Das Welfenmünster in Steingaden beherbergt Bilder Figuren, Symbolik und Reliquien vieler Heiliger.
Einige der Heiligendarstellungen verweisen auf die hohe Theologie, die im Kloster Steingaden seit jeher gepflegt wurde. Andere zeugen von der tiefen Verwurzelung des Welfenmünsters in der Volksfrömmigkeit Bayerns und Schwabens. Wieder andere stehen für die Traditionen der Prämonstratenser, die im Welfenmünster der Heiligen des Ordens gedachten.
Nicht alle der im Welfenmünster dargestellten Heiligen sind uns gleichermaßen vertraut. Über einige von ihnen wissen die meisten von uns heute fast nichts mehr. Im Rahmen des im Jahr 2026 anstehenden Jubiläumsjahres „850 Jahre Welfenmünster“ wollen wir Ihnen deshalb einige der Heiligen im Welfenmünster kurz vorstellen.
Bisher finden Sie in unserer Reihe „Heilige im Welfenmünster“ (in der Reihenfolge der Veröffentlichung der betreffenden Kapitel):
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In den kommenden Wochen werden noch folgen (in der vorgesehenen Reihenfolge der Veröffentlichung):










Pfarrpatron
Wie kam das Welfenmünster zu seinem Namenspatron?
27 Jahre vor der Stiftung des Klosters Steingaden durch Welf VI. gründete der Hl. Norbert 1120 in Prémontré in Frankreich die Gemeinschaft, aus der der Orden der Prämonstratenser hervorging.
Bereits im Jahr 1122 konnten die Prämonstratenser ihre erste Abteikirche in Prémontré weihen. Sie wählten den Hl. Johannes Baptist als Namenspatron für ihre Kirche.
Zur Erinnerung daran weihten die Prämonstratenser später viele ihrer Klosterkirchen, auch die in Steingaden im Jahr 1176, ebenfalls dem Hl. Johannes Baptist.
Gedenktag des Hl. Johannes Baptist ist der 24. Juni.
An diesem Tag, bzw. am Sonntag davor oder danach, feiert die Pfarrei Steingaden jedes Jahr das Patrozinium ihrer heutigen Pfarrkirche.
Wer war der Hl. Johannes Baptist?
Das Lukasevangelium stellt uns Johannes als den Sohn der Elisabeth und des Zacharias vor.
Der schon alte und immer noch kinderlose Priester Zacharias opferte im Tempel und erhielt durch den Erzengel Gabriel die Verheißung, dass ihm ein Sohn geboren werde. Als er zweifelte und um ein Zeichen bat, wurde er vom Engel mit Stummheit geschlagen.
Elisabeth wurde tatsächlich bald schwanger. Maria besuchte sie und blieb bis zur Geburt des Johannes bei ihr. Zu der Zeit war Maria bereits mit Jesus schwanger. Der Überlieferung nach kam Johannes sechs Monate vor Jesus zur Welt. Dementsprechend wurde später der Gedenktag des Johannes auf den 24. Juni, genau sechs Monate vor Weihnachten, gelegt.
Gefragt, welchen Namen das Kind tragen sollte, bestand Elisabeth, gegen die Familientradition, darauf, dass der Bub „Johannes“ heißen müsste. Als Zacharias den gleichen Namen auf eine Tafel schrieb, erhielt er seine Sprache zurück und brach in den berühmten Lobgesang, das „Benedictus“ aus, der uns im Lukas Evangelium überliefert ist (Lk 1.68-79, siehe unten).
Der Name „Johannes“ bedeutet im Hebräischen „Gott ist gnädig“.
Johannes war der einzige Prophet im Neuen Testament.
Als Erwachsener ging Johannes zunächst in die Wüste. Er lebte dort als Asket, trug ein Gewand aus Kamelhaar und aß Heuschrecken und wilden Honig (Mk 1.6), was seine Zeitgenossen an den Propheten Elia erinnerte.
Am Jordan verkündete Johannes das Kommen des ersehnten Messias und vollzog, zur Vorbereitung darauf, die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die Rettung im kommenden Weltgericht. Schnell sammelte er eine Schar von Anhängern um sich. Dazu schreibt das Lukasevangelium: „Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Lk 3.15)
Lobpreis des Zaharias
Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels!
Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen;
er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David.
So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten.
Er hat uns errettet vor unseren Feinden
und aus der Hand aller, die uns hassen;
er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet
und an seinen heiligen Bund gedacht,
an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;
er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit,
ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit
vor seinem Angesicht all unsere Tage.
Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen;
denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.
Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken
in der Vergebung seiner Sünden.
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes
wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
um allen zu leuchten,
die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes,
und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.
Lukas (1, 68-79)

Eine Miniaturdarstellung des Hl. Johannes Baptist findet sich in der Plakette über dem alten Opferstock, links neben dem Eingang zur Sebastianskapelle. Sie zeigt den Hl. Johannes Baptist, kniend zu Füßen der gekrönten Muttergottes mit dem Jesuskind. Diese Darstellung des Heiligen im Welfenmünster ist so klein und unscheinbar, dass sie leicht übersehen werden kann.
Was bedeutet es, dass Jesus sich von Johannes taufen ließ?
Als Jesus ungefähr dreißig Jahre alt war, kam er an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes hielt dies nicht für nötig und wehrte ab: „Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?” Aber Jesus gab ihm zur Antwort: „Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert!“ (Mt 3.13-16).
Mit der Taufe ordnete sich Jesus ganz dem Willen Gottes unter und stellte sich als Sündloser auf die gleiche Stufe mit den sündigen Menschen. Manche Theologen verweisen darauf, dass die Taufe Jesu nicht auf einer Anhöhe, wie z.B. dem Tempelberg in Jerusalem stattfand, sondern am Ostufer des Jordans. Das liegt 380 Meter unter dem Meeresspiegel am tiefsten Punkt der Erde. „Er erniedrigte sich selbst“, sei demnach auch in den äußeren umständen der Taufe Jesu zum Ausdruck gekommen.
Bei der Taufe wurde auch die Sendung Jesu und seine Göttlichkeit zum ersten Mal öffentlich offenbar, als eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.
(Lk 3, 22)
Die Taufe Jesu durch Johannes ist in einem Relief im unteren Teil des in Bronze gegossenen Hauptportals des Welfenmünsters dargestellt.

Eine weitere Darstellung der Taufe Jesudurch Johannes, findet sich im Zentrum des Welfenmünsters, direkt über dem Tabernakel. Die in Silber, vollfigürlich ausgeführte Szenerie ist so klein, dass sie von den Bänken im Kirchenschiff aus kaum wahrgenommen wird.
Johannes kommt in jeder Hl. Messe „zu Wort“.
Am Tag darauf sah Johannes Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 3.5)
Die Worte, die Johannes am Tag nach der Taufe im Jordan sprach, sind ein zentraler Bestandteil der Liturgie. Der Priester spricht sie in jeder Messe vor der Kommunion und präsentiert dazu den Gläubigen das Allerheiligste.
Die Worte „Ecce Agnus Dei, Ecce Qui Tollit Pecata Mundi“ sind, auch als Zeichen der Verbundenheit mit dem Pfarrpatron, auf allen vier Seiten, vielfach in den neuen Hochaltar eingeschrieben.
Johannes – ein früher Märtyrer.
Herodes Antipas, einer der drei Herrscher im aufgeteilten, von Rom abhängigen Königreich im Heiligen Land, ließ Johannes kurze Zeit nach der Taufe Jesu gefangen nehmen, weil dieser ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorhielt. Die hasserfüllte Herodias stachelte daraufhin ihre Tochter Salome an, Johannes Haupt von Herodes zu fordern. Salome hatte ihren Schwiegervater nämlich mit ihrem Tanz entzückt und deshalb einen Wunsch bei ihm frei. Herodes ließ daraufhin Johannes enthaupten und Salome brachte ihrer Mutter den Kopf auf einer Schale. (Mk 6.14-29)
Nicht nur die Bibel, auch der römische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen Aufzeichnungen von der Tötung des Johannes durch Herodes Antipas. Der Historiker gibt sogar den genauen Ort an, an dem sich das abgespielt hat. Auch schon zuvor hat Flavius Josephus immer wieder vom Wirken des Propheten im Heiligen Land berichtet. Was die Bibel über Johannes berichtet, kann deshalb als historisch gesichert gelten.
Im großen Altarbild des Hauptaltars im Welfenmünster findet sich eine Darstellung des Hl. Johannes Baptist, die zeigt, wie wichtig den Prämonstratensern der Beistand des Hl. Johannes Baptist war.
Das große Altarbild zeigt in einer idealisierenden Darstellung die Übergabe der Ordensregel des Hl. Augustinus und des weißen Ordensgewandes an den Gründer des Ordens der Prämonstratenser, den Hl. Norbert, der hier noch im dunklen Gewand des Wanderpredigers dargestellt ist. Der Hl. Johannes, im Bild oben rechts, scheint diese Szene zu bezeugen.
Johannes der Täufer wacht bis heute über dem Welfenmünster.
Das Fresko über der Orgelempore zeigt das Kloster Steingaden im Bau. Darüber, auf einer Wolke sitzend, beobachtet Johannes der Täufer wohlwollend die Szenerie. Rechts neben sich hat er seinen Namensvetter, Johannes Evangelist.
Fast sieht es so aus, als seien die beiden Johannes in ein Gespräch vertieft. Vielleicht amüsieren sie sich ja darüber, dass viele bis heute vom „Sommerhansl“ und vom „Winterhansl“ reden, wenn sie auf das Bild schauen. Während nämlich Johannes der Täufer seinen Gedenktag um die Zeit der Sommersonnenwende hat, hat Johannes Evangelist seinen Gedenktag um die Zeit der Wintersonnenwende.
Speziell im Jubiläumsjahr „850 Jahre Welfenmünster“
Die Darstellung der beiden Johannes aus dem Fresko über der Empore schmückt auch die, am Festtag des Hl. Johannes Baptist im Welfenmünster geweihte und erstmals entzündete Jubiläumskerze.
Der Hl. Johannes Baptist ist bis heute einer der bedeutendsten Heiligen für uns Christen. Er wird meistens mit dem Kreuzstab und dem Spruchband „Ecce Agnus Dei“ dargestellt, so wie auch in fast allen Darstellungen des Heiligen im Welfenmünster.
Autor des Beitrags über den Hl. Johannes Baptist & Fotos: Bruno Wilhelm
Schutzpatronin Europas, Italiens und der Stadt Rom
Ordensfrau, Mystikerin, Kirchenlehrerin
* 25. März 1347 in Siena
+ 29. April 1380 in Rom
Gedenktag: 29. April
Papst Johannes Paul II. erhob die Hl. Katharina im Jahr 1999 zu einer der Patroninnen Europas.
Im Welfenmünster begegnet uns die Hl. Katharina in der idealisierenden Darstellung des Altarbildes am Marienaltar, links zwischen Langhaus und Chorraum. Das Altarbild zeigt rechts die Hl. Katharina, links den Hl. Dominikus. Beide knien in tiefer Verehrung vor der Hl. Gottesmutter mit dem Kind, die von Engeln umschwärmt auf einer Wolke schwebt und von dort aus den beiden Heiligen den Rosenkranz übergibt.
Die Hl. Katharina (1347-1380) ist im Ordensgewand einer Dominikanerin des „dritten Ordens“, zusammen mit dem Ordensgründer, dem Hl. Dominikus (1170-1121) dargestellt.
Die Lilien zu Füßen der
Hl. Katharina verweisen auf die Jungfräulichkeit, die sie bereits in sehr jungen Jahren der
Hl. Gottesmutter angelobte.
Das Kruzifix, das zu ihren Füßen im Vordergrund liegt, deutet auf die große spirituelle und religiöse Bedeutung der Hl. Katharina als Kirchenlehrerin hin.
Die Hl. Katharina gilt als eine der einflussreichsten Frauen in der Kirchengeschichte. Sie ist eine der am meisten verehrten heiligen Frauen der katholischen Kirche. Um ihr Leben ranken sich viele, teils widersprüchliche Legenden.
Unzweifelhaft ist, dass das Mädchen im Jahr 1347 in Siena, in eine schwere Zeit hineingeboren wurde, in der die Menschen in ganz Europa seit langem unter endlosen, oft kriegerisch ausgetragenen Rivalitäten verfeindeter Mächte, Naturkatastrophen (Klimawandel!), Hungersnöten und wiederkehrenden Pestepidemien zu leiden hatten.
Auch die Kirche und das Papsttum hatten es in der Zeit schwer. Der Vorherrschaftsanspruch der Kirche und der Machtanspruch des Papstes wurden von den weltlichen Machthabern, allen voran dem französischen König, schon lange nicht mehr anerkannt. Die Päpste des 13. und 14. Jahrhunderts hatten sich daraufhin in Machtkämpfe verstrickt und waren dabei zum politischen Spielball von Königen und Kaisern geworden. Im Jahr 1305 setzte der König von Frankreich sogar einen französischen Kardinal seiner Wahl als Papst in Rom durch. Papst Clemens V. war jedoch in Rom seines Lebens nicht sicher und floh deshalb im Jahr 1309 nach Avignon, unter den Schutz des französischen Königs. Dort, in Avignon, residierten die Nachfolger von Clemens V. zur Zeit der Hl. Katharina immer noch.
Den Papst zur Rückkehr von Avignon nach Rom zu bewegen, war eine der vordringlichsten Aufgaben, denen sich die Hl. Katharina im Lauf ihres Lebens verschrieb. Dass es ihr gelang, gilt als ihre wichtigste kirchengeschichtliche Großtat.
Schon um ihre Geburt und ihre Kindheit ranken sich viele Legenden. Im Alter von nur 6 Jahren soll sie, mitten auf der Straße ihre erste Vision von Jesus Christus gehabt haben, woraufhin sie sich schon als Kind immer mehr zurückzog und die Einsamkeit suchte. Bereits im Alter von 7 Jahren soll sie der Gottesmutter ewige Jungfräulichkeit gelobt und mit 10 Jahren bereits erste Kontakte zum Dominikanerorden aufgenommen haben.
Mit 16 Jahren trat Katharina in den „Orden der Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus“ (den sogenannten dritten Orden der Dominikaner) ein. Zu deren Habit gehört der langen schwarze Umhang, mit dem die Hl. Katharina auf dem Bild im Welfenmünster dargestellt ist (s.o.).
Als Ordensschwester lebte sie zunächst in asketischer Strenge und sehr zurückgezogen. In der Zeit lernte sie vermutlich auch, anhand des Breviers der katholischen Kirche und von Heiligenlegenden, Lesen und Schreiben.
Mehrfach im Leben hatte die Hl. Katharina Visionen, die ihrem Leben die Richtung vorgaben. Die einschneidendste dieser Visionen war die „mystische Vermählung“, die ihr Leben radikal verändert haben soll. In dieser Vision, heißt es, sei ihr Christus erschienen, der ihr einen goldenen Ring übergestreift und dazu gesagt haben soll: „Siehe, ich vermähle dich mit mir, deinem Schöpfer und Heiland, im Glauben. […] Meine Tochter, was ich dir in weiser Voraussicht auferlege, das vollbringe zuversichtlich und ohne Zaudern. Jetzt nämlich stählt dich die Kraft des Glaubens. Wer dir widersteht, den wirst du überwinden.“ (Zitat nach der „Legenda major„, Nr. 115.)
Was ist die „Legenda major“ aus der gerade zitiert wurde?
