Die vier Kirchenväter

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Die prächtige Kanzel des Welfenmünsters bezieht sich in ihrer Gestaltung auf die vier Evangelisten und die vier Hl. Kirchenväter, die die Menschen auf Christus weisen. Dabei verzichtet sie auf die figürliche Darstellung der Personen. Die Kanzel bleibt ganz in der Symbolik und verweist damit auch auf das Geheimnisvolle, das Unergründliche des Glaubens an Jesus Christus. 

Die Symbolik der Kanzel erschließt sich vielleicht am besten,  wenn man die drei Sphären, auf die sie sich bezieht, von unten nach oben betrachtet. 

Unten (in der Ornamentik des Kanzelkorbes): Symbole für die vier Evangelisten. Sie stehen für die Offenbarung des Wortes Gottes im Evangelium, das Fundament des christlichen Glaubens.

 

In der Mitte (in der Ornamentik des angedeuteten Schalldeckels): Die Symbole für die vier Hl. Kirchenväter, um die es in diesem Artikel geht. Sie stehen für die theologische Auslegung des Wortes Gottes durch die Kirche. In der Auslegung erschließt die Kirche den Gläubigen das Evangelium und leitet sie damit auf dem Weg zu Gott.

Oben (in einem Strahlenkranz über der Kanzel): Das Symbol „IHS“ für Jesus Christus, auf den die Offenbarung und die Auslegung des Wortes hinführen. (IHS: lateinisch „Jesus Humani Salvator“, in deutscher Übersetzung „Jesus, Retter der Menschen“, stattdessen oft auch frei eingedeutscht als „Jesus, Heiland, Seligmacher“)

 

Diese Ansicht zeigt den angedeuteten Schalldeckel der Kanzel von unten und vom Chorraum aus betrachtet. 

Rechts auf dem Ornamentkranz ist die Darstellung des Bienenkorbs zu sehen, der für den Hl. Ambrosius steht. 

In der Mitte sieht man die Darstellung des Löwen, der für den Hl. Hieronymus steht. 

Links im Bild, gerade noch von hinten zu sehen, ist die Hand des kleinen Engels, die die Darstellung des  brennende Herzens hochhält, das symbolisch für den Hl. Augustinus steht. 

Die Mitra, die für den Hl. Gregorius steht, ist auf der dem Blick abgewandten Seite dargestellt.

(Zu den einzelnen Symbolen:
siehe auch die Detailfotos oben)

Was bedeutet der Titel „Kirchenväter“?

Als Kirchenväter (von lateinisch „pater ecclesiae“) werden die Verfasser antiker, christlich-theologischer Texte bezeichnet, die mit ihren Schriften maßgeblich zur Lehre und zum Selbstverständnis des Christentums beigetragen haben. Bis heute haben ihre Lehren Einfluss, nicht nur auf die Fortentwicklung der christlichen Theologie, sondern auch auf die Formulierung von Dogmen und die Auseinandersetzung mit anderen Glaubensrichtungen.

Als die wichtigsten Kirchenväter unserer, der „lateinischen“ Kirche gelten die Heiligen Ambrosius, Augustinus, Gregorius und Hieronymus. Die vier lebten und wirkten im 4. und 5. Jahrhundert und prägten die westliche christliche Tradition in Theologie und Glaubenspraxis.

(Zur Unterscheidung: Theologie und Praxis der „östlichen“ Kirche wurden, in Abgrenzung zur westlichen „lateinischen“ Kirche, von den Heiligen Anasthasius, Basilius der Große, Gregor von Nazianz und Johannes Chrysostomus geprägt, die den Ostkirchen als wichtigste Kirchenväter gelten.)

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Hl. Augustinus "von Hippo"

* 13. November 354 in Thagaste in Numidien, dem heutigen Souk Ahras in Algerien.
+ 28. August 430 in Hippo Regius, später Bône, nahe des heutigen Annaba in Algerien

Gedenktag: 28. August

Der Hl. Augustinus gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte. Als Mensch war er dennoch ein Zerrissener und blieb lange Zeit ein Suchender und ein Zweifelnder. 

Früh fand der begabte Junge einen Förderer, der ihm eine Ausbildung in den freien Künsten Grammatik, Dialektik, Rhetorik und Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik ermöglichte. Nach einer einjährigen Unterbrechung seines Studiums, wegen Geldmangels, schloss er in Karthago, nahe dem heutigen Tunis, das Rhetorikstudium ab. Bereits als 20-jähriger begann er als Rhetorik-Professor zu arbeiten, zuerst in seiner Heimatstadt Tagaste, später in Karthago. Zu der Zeit bekam er einen Sohn mit einer Frau, von der wir nicht viel wissen, außer dass Augustinus mit ihr nicht verheiratet war, nach der Geburt des Kindes aber noch viele Jahre mit ihr zusammenlebte. 

Der Gelehrte empfand für die christliche Religion seiner Mutter zunehmend Verachtung. Er las zwar die Bibel, fühlte sich aber von ihrer ungelehrten Sprache abgestoßen. Hingegen fühlte er sich von den philosophischen Schriften Ciceros angezogen. Nach ihrer Lektüre schloss er sich dem Manichäismus an, der dem Christentum der damaligen Zeit schwer zu schaffen machte. Mit seiner Lehre einer strengen Teilung der Welt in Gut und Böse, erschien der Manichäismus Augustinus zunächst als die tiefere und radikalere Form des Christentums. Bald begann er aber auch am Manichäismus zu zweifeln.

