DANKE an Pater Joyice, der uns seine Predigttexte zur Veröffentlichung auf dieser Seite zur Verfügung stellt.
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Liebe Schwestern und Brüder.
Die heutigen Schrifttexte haben ein gemeinsames Hauptthema: die Begegnung mit Gott. In der ersten Lesung begegnet der Prophet Elija Gott. Im Evangelium erleben die Jünger Jesus in seiner göttlichen Macht und erkennen: Jesus ist wirklich der Sohn Gottes.
Beide Texte zeigen uns: Gott begegnet dem Menschen oft anders, als wir es erwarten. Er kommt nicht immer im Lärm, in der Stärke oder in spektakulären Ereignissen. Oft begegnet er uns in der Stille, im Vertrauen und in einem offenen Herzen.
Schauen wir zuerst auf den Propheten Elija.
Elija hatte sich mutig für den wahren Gott eingesetzt und gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priester des Baal gekämpft. Doch danach musste er fliehen. Er war erschöpft, enttäuscht und voller Angst. Er kommt zum Berg Horeb, dem Berg Gottes, und sucht dort eine neue Begegnung mit dem Herrn.
Gott sagt zu ihm: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ Dann kommen ein gewaltiger Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer. Doch Gott ist nicht in diesen mächtigen Zeichen. Erst danach kommt ein leises, sanftes Säuseln – und darin erkennt Elija die Gegenwart Gottes.
Diese Erfahrung ist auch für unser Leben wichtig: Gott spricht nicht nur durch große Ereignisse. Oft begegnet er uns in der Stille – im Gebet, in einem ruhigen Moment, in unserem Gewissen oder durch einen Menschen, der uns nahekommt.
Auch das Evangelium führt uns in eine Situation der Stille und des Vertrauens.
Nach der Brotvermehrung, bei der Jesus mehr als fünftausend Menschen gespeist hatte, schickt er die Jünger mit dem Boot voraus. Jesus selbst zieht sich auf einen Berg zurück, um allein zu beten und die Gemeinschaft mit seinem Vater zu suchen.
Die Jünger geraten inzwischen auf dem See in einen heftigen Sturm. Die Wellen sind stark und sie bekommen Angst. In dieser Situation kommt Jesus zu ihnen über das Wasser. Zuerst erschrecken sie, doch Jesus sagt: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“
Da bittet Petrus: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Jesus sagt nur ein Wort: „Komm!“ Petrus steigt aus dem Boot und geht tatsächlich auf Jesus zu. Solange sein Blick auf den Herrn gerichtet bleibt, trägt ihn das Vertrauen. Doch als er den starken Wind und die hohen Wellen wahrnimmt, lässt er sich von der Angst bestimmen. Sein Blick richtet sich nicht mehr auf Jesus, sondern auf die Gefahr – und er beginnt zu sinken. Sofort streckt Jesus seine Hand aus, ergreift ihn und rettet ihn.
Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns: Nicht der Sturm bringt Petrus zu Fall, sondern der Augenblick, in dem sein Vertrauen nachlässt. Solange sein Blick auf Jesus gerichtet ist, trägt ihn der Glaube. Auch wir erleben Stürme: Sorgen, Krankheiten, Konflikte oder Unsicherheit. Sie werden nicht einfach verschwinden. Aber wenn wir unseren Blick auf Christus richten, dürfen wir erfahren, dass er uns nicht untergehen lässt. Seine ausgestreckte Hand ist immer da – oft schon, bevor wir sie wahrnehmen.
Wenn wir Elija und das Evangelium zusammen betrachten, erkennen wir eine gemeinsame Botschaft:
In allen drei Situationen lernen die Menschen: Gott ist da – auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen.
Liebe Schwestern und Brüder, auch unser Leben braucht Zeiten der Stille. Gerade in dieser Ferien- und Urlaubszeit suchen viele Menschen Erholung, Abstand vom Alltag und neue Kraft. Vielleicht ist diese Zeit auch eine besondere Einladung, nicht nur unserem Körper Ruhe zu gönnen, sondern auch unserer Seele.
Im Urlaub verlassen wir oft den gewohnten Rhythmus. Wir haben vielleicht mehr Zeit für einen Spaziergang, für die Familie oder für einen stillen Moment. Nutzen wir diese Gelegenheit auch für Gott. Ein kurzer Besuch in der Kirche, ein stilles Gebet oder einige Minuten in der Gegenwart Gottes können uns neue Kraft schenken.
Denn unsere Welt ist oft voller Stimmen: Nachrichten, Handys, Termine und Sorgen. Manchmal vergessen wir, still zu werden und Gott Raum zu geben.
Darum ist es gut, jeden Tag einige Momente für Gott zu reservieren. Am Morgen können wir ihn fragen: „Herr, begleite mich durch diesen Tag.“ Und am Abend können wir zurückblicken: Wo habe ich deine Nähe erfahren? Wofür kann ich danken? Wo brauche ich deine Hilfe?
Gerade an diesen heißen Sommertagen können wir vielleicht unsere Kirche neu als einen Ort der Stille entdecken. Ein paar Minuten vor dem Tabernakel, ein stilles Gebet oder einfach das Verweilen in Gottes Gegenwart können zu einer Begegnung mit ihm werden.
Die Stille ist nicht leer. Sie ist ein Raum, in dem Gott zu uns sprechen kann.
Elija musste den Lärm von Sturm, Erdbeben und Feuer hinter sich lassen, um Gottes leise Stimme zu hören. Die Jünger mussten durch den Sturm gehen, um zu erkennen: Jesus ist bei ihnen.
Auch wir dürfen darauf vertrauen: Gott ist da – in unseren Freuden und Sorgen, in unseren starken und schwachen Momenten. Er kommt uns entgegen und spricht auch heute:
„Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir stehen am Anfang der Ferienzeit. Viele Menschen fahren in diesen Tagen in den Urlaub. Sie freuen sich auf Erholung, auf Ruhe und neue Kraft. Man möchte für einige Tage den Alltag hinter sich lassen, den Terminkalender schließen und die Last der Verantwortung ein wenig ablegen. Es tut gut, einmal an einem anderen Ort zu sein und frei durchatmen zu können.
Auch Jesus kennt dieses menschliche Bedürfnis. Das Evangelium erzählt uns, dass er sich mit dem Boot an einen einsamen Ort zurückziehen wollte. Hinter ihm lagen schmerzvolle Tage. Johannes der Täufer, sein Wegbereiter, war auf grausame Weise hingerichtet worden. Jesus sucht die Stille. Er sucht einen Ort, an dem seine Seele zur Ruhe kommen kann.
Doch die Menschen lassen ihn nicht allein. Sie folgen ihm. Sie bringen ihre Krankheiten, ihre Sorgen, ihre Ängste und ihre Hoffnungen mit. Sie spüren: Bei diesem Jesus finden wir, was wir sonst nirgends finden.
Das Evangelium berichtet nicht, dass Jesus ungeduldig wird. Es heißt vielmehr: „Er hatte Mitleid mit ihnen.“ Das Herz Jesu bleibt offen. Er sieht die Not der Menschen und nimmt sie ernst.
Wie tröstlich ist das auch für uns! Wir dürfen mit allem zu Christus kommen: mit unserer Freude und Dankbarkeit, aber auch mit unserer Müdigkeit, unseren Sorgen, unseren Enttäuschungen und unserer Schuld. Niemand muss sich verstellen. Niemand muss erst stark sein, bevor er zu Jesus kommen darf.
Die Jünger sehen am Abend vor allem das Problem. Fünf Brote und zwei Fische – das reicht doch niemals. Jesus aber sieht nicht zuerst den Mangel, sondern die Möglichkeit des Vaters. Er nimmt das Wenige, dankt, bricht das Brot und lässt es austeilen. Alle werden satt. Ja, es bleibt sogar noch mehr übrig, als am Anfang vorhanden war.
Dieses Wunder ist nicht nur eine Erinnerung an ein vergangenes Ereignis. Es weist voraus auf das größte Geschenk Jesu: die Eucharistie. Auch heute nimmt Christus Brot in seine Hände. Auch heute spricht er das Dankgebet. Auch heute bricht er das Brot und gibt sich selbst zur Speise des Lebens. Christus selbst lädt uns an seinen Tisch. Darum ist jede Eucharistie viel mehr als eine religiöse Pflicht. Sie ist die Antwort Gottes auf den Hunger unseres Herzens. Wir kommen mit leeren Händen – und Christus beschenkt uns mit sich selbst.
Genau dazu lädt uns auch die erste Lesung ein. Der Prophet Jesaja ruft im Namen Gottes:
„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst; kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung.“
Welch wunderbare Einladung! Gottes Gaben kann niemand verdienen und niemand bezahlen. Seine Liebe ist Geschenk. Seine Vergebung ist Geschenk. Seine Barmherzigkeit ist Geschenk. Seine Eucharistie ist Geschenk.
Dann stellt Gott eine Frage, die uns tief ins Gewissen geht:
„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“
Wie oft suchen wir unser Glück dort, wo es auf Dauer nicht zu finden ist. Wir hoffen, dass Besitz, Erfolg oder Unterhaltung unser Herz erfüllen. Doch der Hunger der Seele bleibt.
Nur Christus kann diesen Hunger stillen. Nur er spricht Worte, die Leben schenken. Nur er gibt ein Brot, das bleibt.
Deshalb sagt Gott weiter:
„Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir; hört, dann werdet ihr leben.“
Das ist vielleicht die wichtigste Einladung dieser Ferienzeit. Nicht nur den Koffer zu packen, sondern auch Zeit für Gott einzuplanen. Vielleicht besuchen wir im Urlaub eine Kirche, zünden eine Kerze an, nehmen uns Zeit für das persönliche Gebet oder feiern bewusst den Sonntagsgottesdienst mit. Wahre Erholung braucht nicht nur Ruhe für den Körper, sondern auch Nahrung für die Seele.
In wenigen Augenblicken wird der Herr seinen Tisch für uns bereiten. Wie damals die Menschen am See dürfen auch wir Platz nehmen. Wir bringen ihm das Wenige, das wir haben: unseren Glauben, der manchmal klein ist; unsere Hoffnung, die manchmal schwach ist; unsere Liebe, die immer wieder der Erneuerung bedarf.
Christus nimmt unser Weniges an und macht daraus ein Geschenk seiner Gnade. Wer sich von ihm beschenken lässt, geht nicht leer nach Hause. Denn bei Gott gibt es keinen Mangel. Seine Liebe ist größer als unsere Not, seine Barmherzigkeit tiefer als unsere Schuld und seine Gnade reicher als alle unsere Erwartungen.
Bitten wir den Herrn, dass wir heute mit offenem Herzen an seinen Tisch treten und aus dieser Eucharistie die Kraft empfangen, die wir für unser Leben brauchen. Denn wer zu Christus kommt, den lässt er niemals leer ausgehen.
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Heute feiern wir das Patrozinium unserer Kirche. Unsere Kirche steht unter dem Schutz der heiligen Maria Magdalena. Sie nimmt unter den Jüngern Jesu einen besonderen Platz ein. Die Kirche nennt sie die „Apostolin der Apostel“, denn sie war die erste, die dem auferstandenen Herrn begegnete und den Jüngern die frohe Botschaft von der Auferstehung verkündete.
Die Texte des heutigen Tages führen uns in das Herz dieser Frau hinein. Maria Magdalena war eine suchende Frau.
Die erste Lesung aus dem Hohelied beschreibt diese Suche mit den Worten:
„Ich suchte ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.“
Diese Worte beschreiben nicht nur die Liebe zwischen zwei Menschen. Sie erzählen von der tiefen Sehnsucht des Menschen nach Gott. Jeder Mensch trägt diese Sehnsucht in seinem Herzen. Jeder Mensch sucht nach einem Leben, das wirklich erfüllt.
Auch Maria Magdalena war eine solche Suchende. Ihr Leben wurde durch die Begegnung mit Jesus grundlegend verändert. Sie hatte erfahren, dass es im Menschen eine Sehnsucht gibt, die durch nichts Irdisches ganz gestillt werden kann. Es ist die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, nach einer Liebe, die trägt, und nach einem Frieden, der auch in schweren Stunden nicht zerbricht.
Das Leben der heiligen Maria Magdalena kann deshalb auch uns inspirieren.
Denn auch wir leben in einer Welt voller Möglichkeiten und zugleich voller Unsicherheit. Kriege, wirtschaftliche Sorgen und gesellschaftliche Spannungen verunsichern viele Menschen. Familien stehen unter Druck. Junge Menschen fragen sich, welche Zukunft sie erwartet. Ältere Menschen leiden unter Krankheit oder Einsamkeit. Jeder trägt seine eigenen Sorgen und Belastungen.