Der hochrangige Dominikaner Raimund von Capua war ab 1374 Beichtvater und Begleiter der Hl. Katharina. Ihre Persönlichkeit beeindruckte ihn tief und hatte großen Einfluss auf sein eigenes Leben. Im Jahr 1376 begleitete Raimund von Capua sie nach Avignon und anschließend nach Rom. Nach ihrem Tod setzte er sich, zu der Zeit schon als Ordensmeister der Dominikaner, sehr für eine baldige Heiligsprechung der Hl. Katharina ein. Zu diesem Zweck schrieb er, zwischen 1385 und 1395 die „Legenda major“ über die Hl. Katharina von Siena. Das ist eine ausführliche, zeitgenössische Biographie der Heiligen. Sie gilt bis heute als wichtigste Quelle zum Verständnis der Spiritualität und des Wirkens der Hl. Katharina. Im Jahr 2004 veröffentlichte Jörg Jungmayr die erste vollständige Übersetzung der „Legenda major“ über die Hl. Katharina von Siena.
Nicht zu verwechseln mit der etwas früher vom Hl. Bonaventura verfassten „Legenda major“ über den Hl. Franz von Assisi.
Katharina ging daraufhin in die Öffentlichkeit und stellte ihr Leben in den Dienst der Menschen in ihrer nächsten Umgebung. Sie wurde vielen zur geistlichen Mutter.
Darüber hinaus äußerte sie sich aber auch unüberhörbar zu allen wichtigen kirchlichen, politischen und gesellschaftlichen Frage ihrer Zeit, was damals für eine geistliche Frau sehr ungewöhnlich war und Aufsehen erregte. Vermutlich deshalb wurde sie im Jahr 1374 vor das Generalkapitel des Dominikanerordens zitiert. Was dort mit ihr verhandelt wurde, ist allerdings nicht dokumentiert.
Sie hielt öffentliche Ansprachen und schrieb viele Briefe und brachte dabei – wenn sie es für nötig hielt – auch scharfe Kritik an den kirchlichen und politischen Verantwortlichen an. Bald verbreitete sich ihr Ruf in ganz Europa. Menschen aus allen Ländern fragten sie um Rat. Darunter auch der Papst, den sie angeblich ebenfalls nicht mit ihrer Kritik verschonte. Allerdings war ihr jede Auflehnung gegen die päpstliche Autorität fremd. In einem Brief schrieb sie dazu sogar einmal: „Und selbst wenn der Papst ein fleischgewordener Teufel wäre, statt eines gütigen Vaters, so müssten wir ihm dennoch gehorchen, […]„.
Am 1. April 1375 soll sie vor einem Kreuz in Pisa die Stigmatisation erfahren haben. Es heißt, an ihrem Körper seien die Wundmale Jesu erschienen, die allerdings nur für Katharina selbst zu erkennen waren.
Im darauffolgenden Jahr reiste Katharina nach Avignon und überzeugte Papst Gregor XI. nach Rom zurückzukehren. Auf seinen Wunsch hin, folgte sie ihm nach Rom und setzte sich von dort aus für die Einheit der Kirche und für eine Friedenslösung im krisengeschüttelten Italien ein. Fünf Jahre später starb Katharina, im Alter von 33 Jahren, in Rom.
Im Jahr 1491 wurde sie heiliggesprochen. Fast 500 Jahre später, im Jahr 1939 wurde die Hl. Katharina von Siena zur Schutzpatronin Italiens erklärt. Papst Paul VI. erhob sie 1970 zur „doctor ecclesiae universalis„, also zur Kirchenlehrerin.
Zusammen mit der Hl. Birgitta von Schweden und der Hl. Edith Stein erhob Papst Johannes Paul II. die Hl. Katharina von Siena im Jahr 1999 zur Schutzpatronin Europas. In diesem Zusammenhang schrieb der Papst: „Das Leben der heiligen Katharina hat sich für ihr Vaterland und die Kirche deshalb so wunderbar wirksam und fruchtbar erwiesen, weil sie dem Antrieb des Heiligen Geistes gegenüber fügsam war und vom Lehramt der Kirche geführt wurde. Dieses Beispiel möge in sehr vielen Seelen eine lebendige Bewunderung hervorrufen und auch die Sehnsucht erwecken, sie in ihren heroischen Tugenden nachzuahmen.”
Wer sich intensiv mit der Hl. Katharina von Siena beschäftigen will, kann auf eine unüberschaubare Fülle von Büchern, auch aus jüngerer Zeit, zurückgreifen, die sich mit Leben, Spiritualität und Wirken der Hl. Katharina befassen.
Für einen vertieften Überblick über die verschiedenen Legenden, die sich um die Hl. Katharina von Siena ranken, bieten einige, im Internet verfügbare Quellen eine gute Grundlage, so zum Beispiel das Ökumenische Heiligenlexikon oder Stadlers Heiligenlexikon.
Zu diesem Artikel: Im Vergleich der Quellen, soweit sie dem Verfasser zugänglich waren, tauchen an vielen Stellen Widersprüche und Ungereimtheiten in den Legenden um die Hl. Katharina auf. Dies ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass Heiligenverehrung sich, in der Betrachtung von Leben und Werk der Hochverehrten, nicht immer mit dem historisch Belegbaren begnügen will. Angesichts dessen, hat der Autor dieses Artikels versucht, einen gemeinsamen Kern aus verschiedenen Quellen zu Katharina von Siena zusammenzufassen. Fehler und Irrtümer sind dabei sicher nicht ausgeschlossen, aber hoffentlich verzeihlich.
Wie ging es um die Zeit der Hl. Katharina eigentlich in Steingaden zu?
Als Katharina im Jahr 1347 geboren wurde, bestand das Kloster der Prämonstratenser Chorherren in Steingaden bereits 200 Jahre lang. Allerdings hatte nur das Männerkloster die Zeit überdauert. Das Frauenkloster, das daneben, irgendwo im Bereich der heutigen Kissinger Straße, eine Zeitlang bestand, war bereits mehr als 50 Jahre zuvor aufgelöst worden.
Für das Kloster Steingaden war die Zeit um die Mitte des 14. Jahrhunderts eine sehr schwere Zeit.
In der Steingadener Chronik wird von einem „großen Sterben von Menschen und Vieh“ (1337) und von einer Heuschreckenplage (1338) berichtet. Die Pestepidemie, die sich zur Zeit von Katharinas Geburt über Europa ausbreitete, erreichte auch Steingaden (1348). In den folgenden Jahren (bis 1350) wurde das Allgäu in weiten Teilen von der Pest entvölkert. Kurz danach (1355) gab es in der Region ein schweres Erdbeben, dass „in Schwaben Kirchen und Häuser einstürzen“ ließ. Das Kloster wurde bald „von Schuldenlast gedrückt“ (1361).
Die folgenden Jahre und Jahrzehnte lassen sich zusammenfassend beschreiben mit „Armut und Not im Kloster“ (Zitat H. Pörnbacher)
In der Steingadener Chronik heißt es später: „wegen Kriegsläufe herrschte große Not in Steingaden“ (1395) und: „In diesem Jahr [gemeint ist das Jahr 1340] wütet in Deutschland ein ‚großer Sterb‘.“ Kriege verschärften die Not in Steingaden noch weiter. Nurmehr sechs Chorherren gehörten Ende des 14. Jahrhunderts dem Kloster an. Im Jahr 1400 mussten sie, bis auf einen, sogar in benachbarten Klöstern Zuflucht suchen, um nicht zu verhungern.
Wenn schon das Kloster solche Not litt, wie mag es dann erst dem einfachen Volk ergangen sein? Darüber schweigen Historiker und Chronisten sich aus.
Womöglich wäre das Kloster in diesen Notzeiten untergegangen, wenn nicht im Jahr 1402 Probst Johannes II. (1402-1431) aus dem Prämonstratenser-Kloster Rot an der Rot nach Steingaden gekommen wäre und die Regentschaft übernommen hätte. Er schaffte es mit großem politischem und wirtschaftlichem Geschick, das Kloster innerhalb weniger Jahrzehnte wieder aufblühen zu lassen. Seitdem gilt Probst Johannes II. als der zweite Gründer des Klosters Steingaden.
Falls Sie dieses Einführungskapitel überspringen möchten,
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Wo sind die heiligen Kirchenväter im Welfenmünster zu finden?
Die prächtige Kanzel des Welfenmünsters bezieht sich in ihrer Gestaltung auf die vier Evangelisten und die vier Hl. Kirchenväter, die die Menschen auf Christus hinführen. Dabei verzichtet sie auf die figürliche Darstellung von Personen. Die Kanzel bleibt in der Symbolik und verweist damit auch auf das Geheimnisvolle, das Unergründliche des Glaubens an Jesus Christus.
Die Symbolik der Kanzel erschließt sich vielleicht am besten, wenn man die drei Sphären, auf die sie sich bezieht, von unten nach oben betrachtet.
Unten (in der Ornamentik des Kanzelkorbes): Symbole für die vier Evangelisten. Sie stehen für die Offenbarung des Wortes Gottes im Evangelium, das Fundament des christlichen Glaubens.
In der Mitte (in der Ornamentik des angedeuteten Schalldeckels): Die Symbole für die vier Hl. Kirchenväter, um die es in diesem Artikel geht. Sie stehen für die theologische Auslegung des Wortes Gottes durch die Kirche. In der Auslegung erschließt die Kirche den Gläubigen das Evangelium und leitet sie damit auf dem Weg zu Gott.
Oben (in einem Strahlenkranz über der Kanzel): Das Symbol „IHS“ für Jesus Christus, auf den das Evangelium und dessen Auslegung hinführen. (IHS: lateinisch „Jesus Humani Salvator“, in deutscher Übersetzung „Jesus, Retter der Menschen“, stattdessen oft auch frei eingedeutscht als „Jesus, Heiland, Seligmacher“)
Diese Ansicht zeigt den angedeuteten Schalldeckel der Kanzel (von unten und vom Chorraum aus betrachtet).
Rechts auf dem Ornamentkranz ist die Darstellung des Bienenkorbs zu sehen, der für den Hl. Ambrosius steht. In der Mitte sieht man die Darstellung des Löwen, der für den Hl. Hieronymus steht. Links im Bild, gerade noch von hinten zu sehen, ist die Hand des kleinen Engels, die die Darstellung des brennende Herzens hochhält, das symbolisch für den Hl. Augustinus steht.
Die Mitra, die für den Hl. Gregorius steht, ist auf der dem Blick abgewandten Seite dargestellt.
(Zu den einzelnen Symbolen: siehe auch die Detailfotos oben)
Warum tragen die vier Heiligen den Titel „Kirchenvater“?
Im Mittelalter wurde der Begriff zunächst recht allgemein auf altchristliche Autoren angewandt, deren Rechtgläubigkeit, Heiligmäßigkeit, kirchliche Anerkennung und Kompetenz für kirchliche Tradition außer Frage stand.
Das alles galt in hervorragender Weise für die Heiligen Ambrosius, Augustinus, Gregor der Große und Hieroymnus. Deshalb, vor allem aber wegen der grundlegenden Bedeutung ihrer Schriften für Theologie, Lehre und Glaubenspraxis der Kirche, erklärte Papst Bonifatius VIII. im Jahr 1295 diese vier ausdrücklich zu den „patres ecclesiae“, also zu den „Vätern der Kirche“ und sprach sie damit heilig.
Seitdem werden die vier Kirchenväter in der katholischen Kirche als maßgebliche Autoritäten, gleich hinter den Evangelisten und Aposteln, geführt. Ihre Lehren gelten häufig als unfehlbar (vgl. Ökumenisches Heiligenlexikon).
Kannten sich die Kirchenväter untereinander?
Die Kirchenväter Ambrosius, Augustinus und Hieronymus lebten alle in der zweiten Hälfte des 4. und der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts. Sie kannten sich und ihre Schriften untereinander und begegneten sich mitunter bei wichtigen kirchengeschichtlichen Ereignissen. Zwischen Ambrosius und Augustinus bestand eine Zeitlang fast so etwas wie eine Lehrer-Schüler-Beziehung, die unter anderem dazu führte, dass Augustinus sich von Ambrosius taufen ließ. Zwischen Hieronymus und Augustinus gab es einen Briefwechsel, von dem einiges bis heute überliefert ist.
Von der „ehrwürdigen Mutter“ zur „schönen Tochter“
Seitenblick in die Wieskirche
Die Prämonstratenser Chorherren des Klosters Steingaden verehrten die heiligen Kirchenväter sehr. Dennoch begnügten sie sich in der barocken Ausgestaltung des Welfenmünsters im 18. Jahrhundert damit, die Kirchenväter nur symbolisch, durch ihre Attribute, fast ein wenig versteckt, im Ornamentkranz der Kanzel darzustellen (s.o.).
Erst im 20. Jahrhundert, fast 160 Jahre nach der Auflösung des Klosters Steingaden, fanden die Figuren des Hl. Hieronymus und des Hl. Augustinus, die wir heute im Welfenmünster sehen (s.u.), ihren Platz am Hochaltar.
Wer weiß? Vielleicht wollten die Prämonstratenser im 18. Jahrhundert sich im „ehrwürdigen“ Welfenmünster nicht den Blick auf die Heiligen des eigenen Ordens verstellen. Denen war die barocke Ausgestaltung des Welfenmünsters, anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der Klosterstiftung, nämlich vor allem gewidmet.
Ganz anders in der „schönen“ Wieskirche, der heute weltberühmten, damaligen Filialkirche des Klosters Steingaden. Vier überlebensgroße und teils vergoldete Figuren der Heiligen (s. links) belegen in der Wieskirche seit der Mitte des 18. Jahrhunderts die große Verehrung der Steingadener Prämonstratenser für die Kirchenväter.
* 339 oder 340 (?) in Augusta Treverorum, heute Trier in Rheinlandpfalz
+ 4. April 397 in Mediolanum, heute Mailand in Italien
Gedenktag: 7. Dezember
Bedeutung des Namens Ambrosius: „Der Unsterbliche“
Ambrosius stammte aus einem vornehmen und wohlhabenden Elternhaus. Sein Vater war der römische Präfekt der Provinz Gallien. Seine Mutter war eine überzeugte Christin.
Auch Ambrosius war für eine Beamtenlaufbahn vorgesehen und bekam eine juristische Ausbildung. Seine steile Karriere führte ihn mit 32 Jahren, als Präfekt der Provinz Emilien und Ligurien, nach Mailand. Er galt dort wegen seiner Milde und Gerechtigkeit als vom Volk geliebt und geachtet.
Das Bistum Mailand war zu der Zeit tief zerstritten zwischen Trinitariern und Arianern (s.u.). Ambrosius war zwar als Sympathisant der Trinitarier bekannt. Als Präfekt verhielt er sich in dem Streit der beiden Parteien jedoch weitgehend neutral.
Wie wurde der Staatsbeamte zum Bischof?
Als im Jahr 374 der Bischof von Mailand starb und die Wahl des neuen Bischofs anstand, drohte Aufruhr zwischen den beiden Lagern. Um für Ruhe und Ordnung zu sorgen, begab sich Ambrosius, als Chef der Verwaltung, persönlich in die Basilika, als dort die Wahl stattfinden sollte.
Die Geschichtsschreibung sagt, dass Ambrosius dort überraschend selbst zum Bischof vorgeschlagen wurde, und zwar von Vertretern beider Seiten, von Arianern und von Trinitariern. Aufgrund seiner bis dahin geübten, politischen Neutralität im Religionsstreit erschien er beiden Seiten wählbar. Ambrosius soll zunächst versucht haben, seine Wahl zu verhindern, weil er sich nicht auf das Amt vorbereitet fühlte. Er war zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal getauft. Sein Katechumenat, die damals übliche mehrjährige Vorbereitungszeit auf die Taufe, hatte er noch nicht abgeschlossen. Letztlich ließ er sich aber dann doch zum Bischof von Mailand wählen.
