt das Wenige, dankt, bricht das Brot und lässt es austeilen. Alle werden satt. Ja, es bleibt sogar noch mehr übrig, als am Anfang vorhanden war.
Dieses Wunder ist nicht nur eine Erinnerung an ein vergangenes Ereignis. Es weist voraus auf das größte Geschenk Jesu: die Eucharistie. Auch heute nimmt Christus Brot in seine Hände. Auch heute spricht er das Dankgebet. Auch heute bricht er das Brot und gibt sich selbst zur Speise des Lebens. Christus selbst lädt uns an seinen Tisch. Darum ist jede Eucharistie viel mehr als eine religiöse Pflicht. Sie ist die Antwort Gottes auf den Hunger unseres Herzens. Wir kommen mit leeren Händen – und Christus beschenkt uns mit sich selbst.
Genau dazu lädt uns auch die erste Lesung ein. Der Prophet Jesaja ruft im Namen Gottes:
„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst; kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung.“
Welch wunderbare Einladung! Gottes Gaben kann niemand verdienen und niemand bezahlen. Seine Liebe ist Geschenk. Seine Vergebung ist Geschenk. Seine Barmherzigkeit ist Geschenk. Seine Eucharistie ist Geschenk.
Dann stellt Gott eine Frage, die uns tief ins Gewissen geht:
„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“
Wie oft suchen wir unser Glück dort, wo es auf Dauer nicht zu finden ist. Wir hoffen, dass Besitz, Erfolg oder Unterhaltung unser Herz erfüllen. Doch der Hunger der Seele bleibt.
Nur Christus kann diesen Hunger stillen. Nur er spricht Worte, die Leben schenken. Nur er gibt ein Brot, das bleibt.
Deshalb sagt Gott weiter:
„Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir; hört, dann werdet ihr leben.“
Das ist vielleicht die wichtigste Einladung dieser Ferienzeit. Nicht nur den Koffer zu packen, sondern auch Zeit für Gott einzuplanen. Vielleicht besuchen wir im Urlaub eine Kirche, zünden eine Kerze an, nehmen uns Zeit für das persönliche Gebet oder feiern bewusst den Sonntagsgottesdienst mit. Wahre Erholung braucht nicht nur Ruhe für den Körper, sondern auch Nahrung für die Seele.
In wenigen Augenblicken wird der Herr seinen Tisch für uns bereiten. Wie damals die Menschen am See dürfen auch wir Platz nehmen. Wir bringen ihm das Wenige, das wir haben: unseren Glauben, der manchmal klein ist; unsere Hoffnung, die manchmal schwach ist; unsere Liebe, die immer wieder der Erneuerung bedarf.
Christus nimmt unser Weniges an und macht daraus ein Geschenk seiner Gnade. Wer sich von ihm beschenken lässt, geht nicht leer nach Hause. Denn bei Gott gibt es keinen Mangel. Seine Liebe ist größer als unsere Not, seine Barmherzigkeit tiefer als unsere Schuld und seine Gnade reicher als alle unsere Erwartungen.
Bitten wir den Herrn, dass wir heute mit offenem Herzen an seinen Tisch treten und aus dieser Eucharistie die Kraft empfangen, die wir für unser Leben brauchen. Denn wer zu Christus kommt, den lässt er niemals leer ausgehen.
Amen.