Hinzu kommt eine weitere Herausforderung unserer Zeit. Viele Menschen meinen, sie könnten ihr Leben auch ohne Gott gestalten. Solange alles gut läuft, scheint der Glaube nicht notwendig zu sein. Man vertraut auf die eigenen Fähigkeiten, auf Wohlstand, Technik und menschliche Planung. Gott gerät an den Rand des Lebens. Das Gebet wird seltener, und die Kirche spielt für viele kaum noch eine Rolle. Doch wenn Krankheit, Leid oder Enttäuschungen kommen, merken wir, dass wir unser Leben nicht allein tragen können.
Ja, wir alle tragen eine tiefe Sehnsucht in uns. Wir suchen nach Glück, nach Anerkennung, nach Sicherheit, nach Liebe und Geborgenheit. Wir wünschen uns Gesundheit, Erfolg und gelingende Beziehungen. Das alles ist gut und wertvoll. Es sind Geschenke Gottes.
Aber wir machen immer wieder dieselbe Erfahrung: Die Dinge dieser Welt können unser Leben bereichern, sie können Freude schenken und unser Leben schöner machen. Doch sie vermögen die tiefste Sehnsucht unseres Herzens nicht endgültig zu erfüllen. Der Mensch ist auf mehr hin geschaffen. Er sehnt sich nach einer Liebe, die bleibt, nach einem Frieden, den niemand nehmen kann, und nach einer Hoffnung, die auch in schweren Zeiten trägt.
Gerade jetzt, in der Urlaubszeit, wird uns das besonders bewusst. Viele Menschen freuen sich darauf, sich zu erholen, neue Orte kennenzulernen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Das ist gut und wichtig. Auch unser Körper braucht Ruhe und neue Kraft.
Doch wir Menschen bestehen nicht nur aus unserem Körper. Wir sind Leib und Seele. Deshalb braucht nicht nur unser Körper Erholung, sondern auch unsere Seele. Eine Reise kann den Horizont erweitern, aber sie kann die innere Leere nicht füllen. Auch die Seele braucht Zeiten der Stille, des Gebets und der Begegnung mit Gott.
Der heilige Augustinus hat diese Erfahrung in einem berühmten Satz zusammengefasst: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.“
Maria Magdalena hat diese Ruhe gefunden. In Jesus Christus fand sie die Quelle des lebendigen Wassers, die den tiefsten Durst des Menschen stillen kann. Darum blieb sie bei ihm – nicht nur in den Tagen der Freude, sondern auch unter dem Kreuz. Während viele geflohen waren, hielt sie Jesus die Treue.
Am frühen Ostermorgen geht sie wieder zum Grab. Sie sucht ihren Herrn. Doch zunächst findet sie ihn nicht. Das Grab ist leer, und ihre Trauer wird noch größer. Weinend steht sie vor dem Grab und versteht nicht, was geschehen ist.
Dann geschieht das Entscheidende.
Jesus spricht nur ein einziges Wort: „Maria!“
In diesem Augenblick verändert sich alles. Maria erkennt den Auferstandenen. Genauer gesagt: Nicht sie findet Jesus, sondern Jesus findet sie. Er kennt ihren Namen. Er kennt ihre Geschichte, ihre Sehnsucht und ihre Tränen.
Das ist auch für uns eine große Hoffnung. Vielleicht erleben wir Zeiten, in denen Gott fern zu sein scheint. Vielleicht suchen wir ihn und meinen, keine Antwort zu finden. Doch der Auferstandene kennt auch unseren Namen. Er kennt unsere Sorgen, unsere Fragen und unsere Zweifel. Er lässt uns nicht allein. Er begegnet uns oft leise – im Gebet, in seinem Wort, in der Feier der Eucharistie oder durch Menschen, die uns Hoffnung schenken.
Jesus sendet Maria Magdalena zu den Aposteln mit der Botschaft: „Ich habe den Herrn gesehen.“
Aus der suchenden und weinenden Frau wird die erste Zeugin der Auferstehung. Aus ihrer Suche wird eine Begegnung, aus ihrer Trauer wird Freude und aus ihrer Hoffnungslosigkeit eine Sendung.
Liebe Schwestern und Brüder, das Fest der heiligen Maria Magdalena lädt auch uns heute ein, neu zu fragen:
Wo suche ich mein Leben?
Welche Quellen geben mir wirklich Kraft?
Bin ich bereit, Jesus Christus neu zu begegnen – der Quelle des lebendigen Wassers, die allein den Durst meines Herzens stillen kann?
Bitten wir die heilige Maria Magdalena, dass sie uns auf unserem Glaubensweg begleitet. Möge sie uns helfen, Jesus immer wieder neu zu suchen, ihm zu vertrauen und wie sie zu glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe und seiner Auferstehung zu werden.
Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder, besonders liebe Firmlinge!
Vor wenigen Wochen habt ihr das Sakrament der Firmung empfangen. Der Heilige Geist wurde euch zugesagt, damit ihr euren Glauben bewusst leben und gute Entscheidungen treffen könnt. Genau darum geht es auch im heutigen Evangelium.
Jesus erzählt das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut. Ein Bauer sät guten Samen aus. Doch in der Nacht kommt ein Feind und sät Unkraut zwischen den Weizen. Als beides wächst, fragen die Knechte: „Sollen wir das Unkraut ausreißen?“ Der Bauer antwortet: „Nein. Lasst beides wachsen bis zur Ernte.“
Dieses Gleichnis zeigt uns eine Wirklichkeit, die wir alle kennen: In unserer Welt wächst Gutes – aber auch viel Unkraut.
Für euch Firmlinge ist das besonders aktuell. Ihr beginnt immer mehr, eigene Entscheidungen zu treffen. Ihr merkt, dass nicht alles, was modern, beliebt oder oft geklickt wird, auch gut ist. Es gibt viel „Unkraut“, das uns umgibt:
Dieses Unkraut wächst oft schneller als der gute Weizen. Es wirkt manchmal attraktiver, einfacher oder bequemer. Deshalb sagt Jesus uns heute: Seid wachsam! Seid bewusst! Schaut genau hin, was ihr in euer Herz hineinlasst.
Denn nicht nur um uns herum wächst Unkraut. Auch in unserem Herzen können Neid, Egoismus, Wut, Hass, Bequemlichkeit und Gelichgültigkeit wachsen. Jeder von uns kennt das. Aber genauso hat Gott auch den guten Samen in unser Herz gelegt: Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit, Mut, Vergebung und Glauben.
Mit der Firmung habt ihr den Heiligen Geist empfangen. Er möchte euch helfen, das Gute zu erkennen und ihm zu folgen. Gott nimmt euch die Entscheidungen nicht ab. Aber er lässt euch nicht allein.
Vielleicht fragen manche: Warum lässt Gott das Böse überhaupt zu? Warum gibt es Krieg, Ungerechtigkeit und Leid?
Jesus gibt darauf keine einfache Antwort. Aber er macht deutlich: Gott verliert die Geduld mit den Menschen nicht. Er gibt jedem Zeit zur Umkehr. Er möchte retten und nicht vernichten. Am Ende wird das Gute siegen. Darauf dürfen wir vertrauen.
Doch bis dahin liegt eine wichtige Aufgabe bei uns. Wir müssen jeden Tag entscheiden: Was säe ich?
Säe ich Hoffnung oder Entmutigung?
Säe ich Frieden oder Streit?
Säe ich Liebe oder Hass?
Säe ich Wahrheit oder Lüge?
Mit jedem Wort, das wir sprechen, jedem Kommentar, den wir schreiben, jeder Entscheidung, die wir treffen, säen wir entweder guten Samen oder Unkraut.
Liebe Firmlinge, ihr seid nicht einfach Zuschauer in dieser Welt. Gott braucht euch. Er möchte, dass ihr Menschen seid, die Licht bringen, die Mut machen, die für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten. Gerade heute braucht unsere Welt junge Menschen, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und sich nicht von jedem Trend mitreißen zu lassen.
Wenn ihr unsicher seid, fragt euch: Was würde Jesus jetzt tun?
Lest in der Bibel. Betet. Kommt zur Eucharistie. Sucht das Gespräch mit Menschen, die euch im Glauben begleiten. Der Heilige Geist wird euch helfen, den richtigen Weg zu erkennen.
Heute schenkt euch die Kirche eine Bibel – Gottes Wort für euren Lebensweg. Bewahrt sie nicht nur als Erinnerung an diesen besonderen Tag auf, sondern nehmt sie immer wieder zur Hand. Sie soll für euch wie ein Kompass oder ein GPS im Leben sein: eine Orientierung, wenn ihr Entscheidungen treffen müsst, eine Hilfe in Zeiten der Suche und eine Quelle der Hoffnung, wenn ihr neue Wege geht.
Am Ende des Gleichnisses macht Jesus uns Mut: Das Unkraut wird nicht das letzte Wort haben. Der gute Weizen wird reifen. Gottes Liebe ist stärker als das Böse. Sein Reich wird siegen.
Darum lasst uns bewusst leben. Lasst uns darauf achten, was wir in unser Herz hineinlassen und was wir in das Leben anderer hineinsäen. Bitten wir den Heiligen Geist, den ihr in der Firmung empfangen habt, dass er euch Kraft schenkt, das Gute zu wählen und als Christen glaubwürdig zu leben.
Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder!
Die Ereignisse der vergangenen Tage an der Schule in Schongau haben uns alle tief erschüttert. Ein Ort des Lernens, der Gemeinschaft und des Lebens wurde plötzlich zu einem Ort der Angst und der Gewalt. Wir denken heute besonders an die Verletzten, an ihre Familien, an die Schülerinnen und Schüler, an die Lehrkräfte und an alle, die dieses Geschehen miterleben mussten.
Viele Menschen fragen sich: Wie konnte das geschehen? Woher kommt so viel Gewalt? Und vor allem: Wo finden wir Hoffnung?
Der französische Schriftsteller Jean Giono erzählt in seiner berühmten Erzählung „Der Mann, der Bäume pflanzte“ die Geschichte eines Hirten namens Elzéard Bouffier. Es ist eine erfundene Geschichte, aber sie erzählt eine tiefe Wahrheit.
Nachdem Elzéard Bouffier seine Frau und seinen einzigen Sohn verloren hatte, zog er sich in eine einsame und verwüstete Landschaft der Provence zurück. Doch anstatt zu verzweifeln, begann er, jeden Tag Eicheln in den Boden zu setzen. Geduldig tat er dies über viele Jahre hinweg. Schließlich entstand aus den kleinen Samen ein großer Wald. Das Wasser kehrte zurück, Bäche begannen wieder zu fließen, Tiere fanden eine Heimat, Menschen siedelten sich wieder an, und aus einer trostlosen Landschaft wurde ein Ort neuen Lebens.
Diese Geschichte erinnert uns daran: Hoffnung wächst oft ganz klein. Große Veränderungen beginnen häufig mit unscheinbaren Schritten. Ein einzelner Mensch kann viel Gutes bewirken, wenn er nicht aufgibt.
Genau dieses Bild greift Jesus im heutigen Evangelium auf. Er erzählt vom Sämann. Der Sämann ist Gott selbst. Christus streut den Samen seines Wortes großzügig aus. Er sät Liebe statt Hass, Hoffnung statt Verzweiflung, Frieden statt Gewalt und Versöhnung statt Feindschaft.
Gerade nach den Ereignissen von Schongau spüren wir, wie notwendig diese Saat Gottes ist. Unsere Welt kennt viele andere Samen: Hass, Ausgrenzung, Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit. Worte können verletzen, Menschen zerstören und Herzen verhärten. Wir erleben, wie schnell Gewalt entstehen kann, wenn Verzweiflung, Einsamkeit oder Hass Raum gewinnen.
Das Evangelium lädt uns heute aber ein, nicht bei der Dunkelheit stehen zu bleiben. Jesus spricht nicht zuerst über das Unkraut, sondern über den guten Samen. Er vertraut darauf, dass das Gute wachsen kann.
Der Samen ist immer derselbe. Das Wort Gottes verliert niemals seine Kraft. Entscheidend ist der Boden, auf den er fällt. Dieser Boden ist unser Herz.
Da ist zunächst der harte Weg. Ein Herz kann hart werden – durch Enttäuschungen, Verletzungen oder Gleichgültigkeit. Gottes Wort findet dann keinen Platz.
Da ist der felsige Boden. Man nimmt Gottes Wort zwar gerne auf, doch es schlägt keine tiefen Wurzeln. Sobald Schwierigkeiten kommen, verliert der Glaube seinen Halt.
Da sind die Dornen. Sorgen, Leistungsdruck, der Wunsch nach Erfolg, Besitz oder Anerkennung können das Gute im Menschen überwuchern und ersticken.
Und schließlich spricht Jesus vom guten Boden. Das ist das Herz, das offen bleibt für Gott und für den Mitmenschen. Dort kann der Same wachsen und Frucht bringen – dreißigfach, sechzigfach, ja hundertfach.