Nach der Legende soll Ambrosius in seiner Ansprache durch den Zwischenruf eines Kindes unterbrochen worden sein, das ausrief: „Ambrosius episcopus!“, auf deutsch: „Ambrosius soll Bischof werden!“. Daraufhin sei er einstimmig zum Bischof gewählt wurde.
So oder so: Innerhalb einer Woche nach seiner Wahl empfing Ambrosius die Sakramente der Taufe, der Diakons-, der Priesterweihe, damit seiner Bischofsweihe nichts mehr im Weg stand. Das Datum der Bischofsweihe, der 7. Dezember, ist heute sein Gedenktag.
Wie ging es mit dem Bischof weiter?
Ambrosius begann nach seiner Bischofsweihe damit, Theologie zu studieren. Bald galt er als engagierter Seelsorger, der sich auch um die Armen kümmerte. Der Bischof wurde ein großer Beter und ein begnadeter Prediger.
Mit seinen Predigten und seiner Theologie hatte Ambrosius großen Einfluss, auch auf den Hl. Augustinus (s.o.), der sich von Ambrosius in der Osternacht des Jahres 387 in Mailand taufen ließ.
Ambrosius trug mit seiner Theologie und seinem politischen Wirken maßgeblich dazu bei, den Glaubensstreit zwischen Trinitariern und Arianern in der Kirche zu überwinden und zugunsten der Lehre von der Dreieinigkeit Gottes (Trinitarismus) zu entscheiden (s.u.).
Gottes Gegenwart im Wort und den Sakramenten war Mittelpunkt seiner Lehre, die tägliche Feier der Eucharistie und die Bibellektüre waren seine zentralen Anliegen. Ohne selbst Asket zu sein, pries er besonders die Jungfräulichkeit und förderte die Verehrung der Märtyrer.
Ambrosius führte auch die Tradition ein, nach der Märtyrer das Patronat über Kirchenbauten übertragen bekommen sollten. Nach seiner Vorstellung hatten die Märtyrer ihren Schutzbefohlenen auf Erden beizustehen. Das sollte auch dadurch zum Ausdruck kommen, dass die Märtyrer im Kirchenbau ihren Platz an der Stelle finden, an der Christus in der Eucharistie das Opfer ist: „Dieser, der für alle gelitten hat, auf dem Altar, jene unter dem Altar, weil sie durch sein Leiden erlöst sind.“
Damit trug der dazu bei, dass die Regel, Altäre römisch-katholischer Kirchenbauten müssten über Märtyrergräbern errichtet werden, bis heute ihre Gültigkeit hat. In unserer Zeit wird dieser Regel dadurch entsprochen, dass bei jeder Altarweihe Reliquien eines oder mehrerer Märtyrer im Altarstein oder darunter bestattet werden. So geschehen, beispielsweise, auch bei der Weihe des neuen Hauptaltars im Welfenmünster im Oktober 2019.
Warum steht der Bienenkorb als Symbol für den Hl. Ambrosius?
Der Bienenkorb als Attribut für den Hl. Ambrosius geht auf die Legende zurück, nach der sich auf dem Säugling Bienen niederließen. Sie stachen das Kind nicht, sondern träufelten ihm stattdessen Honig in den Mund. Es heißt, die Bienen hätten ihm auf diese Weise die „honigsüße Sprache“ seiner späteren Schriften und seiner Hymnen, besonders des Ambrosianischen Lobgesanges „Te Deum laudamus …“ vermittelt. Dieser Lobgesang, das Tedeum, wird bis heute in den Kirchen gesungen, beispielweise zur Aussetzung der Monstranz mit dem Allerheiligsten an besonderen Festtagen.
Mehr zum Leben und zum Wirken des Hl. Ambrosius können Sie im Ökumenischen Heiligenlexikon nachlesen.
Worüber ging der Streit zwischen Arianern und Trinitariern,
den der Hl Ambrosius zu beenden half?
Im Jahr 318 entbrannte in Alexandrien, während einer Diskussion über die Dreieinigkeit, ein Theologenstreit über die Beziehung zwischen Gott und Christus. Der Streit griff schnell auch auf die politische Ebene über und spaltete die Gesellschaft. Die Auseinandersetzung zog sich über 63 Jahre hin bis zum Konzil von Konstantinopel (381).
Auf der einen Seite standen die Anhänger des ökumenischen Konzils von Nizäa (325), das sich zur Wesensgleichheit von Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiligem Geist (Tinitarismus) bekannte.
Dem gegenüber standen die Anhänger der Lehren des Arius, der behauptete, das Bekenntnis von Nizäa sei eine Irrlehre. Sie würde dem Monotheismus widersprechen und sei außerdem unlogisch. Vielmehr hätte es eine Zeit gegeben, in der Jesus nicht war und aus diesem Nichts sei Jesus als Gottes Geschöpf hervorgegangen. Demnach sei nur Gott-Vater wahrer Gott und der Sohn nicht wesensgleich mit dem Vater (Arianismus).
Der Arianismus verbreitete sich schnell überall in der christlichen Welt und war eine Zeitlang sogar dominierend in der Kirche. Auf einem Konzil im Jahr 357 wurde z.B. ein neues Bekenntnis verfasst, das die Unterordnung von Jesus unter den Vater vertrat, Auf weiteren Konzilien im Jahr 359 wurde Jesus als „Gott ähnlich“ bezeichnet. Der Hl. Hieronymus (s.u.) soll diese Konzilsentscheidungen zwanzig Jahre später so kommentiert haben: „Die Welt erwachte mit einem Stöhnen und entdeckte, dass sie arianisch war.“
Die Wende kam als der Hl. Basilius im Jahr 370 Metropolit von Caesarea, der Hl. Ambrosius im Jahr 374 Bischof von Mailand und der Hl. Gregor von Nazianz im Jahr 380 Metropolit von Konstantinopel wurden. Alle drei vertraten die trinitarische Lehre und machten sich nicht nur theologisch, sondern auch mit ihrem politischen Einfluss dafür stark. Das erste Konzil von Konstantinopel (381) bekannte sich daraufhin zu einer Neufassung des Nizäischen Glaubensbekenntnisses. Damit hatte sich die Trinitätslehre in der Kirche durchgesetzt und der sogenannte „arianische Streit“ war beendet.
Das Ökumenische Glaubensbekenntnis
von Nizäa-Konstantinopel
(„Das Große Glaubensbekenntnis“, im Gotteslob Nr. 586.2)
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.
Übrigens: Das Große Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel ist das einzige Glaubensbekenntnis, das alle Christinnen und Christen auf der ganzen Welt, unabhängig von ihrer Konfession miteinander verbindet. Es wird auch als das „Große“ oder das „Ökumenische Glaubensbekenntnis“ bezeichnet. Im Jahr 2025 feierten viele Ortskirchen auf der ganzen Welt das 1700-jährige Jubiläum des Glaubensbekenntnisses von Nizäa.
* 13. November 354 in Thagaste in Numidien, dem heutigen Souk Ahras in Algerien.
+ 28. August 430 in Hippo Regius, später Bône, nahe des heutigen Annaba in Algerien
Gedenktag: 28. August
Bedeutung des Namens Augustinus: „Der Erhabene“
Der Hl. Augustinus gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte. Als Mensch war er dennoch ein Zerrissener und blieb lange Zeit ein Suchender und ein Zweifelnder.
Früh fand der begabte Junge einen Förderer, der ihm eine Ausbildung in den freien Künsten Grammatik, Dialektik, Rhetorik und Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik ermöglichte. Nach einer einjährigen Unterbrechung seines Studiums, wegen Geldmangels, schloss er in Karthago, nahe dem heutigen Tunis, das Rhetorikstudium ab. Zu der Zeit bekam er als Neunzehnjähriger einen Sohn mit einer Frau, von der wir nicht viel wissen, außer dass Augustinus nicht mit ihr verheiratet war, nach der Geburt des Kindes aber noch viele Jahre mit ihr zusammenlebte.
Bereits als 20-jähriger wirkte er als Rhetorik-Professor, zuerst in seiner Heimatstadt Tagaste, später in Karthago.
Der junge Gelehrte las zwar die Bibel, fühlte sich aber mehr zu den philosophischen Schriften Ciceros hingezogen. Nach der Lektüre von Ciceros Schriften schloss er sich dem Manichäismus an, der die Welt als den Schauplatz des ständigen Kampfs zwischen „Gut“ und Böse“ versteht. Bald begann er aber am Manichäismus zu zweifeln, bekämpfte ihn später sogar, da der Manichäismus die Selbsterlösung betonte und Christus nur als Propheten ansah.
Mit 29 Jahren bekam Augustinus eine Stelle als Rhetoriklehrer in Mailand, das zu der Zeit die Hauptstadt des Weströmischen Reiches war. In Mailand war Augustinus bald von den Predigten des Mailänder Erzbischofs Ambrosius (s.o.) und dessen Auslegung der Heiligen Schrift fasziniert. Darüber hinaus beeindruckte ihn vor allem die Lehre des Paulus von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus
Mit 32 Jahren hatte Augustinus ein Bekehrungserlebnis. Er selbst schilderte es so, dass er Anfang August 386, unter einem Feigenbaum liegend, eine Kinderstimme hörte, die zu ihm sprach: „Nimm und lies …“. Also ergriff er die Bibel und stieß darin auf den Satz: „Lasst uns ehrenhaft leben, wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht! Vielmehr zieht den Herrn Jesus Christus an und sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen!“ (Röm 13.13-14, nach der Einheitsübersetzung). Daraufhin hätte ihn „ein Licht der Sicherheit“ durchströmt.
Augustinus bekehrte sich zum Christentum und wurde in der Osternacht 387 von Erzbischof Ambrosius in Mailand getauft.
Während einer Reise nach Hippo Regius wurde Augustinus vom Volk ins Priesteramt berufen und um die Jahreswende 390/391 wurde er dort zum Priester geweiht. Er übernahm die Aufgabe des Predigers und wurde 396 Nachfolger des Bischofs von Hippo Regius. Daher der Beiname Augustinus „von Hippo“. Er war ein begnadeter Prediger und gewann mit seinen Predigten schnell Einfluss, weit über sein Bistum hinaus.
Als einer der größten Theologen der Kirchengeschichte entwickelte Augustinus in der Auseinandersetzung mit den philosophischen und religiösen Strömungen seiner Zeit seine Lehren von der Erbsünde, der göttlichen Gnade, der göttlichen Souveränität und der Vorherbestimmung des Schicksals jedes Menschen durch Gott, der den Menschen dennoch ihren freien Willen lässt, und vieles mehr. Die Lehren des Augustinus gelten bis heute als grundlegend für weite Bereiche der katholischen Theologie.
Bemerkenswert ist auch, dass er, ein ehemaliger Anhänger des Manichäismus, in seinen Schriften die Existenz eines Bösen an sich
ablehnt, da Gott allmächtig und gut ist. Alles Böse ist, nach Augustinus, Mangel an Gutem. Gott gab den Menschen die Vernunft, um Gott besser verstehen zu können, und den freien Willen, um Entscheidungen in der Verantwortung vor Gott treffen zu können. Unmoralische Entscheidungen sind solche, die ohne Gott gefällt werden.
Fast 1000 Predigten (lat. „sermones“), sowie 113 Bücher und 218 Briefe sind vom Hl. Augustinus überliefert. Die Bekenntnisse („confessiones“) des Hl. Augustinus stellen eine der bedeutendsten Autobiographien des Altertums dar. Bis heute wird das Buch immer wieder aufgelegt.
Mehr zur Lebensgeschichte des Hl. Augustinus können Sie im Ökumenischen Heiligenlexikon nachlesen.
Und – ach- alle lieben !
Der Hl. Augustinus sprach im Sermon 340,3 von sich
und seinen alltäglichen Aufgaben als Bischof:
„Unruhestifter zurechtweisen,
Kleinmütige trösten,
Sich der Schwachen annehmen,
Gegner widerlegen,
Sich vor Nachstellungen hüten,
Träge wachrütteln,
Händelsuchende zurückhalten,
Eingebildeten den rechten Platz anweisen,
Streitende besänftigen,
Unwissende belehren,
Armen helfen,
Unterdrückte befreien,
Gute ermutigen,
Böse ertragen,
Und – ach – alle lieben!“
„Vor allen Dingen, liebe Brüder,
sollt ihr Gott lieben, sodann den Nächsten …“
Um das Jahr 387 schrieb der Hl. Augustinus einen Brief mit Regeln für das Leben im Kloster. Daraus entstand die älteste Ordensregel des Christentums. Die „Augustinische Regel“ wurde im Laufe der Jahrhunderte von vielen Ordensgemeinschaften übernommen, darunter auch den Prämonstratenser Chorherren, die von 1147 bis 1803 im Kloster Steingaden wirkten.
Diesem Umstand verdankt es der Hl. Augustinus, dass er, als einziger der vier heiligen Kirchenväter, im Welfenmünster als Person auf einem großen Gemälde dargestellt ist. Das Altarbild auf dem Hochaltar stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es zeigt in idealisierter Darstellung, wie der Hl. Augustinus dem Hl. Norbert, hier noch im dunklen Gewand des Wanderpredigers, die Augustinische Regel für den Orden der Prämonstratenser übergibt. Daneben zeigt das Bild, wie die Gottesmutter Maria Norbert von Engeln den weißen Habit der Prämonstratenser übergeben lässt.
Der Hl. Augustinus ist in der linken Bildmitte leicht zu erkennen an seinem Attribut, dem brennenden Herz, das er in der Hand hält. Das brennende Herz nimmt Bezug auf das Augustinuswort:
„Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, Gott!“
Gleichzeitig visualisiert es ein weiteres Augustinuswort:
„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“
Das brennende Herz als Attribut des Hl. Augustinus, steht für das Feuer des Glaubens. Das Feuer im Herzen. Das Feuer, das brennt ohne zu verbrennen. Das Feuer, das andere ansteckt, begeistert und mitreißt.
Randnotiz zur Figur des Hl. Augustinus am Hochaltar des Welfenmünsters:
Als man sich im Jahr 1961 daranmachte, die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Figuren des Hl. Augustinus und Hl. Hieronymus rechts und links am Hochaltar des Welfenmünsters aufzustellen, empfand man es scheinbar als ungerecht, dass damit eine zweite Darstellung des Hl. Augustinus am Hochaltar Platz finden würde, während zwei andere Kirchenväter, der Hl. Ambrosius und der Hl. Gregor dort gar nicht dargestellt seien. Also machte man aus der Figur des Hl. Augustinus kurzerhand eine Figur des Hl. Ambrosius. Dazu genügte es, der Figur das brennende Herz des Hl. Augustinus aus der Hand zu nehmen und ihr stattdessen einen stilisierten Bienenkorb als Attribut des Hl. Ambrosius zu Füßen zu stellen.
Um Zuge der Sanierung des Welfenmünsters in den Jahren 2018/19 bekam die Figur ihr brennendes Herz wieder in die Hand gedrückt. So wurde, nach etwas mehr als 50 Jahren, aus dem Hl. Ambrosius wieder der Hl. Augustinus, den die Figur zuvor schon mehr als 200 Jahre lang dargestellt hatte.
* um 540 in Rom.
+ 12. März 604 in Rom
Gedenktag: 3.September (Tag seiner Wahl zum Papst im Jahr 590)
Bedeutung des Namens Gregor: „Der Wachsame“
Gregor I. gilt als einer der bedeutendsten Päpste und wird auch als „Gregor der Große“ bezeichnet.
Gregor stammte aus einer sehr reichen römischen Patrizierdynastie, aus der vor ihm schon zwei Päpste hervorgegangen waren:
Felix III. (526-530) und Agapitus I. (535-536).
