Einladung zum Kirchweihfest "850 Jahre Welfenmünster"
mit Bischof Dr. Bertram Meier

Unserem Diözesanbischof Dr. Bertram Meier ist es ein Herzensanliegen, das große Kirchweihjubiläum unserer Pfarrkirche, des Welfenmünsters, mit uns zusammen in einem Pontifikalamt zu feiern. Um unserem Bischof, der immer sehr viele Termine hat, dies zu ermöglichen, haben wir das Kirchweihfest für Steingaden in diesem Jahr auf den Samstag nach dem „Allerweltskirta“ gelegt.

Wir feiern das große Kirchweihjubiläum des Welfenmünsters, zusammen mit unserem Diözesanbischof, mit dem großen Festgottesdienst am Samstag, 24. Oktober um 19:00h.

Anschließend sind alle Gottesdienstbesucher und die ganze Pfarrgemeinde ganz herzlich zum Festempfang mit Bischof Dr. Bertram Meier im Pfarrhof eingeladen. Viele von uns erinnern sich noch gerne an frühere Begegnungen und Gespräche mit unserem Bischof, der sich auch bei diesem Besuch in Steingaden wieder darauf freut, vielen von Ihnen persönlich zu begegnen und sich mit Ihnen auszutauschen.

Ich freue mich sehr darauf, Sie und Euch alle zum Festgottesdienst im Welfenmünster und zum anschließenden Festempfang im Pfarrhof begrüßen zu dürfen.

Ihr und Euer Pfarrer 
P. Joyice Thomas Lanithottam CMI

Diözesanbischof Dr. Bertram Meier
(Foto: Bistum Augsburg)

Kurzer geschichtlicher Exkurs über bewegte „850 Jahre Welfenmünster“
nach der Steingadener Chronik von Dr. Sigfrid Hofmann (1907-1993), erschienen in den Jahren 1983 bis 1987

1176 (vor 850 Jahren): Am 10. November wird in dem, im romanischen Stil erbauten Welfenmünster, nach 29 Jahren Bauzeit, Kirchweihe gefeiert. Albert I. von Harthausen, der damalige Bischof von Freising kommt dazu nach Steingaden. Er weiht Kirche und Altar unter dem Patrozinium des Hl. Johannes Baptist

1177: Wenige Monate nach der Weihe des Welfenmünsters erlässt Papst Alexander III., auf Ansuchen Welfs VI., eine Bulle, mit der er das Welfenmünster und das ganze Kloster mit all seinem Besitz unter seinen und der Apostel Petrus und Paulus apostolischen Schutz stellt.

1191: in Memmingen stirbt am 5. Dezember Welf VI. Sein Leichnam wird nach Steingaden überführt und im Welfenmünster bestatte, wo bereits sein im Jahr 1167, im Alter von nur 27 Jahren in Italien verstorbener Sohn Welf VII. bestattet ist.

1348: In ganz Europa wütet seit Jahren die Pest. In diesem Jahr erreicht sie auch Steingaden und wird in den kommenden Jahren große Teile Schwabens entvölkern.

1355: Am 18. Oktober erschüttert ein großes Erdbeben die Region. Aus Peiting und Schongau wird über große Schäden berichtet. Das Welfenmünster bleibt scheinbar unbeschädigt.

1400: Seit Jahrzehnten herrschen Armut und große Not im Kloster. In diesem Jahr kann sich nur noch ein einziger Chorherr im Kloster halten. Um sie vor dem Hungertod zu bewahren, werden die übrigen fünf verbliebenen Steingadener Chorherren vorübergehend von anderen Klöstern als Gäste aufgenommen.

1402: Mit der Wahl von Probst Syrg von Syrgenstein (später auch „der zweite Gründer des Klosters“ genannt), der aus dem Mutterkloster Rot an der Rot nach Steingaden kommt bricht eine neue Zeit des Aufschwungs für Kloster und Welfenmünster an.

1470-1490: Umgestaltung von Kloster und Welfenmünster im Stil der Spätgotik, einschließlich des Anbaus der Vorhalle („Vorzeichen“) und der Einbringung des Netzgewölbes im Kreuzgang.

1525: Die im Jahr zuvor in Süddeutschland ausgebrochenen Bauernkriege erreichen auch Steingaden. Eine, wegen der Plünderung und Einäscherung Buchloes durch herzogliche Truppen am 20. April, aufgebrachte Horde schwäbischer Bauern überfallt am 8. Mai Steingaden. Die Eindringlinge wüten fürchterlich, plündern und zerstören alles in Kloster und Welfenmünster, dessen sie habhaft werden können. Zuletzt stecken sie Kloster und Kirche in Brand und beschädigen dabei u.a. den Chor des Welfenmünsters schwer.

In den folgenden Jahren wird  der Chor des Welfenmünsters im Stil der Renaissance wiederhergestellt, ein stilgerechtes, neues Chorgestühl eingebaut (datiert: 1535) und das von den Bauern zerstörte Grabmal der Stifter erneuert.

1563: Wieder bricht die Pest über Steingaden herein (z.B. sterben allein in Urspring zwischen Pfingsten und Weihnachten 147 Menschen daran). In der Folge davon entstehen die Pestriedhöfe und -kapellen auf dem Kreuzberg und in Ilgen.

1600: Die Vorhalle des Welfenmünsters wird mit dem großen Wandgemälde der Welfengenealogie ausgeschmückt (das Gemälde wird irgendwann überstrichen und erst 1951 wieder freigelegt).