Nach den erschütternden Ereignissen in Schongau dürfen wir keine vorschnellen Antworten geben. Wir wissen nicht, warum ein Mensch einen solchen Weg einschlägt. Das Leid lässt sich nicht einfach erklären. Aber wir können uns fragen: Was können wir selbst dazu beitragen, dass weniger Hass und mehr Menschlichkeit wachsen?
Vielleicht beginnt es mit einem freundlichen Wort für jemanden, der sich einsam fühlt. Vielleicht mit der Bereitschaft zuzuhören. Vielleicht damit, dass wir Kinder und Jugendliche ernst nehmen, sie begleiten und ihnen zeigen, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist. Vielleicht auch dadurch, dass wir in unseren Familien und Gemeinden den Glauben leben, der Vertrauen, Barmherzigkeit und Versöhnung schenkt.
Als Christen dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wir können das Böse nicht vollständig aus der Welt schaffen. Aber wir können jeden Tag Samen des Guten aussäen. Kein Gebet, keine Tat der Liebe, kein Wort der Ermutigung und keine Geste der Versöhnung gehen bei Gott verloren. Vieles wächst im Verborgenen – so wie ein Samenkorn unter der Erde oder wie die Eicheln des Elzéard Bouffier.
Unsere Welt braucht heute Menschen, die Hoffnung säen. Menschen, die Frieden stiften. Menschen, die Brücken bauen statt Mauern. Menschen, die den Mut haben, das Gute zu tun, auch wenn es klein erscheint.
Bitten wir heute besonders für alle Betroffenen des Amoklaufs in Schongau: für die Verletzten, für ihre Angehörigen, für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrkräfte und für alle, die unter den Folgen dieses Geschehens leiden. Bitten wir auch für unsere Kinder und Jugendlichen, dass sie in Liebe, Geborgenheit und Vertrauen aufwachsen dürfen. Und beten wir für unsere Gesellschaft, dass Respekt, Mitgefühl und der Glaube an die unantastbare Würde jedes Menschen neu wachsen.
Der Herr schenke uns ein offenes Herz, damit sein Wort in uns Wurzeln schlagen kann und wir selbst zu Menschen werden, die Hoffnung säen und reiche Frucht bringen.
Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder!
Es gibt Menschen, die längst gestorben sind und doch nicht vergangen sind. Ihr Leben ist nicht einfach abgeschlossen, sondern es wirkt weiter. Ihre Worte, ihre Entscheidungen und ihr Glaube berühren Menschen bis heute. Solche Menschen bleiben gegenwärtig – gerade dann, wenn wir selbst auf der Suche sind nach Orientierung, Halt und Hoffnung.
Ein solcher Mensch ist der heilige Ulrich, dessen Fest wir heute feiern. Seit mehr als tausend Jahren schauen die Menschen unserer Heimat auf ihn als Vorbild im Glauben und als Fürsprecher bei Gott. Sein Name ist mit unserer Diözese Augsburg untrennbar verbunden. Und doch bleibt die entscheidende Frage: Was macht ihn so bedeutend? Was hat sein Leben, das so lange zurückliegt, uns heute noch zu sagen?
Der heilige Ulrich war ein Mensch des Glaubens – und zwar im tiefsten Sinn. Sein Leben war geprägt vom Vertrauen auf Gott. Er wusste: Der Mensch trägt sich nicht selbst. Er lebt aus Gottes Kraft, aus Gottes Segen, aus Gottes Führung.
Darum war das Gebet für ihn nicht eine Pflicht unter vielen, sondern die Mitte seines Lebens. Die Stille vor Gott, das Hören auf sein Wort, das bewusste Leben aus dem Glauben – all das gab ihm inneren Halt und Klarheit für seine Entscheidungen.
Die heutige Lesung aus dem Buch Jesus Sirach zeichnet uns das Bild des Hohenpriesters Simon. Er stärkte sein Volk, er sorgte für den Tempel, und am Ende seines Dienstes erhob er seine Hände und segnete das Volk Gottes.
Dieses Bild passt auch zum heiligen Ulrich. Auch er war ein Hirte der Kirche, ein Bischof, der sein Volk im Glauben stärken wollte. Nicht seine eigene Person stand im Mittelpunkt, sondern Gott. Nicht seine eigene Größe war entscheidend, sondern das Wohl der Menschen, die ihm anvertraut waren.
Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns heute. Wir leben in einer Zeit, die oft laut und schnell ist. Viele Stimmen prallen auf uns ein. Viele Erwartungen fordern uns heraus. Und nicht selten entsteht dabei Unsicherheit oder innere Unruhe.
Der heilige Ulrich erinnert uns daran: Ein Mensch findet seinen Halt nicht zuerst in sich selbst, sondern in Gott. Wer in ihm verwurzelt ist, der kann auch in bewegten Zeiten bestehen.
Ulrich hat diesen Glauben aber nicht nur für sich selbst gelebt. Er hat ihn weitergegeben. Als Bischof hat er sich um die Menschen seiner Diözese gekümmert. Er hat Gemeinden besucht, Priester gestärkt und sich besonders den Armen und Bedürftigen zugewandt.
Er wusste: Glaube lebt davon, dass er geteilt wird. Glaube wird glaubwürdig, wenn er sichtbar wird im Handeln.
Darum hören wir im Hebräerbrief die Worte: „Betrachtet den Ertrag ihres Lebenswandels und ahmt ihren Glauben nach.“ Genau das dürfen wir beim heiligen Ulrich tun: auf sein Leben schauen und uns von seinem Vertrauen auf Gott inspirieren lassen.
Im Evangelium haben wir die Worte Jesu gehört: „Bleibt in meiner Liebe!“ und: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“
Das ist der innerste Kern des christlichen Glaubens. Und genau darin liegt auch das Geheimnis des heiligen Ulrich. Er ist in der Liebe Christi geblieben – und er hat aus dieser Liebe gelebt.
Diese Liebe zeigte sich in seiner Sorge um die Menschen, in seiner Treue zur Kirche und in seinem Einsatz für die Schwachen. Sie war keine Theorie, sondern gelebte Wirklichkeit.
Jesus nennt seine Jünger nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Auch Ulrich hat aus dieser Freundschaft mit Christus gelebt. Diese Beziehung war seine Kraftquelle – und sie hat sein ganzes Wirken geprägt.
Darum ist es auch kein Zufall, dass wir dieses Fest als Patrozinium feiern. Es geht nicht nur um Erinnerung, sondern um lebendige Gegenwart des Glaubens. Wir stehen in einer langen Geschichte von Menschen, die geglaubt haben – und dieser Glaube trägt auch uns heute.
Ulrich war zudem ein Mensch, der mitten im Leben stand. Sein Glaube war nicht fern vom Alltag, sondern tief in ihm verwurzelt. Deshalb verbindet dieses Fest Himmel und Erde, Glaube und Leben, Kirche und Alltag.
Und wenn wir heute seinen Namen feiern, dann tun wir das nicht nur rückblickend, sondern auch als Einladung: den Glauben neu ins eigene Leben hinein zu lassen.
Denn auch Ulrich war bereit, seinen Glauben zu verteidigen. In schwierigen Zeiten blieb er standhaft. Er vertraute nicht auf Macht oder Einfluss, sondern auf Gott. Darin zeigt sich seine innere Stärke – und seine geistliche Tiefe.
Liebe Schwestern und Brüder, dieses Fest ist deshalb auch ein Ruf an uns: Der Glaube ist kein Besitz, den man einfach verwaltet. Er ist ein lebendiges Geschenk, das weitergegeben werden will.
Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Menschen, die glaubwürdig vom Glauben sprechen – nicht nur mit Worten, sondern mit ihrem Leben. Denn Glaube wächst dort, wo er gesehen und erlebt wird.
Der heilige Ulrich zeigt uns: Der Glaube ist keine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er ist eine lebendige Kraft, die Menschen verwandelt, Gemeinschaft stärkt und Heimat prägt.
Der Ulrichsritt ist mehr als ein schönes Brauchtum oder eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er zeigt uns ganz konkret: Der Glaube gehört mitten ins Leben. Ein Ulrichsritt ohne Glauben wäre nur noch ein historisches Schauspiel. Eine Segnung ohne Vertrauen auf Gott wäre nur noch eine schöne Zeremonie. Erst der lebendige Glaube gibt diesen Zeichen ihren eigentlichen Sinn.
Darum bitten wir ihn heute: dass er für uns eintritt, damit auch wir Menschen des Glaubens werden – Menschen des Gebets, des Vertrauens und der Liebe. Und dass wir bereit sind, diesen Glauben zu leben – heute, hier und in unserem Alltag.
Der heilige Ulrich begleite uns auf diesem Weg und führe uns tiefer in die Freundschaft mit Christus. Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder.
Die heutigen Schrifttexte haben ein gemeinsames Hauptthema: die Begegnung mit Gott. In der ersten Lesung begegnet der Prophet Elija Gott. Im Evangelium erleben die Jünger Jesus in seiner göttlichen Macht und erkennen: Jesus ist wirklich der Sohn Gottes.
Beide Texte zeigen uns: Gott begegnet dem Menschen oft anders, als wir es erwarten. Er kommt nicht immer im Lärm, in der Stärke oder in spektakulären Ereignissen. Oft begegnet er uns in der Stille, im Vertrauen und in einem offenen Herzen.
Schauen wir zuerst auf den Propheten Elija.
Elija hatte sich mutig für den wahren Gott eingesetzt und gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priester des Baal gekämpft. Doch danach musste er fliehen. Er war erschöpft, enttäuscht und voller Angst. Er kommt zum Berg Horeb, dem Berg Gottes, und sucht dort eine neue Begegnung mit dem Herrn.
Gott sagt zu ihm: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ Dann kommen ein gewaltiger Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer. Doch Gott ist nicht in diesen mächtigen Zeichen. Erst danach kommt ein leises, sanftes Säuseln – und darin erkennt Elija die Gegenwart Gottes.
Diese Erfahrung ist auch für unser Leben wichtig: Gott spricht nicht nur durch große Ereignisse. Oft begegnet er uns in der Stille – im Gebet, in einem ruhigen Moment, in unserem Gewissen oder durch einen Menschen, der uns nahekommt.
Auch das Evangelium führt uns in eine Situation der Stille und des Vertrauens.
Nach der Brotvermehrung, bei der Jesus mehr als fünftausend Menschen gespeist hatte, schickt er die Jünger mit dem Boot voraus. Jesus selbst zieht sich auf einen Berg zurück, um allein zu beten und die Gemeinschaft mit seinem Vater zu suchen.
Die Jünger geraten inzwischen auf dem See in einen heftigen Sturm. Die Wellen sind stark und sie bekommen Angst. In dieser Situation kommt Jesus zu ihnen über das Wasser. Zuerst erschrecken sie, doch Jesus sagt: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“
Da bittet Petrus: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Jesus sagt nur ein Wort: „Komm!“ Petrus steigt aus dem Boot und geht tatsächlich auf Jesus zu. Solange sein Blick auf den Herrn gerichtet bleibt, trägt ihn das Vertrauen. Doch als er den starken Wind und die hohen Wellen wahrnimmt, lässt er sich von der Angst bestimmen. Sein Blick richtet sich nicht mehr auf Jesus, sondern auf die Gefahr – und er beginnt zu sinken. Sofort streckt Jesus seine Hand aus, ergreift ihn und rettet ihn.
Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns: Nicht der Sturm bringt Petrus zu Fall, sondern der Augenblick, in dem sein Vertrauen nachlässt. Solange sein Blick auf Jesus gerichtet ist, trägt ihn der Glaube. Auch wir erleben Stürme: Sorgen, Krankheiten, Konflikte oder Unsicherheit. Sie werden nicht einfach verschwinden. Aber wenn wir unseren Blick auf Christus richten, dürfen wir erfahren, dass er uns nicht untergehen lässt. Seine ausgestreckte Hand ist immer da – oft schon, bevor wir sie wahrnehmen.
Wenn wir Elija und das Evangelium zusammen betrachten, erkennen wir eine gemeinsame Botschaft:
In allen drei Situationen lernen die Menschen: Gott ist da – auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen.
Liebe Schwestern und Brüder, auch unser Leben braucht Zeiten der Stille. Gerade in dieser Ferien- und Urlaubszeit suchen viele Menschen Erholung, Abstand vom Alltag und neue Kraft. Vielleicht ist diese Zeit auch eine besondere Einladung, nicht nur unserem Körper Ruhe zu gönnen, sondern auch unserer Seele.
Im Urlaub verlassen wir oft den gewohnten Rhythmus. Wir haben vielleicht mehr Zeit für einen Spaziergang, für die Familie oder für einen stillen Moment. Nutzen wir diese Gelegenheit auch für Gott. Ein kurzer Besuch in der Kirche, ein stilles Gebet oder einige Minuten in der Gegenwart Gottes können uns neue Kraft schenken.