Gregor studierte Grammatik, Rhetorik und Verwaltungswesen, machte Karriere als Staatsbeamter und stand bereits im Alter von gut 30 Jahren als Präfekt an der Spitze von Roms Zivilverwaltung.
Fünf Jahre später, nach dem Tod seines Vaters, legte er jedoch alle weltlichen Ämter nieder, wurde Mönch und zog sich in den Palast seiner Familie zurück, aus dem er ein, dem Hl. Andreas geweihtes, Benediktinerkloster machte. Wenig später gründete er aus seinem Familienbesitz noch sechs weitere Klöster in Süditalien.
Mit 38 Jahren wurde Gregor zu einem der sieben Diakone von Rom geweiht. Papst Pelagius II. sandte ihn wenig später in einer diplomatischen Mission zum Kaiser nach Konstantinopel, wobei Augustinus allerdings nicht erfolgreich war. Also zog er sich wieder in sein Kloster zurück. Durch Gebet, Bittgänge und tätige Nächstenliebe soll er in seiner Zeit als Mönch viele Wohltaten für die Menschen bewirkt haben.
Als im Jahr 590 die Pest, neben großen Teilen der Bevölkerung Roms, auch den Papst hinraffte, fiel die Wahl auf Gregor als dessen Nachfolger. Damit wurde Gregor I. der erste Mönch auf dem Stuhl Petri.
Seiner eigenen Schilderung zufolge, wollte er sich der Papstwahl entziehen und ließ sich verkleidet und in einem Fass verborgen auf einem Ochsenkarren aus der Stadt bringen, um in einer Höhle als Eremit zu leben. Eine Lichtsäule, an der Engel auf- und niederstiegen, führte aber zu seiner Entdeckung. Also übernahm er am 3. September 590 das Amt.
Papst Gregor I. war der erste Papst, der sich selbst als „Servus servorum Dei“ – auf deutsch: „Diener der Diener Gottes“ – bezeichnete. Diese Formulierung haben spätere Päpste als Teil ihrer Titulatur übernommen.
Papst Gregor I. trat, nach dem Untergang des römischen Reiches und inmitten einer Pestperiode, sein Amt in einer Zeit an, in der große Not in Rom herrschte. Von Anfang an musste er für die Versorgung der vielen Verarmten und den Schutz der verunsicherten Bevölkerung in der Stadt sorgen. Dafür stellte er aus dem Kirchenbesitz in großem Umfang Nahrung und Geld bereit.
Fünf Jahre nach seinem Amtsantritt ordnete er die Verwaltung des Vatikans neu, die fortan nur noch aus Klerikern und Mönchen bestehen sollte. Auch die Ernennung der Bischöfe regelt er neu und verbot fortan die „Simonie“, d.h. den Ämterkauf.
Unter Papst Gregor I. übernahm das Papsttum die Vorherrschaft in Italien Die Erträge der umfangreichen Kirchengüter in verschiedenen Regionen des ehemaligen römischen Reiches, deren Verwaltung er persönlich beaufsichtigte, setzte Gregor I. oft für caritative Zwecke ein.
Außerdem gelang es ihm, Roms Anspruch auf die kirchliche Vorrangstellung gegenüber dem Patriarchen von Konstantinopel, sowie den anderen Bischöfen der Kirche durchzusetzen. Dabei half es ihm, dass man schon vor seiner Zeit begonnen hatte, das Amt des Bischofs von Rom als das des Nachfolgers Petri zu mystifizieren, der durch den Papst rede und handle.
Papst Gregor I. schuf die Voraussetzungen für die (Re-)Christianisierung Englands und holte durch geschicktes politisches Taktieren die Langobarden, die zur der Zeit Italien beherrschten und die Westgoten, die damals Spanien beherrschten, in die katholische Kirche zurück. Bis dahin waren beide Völker immer noch dem Arianismus angehangen, der in den Augen der katholischen Kirche seit dem Ersten Konzil von Konstantinopel 381 (s.o.) als Häresie galt.
Gregor förderte das Klosterwesen. Sein besonderes Interesse galt aber der Liturgiereform. Er soll auch den, seit dem 9. Jahrhundert als „Gregorianischer Choral“ bezeichneten Gesang in die Liturgie eingeführt haben.
Die Erzählung, die im 9. Jahrhundert aufkam, Papst Gregor I. sei selbst der Autor der ihm vom Heiligen Geist eingegebenen Stücke gewesen, gehört allerdings in das Reich der Legende. Es gilt heute als gesichert, dass Gregor I. nicht der Urheber der später nach ihm benannten liturgischen Gesänge gewesen sein kann.
Gregors erhaltenes literarisches Werk ist umfangreich und vielfältig; es umfasst bedeutende exegetische, hagiographische (also das Leben von Heiligen darstellende), moraltheologische und andere Werke in großer Zahl.
Durch seine Gelehrsamkeit wurde der Heilige Papst Gregor I zum Patron des Schulwesens und für Lehrer, Studenten und Schüler.
Im Andenken an Gregor verleiht die katholische Kirche seit 1831 den Gregoriusorden
an Laien, als Auszeichnung für Eifer in der Verteidigung der katholischen Religion
.
„Wahre Worte“ des Hl. Gregor
„Die Geschöpfe sind die Fußspuren Gottes.“
„Die Liebe selbst ist Erkenntnis.
„Gott seht außerhalb des Verstehens. Wir können nur sagen, was Er nicht ist, aber nicht, was Er ist.“
„Die Bibel ist wie ein Strom, der so flach ist, dass ein Lamm daraus trinken kann, und so tief, dass ein Elefant darin baden kann.“
„Vor der Sünde hoffe auf Gottes Gerechtigkeit, nach der Sünde hoffe auf Gottes Barmherzigkeit.“
„Wollet nicht von dem begonnenen Guten nachlassen, denn es ist durchaus notwendig, dass wir täglich glauben, wir fingen erst an.“
„Besser es gibt einen Skandal, als dass die Wahrheit zu kurz kommt.“ – lat.: „Melius est, ut scandalum oriatur, quam ut veritas relinquatur.„
„Es darf, wer anderen hilft, nicht sich selbst vergessen; es darf nicht fallen, wer andere aufrichtet.“
„Ich für meinen Teil halte die Tugend der Geduld für größer als Zeichen und Wunder.“
„Die Kunst, die Jugend zu führen und zu bilden, ist die Kunst der Künste und die Wissenschaft der Wissenschaften.“
Übrigens: Der „Gregorianische Kalender“, nach dem wir heute leben, geht nicht auf den n diesem L Kapitel vorgestellte Hl. Kirchenvater Papst Gregor I. zurück, sondern auf Papst Gregor XIII., der ihn im Jahr 1582 einführte
* 347 in Stridon, vermutlich das heutige Strigova in Kroatien
(Anmerkung zum Geburtsjahr des Hl. Hieronymus: Je nach Quelle finden sich unterschiedliche Angaben.
Demnach wäre der Heilige frühestens 329, spätestens 347 geboren worden. Das Ökumenische
Heiligenlexikon und das Bistum Augsburg setzen 347 als Geburtsjahr des Hl. Hieronymus an.)
+ 30. September 419 oder 420 in Bethlehem,
Gedenktag: 30. September
Bedeutung des Namens Hieronymus: „Heiliger Name“
Gelehrter, Asket, Reisender, Schriftsteller, Bibelübersetzer, Exeget, Priester, Seelsorger, Mentor, Einsiedler, Kardinal, Klostergründer …
Der Hl. Hieronymus ist eine sehr vielschichtige Figur mit einer äußerst bewegten Lebensgeschichte.
Als maßgebliche Autorität für die Schriftauslegung und das Mönchsleben wurde Hieronymus 1295 gemeinsam mit Ambrosius, Augustinus und Papst Gregor dem Großen zum Kirchenvater erhoben.
Vielen gilt der Hochgebildete und Weitgereiste, der sieben Sprachen beherrschte, heute als der gelehrteste und geistvollste unter den vier Kirchenvätern. Bekannt ist er bis in unsere Zeit vor allem wegen seiner Bibelübersetzung ins Lateinische, der sogenannten „Vulgata“ (lat. für „die Volkstümliche“), die nach all den Jahrhunderten immer noch Gültigkeit hat.
Geboren wurde Hieronymus als Kind einer wohlhabenden, christlichen Familie, die es sich leisten konnte, Hieronymus zum Studium nach Mailand und Rom zu schicken. Dort beschäftigte er sich anfangs mehr mit den griechischen und römischen Philosophen als mit der Bibel.
Der Legende nach, wandte er sich erst dem Bibelstudium und dem Christentum zu, nachdem ihm im Traum ein Engel erschienen war, der ihm die Bücher der Philosophen aus der Hand nahm und ihn vor den himmlischen Richter führte. Daraufhin soll Hieronymus sich bekehrt haben.
Im Jahr 366, damals vermutlich erst 19 Jahre alt (s.o.), ließ Hieronymus sich taufen.
Danach ging er zum weiteren Studium nach Trier, wo er auch das Klosterleben kennenlernte, nach Aquileia (Italien), wo er sich einer Gruppe von Asketen anschloss. und nach Antiochia (Griechenland), wo er Griechisch lernte. Anschließend lebte er bis 378 bei Einsiedlern in der Wüste nahe Aleppo (Syrien), wo er Hebräisch lernte und seine ersten exegetischen Texte verfasste.
Auf seine Zeit als Einsiedlermönch in der Wüste bezieht sich die populäre Legende, nach der eines Tages ein hinkender Löwe den Hieronymus und die anderen Mönche bedrohte. Während die anderen ihr Heil in der Flucht suchten, blieb Hieronymus bei dem Löwen und kümmerte sich um ihn. Er zog ihm einen Dorn aus der Tatze und pflegte die Wunde. Daraufhin wurde der Löwe zahm und blieb bei Hieronymus. Von dieser Legende ausgehend, gilt der Löwe bis heute als Attribut des Hl. Hieronymus.
Im Streit um die Beschlüsse des Konzils von Nizäa (s.o.) verließ der Hieronymus die Mönchsgemeinschaft und machte sich auf den Weg zurück nach Rom. Allerdings kam er wegen einer Erkrankung nur bis Antiochia. Dort wurde Hieronyms 379 zum Priester geweiht.
Die nächsten zwei Jahre verbrachte er in Konstantinopel. Zur der Zeit (381) begann dort das Konzil von Konstantinopel (s.o.). Es ist nicht überliefert, welche Rolle Hieronymus dabei spielte.
Von Konstantinopel aus kehrte Hieronymus als Begleiter und Berater zweier Bischöfe, nach Rom zurück, wo er als Seelsorger wirkte und schnell Anhänger fand, vor allem unter den vornehmen und frommen Jungfrauen und Witwen der Stadt. In Rom lernte er auch den Bischof von Rom (der Titel „Papst“ kam erst ein wenig später in Gebrauch), persönlich kennen. Damasus I. berief ihn bald zu seinem Sekretär. Daraus leitete es sich vermutlich ab, dass der Hl. Hieronymus späteren Jahrhunderten als „Kardinal“ galt und oft als solcher dargestellt wurde, so auch in der Figur am Hochaltar des Welfenmünsters (s. Abb. oben). Der Titel „Kardinal“ war zur Zeit des Hieronymus allerdings in der Kirche noch lange nicht in Gebrauch.
Verbürgt ist hingegen, dass Damasus I. Hieronymus mit der Übersetzung der Bibel ins Lateinische beauftragte. Hieronymus übersetzte daraufhin die Bibel aus den Urtexten und schuf die bis heute für die katholische Kirche verbindliche „Vulgata“ (vgl. Ökumenisches Heiligenlexikon)
Als Damasus I. im Jahr 384 starb, wollten einige Hieronymus zu seinem Nachfolger wählen. Anderen missfiel Hieronymus aber wegen seiner deutlichen Kritik am Klerus. Sie verleumdeten Hieronymus, wegen seiner angeblichen Anziehungskraft auf Frauen, und verhinderten damit seine Wahl zum Bischof von Rom.
Daraufhin verließ Hieronymus die Stadt und reiste über Zypern und Antiochia nach Jerusalem, wo er zunächst die heiligen Stätten studierte, bevor er weiterzog nach Bethlehem. Dort kam er 386 an. Einige der Frauen, die ihn als Seelsorger verehrten, gingen mit Hieronymus nach Bethlehem. Darunter war auch die sehr wohlhabende Hl. Paula. Aus dem Vermögen der Hl. Paula gründeten die beiden zusammen vier Klöster, drei Nonnenklöster und ein Männerkloster, dessen Leitung Hieronymus selbst übernahm.
35 Jahre lang lebte und wirkte der Hl. Hieronymus in seinem Kloster in Bethlehem und verfasste in der Zeit viele grundlegende theologische Schriften, die ihn zu einem der bedeutendsten Theologen aller Zeiten machten. Oft wird er in seiner Gelehrsamkeit mit dem Hl. Augustinus (s.o.) verglichen, mit dem der Hl. Hieronymus in einem direkten Briefwechsel stand. 19 seiner Briefe an Augustinus sind erhalten.
In seiner Zeit in Bethlehem vollendete der Hl. Hieronymus auch die Vulgata und verfasste darüber hinaus eine große Zahl von Bibelkommentaren und viele weitere, viel beachtete Bücher, unter anderem über die antike christliche Literaturgeschichte.
Nach seinem Tod wurde der Hl. Hieronymus zunächst in der Krypta der Geburtskirche in Bethlehem begraben. Im 13. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Rom überführt. Für das ganze Mittelalter, und oft auch darüber hinaus, galt der Hl. Hieronymus in der Kirche als DIE Autorität in allen Fragen zur Bibel und zum asketischen Leben, sowie zum Klosterleben.
„Wahre Worte“ des Hl. Hieronymus
„Irren ist menschlich.“
„Geirrt zu haben, ist menschlich, und einen Irrtum einzugestehen, Kennzeichen eines Weisen.
„Lache nicht vorschnell über jemanden, der einen Schritt zurückgeht! Er nimmt vielleicht nur Anlauf.“
„Die einzige Vollkommenheit der Menschen besteht darin,
dass sie sich ihrer Unvollkommenheit bewusst werden.“
„Der Reiche ist entweder selbst ein Gauner oder der Erbe eines Gauners.“
„Mit vollem Magen lässt sich leicht vom Fasten reden.“
„Nicht trauern wollen wir, dass wir dich verloren haben, sondern dankbar sein, dass wir dich gehabt haben,
ja auch jetzt noch besitzen, den wer in Gott stirbt, der bleibt in der Familie.“
Gemeinsamer Gedenktag: 8. August
Im großen Altarprospekt auf dem Seitenaltar rechts vorne im Mittelschiff des Welfenmünsters, dem sogenannten Nothelferaltar sind die vierzehn heiligen Nothelfer dargestellt. Sie huldigen gemeinsam der Gottesmutter mit dem Jesuskind.
Wer sind die vierzehn heiligen Nothelfer?
Im von der Pest bedrohten 13./14. Jahrhundert gewann die Heiligenverehrung stark an Bedeutung. Heilige Nothelfer sollten den Menschen beistehen, die den Schicksalsschlägen und Katastrophen ihrer Zeit ansonsten ohnmächtig ausgeliefert waren. Jedem heiligen Nothelfer wurden bestimmte Lebenssituationen oder existenzielle Notlagen zugeordnet, in denen die Gläubigen sie um ihren besonderen Beistand bitten konnten.