1618-48: Im dreißigjährigen Krieg fallen immer wieder, abwechselnd kaiserliche und schwedische Truppen plündernd und mordend über die Dörfer her. Das Kloster und seine Besitzungen sind davon schwer betroffen. Beispielsweise sind im Jahr 1645 alle Felder derart verwüstet, dass das Kloster drei Jahre lang das notwendige Getreide teuer zukaufen muss.

1646: Am 24. November überfallen schwedische Soldaten Kloster und Welfenmünster. Sie plündern, brennen und zerstören Kloster und Welfenmünster fast vollständig. Lediglich Chor und Chorgestühl bleiben scheinbar weitgehend erhalten. In den Klosterannalen wird dazu später vermerkt werden: „Der 24. November 1646 wäre für Steingaden beinahe der letzte Tag gewesen.“ Mit einem großzügigen Darlehen des bayerischen Kurfürsten können die Steingadener Chorherren jedoch sofort den Wiederaufbau im Stil des Frühbarock in Angriff nehmen. 

1702-1704: Im Spanischen Erbfolgekrieg fallen immer wieder, abwechselnd Kaiserliche Husaren und Franzosen plündernd und mordend in den Dörfern ein. Einmal, im Jahr 1703 überfällt eine Horde von 2000 französische Soldaten und Tiroler Bauern auch das Kloster und plündert dort 8 Tage lang. Ob und falls ja, welche Schäden dabei am Welfenmünster entstehen, ist nicht bekannt.

1747: Große Feierlichkeiten zum Jubiläum „600 Jahre Prämonstratenserkloster Steingaden„. Anlässlich des Jubiläums wurde in den Jahren zuvor das Mittelschiff des Welfenmünsters im Stil des hochbarock (Rokoko) aufwändig umgebaut und umgestaltet. Die Orgelempore wurde errichtet und die große Barockorgel dort eingebaut. Das alte Welfengrab wurde entfernt und durch eine Bronzeplatte im Boden und die beiden Wandepitaphien im Kirchenschiff ersetzt.

1769: Mit der barocken Umgestaltung des Kirchenschiffs und, vor allem dem gleichzeitig begonnenen Bau der Wieskirche, deren Baukosten völlig aus dem Ruder gelaufen sind, hat sich das sich das Kloster völlig übernommen und dabei eine immense Schuldenlast aufgetürmt. Ein kurfürstlicher Visitator stellt deshalb im Jahr 1769 fest: „Das Kloster steht vor nahem Verfall und unmittelbarem Ruin“. Bis zur Aufhebung des Klosters im Jahr 1803 wird es sich wirtschaftlich nie mehr ganz erholen.

1792-1815: In den Napoleonischen Kriegen verwüsten französische Truppen immer wieder Felder des Klosters. Im Jahr 1800 belagern 5000 französische Soldaten Steingaden, plündern alles Essbare und erpressen die gesamte Barschaft des Klosters als Schutzgeld. Ob und, falls ja, welche Schäden dabei am Welfenmünster entstehen, ist nicht bekannt

1802/1803: Enteignung und Aufhebung des Klosters Steingaden (wie auch aller anderen bayerischen Prälatenklöster) im Zuge der Säkularisation durch Kurfürst Max IV. Joseph. 

1804: Das Welfenmünster wird Pfarrkirche. Das Kirchengebäude bleibt deshalb von Versteigerung und Abriss unberührt, denen sonst fast alle Klostergebäude zum Opfer fallen.

1805: Die „Königliche Pfarrei Steingaden“ wird als selbständige Pfarrei etabliert.

1817: Ein schwerer Sturm richtet am 4. Januar erheblichen Schaden an den Dächern des Welfenmünsters an. Aus den folgenden Jahren und Jahrzehnten wird immer wieder über kleinere Reparatur- und Verschönerungsmaßnahmen am Welfenmünster berichtet. 

1951: Der große Tabernakel mit vergoldetem Aufbau und einer silbernen Figur des Hl. Johannes Baptist wird in den Hauptaltar eingebaut. Das Wandbild der Welfengenealogie im Vorbau wird im Rahmen kleinerer Sanierungsmaßnahmen freigelegt.

1964: Restaurierung der Orgel im Welfenmünster

1967: Durch Schenkung der Marie Eberth, geb. Wacker (1884-1971) geht ein großer Teil des ehemaligen Klosterbesitzes in der damaligen Hofmark Steingaden auf die Pfarrkirchenstiftung Steingaden über. Damit ist u.a. eine solide wirtschaftliche Basis für den Unterhalt des Welfenmünsters durch die Pfarrei Steingaden geschaffen, was u.a. die Generalsanierung in den Jahren 2017-2019 ermöglicht.

1972: Einbau der Bronzeportale im Welfenmünster. Sie stammen aus der Hand des Weilheimer Bildhauers Ernst Wirtl und sind ebenfalls gestiftet von Marie Eberth.

2017-19: Erste Generalsanierung des Welfenmünsters seit mehr als 200 Jahren, einschließlich (u.a.) der Aufstellung des neuen Hauptaltars und des neuen Ambo aus der Hand des Steinbildhauers Wolfgang Klein aus Steingadene, sowie des Einbaus einer modernen Beleuchtungsanlage und einer neuen Chororgel aus der Hand des Orgelbaumeisters Eduard Heißerer aus Prem.

2019: Am Sonntag, 19. Oktober 2019 weiht der Augsburger Weihbischof Dr. Anton Losinger den neuen Hauptaltar und die neue Chororgel im Welfenmünster.

2022: Anlässlich des 875. Jahrestages der Klostergründung kommt Diözesanbischof Dr. Bertram Meier ins Welfenmünster und zelebriert hier ein feierliches Pontifikalamt.