Denn unsere Welt ist oft voller Stimmen: Nachrichten, Handys, Termine und Sorgen. Manchmal vergessen wir, still zu werden und Gott Raum zu geben.
Darum ist es gut, jeden Tag einige Momente für Gott zu reservieren. Am Morgen können wir ihn fragen: „Herr, begleite mich durch diesen Tag.“ Und am Abend können wir zurückblicken: Wo habe ich deine Nähe erfahren? Wofür kann ich danken? Wo brauche ich deine Hilfe?
Gerade an diesen heißen Sommertagen können wir vielleicht unsere Kirche neu als einen Ort der Stille entdecken. Ein paar Minuten vor dem Tabernakel, ein stilles Gebet oder einfach das Verweilen in Gottes Gegenwart können zu einer Begegnung mit ihm werden.
Die Stille ist nicht leer. Sie ist ein Raum, in dem Gott zu uns sprechen kann.
Elija musste den Lärm von Sturm, Erdbeben und Feuer hinter sich lassen, um Gottes leise Stimme zu hören. Die Jünger mussten durch den Sturm gehen, um zu erkennen: Jesus ist bei ihnen.
Auch wir dürfen darauf vertrauen: Gott ist da – in unseren Freuden und Sorgen, in unseren starken und schwachen Momenten. Er kommt uns entgegen und spricht auch heute:
„Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir stehen am Anfang der Ferienzeit. Viele Menschen fahren in diesen Tagen in den Urlaub. Sie freuen sich auf Erholung, auf Ruhe und neue Kraft. Man möchte für einige Tage den Alltag hinter sich lassen, den Terminkalender schließen und die Last der Verantwortung ein wenig ablegen. Es tut gut, einmal an einem anderen Ort zu sein und frei durchatmen zu können.
Auch Jesus kennt dieses menschliche Bedürfnis. Das Evangelium erzählt uns, dass er sich mit dem Boot an einen einsamen Ort zurückziehen wollte. Hinter ihm lagen schmerzvolle Tage. Johannes der Täufer, sein Wegbereiter, war auf grausame Weise hingerichtet worden. Jesus sucht die Stille. Er sucht einen Ort, an dem seine Seele zur Ruhe kommen kann.
Doch die Menschen lassen ihn nicht allein. Sie folgen ihm. Sie bringen ihre Krankheiten, ihre Sorgen, ihre Ängste und ihre Hoffnungen mit. Sie spüren: Bei diesem Jesus finden wir, was wir sonst nirgends finden.
Das Evangelium berichtet nicht, dass Jesus ungeduldig wird. Es heißt vielmehr: „Er hatte Mitleid mit ihnen.“ Das Herz Jesu bleibt offen. Er sieht die Not der Menschen und nimmt sie ernst.
Wie tröstlich ist das auch für uns! Wir dürfen mit allem zu Christus kommen: mit unserer Freude und Dankbarkeit, aber auch mit unserer Müdigkeit, unseren Sorgen, unseren Enttäuschungen und unserer Schuld. Niemand muss sich verstellen. Niemand muss erst stark sein, bevor er zu Jesus kommen darf.
Die Jünger sehen am Abend vor allem das Problem. Fünf Brote und zwei Fische – das reicht doch niemals. Jesus aber sieht nicht zuerst den Mangel, sondern die Möglichkeit des Vaters. Er nimmt das Wenige, dankt, bricht das Brot und lässt es austeilen. Alle werden satt. Ja, es bleibt sogar noch mehr übrig, als am Anfang vorhanden war.
Dieses Wunder ist nicht nur eine Erinnerung an ein vergangenes Ereignis. Es weist voraus auf das größte Geschenk Jesu: die Eucharistie. Auch heute nimmt Christus Brot in seine Hände. Auch heute spricht er das Dankgebet. Auch heute bricht er das Brot und gibt sich selbst zur Speise des Lebens. Christus selbst lädt uns an seinen Tisch. Darum ist jede Eucharistie viel mehr als eine religiöse Pflicht. Sie ist die Antwort Gottes auf den Hunger unseres Herzens. Wir kommen mit leeren Händen – und Christus beschenkt uns mit sich selbst.
Genau dazu lädt uns auch die erste Lesung ein. Der Prophet Jesaja ruft im Namen Gottes:
„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst; kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung.“
Welch wunderbare Einladung! Gottes Gaben kann niemand verdienen und niemand bezahlen. Seine Liebe ist Geschenk. Seine Vergebung ist Geschenk. Seine Barmherzigkeit ist Geschenk. Seine Eucharistie ist Geschenk.
Dann stellt Gott eine Frage, die uns tief ins Gewissen geht:
„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“
Wie oft suchen wir unser Glück dort, wo es auf Dauer nicht zu finden ist. Wir hoffen, dass Besitz, Erfolg oder Unterhaltung unser Herz erfüllen. Doch der Hunger der Seele bleibt.
Nur Christus kann diesen Hunger stillen. Nur er spricht Worte, die Leben schenken. Nur er gibt ein Brot, das bleibt.
Deshalb sagt Gott weiter:
„Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir; hört, dann werdet ihr leben.“
Das ist vielleicht die wichtigste Einladung dieser Ferienzeit. Nicht nur den Koffer zu packen, sondern auch Zeit für Gott einzuplanen. Vielleicht besuchen wir im Urlaub eine Kirche, zünden eine Kerze an, nehmen uns Zeit für das persönliche Gebet oder feiern bewusst den Sonntagsgottesdienst mit. Wahre Erholung braucht nicht nur Ruhe für den Körper, sondern auch Nahrung für die Seele.
In wenigen Augenblicken wird der Herr seinen Tisch für uns bereiten. Wie damals die Menschen am See dürfen auch wir Platz nehmen. Wir bringen ihm das Wenige, das wir haben: unseren Glauben, der manchmal klein ist; unsere Hoffnung, die manchmal schwach ist; unsere Liebe, die immer wieder der Erneuerung bedarf.
Christus nimmt unser Weniges an und macht daraus ein Geschenk seiner Gnade. Wer sich von ihm beschenken lässt, geht nicht leer nach Hause. Denn bei Gott gibt es keinen Mangel. Seine Liebe ist größer als unsere Not, seine Barmherzigkeit tiefer als unsere Schuld und seine Gnade reicher als alle unsere Erwartungen.
Bitten wir den Herrn, dass wir heute mit offenem Herzen an seinen Tisch treten und aus dieser Eucharistie die Kraft empfangen, die wir für unser Leben brauchen. Denn wer zu Christus kommt, den lässt er niemals leer ausgehen.
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Heute feiern wir das Patrozinium unserer Kirche. Unsere Kirche steht unter dem Schutz der heiligen Maria Magdalena. Sie nimmt unter den Jüngern Jesu einen besonderen Platz ein. Die Kirche nennt sie die „Apostolin der Apostel“, denn sie war die erste, die dem auferstandenen Herrn begegnete und den Jüngern die frohe Botschaft von der Auferstehung verkündete.
Die Texte des heutigen Tages führen uns in das Herz dieser Frau hinein. Maria Magdalena war eine suchende Frau.
Die erste Lesung aus dem Hohelied beschreibt diese Suche mit den Worten:
„Ich suchte ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.“
Diese Worte beschreiben nicht nur die Liebe zwischen zwei Menschen. Sie erzählen von der tiefen Sehnsucht des Menschen nach Gott. Jeder Mensch trägt diese Sehnsucht in seinem Herzen. Jeder Mensch sucht nach einem Leben, das wirklich erfüllt.
Auch Maria Magdalena war eine solche Suchende. Ihr Leben wurde durch die Begegnung mit Jesus grundlegend verändert. Sie hatte erfahren, dass es im Menschen eine Sehnsucht gibt, die durch nichts Irdisches ganz gestillt werden kann. Es ist die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, nach einer Liebe, die trägt, und nach einem Frieden, der auch in schweren Stunden nicht zerbricht.
Das Leben der heiligen Maria Magdalena kann deshalb auch uns inspirieren.
Denn auch wir leben in einer Welt voller Möglichkeiten und zugleich voller Unsicherheit. Kriege, wirtschaftliche Sorgen und gesellschaftliche Spannungen verunsichern viele Menschen. Familien stehen unter Druck. Junge Menschen fragen sich, welche Zukunft sie erwartet. Ältere Menschen leiden unter Krankheit oder Einsamkeit. Jeder trägt seine eigenen Sorgen und Belastungen.
Hinzu kommt eine weitere Herausforderung unserer Zeit. Viele Menschen meinen, sie könnten ihr Leben auch ohne Gott gestalten. Solange alles gut läuft, scheint der Glaube nicht notwendig zu sein. Man vertraut auf die eigenen Fähigkeiten, auf Wohlstand, Technik und menschliche Planung. Gott gerät an den Rand des Lebens. Das Gebet wird seltener, und die Kirche spielt für viele kaum noch eine Rolle. Doch wenn Krankheit, Leid oder Enttäuschungen kommen, merken wir, dass wir unser Leben nicht allein tragen können.
Ja, wir alle tragen eine tiefe Sehnsucht in uns. Wir suchen nach Glück, nach Anerkennung, nach Sicherheit, nach Liebe und Geborgenheit. Wir wünschen uns Gesundheit, Erfolg und gelingende Beziehungen. Das alles ist gut und wertvoll. Es sind Geschenke Gottes.
Aber wir machen immer wieder dieselbe Erfahrung: Die Dinge dieser Welt können unser Leben bereichern, sie können Freude schenken und unser Leben schöner machen. Doch sie vermögen die tiefste Sehnsucht unseres Herzens nicht endgültig zu erfüllen. Der Mensch ist auf mehr hin geschaffen. Er sehnt sich nach einer Liebe, die bleibt, nach einem Frieden, den niemand nehmen kann, und nach einer Hoffnung, die auch in schweren Zeiten trägt.
Gerade jetzt, in der Urlaubszeit, wird uns das besonders bewusst. Viele Menschen freuen sich darauf, sich zu erholen, neue Orte kennenzulernen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Das ist gut und wichtig. Auch unser Körper braucht Ruhe und neue Kraft.
Doch wir Menschen bestehen nicht nur aus unserem Körper. Wir sind Leib und Seele. Deshalb braucht nicht nur unser Körper Erholung, sondern auch unsere Seele. Eine Reise kann den Horizont erweitern, aber sie kann die innere Leere nicht füllen. Auch die Seele braucht Zeiten der Stille, des Gebets und der Begegnung mit Gott.
Der heilige Augustinus hat diese Erfahrung in einem berühmten Satz zusammengefasst: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.“
Maria Magdalena hat diese Ruhe gefunden. In Jesus Christus fand sie die Quelle des lebendigen Wassers, die den tiefsten Durst des Menschen stillen kann. Darum blieb sie bei ihm – nicht nur in den Tagen der Freude, sondern auch unter dem Kreuz. Während viele geflohen waren, hielt sie Jesus die Treue.
Am frühen Ostermorgen geht sie wieder zum Grab. Sie sucht ihren Herrn. Doch zunächst findet sie ihn nicht. Das Grab ist leer, und ihre Trauer wird noch größer. Weinend steht sie vor dem Grab und versteht nicht, was geschehen ist.
Dann geschieht das Entscheidende.
Jesus spricht nur ein einziges Wort: „Maria!“
In diesem Augenblick verändert sich alles. Maria erkennt den Auferstandenen. Genauer gesagt: Nicht sie findet Jesus, sondern Jesus findet sie. Er kennt ihren Namen. Er kennt ihre Geschichte, ihre Sehnsucht und ihre Tränen.
Das ist auch für uns eine große Hoffnung. Vielleicht erleben wir Zeiten, in denen Gott fern zu sein scheint. Vielleicht suchen wir ihn und meinen, keine Antwort zu finden. Doch der Auferstandene kennt auch unseren Namen. Er kennt unsere Sorgen, unsere Fragen und unsere Zweifel. Er lässt uns nicht allein. Er begegnet uns oft leise – im Gebet, in seinem Wort, in der Feier der Eucharistie oder durch Menschen, die uns Hoffnung schenken.
Jesus sendet Maria Magdalena zu den Aposteln mit der Botschaft: „Ich habe den Herrn gesehen.“
Aus der suchenden und weinenden Frau wird die erste Zeugin der Auferstehung. Aus ihrer Suche wird eine Begegnung, aus ihrer Trauer wird Freude und aus ihrer Hoffnungslosigkeit eine Sendung.
Liebe Schwestern und Brüder, das Fest der heiligen Maria Magdalena lädt auch uns heute ein, neu zu fragen:
Wo suche ich mein Leben?
Welche Quellen geben mir wirklich Kraft?
Bin ich bereit, Jesus Christus neu zu begegnen – der Quelle des lebendigen Wassers, die allein den Durst meines Herzens stillen kann?