Im Jahr 1377 ordnete der damalige Bischof von Regensburg die Verehrung der Heiligen Barbara an, und zwar zugleich mit der Heiligen Katharina von Alexandria und der Heiligen Margareta. Der Volksmund schmiedete sich dazu den Merkvers: St. Margaretha mit dem Wurm, St. Barbara mit dem Turm, St. Katharina mit dem Radl, das sind die heiligen drei Madl.
Die drei heiligen Jungfrauen gehörten damals zu den beliebtesten Heiligen.
In Handschriften aus dieser Zeit werden, neben den drei heiligen Jungfrauen, noch elf weitere heilige Nothelfer aufgezählt: Achatius, Ägidius, Blasius, Erasmus, Eustachius, Georgius, Christophorus, Cyriacus, Dionysius, Pantaleon und Vitus. Mit Ausnahme des Hl. Ägidius, lebten sie alle in 2. bis 4. Jahrhundert und starben als Märtyrer der Christenverfolgung im römischen Reich (s.u.).
Aus der oben angegebenen Aufzählung der heiligen Nothelfer wurde die sogenannte „Regensburger Normalreihe“, mit der im Jahr 1408 verbindlich festgelegt werden sollte, welche Heiligen zu den vierzehn heiligen Nothelfern zu zählen seien. Trotzdem gab es weiterhin regionale Unterschiede. So wurde beispielsweise in einigen Regionen Bayerns, bis ins 16. Jahrhundert hinein, der Hl. Leonhard (anstelle des Hl. Cyriacus) zu den vierzehn heiligen Nothelfern gezählt.
Durch eine Vision wurde der Kult um die vierzehn Nothelfer volkstümlich: Der Legende nach sind einem Schäfer in Oberfranken in den Jahren 1445 und 1446 vierzehn Gestalten erschienen, die sich als die vierzehn Nothelfer
zu erkennen gaben und die Errichtung einer Kapelle am Ort ihrer Erscheinung forderten. Dort steht heute die Wallfahrtskirche „Vierzehnheiligen“.
Die Verehrung der vierzehn heiligen Nothelfer breitete sich über den gesamten deutschen Sprachraum, und sogar bis nach Italien, Schweden und Ungarn aus. Mehr als 800 Kirchen wurden im Lauf der Zeit den Vierzehnheiligen
gewidmet.
Warum sind es eigentlich „14“ Nothelfer?
Dass es 14 Nothelfer sind, geht wahrscheinlich auf die Verdopplung der heiligen Zahl 7 zurück. Die heilige Zahl 7 taucht im christlichen Kontext immer wieder auf, beispielsweise in den 7 Tagen der Schöpfung, den 7 Tagen der Woche; den 2 x 7 Werken der Barmherzigkeit, den 7 christlichen Tugenden; den 7 Geistesgaben, den 7 Todsünden oder dem Buch mit 7 Siegeln in der Offenbarung des Johannes.
Wer ist wer in dem Bild im Welfenmünster?
Im oberen Zentrum des Bildes s.o.) thront unübersehbar die Hl. Gottesmutter mit dem Jesuskind.

Außerdem sind gut zu erkennen (s.u. von links: die drei Hl. Jungfrauen, der Hl. Georg, der Hl. Christophorus und der Hl. Achatius <Soldat mit Helm>)
.
.
Vermutlich liegt es an der Patina der Jahrhunderte, dass die übrigen dargestellten Heiligen für uns nicht so eindeutig identifizierbar sind.
13 der 14 Nothelfer gelten als Märtyrer
im römischen Reich des 2., 3. und 4. Jahrhunderts.
Warum hat der römische Staat die Christen verfolgt und getötet?
Die Verehrung der römischen Götter galt als entscheidend für das Wohl des Reiches. Der römische Staat hätte vermutlich nichts dagegen gehabt, wenn die Christen ihrem Gott „neben“ den römischen Göttern und dem römischen Kaiser gehuldigt hätten. Im Vielgötterstaat des römischen Reiches war es nicht ungewöhnlich, wenn eine Gemeinschaft, neben den römischen Göttern, auch noch eigene Götter verehrte.
Für die Christen kam es aber nicht in Frage, neben Jesus Christus, auch den römischen Göttern oder dem Kaiser zu huldigen. Damit stellten sie sich, in den Augen der Römer, gegen den Staat. Und als Staatsfeinde wurden sie von den Römern verfolgt und hingerichtet.
Verfolgte Christen die, um der Hinrichtung zu entgehen, an Kulthandlungen zu Ehren der römischen Götter oder des Kaisers teilnahmen, taten dies meist nur „pro forma“, um des äußeren Scheines willen und um damit ihr Leben zu retten. Den Römern reichte das. Von ihren christlichen Gemeinschaften wurden sie dafür jedoch in der Regel als Sünder verurteilt und ausgeschlossen.
Diejenigen, die dem Druck der Verfolgung standhielten und deshalb den Märtyrertod starben, galten den frühen Christen als Vorbilder. Viele wurden als Heilige verehrt.
Mehr dazu z.B. in: Dünzl, Franz: Fremd in dieser Welt? Das frühe Christentum zwischen Weltdistanz und Verantwortung, Herder-Verlag 2015. (Kann bei Interesse vom Autor dieses Beitrags ausgeliehen werden.)
In der Not einen Heiligen anrufen, half im Verständnis des Volkes viel, in der Not viele Heilige anrufen, half mehr.
Unter den vierzehn heiligen Nothelfern fanden die Gläubigen in nahezu jeder Lebenslage und nahezu jeder menschlichen Not Helferinnen und Helfer, die sie um ihren Beistand anrufen konnten. Viele der heiligen Nothelfer wurden zudem im Lauf der Zeit von verschiedenen Gruppen (Ständen) zu deren Schutzpatrone erkoren.
Für einige, besonders schlimme oder besonders häufige Übel wurden gleich mehrere Nothelfer angerufen und einige Stände erkoren sich gleich mehrere Nothelfer zu Schutzpatronen. So gelten z.B. drei Nothelfer (Barbara, Christophorus und Georg) als Schutzpatrone der Bergleute und mindestes drei Nothelfer (Achatius, Dionysius und Katharina) können z.B. bei Kopfweh angerufen werden. Selbstverständlich bekamen auch die Pferde und das Vieh Nothelfer als Schutzpatrone zugewiesen, insgesamt sogar vier (Ägidius, Blasius, Erasmus und Georg).
Einige der heiligen Nothelfer (z.B. die Hl. Barbara und die Hl. Katharina) gehören zu den sogenannten „legendären“ Märtyrern, deren Historizität nicht als gesichert gilt.
Das heißt, dass die Lebensgeschichten und das Martyrium, welche ihnen im Laufe der Jahrhundert zugeschrieben wurden, sich wahrscheinlich nicht auf konkrete Persönlichkeiten beziehen, die tatsächlich in der Zeit des 3. oder 4. Jahrhunderts gelebt hätten. Demnach wären nicht nur die ihnen zugeschriebenen Legenden, sondern auch die „legendären“ Heiligen selbst, in erster Linie Imaginationen gläubiger Hoffnung und tiefer Frömmigkeit. Das tat, und tut bis heute, ihrer Verehrung durch die Gläubigen und der Wirkmächtigkeit ihrer Anrufung in großer Not aber keinen Abbruch. Die Hl. Barbara und die Hl. Katharina gehören immer noch zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligen
Eine besondere Stellung unter den Nothelfern nahm in der Volksfrömmigkeit oftmals der Hl. Christophorus ein.
Das lag vor allem daran, dass der Hl. Christophorus auch als Helfer gegen den unerwarteten Tod angerufen wurde. Vielerorts malte man deshalb sein Bild, als übergroßen Blickfang, quasi „unübersehbar“ auf Kirchenwände. Oftmals malte man sein Bild sogar groß auf die Außenmauern von Kirchen, Türmen, Burgen, Gehöften etc., so dass man den Hl. Christophorus schon von weitem sehen „musste“. Das ist heute z.B. noch an vielen alten Kirchen in Südtirol zu sehen.
Man glaubte, dass, wer gleich als erstes am Tag den Hl. Christophorus ansah und ihn um seinen Beistand anrief, darauf vertrauen durfte, für den Tag gegen einen unerwarteten Tod gefeit zu sein.
An dieser Stelle sei ein kleiner Seitenblick nach Augsburg, in den Dom erlaubt. Wenn man den Augsburger Dom durch das Ostportal betritt, fällt einem sofort das mehr als 14 Meter hohe Christophorus-Fresko (s. Bild) ins Auge. Vermutlich hat es seinen Ursprung ebenfalls in dem oben beschriebenen Volksglauben
Tief in der Volksfrömmigkeit verwurzelt ist bis heute auch der Blasiussegen gegen Halskrankheiten. Er wird jedes Jahr, am Gedenktag des Hl. Blasius (3. Februar) den einzelnen Gläubigen durch den Priester gespendet, der dazu zwei gekreuzte Kerzen über sie hält. Allerdings hat es sich eingebürgert, den Blasiussegen einen Tag vorzuziehen und den Gläubigen im Anschluss an den Festgottesdient zu Mariä Lichtmess (2. Februar) zu spenden („Wenn die Gläubigen nun schon einmal da sind …“).
Bis heute schneiden Menschen auch immer noch jedes Jahr am 4. Dezember Barbara-Zweige und stellen sie in ihren Wohnungen ins Wasser. Wenn die Zweige zu Weihnachten erblühen, gilt das als gutes Zeichen für die Zukunft.
Gedenktage der vierzehn heiligen Nothelfer:
Hl. Achatius: 4. Dezember
Hl. Ägidius: 1. September
Hl. Barbara: 4. Dezember
Hl. Blasius: 3. Februar
Hl. Christophorus: 25. Juli
Hl. Cyriacus: 8.August
Hl. Dionysius: 9. Oktober
Hl. Erasmus: 2. Juni
Hl. Eustachius: 20. September
Hl. Georg: 23. April
Hl. Katharina „von Alexandria“: 25. November
Hl. Margareta: 20. Juni
Hl. Pantaleon: 27. Juli
Hl. Vitus „Veit“: 15. Juni
Mehr über die vierzehn heiligen Nothelfer können Sie beispielsweise bei der Basilika Vierzehnheiligen nachlesen, wenn Sie möchten.
Merkvers aus der Barockzeit:
S. Blasius – bringt wegen Halsweh Fürbitt dar
S. Georgius – ist anzurufen in Kriegs-Gefahr
S. Erasmus – für Darm und Leibesschmerzen
S. Vitus – ein großer Freund der Kinder-Herzen
S. Pantaleon – Patron der Ärzten, bei Gott mächtig
S. Christoph – für Hagl und Wetter beschützt er kräftig
S. Dionysus – in Hauptweh wird gerufen an
S. Cyriacus – von Teufel Besessnen helfen kann
S. Achatius – dem christlichen Kriegsvolk hilft er behend
S. Eustachius – Betrübnis in der Ehe abwendt
S. Ägidius – hilft zu Erkenntnis heimlicher Sünd
S. Margaretha – wo Teufelslist ein Zugang findt
S. Katharina – wenn Weisheit im Studiren mangelt
S. Barbara – im Tod die Sakrament erlangt
Quelle: Ökumenisches Heiligenlexikon
Patron des Bistums Augsburg
Bischof von Augsburg
* um 890, vermutlich in Wittislingen bei Dillingen
+ 4. Juli 973 in Augsburg
Gedenktag: 4. Juli
Bedeutung des Namens: „der an Erbgut Reiche“
Im Welfenmünster findet sich die Figur, die den Hl. Ulrich im Bischofsornat zeigt, rechts in Chorraum. Sie steht hoch oben auf einem Gesims, in einer der flachen Nischen zwischen den Bögen zum Seitengewölbe (s.u.). Wenn man von der Sakristei kommend in den Chorraum tritt und gleich linker Hand nach oben schaut, ist es die Figur, die direkt über dem Ende des Chorgestühl steht.
Ulrich kam als Sohn des alemannischen Gaugrafen Hubald von Dillingen zur Welt und war tatsächlich sehr „reich an Erbgut“ (s.o. Bedeutung des Namens).
Sein Onkel Adalbero, zuvor Abt des Klosters in Ellwangen, war seit 887 Bischof von Augsburg.
Ulrich war von seiner Familie für eine geistliche Laufbahn vorgesehen und, im Alter von 10 Jahren, zum Studium in die Benediktinerabtei St. Gallen gegeben worden. Dort blieb er bis zum Jahr 908.
Anschließend, im Jahr 909, holte ihn sein Onkel Bischof Adalbero, als seinen Kämmerer, nach Augsburg. Dort empfing Ulrich vermutlich auch die Priesterweihe.
Allerdings starb Bischof Adalbero noch im gleichen Jahr. Ulrich zog sich daraufhin, aus Enttäuschung darüber, dass er nicht selbst, als Nachfolger seines Onkels, Bischof von Augsburg wurde, auf den Besitz seiner Familie zurück.
Zehn Jahre später, im Jahr 919, wurde Ulrich das Amt des Abtes in St. Gallen angetragen. Der Legende nach lehnte er dies ab, weil ihm eine St. Gallener Ordensfrau einen anderen Weg prophezeite.
Tatsächlich wurde Ulrich im Jahr 923 doch noch Bischof von Augsburg, wo er am 28. Dezember die Bischofsweihe empfing und danach fünfzig (!) Jahre lang, als Bischof und Reichsfürst, regierte.
Das Ökumenischen Heiligenlexikon erzählt über die ersten Jahre seiner Zeit als Bischof (Zitat): „Ulrich verkehrte aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen am Hof von König Heinrich I. und von Otto I., er beriet Fürsten, hielt Synoden ab, sorgte 926 für die Befestigung Augsburgs mit steinernen Mauern und verteidigte die Ansprüche seines Bistums.„
Das Ulrichskreuz als Siegeszeichen
Um das Leben des Hl. Ulrich ranken sich viele Legenden.
Die bekannteste dieser Legenden geht auf eine historisch belegte Begebenheit zurück: Im Jahr 955 waren ungarische Reiterhorden, zum wiederholten Mal, über Süddeutschland hereingefallen und belagerten die Stadt Augsburg. In der Schlacht auf dem Lechfeld wurden die Ungarn von den Verteidigern der Stadt Augsburg besiegt. Als Bischof und Reichsfürst von Augsburg war Ulrich Oberbefehlshaber über die siegreichen Truppen der Verteidiger.
Die Legende besagt nun, dass der Hl. Ulrich hoch zu Ross, ohne Schild und Waffen, nur mit der Bibel bewaffnet den militärisch und zahlenmäßig überlegenen „Heiden“ entgegengeritten sei. Während der Schlacht soll ihm daraufhin ein Engel ein Kreuz dargereicht haben. Bischof Ulrich deutete dieses Kreuz, wie seinerzeit Kaiser Konstantin der Große (s.u.), als ein Siegeszeichen – auf althochdeutsch (Zitat): „zuo ainem zaichen vnd gewißhait der kuenfftigen ueberwindtnuß wider die feind.“ Das Kreuz, das er von dem Engel erhalten hatte, soll der Hl. Ulrich während der Schlacht auf dem Lechfeld hochgehalten haben, um seinen kämpfenden Soldaten Mut und Siegeszuversicht zu geben. Dadurch konnte, mit Gottes Hilfe, wie die Legende berichtet, die Schlacht gewonnen werden.
Eine andere Version der Legende sagt, der Hl. Ulrich hätte 954 bei einem Papstbesuch in Rom ein Teilchen vom Kreuze Christi (ein „Kreuzpartikel“) erhalten, das er fortan im Brustkreuz bei sich trug. Das Kreuz wurde ihm bei seinem Tode 973 mit ins Grab gegeben, 210 Jahre später bei der ersten Öffnung der Grabstätte gefunden und entnommen. Den glücklichen Ausgang der Schlacht am Lechfeld 955 brachte man später mit dem Gebet des Heiligen und dem Segen seines Kreuzes in Verbindung.