Bitten wir die heilige Maria Magdalena, dass sie uns auf unserem Glaubensweg begleitet. Möge sie uns helfen, Jesus immer wieder neu zu suchen, ihm zu vertrauen und wie sie zu glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe und seiner Auferstehung zu werden.
Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder, besonders liebe Firmlinge!
Vor wenigen Wochen habt ihr das Sakrament der Firmung empfangen. Der Heilige Geist wurde euch zugesagt, damit ihr euren Glauben bewusst leben und gute Entscheidungen treffen könnt. Genau darum geht es auch im heutigen Evangelium.
Jesus erzählt das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut. Ein Bauer sät guten Samen aus. Doch in der Nacht kommt ein Feind und sät Unkraut zwischen den Weizen. Als beides wächst, fragen die Knechte: „Sollen wir das Unkraut ausreißen?“ Der Bauer antwortet: „Nein. Lasst beides wachsen bis zur Ernte.“
Dieses Gleichnis zeigt uns eine Wirklichkeit, die wir alle kennen: In unserer Welt wächst Gutes – aber auch viel Unkraut.
Für euch Firmlinge ist das besonders aktuell. Ihr beginnt immer mehr, eigene Entscheidungen zu treffen. Ihr merkt, dass nicht alles, was modern, beliebt oder oft geklickt wird, auch gut ist. Es gibt viel „Unkraut“, das uns umgibt:
Dieses Unkraut wächst oft schneller als der gute Weizen. Es wirkt manchmal attraktiver, einfacher oder bequemer. Deshalb sagt Jesus uns heute: Seid wachsam! Seid bewusst! Schaut genau hin, was ihr in euer Herz hineinlasst.
Denn nicht nur um uns herum wächst Unkraut. Auch in unserem Herzen können Neid, Egoismus, Wut, Hass, Bequemlichkeit und Gelichgültigkeit wachsen. Jeder von uns kennt das. Aber genauso hat Gott auch den guten Samen in unser Herz gelegt: Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit, Mut, Vergebung und Glauben.
Mit der Firmung habt ihr den Heiligen Geist empfangen. Er möchte euch helfen, das Gute zu erkennen und ihm zu folgen. Gott nimmt euch die Entscheidungen nicht ab. Aber er lässt euch nicht allein.
Vielleicht fragen manche: Warum lässt Gott das Böse überhaupt zu? Warum gibt es Krieg, Ungerechtigkeit und Leid?
Jesus gibt darauf keine einfache Antwort. Aber er macht deutlich: Gott verliert die Geduld mit den Menschen nicht. Er gibt jedem Zeit zur Umkehr. Er möchte retten und nicht vernichten. Am Ende wird das Gute siegen. Darauf dürfen wir vertrauen.
Doch bis dahin liegt eine wichtige Aufgabe bei uns. Wir müssen jeden Tag entscheiden: Was säe ich?
Säe ich Hoffnung oder Entmutigung?
Säe ich Frieden oder Streit?
Säe ich Liebe oder Hass?
Säe ich Wahrheit oder Lüge?
Mit jedem Wort, das wir sprechen, jedem Kommentar, den wir schreiben, jeder Entscheidung, die wir treffen, säen wir entweder guten Samen oder Unkraut.
Liebe Firmlinge, ihr seid nicht einfach Zuschauer in dieser Welt. Gott braucht euch. Er möchte, dass ihr Menschen seid, die Licht bringen, die Mut machen, die für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten. Gerade heute braucht unsere Welt junge Menschen, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und sich nicht von jedem Trend mitreißen zu lassen.
Wenn ihr unsicher seid, fragt euch: Was würde Jesus jetzt tun?
Lest in der Bibel. Betet. Kommt zur Eucharistie. Sucht das Gespräch mit Menschen, die euch im Glauben begleiten. Der Heilige Geist wird euch helfen, den richtigen Weg zu erkennen.
Heute schenkt euch die Kirche eine Bibel – Gottes Wort für euren Lebensweg. Bewahrt sie nicht nur als Erinnerung an diesen besonderen Tag auf, sondern nehmt sie immer wieder zur Hand. Sie soll für euch wie ein Kompass oder ein GPS im Leben sein: eine Orientierung, wenn ihr Entscheidungen treffen müsst, eine Hilfe in Zeiten der Suche und eine Quelle der Hoffnung, wenn ihr neue Wege geht.
Am Ende des Gleichnisses macht Jesus uns Mut: Das Unkraut wird nicht das letzte Wort haben. Der gute Weizen wird reifen. Gottes Liebe ist stärker als das Böse. Sein Reich wird siegen.
Darum lasst uns bewusst leben. Lasst uns darauf achten, was wir in unser Herz hineinlassen und was wir in das Leben anderer hineinsäen. Bitten wir den Heiligen Geist, den ihr in der Firmung empfangen habt, dass er euch Kraft schenkt, das Gute zu wählen und als Christen glaubwürdig zu leben.
Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder!
Die Ereignisse der vergangenen Tage an der Schule in Schongau haben uns alle tief erschüttert. Ein Ort des Lernens, der Gemeinschaft und des Lebens wurde plötzlich zu einem Ort der Angst und der Gewalt. Wir denken heute besonders an die Verletzten, an ihre Familien, an die Schülerinnen und Schüler, an die Lehrkräfte und an alle, die dieses Geschehen miterleben mussten.
Viele Menschen fragen sich: Wie konnte das geschehen? Woher kommt so viel Gewalt? Und vor allem: Wo finden wir Hoffnung?
Der französische Schriftsteller Jean Giono erzählt in seiner berühmten Erzählung „Der Mann, der Bäume pflanzte“ die Geschichte eines Hirten namens Elzéard Bouffier. Es ist eine erfundene Geschichte, aber sie erzählt eine tiefe Wahrheit.
Nachdem Elzéard Bouffier seine Frau und seinen einzigen Sohn verloren hatte, zog er sich in eine einsame und verwüstete Landschaft der Provence zurück. Doch anstatt zu verzweifeln, begann er, jeden Tag Eicheln in den Boden zu setzen. Geduldig tat er dies über viele Jahre hinweg. Schließlich entstand aus den kleinen Samen ein großer Wald. Das Wasser kehrte zurück, Bäche begannen wieder zu fließen, Tiere fanden eine Heimat, Menschen siedelten sich wieder an, und aus einer trostlosen Landschaft wurde ein Ort neuen Lebens.
Diese Geschichte erinnert uns daran: Hoffnung wächst oft ganz klein. Große Veränderungen beginnen häufig mit unscheinbaren Schritten. Ein einzelner Mensch kann viel Gutes bewirken, wenn er nicht aufgibt.
Genau dieses Bild greift Jesus im heutigen Evangelium auf. Er erzählt vom Sämann. Der Sämann ist Gott selbst. Christus streut den Samen seines Wortes großzügig aus. Er sät Liebe statt Hass, Hoffnung statt Verzweiflung, Frieden statt Gewalt und Versöhnung statt Feindschaft.
Gerade nach den Ereignissen von Schongau spüren wir, wie notwendig diese Saat Gottes ist. Unsere Welt kennt viele andere Samen: Hass, Ausgrenzung, Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit. Worte können verletzen, Menschen zerstören und Herzen verhärten. Wir erleben, wie schnell Gewalt entstehen kann, wenn Verzweiflung, Einsamkeit oder Hass Raum gewinnen.
Das Evangelium lädt uns heute aber ein, nicht bei der Dunkelheit stehen zu bleiben. Jesus spricht nicht zuerst über das Unkraut, sondern über den guten Samen. Er vertraut darauf, dass das Gute wachsen kann.
Der Samen ist immer derselbe. Das Wort Gottes verliert niemals seine Kraft. Entscheidend ist der Boden, auf den er fällt. Dieser Boden ist unser Herz.
Da ist zunächst der harte Weg. Ein Herz kann hart werden – durch Enttäuschungen, Verletzungen oder Gleichgültigkeit. Gottes Wort findet dann keinen Platz.
Da ist der felsige Boden. Man nimmt Gottes Wort zwar gerne auf, doch es schlägt keine tiefen Wurzeln. Sobald Schwierigkeiten kommen, verliert der Glaube seinen Halt.
Da sind die Dornen. Sorgen, Leistungsdruck, der Wunsch nach Erfolg, Besitz oder Anerkennung können das Gute im Menschen überwuchern und ersticken.
Und schließlich spricht Jesus vom guten Boden. Das ist das Herz, das offen bleibt für Gott und für den Mitmenschen. Dort kann der Same wachsen und Frucht bringen – dreißigfach, sechzigfach, ja hundertfach.
Nach den erschütternden Ereignissen in Schongau dürfen wir keine vorschnellen Antworten geben. Wir wissen nicht, warum ein Mensch einen solchen Weg einschlägt. Das Leid lässt sich nicht einfach erklären. Aber wir können uns fragen: Was können wir selbst dazu beitragen, dass weniger Hass und mehr Menschlichkeit wachsen?
Vielleicht beginnt es mit einem freundlichen Wort für jemanden, der sich einsam fühlt. Vielleicht mit der Bereitschaft zuzuhören. Vielleicht damit, dass wir Kinder und Jugendliche ernst nehmen, sie begleiten und ihnen zeigen, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist. Vielleicht auch dadurch, dass wir in unseren Familien und Gemeinden den Glauben leben, der Vertrauen, Barmherzigkeit und Versöhnung schenkt.
Als Christen dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wir können das Böse nicht vollständig aus der Welt schaffen. Aber wir können jeden Tag Samen des Guten aussäen. Kein Gebet, keine Tat der Liebe, kein Wort der Ermutigung und keine Geste der Versöhnung gehen bei Gott verloren. Vieles wächst im Verborgenen – so wie ein Samenkorn unter der Erde oder wie die Eicheln des Elzéard Bouffier.
Unsere Welt braucht heute Menschen, die Hoffnung säen. Menschen, die Frieden stiften. Menschen, die Brücken bauen statt Mauern. Menschen, die den Mut haben, das Gute zu tun, auch wenn es klein erscheint.
Bitten wir heute besonders für alle Betroffenen des Amoklaufs in Schongau: für die Verletzten, für ihre Angehörigen, für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrkräfte und für alle, die unter den Folgen dieses Geschehens leiden. Bitten wir auch für unsere Kinder und Jugendlichen, dass sie in Liebe, Geborgenheit und Vertrauen aufwachsen dürfen. Und beten wir für unsere Gesellschaft, dass Respekt, Mitgefühl und der Glaube an die unantastbare Würde jedes Menschen neu wachsen.
Der Herr schenke uns ein offenes Herz, damit sein Wort in uns Wurzeln schlagen kann und wir selbst zu Menschen werden, die Hoffnung säen und reiche Frucht bringen.
Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder!
Es gibt Menschen, die längst gestorben sind und doch nicht vergangen sind. Ihr Leben ist nicht einfach abgeschlossen, sondern es wirkt weiter. Ihre Worte, ihre Entscheidungen und ihr Glaube berühren Menschen bis heute. Solche Menschen bleiben gegenwärtig – gerade dann, wenn wir selbst auf der Suche sind nach Orientierung, Halt und Hoffnung.
Ein solcher Mensch ist der heilige Ulrich, dessen Fest wir heute feiern. Seit mehr als tausend Jahren schauen die Menschen unserer Heimat auf ihn als Vorbild im Glauben und als Fürsprecher bei Gott. Sein Name ist mit unserer Diözese Augsburg untrennbar verbunden. Und doch bleibt die entscheidende Frage: Was macht ihn so bedeutend? Was hat sein Leben, das so lange zurückliegt, uns heute noch zu sagen?
Der heilige Ulrich war ein Mensch des Glaubens – und zwar im tiefsten Sinn. Sein Leben war geprägt vom Vertrauen auf Gott. Er wusste: Der Mensch trägt sich nicht selbst. Er lebt aus Gottes Kraft, aus Gottes Segen, aus Gottes Führung.
Darum war das Gebet für ihn nicht eine Pflicht unter vielen, sondern die Mitte seines Lebens. Die Stille vor Gott, das Hören auf sein Wort, das bewusste Leben aus dem Glauben – all das gab ihm inneren Halt und Klarheit für seine Entscheidungen.
Die heutige Lesung aus dem Buch Jesus Sirach zeichnet uns das Bild des Hohenpriesters Simon. Er stärkte sein Volk, er sorgte für den Tempel, und am Ende seines Dienstes erhob er seine Hände und segnete das Volk Gottes.
Dieses Bild passt auch zum heiligen Ulrich. Auch er war ein Hirte der Kirche, ein Bischof, der sein Volk im Glauben stärken wollte. Nicht seine eigene Person stand im Mittelpunkt, sondern Gott. Nicht seine eigene Größe war entscheidend, sondern das Wohl der Menschen, die ihm anvertraut waren.
Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns heute. Wir leben in einer Zeit, die oft laut und schnell ist. Viele Stimmen prallen auf uns ein. Viele Erwartungen fordern uns heraus. Und nicht selten entsteht dabei Unsicherheit oder innere Unruhe.
Der heilige Ulrich erinnert uns daran: Ein Mensch findet seinen Halt nicht zuerst in sich selbst, sondern in Gott. Wer in ihm verwurzelt ist, der kann auch in bewegten Zeiten bestehen.
Ulrich hat diesen Glauben aber nicht nur für sich selbst gelebt. Er hat ihn weitergegeben. Als Bischof hat er sich um die Menschen seiner Diözese gekümmert. Er hat Gemeinden besucht, Priester gestärkt und sich besonders den Armen und Bedürftigen zugewandt.
Er wusste: Glaube lebt davon, dass er geteilt wird. Glaube wird glaubwürdig, wenn er sichtbar wird im Handeln.
Darum hören wir im Hebräerbrief die Worte: „Betrachtet den Ertrag ihres Lebenswandels und ahmt ihren Glauben nach.“ Genau das dürfen wir beim heiligen Ulrich tun: auf sein Leben schauen und uns von seinem Vertrauen auf Gott inspirieren lassen.
Im Evangelium haben wir die Worte Jesu gehört: „Bleibt in meiner Liebe!“ und: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“
Das ist der innerste Kern des christlichen Glaubens. Und genau darin liegt auch das Geheimnis des heiligen Ulrich. Er ist in der Liebe Christi geblieben – und er hat aus dieser Liebe gelebt.
Diese Liebe zeigte sich in seiner Sorge um die Menschen, in seiner Treue zur Kirche und in seinem Einsatz für die Schwachen. Sie war keine Theorie, sondern gelebte Wirklichkeit.
Jesus nennt seine Jünger nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Auch Ulrich hat aus dieser Freundschaft mit Christus gelebt. Diese Beziehung war seine Kraftquelle – und sie hat sein ganzes Wirken geprägt.
Darum ist es auch kein Zufall, dass wir dieses Fest als Patrozinium feiern. Es geht nicht nur um Erinnerung, sondern um lebendige Gegenwart des Glaubens. Wir stehen in einer langen Geschichte von Menschen, die geglaubt haben – und dieser Glaube trägt auch uns heute.
Ulrich war zudem ein Mensch, der mitten im Leben stand. Sein Glaube war nicht fern vom Alltag, sondern tief in ihm verwurzelt. Deshalb verbindet dieses Fest Himmel und Erde, Glaube und Leben, Kirche und Alltag.
Und wenn wir heute seinen Namen feiern, dann tun wir das nicht nur rückblickend, sondern auch als Einladung: den Glauben neu ins eigene Leben hinein zu lassen.
Denn auch Ulrich war bereit, seinen Glauben zu verteidigen. In schwierigen Zeiten blieb er standhaft. Er vertraute nicht auf Macht oder Einfluss, sondern auf Gott. Darin zeigt sich seine innere Stärke – und seine geistliche Tiefe.
Liebe Schwestern und Brüder, dieses Fest ist deshalb auch ein Ruf an uns: Der Glaube ist kein Besitz, den man einfach verwaltet. Er ist ein lebendiges Geschenk, das weitergegeben werden will.
Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Menschen, die glaubwürdig vom Glauben sprechen – nicht nur mit Worten, sondern mit ihrem Leben. Denn Glaube wächst dort, wo er gesehen und erlebt wird.
Der heilige Ulrich zeigt uns: Der Glaube ist keine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er ist eine lebendige Kraft, die Menschen verwandelt, Gemeinschaft stärkt und Heimat prägt.
Der Ulrichsritt ist mehr als ein schönes Brauchtum oder eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er zeigt uns ganz konkret: Der Glaube gehört mitten ins Leben. Ein Ulrichsritt ohne Glauben wäre nur noch ein historisches Schauspiel. Eine Segnung ohne Vertrauen auf Gott wäre nur noch eine schöne Zeremonie. Erst der lebendige Glaube gibt diesen Zeichen ihren eigentlichen Sinn.
Darum bitten wir ihn heute: dass er für uns eintritt, damit auch wir Menschen des Glaubens werden – Menschen des Gebets, des Vertrauens und der Liebe. Und dass wir bereit sind, diesen Glauben zu leben – heute, hier und in unserem Alltag.
Der heilige Ulrich begleite uns auf diesem Weg und führe uns tiefer in die Freundschaft mit Christus. Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder.
Die heutigen Schrifttexte haben ein gemeinsames Hauptthema: die Begegnung mit Gott. In der ersten Lesung begegnet der Prophet Elija Gott. Im Evangelium erleben die Jünger Jesus in seiner göttlichen Macht und erkennen: Jesus ist wirklich der Sohn Gottes.
Beide Texte zeigen uns: Gott begegnet dem Menschen oft anders, als wir es erwarten. Er kommt nicht immer im Lärm, in der Stärke oder in spektakulären Ereignissen. Oft begegnet er uns in der Stille, im Vertrauen und in einem offenen Herzen.
Schauen wir zuerst auf den Propheten Elija.
Elija hatte sich mutig für den wahren Gott eingesetzt und gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priester des Baal gekämpft. Doch danach musste er fliehen. Er war erschöpft, enttäuscht und voller Angst. Er kommt zum Berg Horeb, dem Berg Gottes, und sucht dort eine neue Begegnung mit dem Herrn.
Gott sagt zu ihm: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ Dann kommen ein gewaltiger Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer. Doch Gott ist nicht in diesen mächtigen Zeichen. Erst danach kommt ein leises, sanftes Säuseln – und darin erkennt Elija die Gegenwart Gottes.
Diese Erfahrung ist auch für unser Leben wichtig: Gott spricht nicht nur durch große Ereignisse. Oft begegnet er uns in der Stille – im Gebet, in einem ruhigen Moment, in unserem Gewissen oder durch einen Menschen, der uns nahekommt.
Auch das Evangelium führt uns in eine Situation der Stille und des Vertrauens.
Nach der Brotvermehrung, bei der Jesus mehr als fünftausend Menschen gespeist hatte, schickt er die Jünger mit dem Boot voraus. Jesus selbst zieht sich auf einen Berg zurück, um allein zu beten und die Gemeinschaft mit seinem Vater zu suchen.
Die Jünger geraten inzwischen auf dem See in einen heftigen Sturm. Die Wellen sind stark und sie bekommen Angst. In dieser Situation kommt Jesus zu ihnen über das Wasser. Zuerst erschrecken sie, doch Jesus sagt: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“
Da bittet Petrus: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Jesus sagt nur ein Wort: „Komm!“ Petrus steigt aus dem Boot und geht tatsächlich auf Jesus zu. Solange sein Blick auf den Herrn gerichtet bleibt, trägt ihn das Vertrauen. Doch als er den starken Wind und die hohen Wellen wahrnimmt, lässt er sich von der Angst bestimmen. Sein Blick richtet sich nicht mehr auf Jesus, sondern auf die Gefahr – und er beginnt zu sinken. Sofort streckt Jesus seine Hand aus, ergreift ihn und rettet ihn.
Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns: Nicht der Sturm bringt Petrus zu Fall, sondern der Augenblick, in dem sein Vertrauen nachlässt. Solange sein Blick auf Jesus gerichtet ist, trägt ihn der Glaube. Auch wir erleben Stürme: Sorgen, Krankheiten, Konflikte oder Unsicherheit. Sie werden nicht einfach verschwinden. Aber wenn wir unseren Blick auf Christus richten, dürfen wir erfahren, dass er uns nicht untergehen lässt. Seine ausgestreckte Hand ist immer da – oft schon, bevor wir sie wahrnehmen.
Wenn wir Elija und das Evangelium zusammen betrachten, erkennen wir eine gemeinsame Botschaft:
In allen drei Situationen lernen die Menschen: Gott ist da – auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen.
Liebe Schwestern und Brüder, auch unser Leben braucht Zeiten der Stille. Gerade in dieser Ferien- und Urlaubszeit suchen viele Menschen Erholung, Abstand vom Alltag und neue Kraft. Vielleicht ist diese Zeit auch eine besondere Einladung, nicht nur unserem Körper Ruhe zu gönnen, sondern auch unserer Seele.
Im Urlaub verlassen wir oft den gewohnten Rhythmus. Wir haben vielleicht mehr Zeit für einen Spaziergang, für die Familie oder für einen stillen Moment. Nutzen wir diese Gelegenheit auch für Gott. Ein kurzer Besuch in der Kirche, ein stilles Gebet oder einige Minuten in der Gegenwart Gottes können uns neue Kraft schenken.
Denn unsere Welt ist oft voller Stimmen: Nachrichten, Handys, Termine und Sorgen. Manchmal vergessen wir, still zu werden und Gott Raum zu geben.
Darum ist es gut, jeden Tag einige Momente für Gott zu reservieren. Am Morgen können wir ihn fragen: „Herr, begleite mich durch diesen Tag.“ Und am Abend können wir zurückblicken: Wo habe ich deine Nähe erfahren? Wofür kann ich danken? Wo brauche ich deine Hilfe?
Gerade an diesen heißen Sommertagen können wir vielleicht unsere Kirche neu als einen Ort der Stille entdecken. Ein paar Minuten vor dem Tabernakel, ein stilles Gebet oder einfach das Verweilen in Gottes Gegenwart können zu einer Begegnung mit ihm werden.
Die Stille ist nicht leer. Sie ist ein Raum, in dem Gott zu uns sprechen kann.
Elija musste den Lärm von Sturm, Erdbeben und Feuer hinter sich lassen, um Gottes leise Stimme zu hören. Die Jünger mussten durch den Sturm gehen, um zu erkennen: Jesus ist bei ihnen.
Auch wir dürfen darauf vertrauen: Gott ist da – in unseren Freuden und Sorgen, in unseren starken und schwachen Momenten. Er kommt uns entgegen und spricht auch heute:
„Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Wir stehen am Anfang der Ferienzeit. Viele Menschen fahren in diesen Tagen in den Urlaub. Sie freuen sich auf Erholung, auf Ruhe und neue Kraft. Man möchte für einige Tage den Alltag hinter sich lassen, den Terminkalender schließen und die Last der Verantwortung ein wenig ablegen. Es tut gut, einmal an einem anderen Ort zu sein und frei durchatmen zu können.
Auch Jesus kennt dieses menschliche Bedürfnis. Das Evangelium erzählt uns, dass er sich mit dem Boot an einen einsamen Ort zurückziehen wollte. Hinter ihm lagen schmerzvolle Tage. Johannes der Täufer, sein Wegbereiter, war auf grausame Weise hingerichtet worden. Jesus sucht die Stille. Er sucht einen Ort, an dem seine Seele zur Ruhe kommen kann.
Doch die Menschen lassen ihn nicht allein. Sie folgen ihm. Sie bringen ihre Krankheiten, ihre Sorgen, ihre Ängste und ihre Hoffnungen mit. Sie spüren: Bei diesem Jesus finden wir, was wir sonst nirgends finden.
Das Evangelium berichtet nicht, dass Jesus ungeduldig wird. Es heißt vielmehr: „Er hatte Mitleid mit ihnen.“ Das Herz Jesu bleibt offen. Er sieht die Not der Menschen und nimmt sie ernst.
Wie tröstlich ist das auch für uns! Wir dürfen mit allem zu Christus kommen: mit unserer Freude und Dankbarkeit, aber auch mit unserer Müdigkeit, unseren Sorgen, unseren Enttäuschungen und unserer Schuld. Niemand muss sich verstellen. Niemand muss erst stark sein, bevor er zu Jesus kommen darf.
Die Jünger sehen am Abend vor allem das Problem. Fünf Brote und zwei Fische – das reicht doch niemals. Jesus aber sieht nicht zuerst den Mangel, sondern die Möglichkeit des Vaters. Er nimmt das Wenige, dankt, bricht das Brot und lässt es austeilen. Alle werden satt. Ja, es bleibt sogar noch mehr übrig, als am Anfang vorhanden war.
Dieses Wunder ist nicht nur eine Erinnerung an ein vergangenes Ereignis. Es weist voraus auf das größte Geschenk Jesu: die Eucharistie. Auch heute nimmt Christus Brot in seine Hände. Auch heute spricht er das Dankgebet. Auch heute bricht er das Brot und gibt sich selbst zur Speise des Lebens. Christus selbst lädt uns an seinen Tisch. Darum ist jede Eucharistie viel mehr als eine religiöse Pflicht. Sie ist die Antwort Gottes auf den Hunger unseres Herzens. Wir kommen mit leeren Händen – und Christus beschenkt uns mit sich selbst.
Genau dazu lädt uns auch die erste Lesung ein. Der Prophet Jesaja ruft im Namen Gottes:
„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst; kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung.“
Welch wunderbare Einladung! Gottes Gaben kann niemand verdienen und niemand bezahlen. Seine Liebe ist Geschenk. Seine Vergebung ist Geschenk. Seine Barmherzigkeit ist Geschenk. Seine Eucharistie ist Geschenk.