Bis heute wird das Urlichskreuz in der „Heiltumskammer“ von St. Ulrich und Afra aufbewahrt.
Wer weiß? Hat der Hl. Ulrich das Kreuz aus der Hand des Engels erhalten oder hat er doch „nur“ ein Kreuzpartikel aus Rom mitgebracht. So oder so: die Kreuzlegende und das „Siegeskreuz“ des Hl. Ulrich spielen seit jeher eine große Rolle in der Verehrung des Hl. Ulrich.
Wer weiß? Hat der Hl. Ulrich das Kreuz aus der Hand des Engels erhalten oder hat er doch „nur“ ein Kreuzpartikel aus Rom mitgebracht?
So oder so: die Kreuzlegende und das „Siegeskreuz“ des Hl. Ulrich spielen seit jeher eine große Rolle in der Verehrung des Hl. Ulrich.
Die Benediktiner von St. Ulrich und Afra in Augsburg gaben, bis in die frühe Neuzeit hinein, Nachbildungen des Ulrichskreuzes (s. Foto rechts) an die Wallfahrer aus. Mit diesen Kreuzen war zuvor die Kreuzreliquie berührt worden. Damit galten sie selbst als „Berührungsreliquien“. Die Wallfahrer trugen damit den Segen des Hl. Ulrichs nach Hause, um ihn dort an ihre Angehörigen weiterzugeben.
Mehr zum Ulrichskreuz können Sie beispielsweise bei der Pfarreiengemeinschaft St. Ulrich und Afra/St. Anton in Augsburg nachlesen. Von dort stammt auch das Foto des originalen Ulrichskreuzes (rechts).
„in hoc signum vinces“
Parallelen der Legende vom Sieg Bischof Ulrichs auf dem Lechfeld zur Legende um die Bekehrung des römischen Kaisers Konstantin.
Die Legende Konstantin und sein Heer hätten vor einer Schlacht im Jahr 312, zu Mittag, ein Kreuz aus Licht über der Sonne mit den Worten „in hoc signo vinces“ – auf deutsch: „Unter diesem Zeichen wirst du siegen“ – gesehen. In der Nacht vor der Schlacht sei ihm dann Jesus Christus erschienen, der ihm auftrug, das Zeichen des Kreuzes gegen seine Feinde einzusetzen und fortan als Schutz- und Siegeszeichen zu verwenden. Konstantin befolgte, was ihm aufgetragen war. Und bald nach der gewonnenen Schlacht bekehrte sich Konstantin, als erster römischer Kaiser, zum Christentum.
Der Spruch „in hoc signum vinces“ wurde später oft auch auf die Kreuzerscheinung des Hl. Ulrich während der Schlacht auf dem Lechfeld bezogen. So beispielsweise auch im Deckenfresko in St. Ulrich auf dem Kreuzberg bei Steingaden (s.u.).
Wie ging es mit Bischof Ulrich nach dem Sieg über die Ungarn weiter?
Nachdem die ungarischen Reiterhorden zurückgeschlagen waren, ließ Bischof Ulrich nach und nach die von den Ungarn zerstörten Klöster und Dörfer seines Bistums wieder aufbauen, darunter auch das Kloster Benediktbeuern. Im Augsburg ließ Ulrich den von den Ungarn zerstörten Dom neu errichten.
Bischof Ulrich sorgte sich besonders um würdige und zur rechten Zeit gehaltene kirchliche Feste, um eine feierliche Liturgie, aber auch um Arme und Kranke. Im Jahr 968 gründete er am Rand der Stadt Augsburg das Frauenkloster St. Stephan und ein Spital.
Neben seinem Amt als Bischof war Bischof Ulrich zeitweise auch Abt des Klosters in Kempten und ab 973 Abt des Klosters in Ottobeuren.
Als der Hl. Ulrich starb, wurde er in Augsburg, auf eigenen Wunsch nicht im Dom, sondern in der Kirche St. Afra – heute St. Ulrich und Afra – beigesetzt. Die Trauerfeier für den Hl. Ulrich, Bischof von Augsburg, leitete der Hl. Wolfgang, Bischof von Regensburg.
Der erste offiziell „heiliggesprochene“ Heilige der katholischen Kirche.
Nur wenige Jahre nach seinem Tod im Jahr 973 setzte um den verstorbenen Bischof Ulrich eine lebhafte Heiligenverehrung ein. Ulrich wurde zum Patron vieler Kirchen in Süddeutschland erwählt. Hymnen und Litaneien besangen den Hl. Ulrich. Seine Lebensgeschichte wurde in vielen Versionen veröffentlicht und sogar in Theaterstücken weiter erzählt. Die Verehrung des Heiligen breitete sich schnell in der Kirche aus.
Am 31. Januar 993, nur zwanzig Jahre nach seinem Tod, wurde Bischof Ulrich von Augsburg als erster Heiliger überhaupt, unter Vorsitz von Papst Johannes XV., durch die Synode im Lateran in Rom, in einem förmlichen Verfahren „kanonisiert“, d.h. offiziell „heiliggesprochen“.
Mehr zu Leben und Wirken des Hl. Ulrich können sie beispielsweise beim Bistum Augsburg oder im Ökumenischen Heiligenlexikon nachlesen.
Warum war der Hl. Ulrich der „erste“ offiziell heiliggesprochene Heilige der katholischen Kirche ?
In den Anfangszeiten des Christentums waren es lange Zeit vor allem Märtyrer, die als Heilige verehrt wurde. Ihre Verehrung war eine lokale Angelegenheit, die sich meist um das Märtyrergrab herum entwickelte. Die Leute bestimmten vor Ort selbst darüber, wen sie als Heilige verehrten.
Ungefähr ab dem 6. Jahrhundert war eine bischöfliche Genehmigung für eine Heiligsprechung erforderlich. Ab dem Ende des 10. Jahrhunderts beanspruchten dann die Päpste in Rom das alleinige Recht zur Heiligsprechung für sich. Der Hl. Ulrich war der erste, der nach dieser, damals noch umstrittenen Regel offiziell vom Papst in Rom für die ganze katholische Kirche „heiliggesprochen“ wurde.
St. Ulrich – Patron der Kreuzbergkirche – Seitenblicke
Die hohe Verehrung der Prämonstratenser von Steingaden für den Hl. Ulrich lässt sich auch daran erkennen, dass sie im Jahr 1564 den Hl. Ulrich zum Kirchenpatron für die damals neu erbaute Filialkirche des Klosters auf dem Kreuzberg bei Fronreiten bestimmten.
Die Kirche entstand am Ort des Pestfriedhofs, auf dem in den Jahren 1562-64 die Pesttoten aus der damaligen Gemeinde Fronreiten bestattet worden waren.
Eine Figur des Hl. Ulrich steht dort links am Hauptaltar. Ihr gegenüber steht eine Figur der Hl. Afra, die ebenfalls als Patronin des Bistums Augsburg verehrt wird.
Um die Ulrichskirche auf dem Kreuzberg entwickelte sich schon bald nach ihrer Einweihung, aus der Verehrung des Hl. Ulrich heraus, die lokale Tradition des „Ulrichsritts“.
Diese Reiterwallfahrt wird seitdem jedes Jahr, um den Gedenktag des Heiligen herum, begangen. Sie ist immer noch ein großes Fest für die Pfarrei, an der auch viele Gläubige aus der näheren Umgebung teilhaben. Vor wenigen Jahren wurde der 450. (!) Ulrichsritt begangen.
Siehe dazu der Bericht „Ulrichsritt 2026“ unter „Aktuelles“
Sehr imposant ist das zentrale Deckengemälde der Kreuzbergkirche. Es zeigt den Hl. Bischof Ulrich, hoch zu Ross, mitten im Getümmel der Schlacht auf dem Lechfeld. Darüber sieht man den Engel, der Ulrich das Kreuz reicht und ihn auf das Motto „in hoc signo vinces“ verweist .
Eine besonders charmante Reverenz an den Hl. Ulrich findet sich in der Kreuzbergkirche auch noch auf der Abbildung der großen Votivtafel, die im Vorraum der Kirche in einer Kopie zu sehen ist (das Original der Votivtafel wird andernorts sicher aufbewahrt).
Auf der Tafel schauen der Hl. Ulrich (Mitte), der Hl. Coloman (links) und der Hl. Wendelin (rechts) vom goldglänzenden Himmel herab auf die Kreuzbergkirche und die davor Betenden. Zwischen den drei Heiligen strahlt die Monstranz mit dem Allerheiligsten, von dem segensreiche Strahlen auf den Kreuzberg ausgehen.
Die Inschrift auf der Votivtafel lautet
(ins Hochdeutsche unserer Zeit übertragen):
Mit höchstem Vertrauen
hat sich die löbliche Gemeinde Fronreiten
zum Heiligen Kreuz und
auf die Fürbitte der Heiligen verlobt,
damit Gott uns,
allem Vieh und den Pferden
in bester Gesundheit und im Wohlstand
die göttliche Gnade erhalten wolle.
Amen.
1804
Kanoniker, Wanderprediger, Chorherr, Asket,
Streiter für die Einheit der Kirche und den rechten Glauben,
Gründer des Prämonstratenserordens (OPraem),
Erzbischof von Magdeburg
* um 1080 vermutlich in Gennep (Kleinstadt in den Niederlanden, ca. 40 km von Xanten entfernt)
+ 6. Juni 1134 in Magdeburg
„Ich war am Hofe, ich lebte im Kloster, ich stand in hohen Ehrenämtern der Kirche,
und ich habe überall gelernt, dass es nichts Besseres gibt als sich ganz an Gott hinzugeben.“
(Norbert von Xanten)
Im Welfenmünster begegnet uns der Hl. Norbert von Xanten an allen Ecken und Enden. Spätestens mit der barocken Ausgestaltung der Kirche im 18. Jahrhundert machten die Steingadener Prämonstratenser das Welfenmünster endgültig zu einer „Norbertkirche“, auch wenn sie das Patrozinium ihrer Klosterkirche beim Hl. Johannes Baptist beließen.
Das vermutlich älteste, heute noch leicht zu erkennende Zeugnis der Verehrung des Hl. Norbert im Welfenmünster, stammt aus der Zeit nach den Zerstörungen des Bauernkrieges (1525). Der Chorraum wurde danach im Stil der Spätrenaissance neugestaltet. In einer prächtigen, kreuzförmigen Kassette wurde dabei der Namenszug des Hl. Norbert im Gewölbe des Chorraums verewigt.
Die drei übrigen Kassetten des Gewölbes tragen die Monogramme des Hl. Joseph (IPH), der Hl. Gottesmutter Maria (MRA) und von Jesus (IHS).
Auf diese Weise stellt das Gewölbe des Chorraums die Verehrung des Hl. Norbert quasi auf eine Stufe mit der Verehrung der Heiligen Familie, auch wenn die Abfolge „Norbert > Joseph > Maria > Jesus“ eine zum Altar hin ansteigende Verehrung zum Ausdruck bringt, die in der Anbetung Jesu Christi im Sakrament des Altares ihren Höhepunkt findet.
Norbert stammte aus reichem Hause und war von seiner Familie für die geistliche Laufbahn bestimmt. Schon als Kind wurde er in das Stift St. Viktor in Xanten gegeben, wo er, mit einer guten Pfründe ausgestattet, ein sorgenfreies Leben haben sollte. Dort wurde er zum Subdiakon geweiht, bemühte sich aber nicht ernsthaft um ein Leben als Kleriker.
Dennoch machte Norbert Karriere. In den Jahren 1108/1009 war er Hofkaplan beim Erzbischof von Köln, der gleichzeitig Reichskanzler des Kaisers war. So kam Norbert an den Hof von Kaiser Heinrich V., den er – mitten im Investiturstreit – nach Rom begleitete, wo er wohl auch bei der Krönung von Kaiser Heinrich V. durch den Papst zugegen war.
Allerdings bekam er in Rom auch mit, wie Kaiser Heinrich zuvor den Papst gefangen nahm und die Kardinäle unter Druck setzte, um die Krönung zu erzwingen. Diese, in seinen Augen unwürdige Behandlung des Papstes und der Kardinäle nahm Norbert dem Kaiser übel.
Das mag wohl einer der Gründe gewesen sein, warum Norbert das Amt des Bischofs von Cambrai in Frankreich ablehnte, als der Kaiser ihm dies zwei Jahre später antrug. Im Investiturstreit neigte Norbert allerdings ohnehin dem päpstlichen Lager zu und hätte vermutlich schon allein deshalb eine Investitur (d.h. eine Einsetzung als Bischof) durch den Kaiser abgelehnt.
Im Jahr 1115, im Alter von ungefähr 35 Jahren, hatte Norbert ein Bekehrungserlebnis. Während eines Rittes über freies Feld, riss ihn ein Blitzschlag zu Boden. Daraufhin schlug er einen neuen Weg ein.
Norbert lebte von nun an als Asket und verschrieb sich der „Gregorianischen Kirchenreform“ unter Papst Gregor VII., die sich gegen Simonie (d.h. den Ämterkauf), Laieninvestitur (d.h. die Einsetzung von Bischöfen durch die weltlichen Herrscher) und die Priesterehe richtete.
Im Dezember 1115 ließ Norbert sich zum Priester weihen. und zog fortan als Wanderprediger umher. Er propagierte die Rückkehr des Klerus zur „vita apostolica„, dem urchristlichen Lebensideal, das sich am Vorbild der Apostel orientiert und zu dessen wichtigsten Merkmalen ein Leben in Armut gehört.
Mit seinen charismatischen Reform- und Bußpredigten gewann Norbert schnell Anhänger im Volk. Unter den Klerikern traf die Sittenstrenge seiner Lehre und sein hoher Anspruch an ein enthaltsames Leben aller Kleriker jedoch auf Ablehnung. Norbert musste sich deshalb sogar gegen den Vorwurf der Ketzerei verteidigen.
Das führte dazu, dass er seine Xantener Pfründe aufgab, seine Heimat verließ und nach Nordfrankreich ging, wo er – mit päpstlicher Genehmigung – weiterhin als Prediger wirkte.
Die Amtskirche bemühte sich in der Folgezeit immer wieder, den unbequemen Reformprediger einzubinden. Vermutlich aus diesem Grund, ermutigte der Bischof von Laon in Nordfrankreich Norbert, ein eigenes Kloster zu gründen und zu leiten. Dieser sträubte sich zunächst dagegen. Er wollte seine bisherige Lebensweise nicht aufgeben. Im Tal von Prémontré hatte Norbert jedoch eine Vision, die ihn zum Umdenken brachte und ihn veranlasste, dort das Kloster zu gründen, aus dem in den Jahren darauf der Orden der Prämonstratenser Chorherren entstand.
Das Deckenfresko im östlichen Gewölbe des Mittelschiffs im Welfenmünster zeigt die Kreuzvision des Hl. Norbert im Tal von Prémontré.
Diese Darstellung des zentralen spirituellen Elements der Gründungsgeschichte des Prämonstratenserordens findet sich in den allermeisten, wenn nicht in allen, Klosterkirchen der Prämonstratenser.
Der Hl. Norbert war vermutlich selbst nie in Steingaden und hatten wohl auch nie selbst die Vision eines Klosterbaus in Steingaden.
In den zweihundert Jahren nachdem die Prämonstratenser im Jahr 1803 Steingaden verlassen mussten und damit auch das Wissen über die Traditionen des Prämonstratenserordens aus Steingaden verschwand, setzte sich in Steingaden mit der Zeit eine andere Interpretation des östlichen Deckenfreskos durch.