Dann stellt Gott eine Frage, die uns tief ins Gewissen geht:
„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“
Wie oft suchen wir unser Glück dort, wo es auf Dauer nicht zu finden ist. Wir hoffen, dass Besitz, Erfolg oder Unterhaltung unser Herz erfüllen. Doch der Hunger der Seele bleibt.
Nur Christus kann diesen Hunger stillen. Nur er spricht Worte, die Leben schenken. Nur er gibt ein Brot, das bleibt.
Deshalb sagt Gott weiter:
„Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir; hört, dann werdet ihr leben.“
Das ist vielleicht die wichtigste Einladung dieser Ferienzeit. Nicht nur den Koffer zu packen, sondern auch Zeit für Gott einzuplanen. Vielleicht besuchen wir im Urlaub eine Kirche, zünden eine Kerze an, nehmen uns Zeit für das persönliche Gebet oder feiern bewusst den Sonntagsgottesdienst mit. Wahre Erholung braucht nicht nur Ruhe für den Körper, sondern auch Nahrung für die Seele.
In wenigen Augenblicken wird der Herr seinen Tisch für uns bereiten. Wie damals die Menschen am See dürfen auch wir Platz nehmen. Wir bringen ihm das Wenige, das wir haben: unseren Glauben, der manchmal klein ist; unsere Hoffnung, die manchmal schwach ist; unsere Liebe, die immer wieder der Erneuerung bedarf.
Christus nimmt unser Weniges an und macht daraus ein Geschenk seiner Gnade. Wer sich von ihm beschenken lässt, geht nicht leer nach Hause. Denn bei Gott gibt es keinen Mangel. Seine Liebe ist größer als unsere Not, seine Barmherzigkeit tiefer als unsere Schuld und seine Gnade reicher als alle unsere Erwartungen.
Bitten wir den Herrn, dass wir heute mit offenem Herzen an seinen Tisch treten und aus dieser Eucharistie die Kraft empfangen, die wir für unser Leben brauchen. Denn wer zu Christus kommt, den lässt er niemals leer ausgehen.
Amen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Heute feiern wir das Patrozinium unserer Kirche. Unsere Kirche steht unter dem Schutz der heiligen Maria Magdalena. Sie nimmt unter den Jüngern Jesu einen besonderen Platz ein. Die Kirche nennt sie die „Apostolin der Apostel“, denn sie war die erste, die dem auferstandenen Herrn begegnete und den Jüngern die frohe Botschaft von der Auferstehung verkündete.
Die Texte des heutigen Tages führen uns in das Herz dieser Frau hinein. Maria Magdalena war eine suchende Frau.
Die erste Lesung aus dem Hohelied beschreibt diese Suche mit den Worten:
„Ich suchte ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.“
Diese Worte beschreiben nicht nur die Liebe zwischen zwei Menschen. Sie erzählen von der tiefen Sehnsucht des Menschen nach Gott. Jeder Mensch trägt diese Sehnsucht in seinem Herzen. Jeder Mensch sucht nach einem Leben, das wirklich erfüllt.
Auch Maria Magdalena war eine solche Suchende. Ihr Leben wurde durch die Begegnung mit Jesus grundlegend verändert. Sie hatte erfahren, dass es im Menschen eine Sehnsucht gibt, die durch nichts Irdisches ganz gestillt werden kann. Es ist die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, nach einer Liebe, die trägt, und nach einem Frieden, der auch in schweren Stunden nicht zerbricht.
Das Leben der heiligen Maria Magdalena kann deshalb auch uns inspirieren.
Denn auch wir leben in einer Welt voller Möglichkeiten und zugleich voller Unsicherheit. Kriege, wirtschaftliche Sorgen und gesellschaftliche Spannungen verunsichern viele Menschen. Familien stehen unter Druck. Junge Menschen fragen sich, welche Zukunft sie erwartet. Ältere Menschen leiden unter Krankheit oder Einsamkeit. Jeder trägt seine eigenen Sorgen und Belastungen.
Hinzu kommt eine weitere Herausforderung unserer Zeit. Viele Menschen meinen, sie könnten ihr Leben auch ohne Gott gestalten. Solange alles gut läuft, scheint der Glaube nicht notwendig zu sein. Man vertraut auf die eigenen Fähigkeiten, auf Wohlstand, Technik und menschliche Planung. Gott gerät an den Rand des Lebens. Das Gebet wird seltener, und die Kirche spielt für viele kaum noch eine Rolle. Doch wenn Krankheit, Leid oder Enttäuschungen kommen, merken wir, dass wir unser Leben nicht allein tragen können.
Ja, wir alle tragen eine tiefe Sehnsucht in uns. Wir suchen nach Glück, nach Anerkennung, nach Sicherheit, nach Liebe und Geborgenheit. Wir wünschen uns Gesundheit, Erfolg und gelingende Beziehungen. Das alles ist gut und wertvoll. Es sind Geschenke Gottes.
Aber wir machen immer wieder dieselbe Erfahrung: Die Dinge dieser Welt können unser Leben bereichern, sie können Freude schenken und unser Leben schöner machen. Doch sie vermögen die tiefste Sehnsucht unseres Herzens nicht endgültig zu erfüllen. Der Mensch ist auf mehr hin geschaffen. Er sehnt sich nach einer Liebe, die bleibt, nach einem Frieden, den niemand nehmen kann, und nach einer Hoffnung, die auch in schweren Zeiten trägt.
Gerade jetzt, in der Urlaubszeit, wird uns das besonders bewusst. Viele Menschen freuen sich darauf, sich zu erholen, neue Orte kennenzulernen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Das ist gut und wichtig. Auch unser Körper braucht Ruhe und neue Kraft.
Doch wir Menschen bestehen nicht nur aus unserem Körper. Wir sind Leib und Seele. Deshalb braucht nicht nur unser Körper Erholung, sondern auch unsere Seele. Eine Reise kann den Horizont erweitern, aber sie kann die innere Leere nicht füllen. Auch die Seele braucht Zeiten der Stille, des Gebets und der Begegnung mit Gott.
Der heilige Augustinus hat diese Erfahrung in einem berühmten Satz zusammengefasst: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.“
Maria Magdalena hat diese Ruhe gefunden. In Jesus Christus fand sie die Quelle des lebendigen Wassers, die den tiefsten Durst des Menschen stillen kann. Darum blieb sie bei ihm – nicht nur in den Tagen der Freude, sondern auch unter dem Kreuz. Während viele geflohen waren, hielt sie Jesus die Treue.
Am frühen Ostermorgen geht sie wieder zum Grab. Sie sucht ihren Herrn. Doch zunächst findet sie ihn nicht. Das Grab ist leer, und ihre Trauer wird noch größer. Weinend steht sie vor dem Grab und versteht nicht, was geschehen ist.
Dann geschieht das Entscheidende.
Jesus spricht nur ein einziges Wort: „Maria!“
In diesem Augenblick verändert sich alles. Maria erkennt den Auferstandenen. Genauer gesagt: Nicht sie findet Jesus, sondern Jesus findet sie. Er kennt ihren Namen. Er kennt ihre Geschichte, ihre Sehnsucht und ihre Tränen.
Das ist auch für uns eine große Hoffnung. Vielleicht erleben wir Zeiten, in denen Gott fern zu sein scheint. Vielleicht suchen wir ihn und meinen, keine Antwort zu finden. Doch der Auferstandene kennt auch unseren Namen. Er kennt unsere Sorgen, unsere Fragen und unsere Zweifel. Er lässt uns nicht allein. Er begegnet uns oft leise – im Gebet, in seinem Wort, in der Feier der Eucharistie oder durch Menschen, die uns Hoffnung schenken.
Jesus sendet Maria Magdalena zu den Aposteln mit der Botschaft: „Ich habe den Herrn gesehen.“
Aus der suchenden und weinenden Frau wird die erste Zeugin der Auferstehung. Aus ihrer Suche wird eine Begegnung, aus ihrer Trauer wird Freude und aus ihrer Hoffnungslosigkeit eine Sendung.
Liebe Schwestern und Brüder, das Fest der heiligen Maria Magdalena lädt auch uns heute ein, neu zu fragen:
Wo suche ich mein Leben?
Welche Quellen geben mir wirklich Kraft?
Bin ich bereit, Jesus Christus neu zu begegnen – der Quelle des lebendigen Wassers, die allein den Durst meines Herzens stillen kann?
Bitten wir die heilige Maria Magdalena, dass sie uns auf unserem Glaubensweg begleitet. Möge sie uns helfen, Jesus immer wieder neu zu suchen, ihm zu vertrauen und wie sie zu glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe und seiner Auferstehung zu werden.
Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder, besonders liebe Firmlinge!
Vor wenigen Wochen habt ihr das Sakrament der Firmung empfangen. Der Heilige Geist wurde euch zugesagt, damit ihr euren Glauben bewusst leben und gute Entscheidungen treffen könnt. Genau darum geht es auch im heutigen Evangelium.
Jesus erzählt das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut. Ein Bauer sät guten Samen aus. Doch in der Nacht kommt ein Feind und sät Unkraut zwischen den Weizen. Als beides wächst, fragen die Knechte: „Sollen wir das Unkraut ausreißen?“ Der Bauer antwortet: „Nein. Lasst beides wachsen bis zur Ernte.“
Dieses Gleichnis zeigt uns eine Wirklichkeit, die wir alle kennen: In unserer Welt wächst Gutes – aber auch viel Unkraut.
Für euch Firmlinge ist das besonders aktuell. Ihr beginnt immer mehr, eigene Entscheidungen zu treffen. Ihr merkt, dass nicht alles, was modern, beliebt oder oft geklickt wird, auch gut ist. Es gibt viel „Unkraut“, das uns umgibt:
Dieses Unkraut wächst oft schneller als der gute Weizen. Es wirkt manchmal attraktiver, einfacher oder bequemer. Deshalb sagt Jesus uns heute: Seid wachsam! Seid bewusst! Schaut genau hin, was ihr in euer Herz hineinlasst.
Denn nicht nur um uns herum wächst Unkraut. Auch in unserem Herzen können Neid, Egoismus, Wut, Hass, Bequemlichkeit und Gelichgültigkeit wachsen. Jeder von uns kennt das. Aber genauso hat Gott auch den guten Samen in unser Herz gelegt: Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit, Mut, Vergebung und Glauben.
Mit der Firmung habt ihr den Heiligen Geist empfangen. Er möchte euch helfen, das Gute zu erkennen und ihm zu folgen. Gott nimmt euch die Entscheidungen nicht ab. Aber er lässt euch nicht allein.
Vielleicht fragen manche: Warum lässt Gott das Böse überhaupt zu? Warum gibt es Krieg, Ungerechtigkeit und Leid?
Jesus gibt darauf keine einfache Antwort. Aber er macht deutlich: Gott verliert die Geduld mit den Menschen nicht. Er gibt jedem Zeit zur Umkehr. Er möchte retten und nicht vernichten. Am Ende wird das Gute siegen. Darauf dürfen wir vertrauen.
Doch bis dahin liegt eine wichtige Aufgabe bei uns. Wir müssen jeden Tag entscheiden: Was säe ich?
Säe ich Hoffnung oder Entmutigung?
Säe ich Frieden oder Streit?
Säe ich Liebe oder Hass?
Säe ich Wahrheit oder Lüge?
Mit jedem Wort, das wir sprechen, jedem Kommentar, den wir schreiben, jeder Entscheidung, die wir treffen, säen wir entweder guten Samen oder Unkraut.
Liebe Firmlinge, ihr seid nicht einfach Zuschauer in dieser Welt. Gott braucht euch. Er möchte, dass ihr Menschen seid, die Licht bringen, die Mut machen, die für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten. Gerade heute braucht unsere Welt junge Menschen, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und sich nicht von jedem Trend mitreißen zu lassen.
Wenn ihr unsicher seid, fragt euch: Was würde Jesus jetzt tun?
Lest in der Bibel. Betet. Kommt zur Eucharistie. Sucht das Gespräch mit Menschen, die euch im Glauben begleiten. Der Heilige Geist wird euch helfen, den richtigen Weg zu erkennen.
Heute schenkt euch die Kirche eine Bibel – Gottes Wort für euren Lebensweg. Bewahrt sie nicht nur als Erinnerung an diesen besonderen Tag auf, sondern nehmt sie immer wieder zur Hand. Sie soll für euch wie ein Kompass oder ein GPS im Leben sein: eine Orientierung, wenn ihr Entscheidungen treffen müsst, eine Hilfe in Zeiten der Suche und eine Quelle der Hoffnung, wenn ihr neue Wege geht.
Am Ende des Gleichnisses macht Jesus uns Mut: Das Unkraut wird nicht das letzte Wort haben. Der gute Weizen wird reifen. Gottes Liebe ist stärker als das Böse. Sein Reich wird siegen.