Bald bezog man die dort dargestellte Vision des Hl. Norbert auf die Klostergründung in Steingaden. Man interpretierte die Darstellung jetzt so, als hätte der Hl. Norbert, vielleicht auf einer seiner Reisen nach Rom entlang der via augusta, irgendwann in der Gegend von Steingaden Rast gemacht und im Traum die Vision eines Klosterbaus an dieser Stelle gehabt.
Diese Interpretation wurde scheinbar durch das Chronogramm im westlichen Deckenfresko gestützt, das den Bau des Klosters Steingaden zeigt. Dort heißt es „quod divinabat norbertus, explebat gvelpho sextus“ (dt. wörtlich übersetzt: „Was Norbert vorausgeahnt hat , halt Welf VI. in die Tat umgesetzt.“ oder in Reimform „Was Norbert schaut‘, hat Welf VI. gebaut“).
Erst als im Jahr 2012, mit Pater Petrus-Adrian Lerchenmüller OPraem, wieder ein Prämonstratenser Chorherr die Pfarrstelle in Steingaden antrat, konnte dieser den Irrtum aufklären und dafür sorgen, dass wir das Chronogramm heute wieder so verstehen, wie es ursprünglich gemeint war: „Was Norbert [in Prémontré] vorausgeahnt hat, halt Welf VI. [in Steingaden] in die Tat umgesetzt,“ bzw. in Reimform:“Was Norbert [in Prémontré] schaut‘, hat Welf VI. gebaut.“
Mit den Deckenfresken im Osten und Westen des Mittelschiffes, und deren sinnhafter Verknüpfung durch das oben zitierte Chronogramm, wollten die, um die Mitte des 18. Jahrhunderts scheinbar sehr selbstbewussten Steingadener Prämonstratenser möglicherweise zum Ausdruck bringen, dass sie, nachdem das erste Kloster in Prémontré längst untergegangen war, Steingaden fortan als das „neue Prémontré“ verstanden wissen wollten. Diese Auffassung hat sich innerhalb des Prämonstratenserordens allerdings nicht über Steingaden hinaus durchgesetzt.
Was ist ein Chronogramm?
Im Barock war es ein unter Gebildeten sehr beliebter Brauch, lateinische Inschriften, z.B. an Denkmälern oder Gebäuden, in Versform zu verfassen und sie dabei so anzulegen, dass alle darin enthaltenen Buchstaben, die auch als römische Ziffern gelesen werden können (I, V, U, X, L, C, D, M), wenn man deren Ziffernwerte zusammenzählt, die Jahreszahl des Ereignisses angeben, auf das sich der Text bezieht. So eine Inschrift, in der eine Jahreszahl verschlüsselt ist, nennt man Chronogramm (altgriechisch: chrónos = die Zeit; grámma = Geschriebenes)
Das Chronogramm im westlichen Deckenfresko des Welfenmünsters lautet: „qVoD DIVInabat norbertVs, eXpLebat gVeLpho seXtVs“
Wenn man die darin enthaltenen römischen Ziffern zusammenzählt, ergibt sich daraus
V+D+D+I+V+I+V+X+L+V+L+X+V = 5+500+500+1+5+1+5+10+50+5+50+10+5 = 1147 (das Gründungsjahr des Klosters Steingaden)
Die Prämonstratenser leben bis heute nach der Regel des Hl. Augustinus und tragen immer noch den weißen Habit, der sie als „Zeugen der Auferstehung“ ausweist
Der große Altarprospekt des Hauptaltars im Welfenmünster nimmt darauf Bezug.
In idealisierender Darstellung zeigt das Bild, wie die Hl. Gottesmutter Maria mit dem Kind dem Hl. Norbert, hier noch im dunklen Habit des Wanderpredigers dargestellt, den weißen Habit der Prämonstratenser übergibt. Links daneben zeigt das Bild den Hl. Augustinus, der dem Hl. Norbert seine Ordensregel übergibt.
Rechts neben der Gottesmutter ist der Hl. Johannes Baptist zu sehen, der die Szene zu bezeugen scheint.
Norbert lebte in einer unruhigen Zeit, die auch von vielfältigen, sich teils widersprechenden Reformbewegungen innerhalb und außerhalb der Kirche geprägt war. Norbert wurde immer wieder in Glaubensstreitigkeiten mit anderen Reformern verwickelt, die sich, im Gegensatz zu ihm, gegen die Lehren der Kirche stellten.
Einer dieser ketzerischen Wanderprediger, mit denen Norbert sich auseinandersetzen musste, war Tanchelin von Antwerpen. Seine Verehrer rechneten es Norbert in den folgenden Jahrhunderten hoch an, dass es Norbert gelang, als Prediger die Lehren des Tanchelin von Antwerpen zu entkräften und ihm seine Anhängerschaft abspenstig zu machen.
Auch wenn es vermutlich ein Sieg der besseren Argumente und des größeren Charismas war, fand die Kunst für den Sieg Norberts über Tanchelin manchmal recht martialische Ausdrucksformen, so auch im Welfenmünster.
Im Altarprospekt des Norbertaltars, der Seitenaltar vorne links im Mittelschiff des Welfenmünsters, ist zu sehen, wie der Hl. Norbert und seine Prämonstratenser, mit der unerschütterlichen Verehrung der Hl. Eucharistie den Tanchelin überwanden, der ihnen „am Boden zerstört“ zu Füßen liegt.

Noch dramatischer ist die Bildsprache, die das mittlere Deckenfresko für den Sieg des Hl. Norbert über Tanchelin findet.
Von der Monstranz, die der Hl. Norbert, hier im Ornat des Bischofs von Magdeburg dargestellt, in der Hand hält, geht ein Lichtstrahl nach unten rechts aus. Der Lichtstrahl trifft auf einen glänzenden Schild, welcher von einem Engel gehalten wird. An dem Schild bricht sich der Lichtstrahl und wird dabei zu einem Blitz, der Tanchelin und dessen Gefolgschaft niederstreckt.
Wie aus Darstellung des Hl. Norbert im mittleren Deckenfresko als Bischof schon zu erkennen ist, nahm die Lebensgeschichte des Hl. Norbert nach der Klostergründung in Prémontré und dem Sieg über den Ketzer Tanchelin noch einmal eine ganz andere Wendung.
Fünf Jahre nach der Klostergründung wurde der Hl. Norbert nämlich, zum Leidwesen seiner Ordensbrüder und -schwestern, zum Bischof von Magdeburg ernannt, wohl auch, weil man dem gestrengen Bußprediger zutraute, dort einige Missstände abzustellen. Am 18. Juli 1126 zog der Hl. Norbert daraufhin barfuß und im Büßergewand in seine Bischofsstadt ein. Er holte bald einige seiner Mitbrüder aus Prémontré nach, gründete in seinem Bistum neue Klöster und öffnete das Ordensleben der Prämonstratenser für die Seelsorge.
Seine letzten Lebensjahre widmete der Hl. Norbert als Bischof auch der politischen Arbeit im Dienst der Kirche und des Kaisers. Er setzte sich für die Aussöhnung zwischen Kaiser Lothar III. und Papst Innozenz II. ein und verteidigte Papst Innozenz II. auch gegen den zeitweiligen Gegenpapst.
Auf einer Reise nach Rom holte der Hl. Norbert sich im Jahr 1132 vermutlich die Malaria, von der er sich nicht mehr erholte. Krank kehrte er nach Magdeburg zurück, wo er zwei Jahre später verstarb. Seine Gebeine wurden in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges von Magdeburg nach Prag, in die Prämonstratenser-Abtei Strahov überführt.
Im Jahr 2016, im Rahmen der dritten Wallfahrt „auf den Spuren des Hl. Norbert“ besuchte eine Gruppe aus Steingaden, dort sein Grab.
Um den Tod des Hl. Norbert rankt sich eine Legende, nach der der Hl. Norbert bei seinem Tod durch die Hl. Gottesmutter Maria in den Himmel aufgenommen worden sei. Dieser Legende ist das mittlere Deckenfresko im Welfenmünster gewidmet.
In eindrucksvoller allegorischer Überhöhung brachte der Künstler darin zum Ausdruck, dass sich der Hl. Norbert diese Auszeichnung durch sein unermüdliches Eintreten für die Bewahrung des rechten Glaubens und der Einheit der Kirche verdient hätte. Beide, die Allegorie des rechten Glaubens und die Allegorie der Kirche geben deutliche Fingerzeige auf den Hl. Norbert in der Bildmitte, den sie damit der besondere Fürsorge durch die Gottesmutter und die Hl. Dreifaltigkeit (in dem Fresko oben direkt über ihm dargestellt) anempfehlen
Wenn man durch das Welfenmünster und die wenigen anderen, erhaltenen Klostergebäude in Steingaden streift, kann man immer wieder neue Relikte der Verehrung des Hl. Norbert aus Klosterzeiten entdecken, so beispielsweise auch im Epitaph des Welf an einer Säule im vorderen Mittelschiff des Welfenmünsters, oder im Flur des ehemaligen Klostergebäudes über dem Kreuzgang.
Bitte schauen Sie sich bei ihrem nächsten Besuch im Welfenmünster auch selbst um. Sie werden bestimmt noch das Eine oder Andere finden, das auf den Hl. Norbert verweist.
Mehr zum Hl. Norbert können sie beispielsweise beim Generalpostulator des Prämonstratenserordens in Rom nachlesen, wenn Sie möchten.
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Anlässlich der 600-Jahr-Feier im Jahr 1747 wurde das Welfenmünster im Stil des Barock neugestaltet. Als Bildprogramm gaben die Prämonstratenser Chorherren den beteiligten Künstlern vor allem Motive aus der Geschichte ihres Ordens und die Darstellung der Heiligen und Seligen des Ordens vor.
Insgesamt sind sechzehn heilige und selige Prämonstratenser, darunter eine Frau (die selige Gertrud), in Fresken und Altarbildern im Welfenmünster dargestellt. Der einzige von ihnen, der einen direkten Bezug zu Steingaden hat, ist der Sel. Abt Otheno von Rot, der zusammen mit Welf VI. das Kloster Steingaden gründete und es mit Prämonstratenser Chorherren aus Rot an der Rot besiedelte.
Die übrigen Heiligen der Prämonstratenser waren im Norden Deutschlands, in Frankreich, in den Niederlanden oder in Tschechien beheimatet. In Bayern und Schwaben konnten die Menschen, außer den Prämonstratenser Chorherren selbst, wohl schon zu Klosterzeiten kaum etwas mit ihnen anfangen.
Mehr als 200 Jahre nach der Auflösung des Klosters Steingaden in der Säkularisation, sind die dargestellten Heiligen des Prämonstratenserordens in unserer Region weitgehend in Vergessenheit geraten. Im Folgenden wollen wir sie wieder in Erinnerung rufen.
Der Hl. Norbert von Xanten, Gründer des Prämonstratenserordens, rückte in den vergangenen 15 Jahren allerdings bereits mehrfach in den Blick der Steingadener (z.B. durch drei Wallfahrten „auf den Spuren des Hl. Norbert“ und das große Freilichtspiel „Die Anstifter“). Dem Hl. Norbert von Xanten ist in, als eigenes Kapitel, in unserer Reihe das vorausgehende Kapitel, zu dem sie HIER gelangen können.
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Die heiligen und seligen Prämonstratenser im Welfenmünster sind …:
… dreizehn vom Papst selig- oder heiliggesprochene (kanonisierte) Prämonstratenser, darunter eine Frau (Sel. Gertrud) und einer (Hl. Gerlach), der zwar nicht selbst dem Orden angehörte, von den Steingadener Prämonstratensern dennoch wie einer der ihren verehrt wurde:
… und zwei im Orden verehrte Heilige und Selige, die bisher nicht vom Papst kanonisiert wurden:
Eine Sonderstellung in der Verehrung der Steingadener Prämonstratenser nahmen die Märtyrer des Prämonstratenserordens ein, die in der Aufzählung oben mit roter Schrift gekennzeichnet sind. Ihnen ist im Welfenmünster ein eigener Seitenaltar, der Märtyreraltar (s.u.), gewidmet.
Drei der Märtyrer und die übrigen heiligen und seligen Prämonstratenser sind zudem in den Arkadenbildern auf der linken Seite und der rechten Seite oberhalb des Mittelschiffes im Welfenmünster dargestellt. Der Sel. Abt Otheno von Rot ist auf dem westlichen Deckenfresko über der Orgelempore dargestellt.
Hinweis: Die im Folgenden auszugsweise wiedergegebenen Informationen zu den kanonisierten Heiligen und Seligen des Prämonstratenser-Ordens sind zum größten Teil dem offiziellen Verzeichnis der Heilligen und Seligen des Prämonstratenser-Ordens entnommen, das der für Heilig- und Seligsprechungsprozesse zuständige Generalpostulator des Ordens im Jahr 2014 in Rom herausgegeben hat.
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Der Selige Otheno (auch „Odino“) von Rot
(+ 1182 in Mönchsroth – heute Rot an der Rot; Gedenktag: 2. Januar)
Erster Abt des Klosters Mönchsroth
Mitbegründer des Klosters Steingaden
Von Otheno ist uns nicht viel mehr bekannt, als dass er im Jahr 1140 der erste Abt des bereits im Jahr 1126 gegründeten Prämonstratenserklosters Mönchsroth wurde.
Otheno war ein Vertrauter von Welf VI., dem Schutzherrn (Vogt) des Klosters Mönchsroth. Vermutlich deshalb entsandte Otheno im Jahr 1147 Ordensleute seines Klosters in Mönchsroth zur Gründung des im gleichen Jahr von Welf VI. gestifteten Klosters nach Steingaden.
Einer der Ordensmänner, die Otheno von Mönchsroth nach Steingaden entsandte, war der Hl. Anselm von Rot. Er wurde der erste Probst des Klosters Steingaden. Auch von Anselm ist uns nicht viel überliefert. Im Ökumenischen Heiligenkalender heißt es über Anselm lediglich: „Unter seiner Leitung wurde das Stift mit Chorherren aus Rot besiedelt und erblühte als Hort strenger Lebensführung und hoher Gelehrsamkeit.“ Hans Pörnbacher schreibt in seinem Buch über Steingaden, das im Jahr 1997 anlässlich der 850-Jahr Feier des Klosters erschien, über Probst Anselm: „ … er kümmert sich um den Besitz des Klosters, vermeidet dabei allen Streit. Er stirbt im Ruf der Heiligkeit.“ Der Hl. Anselm von Rot gilt als nicht kanonisierter Heiliger und taucht in verschiedenen Heiligenverzeichnissen auf, manchmal auch unter dem Namen „Anselm von Steingaden“.
Dargestellt ist im Welfenmünster nur einer der beiden, der Sel. Abt Otheno von Rot, und auch der nur recht klein und unscheinbar. Wenn man weiß, wo man suchen muss (s.u.), findet man ihn im westlichen Deckenfresko (über der Orgelempore) im weißen Habit der Prämonstratenser, im Gespräch mit Welf VI. und dem Baumeister, die linke Hand auf einem Bild des Klosters Steingaden.
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Der Seitenaltar vorne rechts, am Übergang vom Mittelschiff zum Chorraum des Welfenmünsters, ist der Altar der Märtyrer des Prämonstratenserordens.
Sechs Märtyrer des Orden sind auf dem Altarprospekt des Märtyreraltars dargestellt (rechts oben neben dem Kruzifix beginnend – im Uhrzeitersinn):
Sel. Hroznata von Tepl + 14. Juli 1217
Hl. Elko von Lidlom + 22. März 1332
Hl. Jakob Lacoupe + 9. Juli 1572
Hl. Adrian Jansen + 9. Juli 1572
Hl. Ludolf + 29. März 1250
Sel. Petrus-Adrian + 13. Oktober 1793 (?)
Der sechste Märtyrers auf dem Bild gibt uns Rätsel auf. Die Bibel als Attribut in seiner Hand wäre ein Hinweis auf den Sel. Petrus-Adrian. Passt dessen Martyrium im Jahr 1793 noch zur Entstehungszeit des Bildes? Wir wissen es nicht.
Alternativ käme evtl. der Hl. Friedrich von Hradisco (+1336) als sechster der Märtyrer auf dem Bild in Frage. Einige Verzeichnisse nennen ihn als Märtyrer, geben aber sonst nicht viel über ihn her.
Alle auf dem Altarbild dargestellten Heiligen und Seligen tragen Palmzweige als Siegeszeichen in ihren Händen. Das kennzeichnet sie, nach ikonographischer Tradition, als Märtyrer des Glaubens. Gedenktag der Märtyrer ist jeweils ihr Todestag.
Der Sel. Hroznata (* um 1170) war ein reicher Adliger. Er versprach zunächst, am Kreuzzug teilzunehmen, stiftete dann aber stattdessen die Prämonstratenserabtei Tepl (Tschechien), in die er auch selbst als Ordensmann eintrat. Er setzte sich energisch für die Interessen, vor allem auch die wirtschaftlichen, des Klosters ein. Von Feinden der Abtei wurde er, vermutlich deshalb, gefangengenommen und in Hohenberg an der Eger eingekerkert. Sie wollten erst ein Lösegeld für ihn erpressen. Am Ende folterten sie den Hl. Hroznata und ließen ihn in seinem Kerker verhungern.
Der Hl. Elko von Lidlom war Abt des Klosters Mariadal in Lidlom (Niederlande). Er wurde von seinen eigenen Mitbrüdern erschlagen, weil er gegen deren Trinken und Fleischkonsum in der Fastenzeit protestierte.
Eine Kapsel mit Reliquien des Sel. Hroznata,
des Hl. Adrian Jansen und des Hl. Jakob Lacoupe wurde zur Altarweihe im Oktober 2019 in den Altarstein des neuen Hauptaltars im Welfenmünster eingemauert.

(Foto: Pfarrei Steingaden)
Der Sel. Petrus-Adrian (* 1757) fiel den Wirren der ersten Jahre nach der Französischen Revolution zum Opfer. Mit einer Lüge, oder wenigstens einer Aussageverweigerung, hätte er sich womöglich der Anklage wegen seines angeblichen Verstoßes gegen die Revolutionsverfassung entziehen können. Im Bewusstsein, dass er im Grunde nicht für sein angebliches Vergehen gegen die Zivilverfassung für den Klerus verfolgt wurde, sondern weil er katholischer Priester war, entschied er sich jedoch bei der Wahrheit zu bleiben. Dafür musste er unter der Guillotine sterben. Schon sehr bald begann seine Verehrung als „Märtyrer der Wahrheit“.
Den übrigen Heiligen und Seligen des Prämonstratenserordens ist im Welfenmünster jeweils eines der zehn Arkadenbilder gewidmet, die sich auf der linken Seite und der rechten Seite des Mittelschiffes über den Arkadenbögen befinden.
Die Heiligen der Arkadenbilder im Welfenmünster
Linke Seite im Mittelschiff, vorne beginnend:
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1. Der Hl. Siard (+1230; Gedenktag: 14. November)
Abt, Helfer der Armen, Friedenstifter
Der Hl. Siard stammte aus einer friesischen Adelsfamilie und studierte in der Klosterschule von Mariengaarde (dt.: Mariengarten; heutige Niederlande). Er trat dann auch selbst in das Kloster ein, wurde später dort Abt und führte sein Kloster in materieller und spiritueller Hinsicht zu neuer Größe.
Gerühmt wurde der Hl. Abt Siard vor allem wegen seiner Bescheidenheit, seiner Fürsorge für die Armen und seiner Fähigkeit, Frieden zu stiften.
Auf dem Arkadenbild im Welfenmünster ist der Hl. Siad als Abt dargestellt, der Brot an die Armen verteilt.
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2. Der Hl. Evermond (+1178; Gedenktag: 17. Februar)
Probst, Klostergründer, Bischof, Apostel der Wenden
Evermond schloss sich 1120 dem Hl. Norbert von Xanten an und wurde einer seiner treuesten Schüler. Der machte Evermond zum Probst in dem vom Hl. Norbert selbst im Jahr 1131 gegründeten Kloster Gottesgnaden. Später wurde Evermond Probst des Klosters in Magdeburg und gründete auch noch selbst vier neue Klöster .
Der Welfenherzog Heinrich der Löwe (ein Neffe unseres Welf VI.) ernannte Evermond zum ersten Bischof seines neu gegründeten Bistums Ratzeburg.
Bischof Evermond widmete sich unter anderem der Missionierung eines an der Elbe lebenden Stammes der Slawen (altertümlich für Slawen: „Wenden“). Deshalb wird er auch als „Apostel der Wenden“ bezeichnet.
Darauf bezieht sich vermutlich auch die im Arkadenbild dargestellte Legende. Durch Besprengen mit Weihwasser im Ostergottesdienst (Taufe?) befreit der Hl. Bischof Evermond im Dom von Ratzeburg Gefangene (Slawen?) von ihren Fesseln (des Unglaubens?).
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3. Der Hl. Adrian Jansen und der Hl. Jakop Lacoupe (+1572; Gedenktag: 9. Juli)
Adrian: Ordensmann, Pfarrer, Märtyrer
Jakob: Ordensmann, (Re-)Konvertit, Büßer, Märtyrer
Der Hl. Adrian (* 1529) trat in das Kloster Middelburg (Niederlande) ein und wirkte dort als Novizenmeister und Pfarrer. Im Jahr 1572, damals war Adrian 43 Jahre alt, ernannte ihn sein Abt zum Pfarrer von Monster.
Der Hl. Jakob (*1542) trat zunächst ebenfalls in das Kloster Middelburg ein, konvertierte aber mit 22 Jahren zur Reformation und wurde protestantischer Pfarrer. Nach seiner Rückkehr in die katholische Kirche und in sein Kloster absolvierte er eine fünfjährige Bußzeit, bevor sein Abt Jakob zum Kaplan von Monster ernannte.
Im Juli 1572, kurz nachdem die beiden in Monster angekommen waren, überfielen reformierte Anhänger Calvins (die „Geusen“) den Pfarrhof, verschleppten die beiden nach Gorkum, folterten sie dort auf grausamste Weise und richteten sie hin. Gemeinsam mit den beiden Prämonstratensern erlitten dort auch ein Dominikaner, elf Franziskaner, ein Augustiner und vier Weltpriester das Martyrium. Sie werden zusammen als „Märtyrer von Gorkum“ bezeichnet.
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4. Die Selige Gertrud von Altenberg (1227-1297; Gedenktag: 13. August)
Äbtissin, Weissagerin, Streitschlichterin, Friedenstifterin
Gertrud (1227-1297) war die Tochter der Hl. Elisabeth von Thüringen.
Wenige Wochen vor ihrer Geburt starb ihr Vater, der Landgraf Ludwig von Thüringen und Hessen auf einem Kreuzzug. Ihre Mutter verstarb als Gertrud vier Jahre alt war.
Die Hl. Elisabeth vertraute ihre Tochter schon als kleines Kind, im Alter von zwei Jahren, dem Prämonstratenserinnen-Stift im hessischen Altenberg (nahe Wetzlar) an, wo Gertrud später ins Kloster eintrat.
Im Alter von acht Jahren erlebte Gertrud die Heiligsprechung ihrer Mutter.
Mit einundzwanzig Jahren wurde sie Äbtissin des Klosters in Altenberg. Sie setzte ihr ererbtes Vermögen für den Ausbau des Klosters ein und kümmerte sich um die Not der Ärmsten.
Die selige Gertrud hatte die Gabe der Weissagung und vollbrachte wundersame Taten. Vor allem aber wurde sie für die Gabe gerühmt, Streit zu schlichten und verfeindete Menschen miteinander zu versöhnen. Darauf weisen der zahme Löwe zu ihren Füßen, der Soldat der die Waffen streckt und der fliehende Brandstifter hin, mit denen sie auf dem Arkadenbild im Welfenmünster dargestellt ist.
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5. Der Hl. Hermann-Joseph (1150-1241; Gedenktag: 21. Mai)
Marienverehrer, Mystiker
Der Hl. Hermann stammte aus Köln und trat vermutlich schon mit 12 Jahren in das Kloster Steinfeld in der Eifel ein.
In den Jahren nach seiner Priesterweihe entwickelte sich der von Krankheiten geplagte Hermann zum Mystiker, hatte Visionen und erlebte Ekstasen.
In einer mystischen Vermählung mit der Gottesmutter erhielt er den Beinamen „Joseph“.
Auf dem Arkadenbild im Welfenmünster ist der Hl. Hermann-Joseph in der mystischen Vermählung mit der Hl. Gottesmutter Maria dargestellt.
Die Heiligen der Arkadenbilder im Welfenmünster
Rechte Seite im Mittelschiff, vorne beginnend:
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1. Der Hl. Gilbert (1076-1152; Gedenktag: 6. Juni)
Ritter, Kreuzfahrer, Klostergründer, Abt
Gilbert stammte aus dem Hochadel der Auvergne in Frankreich und nahm am 2. Kreuzzug teil, ebenso wie der Stifter des Klosters Steingaden, Welf VI..
Nach seiner Rückkehr gründete Gilbert ein Prämonstratenser-Frauenkloster, dem seine Gemahlin Petronella vorstand und das Prämonstratenser-Herrenstift Neuffontaines, dessen Abt er selbst wurde.
Das von ihm am Kloster errichtete Hospital wurde wegen der Wunder, die sich dort ereigneten, schnell bekannt. Er selbst hatte die Gabe, durch Handauflegen – vor allem Kinder – zu heilen.
Im Arkadenbild ist der Hl. Gilbert dargestellt, wie er einen lahmen Knaben durch Handauflegen heilt.
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2. Der Hl. Gerlach von Valkenburg (ca. 1100-1174; Gedenktag: 5. Januar)
Ritter, Einsiedler
Der Hl. Gerlach gehörte selbst nicht dem Orden der Prämonstratenser an. Am Ort seines Lebens und Wirkens, in Valkenburg, wurde dennoch zu seiner Verehrung ein Prämonstratenser-Kloster gestiftet.
Gerlach war von adliger Herkunft und reiste als Ritter umher. Als er erfuhr, dass zu Hause seine Frau verstorben war, war er betrübt, dass er nicht bei ihr gewesen war, als sie starb. Er pilgerte nach Rom und bat den Papst um eine angemessene Buße. Der schickte ihn für sieben Jahre auf Pilgerschaft nach Jerusalem und riet ihm, nach seiner Rückkehr ein christliches Leben in Askese zu führen.
Gerlach verschenkte daraufhin all seine Besitztümer, ging nach Jerusalem und arbeitet dort im Krankenhaus und als einfacher Hirte. Zurückgekehrt, ließ er sich in der Nähe von Valkenburg als Einsiedler nieder.
Viele bewunderten ihn für seine Lebensweise. Andere hielten ihn für einen Scharlatan und verweigerten ihm in seinen letzten Stunden die Kommunion und die Krankensalbung. Daraufhin erschien ihm, nach der Lebende, der Hl. Bischof Servatius, der ihm die Sterbesakramente anbot. Darauf bezieht sich auch die Darstellung in dem Arkadenbild im Welfenmünster.
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3. Der Hl. Ludolf von Ratzeburg (+1250; Gedenktag: 26. April)
Bischof, Märtyrer
Ludolf war Prämonstratenser und lebte mit seinen Mitbrüdern ein sehr strenges Klosterleben. 1236 wurde er Bischof von Ratzeburg und war im Jahr darauf beteiligt an der Gründung eines Benediktinerinnenklosters.
Als er sich im Jahr 1247 gegen den Herzog von Sachsen-Lauenburg zur Wehr setzte, um die Enteignung des Klostergutes durch den Herzog zu verhindern, wurde er gefangengenommen, gefoltert und erst nach langer Haft wieder freigelassen.
Kurz nach seiner Freilassung starb er an den Folgen von Folter und Haft und wird deshalb als Märtyrer verehrt.
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4. Der Hl. Gottfried von Cappenberg (1096/97-1127; Gedenktag: 13. Januar)
Stifter, Klostergründer, Ordensmann, Begleiter des Hl. Norbert
Die Grafen von Cappenberg gehörten zu den reichsten und mächtigsten Familien des Landes. Nach vielerlei kriegerischen Auseinandersetzungen gaben Gottfried von Cappenberg und sein Bruder Otto jedoch ihr weltliches Leben auf und wandelten ihre Burg in ein Kloster um.
Im Jahr 1121, also bereits im ersten Jahr nach der Gründung des Klosters in Prémontré, übertrugen sie ihren gesamten Besitz dem Hl. Norbert von Xanten, der ihn dazu verwendete, vier Prämonstratenser-Klöster aufzubauen. Drei Jahre später traten Gottfried und Otto selbst in den Orden der Prämonstratenser ein.
Die Legende sagt, dass Gottfried in der Nacht, als er starb, seiner Tante Gerberg, Äbtissin eines Marienklosters, erschien. In der Vita des Hl. Gottfried steht dazu: „… Als jene aber, die von seinem Hinscheiden nichts wusste, ihn fragte: ‚Wie kommt das, Geliebtester, dass Du gekrönt umhergehst?‘ antwortete jener: ‚Wisse, dass ich ohne irgendwelchen Verzug und ohne irgendeine Gefahr schweren Gerichts in die Wohnung des höchsten Königs aufgenommen und wie ein Königssohn mit seliger Unsterblichkeit gekrönt bin. …“. Auf diese Erscheinungslegende bezieht sich die Darstellung des Hl. Gottfried (mit der Krone in der Hand) auf dem Arkadenbild im Welfenmünster.
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5. Der Hl. Friedrich von Mariengaarde (+1175; Gedenktag: 4. Februar)
Lehrer, Priester, Klostergründer, Abt
Friedrich war der Sohn einer armen Witwe in Hallum in Friesland. Der Dorfpfarrer erkannte früh seine Berufung zum Priester und förderte ihn.
Im Jahr 1163/64 gründete Friedrich in Hallum das Kloster Mariengaarde, dessen Leitung er als Abt übernahm. Außerdem wirkte er als Pfarrer in Hallum.
Dort zelebrierte er auch seine letzte Messe, bevor er in seinem Kloster starb. Über seinem Grab ereigneten sich so viele Wunder, dass die Klosterkirche in Hallum bald zu einer Wallfahrtskirche wurde.
Das Arkadenbild im Welfenmünster zeigt den Hl. Friedrich, vermutlich mit einer Erscheinung der Hl. Cäcilia. Über die Legende, auf die sich diese Darstellung bezieht, ist in den verfügbaren Quellen nichts zu finden.
Hinweis: Einige der im Text als Heilige bezeichneten Prämonstratenser, werden in der Betitelung der Arkadenbildern nicht mit „Hl.“, sondern mit „Sel.“ apostrophiert. Das liegt vermutlich daran, dass einige der vor 1728 noch als „Selige“ bezeichneten Prämonstratenser, erst im Jahr 1728 vom Papst heiliggesprochen wurden. Das kam für die Maler der Arkadenbilder scheinbar zu spät, um die Betitelung der Bilder noch von „Sel.“ auf „Hl.“ anzupassen. Im Text ist die Betitelung so, wie sie heute in der offiziellen Liste der Heiligen und Seligen des Ordens angegeben ist.
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