Darum lasst uns bewusst leben. Lasst uns darauf achten, was wir in unser Herz hineinlassen und was wir in das Leben anderer hineinsäen. Bitten wir den Heiligen Geist, den ihr in der Firmung empfangen habt, dass er euch Kraft schenkt, das Gute zu wählen und als Christen glaubwürdig zu leben.
Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder!
Die Ereignisse der vergangenen Tage an der Schule in Schongau haben uns alle tief erschüttert. Ein Ort des Lernens, der Gemeinschaft und des Lebens wurde plötzlich zu einem Ort der Angst und der Gewalt. Wir denken heute besonders an die Verletzten, an ihre Familien, an die Schülerinnen und Schüler, an die Lehrkräfte und an alle, die dieses Geschehen miterleben mussten.
Viele Menschen fragen sich: Wie konnte das geschehen? Woher kommt so viel Gewalt? Und vor allem: Wo finden wir Hoffnung?
Der französische Schriftsteller Jean Giono erzählt in seiner berühmten Erzählung „Der Mann, der Bäume pflanzte“ die Geschichte eines Hirten namens Elzéard Bouffier. Es ist eine erfundene Geschichte, aber sie erzählt eine tiefe Wahrheit.
Nachdem Elzéard Bouffier seine Frau und seinen einzigen Sohn verloren hatte, zog er sich in eine einsame und verwüstete Landschaft der Provence zurück. Doch anstatt zu verzweifeln, begann er, jeden Tag Eicheln in den Boden zu setzen. Geduldig tat er dies über viele Jahre hinweg. Schließlich entstand aus den kleinen Samen ein großer Wald. Das Wasser kehrte zurück, Bäche begannen wieder zu fließen, Tiere fanden eine Heimat, Menschen siedelten sich wieder an, und aus einer trostlosen Landschaft wurde ein Ort neuen Lebens.
Diese Geschichte erinnert uns daran: Hoffnung wächst oft ganz klein. Große Veränderungen beginnen häufig mit unscheinbaren Schritten. Ein einzelner Mensch kann viel Gutes bewirken, wenn er nicht aufgibt.
Genau dieses Bild greift Jesus im heutigen Evangelium auf. Er erzählt vom Sämann. Der Sämann ist Gott selbst. Christus streut den Samen seines Wortes großzügig aus. Er sät Liebe statt Hass, Hoffnung statt Verzweiflung, Frieden statt Gewalt und Versöhnung statt Feindschaft.
Gerade nach den Ereignissen von Schongau spüren wir, wie notwendig diese Saat Gottes ist. Unsere Welt kennt viele andere Samen: Hass, Ausgrenzung, Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit. Worte können verletzen, Menschen zerstören und Herzen verhärten. Wir erleben, wie schnell Gewalt entstehen kann, wenn Verzweiflung, Einsamkeit oder Hass Raum gewinnen.
Das Evangelium lädt uns heute aber ein, nicht bei der Dunkelheit stehen zu bleiben. Jesus spricht nicht zuerst über das Unkraut, sondern über den guten Samen. Er vertraut darauf, dass das Gute wachsen kann.
Der Samen ist immer derselbe. Das Wort Gottes verliert niemals seine Kraft. Entscheidend ist der Boden, auf den er fällt. Dieser Boden ist unser Herz.
Da ist zunächst der harte Weg. Ein Herz kann hart werden – durch Enttäuschungen, Verletzungen oder Gleichgültigkeit. Gottes Wort findet dann keinen Platz.
Da ist der felsige Boden. Man nimmt Gottes Wort zwar gerne auf, doch es schlägt keine tiefen Wurzeln. Sobald Schwierigkeiten kommen, verliert der Glaube seinen Halt.
Da sind die Dornen. Sorgen, Leistungsdruck, der Wunsch nach Erfolg, Besitz oder Anerkennung können das Gute im Menschen überwuchern und ersticken.
Und schließlich spricht Jesus vom guten Boden. Das ist das Herz, das offen bleibt für Gott und für den Mitmenschen. Dort kann der Same wachsen und Frucht bringen – dreißigfach, sechzigfach, ja hundertfach.
Nach den erschütternden Ereignissen in Schongau dürfen wir keine vorschnellen Antworten geben. Wir wissen nicht, warum ein Mensch einen solchen Weg einschlägt. Das Leid lässt sich nicht einfach erklären. Aber wir können uns fragen: Was können wir selbst dazu beitragen, dass weniger Hass und mehr Menschlichkeit wachsen?
Vielleicht beginnt es mit einem freundlichen Wort für jemanden, der sich einsam fühlt. Vielleicht mit der Bereitschaft zuzuhören. Vielleicht damit, dass wir Kinder und Jugendliche ernst nehmen, sie begleiten und ihnen zeigen, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist. Vielleicht auch dadurch, dass wir in unseren Familien und Gemeinden den Glauben leben, der Vertrauen, Barmherzigkeit und Versöhnung schenkt.
Als Christen dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wir können das Böse nicht vollständig aus der Welt schaffen. Aber wir können jeden Tag Samen des Guten aussäen. Kein Gebet, keine Tat der Liebe, kein Wort der Ermutigung und keine Geste der Versöhnung gehen bei Gott verloren. Vieles wächst im Verborgenen – so wie ein Samenkorn unter der Erde oder wie die Eicheln des Elzéard Bouffier.
Unsere Welt braucht heute Menschen, die Hoffnung säen. Menschen, die Frieden stiften. Menschen, die Brücken bauen statt Mauern. Menschen, die den Mut haben, das Gute zu tun, auch wenn es klein erscheint.
Bitten wir heute besonders für alle Betroffenen des Amoklaufs in Schongau: für die Verletzten, für ihre Angehörigen, für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrkräfte und für alle, die unter den Folgen dieses Geschehens leiden. Bitten wir auch für unsere Kinder und Jugendlichen, dass sie in Liebe, Geborgenheit und Vertrauen aufwachsen dürfen. Und beten wir für unsere Gesellschaft, dass Respekt, Mitgefühl und der Glaube an die unantastbare Würde jedes Menschen neu wachsen.
Der Herr schenke uns ein offenes Herz, damit sein Wort in uns Wurzeln schlagen kann und wir selbst zu Menschen werden, die Hoffnung säen und reiche Frucht bringen.
Amen.
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Liebe Schwestern und Brüder!
Es gibt Menschen, die längst gestorben sind und doch nicht vergangen sind. Ihr Leben ist nicht einfach abgeschlossen, sondern es wirkt weiter. Ihre Worte, ihre Entscheidungen und ihr Glaube berühren Menschen bis heute. Solche Menschen bleiben gegenwärtig – gerade dann, wenn wir selbst auf der Suche sind nach Orientierung, Halt und Hoffnung.
Ein solcher Mensch ist der heilige Ulrich, dessen Fest wir heute feiern. Seit mehr als tausend Jahren schauen die Menschen unserer Heimat auf ihn als Vorbild im Glauben und als Fürsprecher bei Gott. Sein Name ist mit unserer Diözese Augsburg untrennbar verbunden. Und doch bleibt die entscheidende Frage: Was macht ihn so bedeutend? Was hat sein Leben, das so lange zurückliegt, uns heute noch zu sagen?
Der heilige Ulrich war ein Mensch des Glaubens – und zwar im tiefsten Sinn. Sein Leben war geprägt vom Vertrauen auf Gott. Er wusste: Der Mensch trägt sich nicht selbst. Er lebt aus Gottes Kraft, aus Gottes Segen, aus Gottes Führung.
Darum war das Gebet für ihn nicht eine Pflicht unter vielen, sondern die Mitte seines Lebens. Die Stille vor Gott, das Hören auf sein Wort, das bewusste Leben aus dem Glauben – all das gab ihm inneren Halt und Klarheit für seine Entscheidungen.
Die heutige Lesung aus dem Buch Jesus Sirach zeichnet uns das Bild des Hohenpriesters Simon. Er stärkte sein Volk, er sorgte für den Tempel, und am Ende seines Dienstes erhob er seine Hände und segnete das Volk Gottes.
Dieses Bild passt auch zum heiligen Ulrich. Auch er war ein Hirte der Kirche, ein Bischof, der sein Volk im Glauben stärken wollte. Nicht seine eigene Person stand im Mittelpunkt, sondern Gott. Nicht seine eigene Größe war entscheidend, sondern das Wohl der Menschen, die ihm anvertraut waren.
Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns heute. Wir leben in einer Zeit, die oft laut und schnell ist. Viele Stimmen prallen auf uns ein. Viele Erwartungen fordern uns heraus. Und nicht selten entsteht dabei Unsicherheit oder innere Unruhe.
Der heilige Ulrich erinnert uns daran: Ein Mensch findet seinen Halt nicht zuerst in sich selbst, sondern in Gott. Wer in ihm verwurzelt ist, der kann auch in bewegten Zeiten bestehen.
Ulrich hat diesen Glauben aber nicht nur für sich selbst gelebt. Er hat ihn weitergegeben. Als Bischof hat er sich um die Menschen seiner Diözese gekümmert. Er hat Gemeinden besucht, Priester gestärkt und sich besonders den Armen und Bedürftigen zugewandt.
Er wusste: Glaube lebt davon, dass er geteilt wird. Glaube wird glaubwürdig, wenn er sichtbar wird im Handeln.
Darum hören wir im Hebräerbrief die Worte: „Betrachtet den Ertrag ihres Lebenswandels und ahmt ihren Glauben nach.“ Genau das dürfen wir beim heiligen Ulrich tun: auf sein Leben schauen und uns von seinem Vertrauen auf Gott inspirieren lassen.
Im Evangelium haben wir die Worte Jesu gehört: „Bleibt in meiner Liebe!“ und: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“
Das ist der innerste Kern des christlichen Glaubens. Und genau darin liegt auch das Geheimnis des heiligen Ulrich. Er ist in der Liebe Christi geblieben – und er hat aus dieser Liebe gelebt.
Diese Liebe zeigte sich in seiner Sorge um die Menschen, in seiner Treue zur Kirche und in seinem Einsatz für die Schwachen. Sie war keine Theorie, sondern gelebte Wirklichkeit.
Jesus nennt seine Jünger nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Auch Ulrich hat aus dieser Freundschaft mit Christus gelebt. Diese Beziehung war seine Kraftquelle – und sie hat sein ganzes Wirken geprägt.
Darum ist es auch kein Zufall, dass wir dieses Fest als Patrozinium feiern. Es geht nicht nur um Erinnerung, sondern um lebendige Gegenwart des Glaubens. Wir stehen in einer langen Geschichte von Menschen, die geglaubt haben – und dieser Glaube trägt auch uns heute.
Ulrich war zudem ein Mensch, der mitten im Leben stand. Sein Glaube war nicht fern vom Alltag, sondern tief in ihm verwurzelt. Deshalb verbindet dieses Fest Himmel und Erde, Glaube und Leben, Kirche und Alltag.
Und wenn wir heute seinen Namen feiern, dann tun wir das nicht nur rückblickend, sondern auch als Einladung: den Glauben neu ins eigene Leben hinein zu lassen.
Denn auch Ulrich war bereit, seinen Glauben zu verteidigen. In schwierigen Zeiten blieb er standhaft. Er vertraute nicht auf Macht oder Einfluss, sondern auf Gott. Darin zeigt sich seine innere Stärke – und seine geistliche Tiefe.
Liebe Schwestern und Brüder, dieses Fest ist deshalb auch ein Ruf an uns: Der Glaube ist kein Besitz, den man einfach verwaltet. Er ist ein lebendiges Geschenk, das weitergegeben werden will.
Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Menschen, die glaubwürdig vom Glauben sprechen – nicht nur mit Worten, sondern mit ihrem Leben. Denn Glaube wächst dort, wo er gesehen und erlebt wird.
Der heilige Ulrich zeigt uns: Der Glaube ist keine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er ist eine lebendige Kraft, die Menschen verwandelt, Gemeinschaft stärkt und Heimat prägt.
Der Ulrichsritt ist mehr als ein schönes Brauchtum oder eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er zeigt uns ganz konkret: Der Glaube gehört mitten ins Leben. Ein Ulrichsritt ohne Glauben wäre nur noch ein historisches Schauspiel. Eine Segnung ohne Vertrauen auf Gott wäre nur noch eine schöne Zeremonie. Erst der lebendige Glaube gibt diesen Zeichen ihren eigentlichen Sinn.
Darum bitten wir ihn heute: dass er für uns eintritt, damit auch wir Menschen des Glaubens werden – Menschen des Gebets, des Vertrauens und der Liebe. Und dass wir bereit sind, diesen Glauben zu leben – heute, hier und in unserem Alltag.
Der heilige Ulrich begleite uns auf diesem Weg und führe uns tiefer in die Freundschaft mit Christus. Amen.
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