Mit 28 Jahren siedelte er nach Rom über. Ein Jahr später bekam er eine Stelle als Rhetoriklehrer in Mailand, das zu der Zeit die Hauptstadt des Weströmischen Reiches war. In seinem Privatleben ging es zu der Zeit drunter und drüber. Weil er plante ein minderjähriges Mädchen zu heiraten, verließ ihn, nach anderthalb Jahrzehnten des Zusammenlebens, die Mutter seines Sohnes. Augustinus nahm sich daraufhin eine neue Geliebte. Erst als seine Mutter ihren christlichen Einfluss geltend machte, brach er die Beziehung zu seiner Geliebten ab.

In Mailand war Augustinus bald von den Predigten des Mailänder Erzbischofs Ambrosius und dessen Auslegung der Heiligen Schrift fasziniert. Darüber hinaus beeindruckte ihn unter anderem die Lehre des Paulus von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus

Mit 32 Jahren hatte Augustinus ein Bekehrungserlebnis. Er selbst schilderte es so, dass er Anfang August 386, unter einem Feigenbaum liegend, eine Kinderstimme hörte, die zu ihm sprach: „Nimm und lies …“. Also ergriff er die Bibel und stieß darin auf den Satz: „Lasst uns ehrenhaft leben, wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht! Vielmehr zieht den Herrn Jesus Christus an und sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen!“ (Röm 13.13-14, nach der aktuellen Einheitsübersetzung). Daraufhin hätte ihn „ein Licht der Sicherheit“ durchströmt. 

Augustinus bekehrte sich zum Christentum. In der Osternacht 387, in seinem 33. Lebensjahr, wurde Augustinus von Erzbischof Ambrosius in Mailand getauft.

Während einer Reise nach Hippo Regius wurde Augustinus vom Volk ins Priesteramt berufen und um die Jahreswende 390/391 wurde er dort zum Priester geweiht. Er übernahm die Aufgabe des Predigers und wurde 396 Nachfolger des Bischofs von Hippo Regius. Daher der Beiname Augustinus „von Hippo“. Er war ein begnadeter Prediger und gewann mit seinen Predigten schnell Einfluss, weit über sein Bistum hinaus.

Erst im Jahr 1961 wurde die Figur des Hl. Augustinus, die im frühen 18. Jahrhundert entstand, am Hochaltar im Welfenmünster aufgestellt.

Als einer der größten Theologen der Kirchengeschichte entwickelte Augustinus in der Auseinandersetzung mit den philosophischen und religiösen Strömungen seiner Zeit seine Lehren von der Erbsünde, der göttlichen Gnade, der göttlichen Souveränität und der Vorherbestimmung des Schicksals jedes Menschen durch Gott, der den Menschen dennoch ihren freien Willen lässt. Die Lehren des Augustinus beeinflussten bis ins hohe Mittelalter die katholische Theologie, später auch die Reformation des Augustinermönches Martin Luther.

Dem philosophisch gebildeten  Augustinus war die Welt der Erfahrung weniger wichtig als die Welt des Geistes – die für ihn immer die Welt des guten Geistes Gottes ist. Die Existenz eines Bösen an sich lehnte er ab, da Gott allmächtig und gut ist. Alles Böse ist deshalb Mangel an Gutem. Nach Augustinus gab Gott den Menschen die Vernunft, um Gott besser verstehen zu können, und den freien Willen, um Entscheidungen in der Verantwortung vor Gott treffen zu können. Unmoralische Entscheidungen seien solche, die ohne Gott gefällt werden.

Fast 1000 Predigten (lat. „sermones“), sowie 113 Bücher und 218 Briefe sind vom Hl. Augustinus überliefert. 

Die Bekenntnisse („confessiones“) des Hl. Augustinus stellen eine der bedeutendsten Autobiographien des Altertums dar. Bis heute wird das Buch immer wieder aufgelegt.

Mehr zur Lebensgeschichte des Hl. Augustinus können Sie beispielsweise im Ökumenischen Heiligenlexikon nachlesen, auf das sich auch dieser Artikel in Auszügen als Quelle bezieht.


„Und – ach – alle lieben!“

Der Hl. Augustinus sprach im Sermon 340,3 von sich
und seinen alltäglichen Aufgaben als Bischof:

„Unruhestifter zurechtweisen,
Kleinmütige trösten,
Sich der Schwachen annehmen,
Gegner widerlegen,
Sich vor Nachstellungen hüten,
Träge wachrütteln,
Händelsuchende zurückhalten,
Eingebildeten den rechten Platz anweisen,
Streitende besänftigen,
Unwissende belehren,
Armen helfen,
Unterdrückte befreien,
Gute ermutigen,
Böse ertragen,
Und – ach – alle lieben!“ 

„Vor allen Dingen, liebe Brüder,
sollt ihr Gott lieben, sodann den Nächsten …“

Um das Jahr 387 schrieb der Hl. Augustinus einen Brief mit Regeln für das Leben im Kloster. Es ist nicht ganz klar ob diese Regeln zunächst für das von seiner Schwester geleitete Frauenkloster in Hippo Regius bestimmt waren, oder ob sie von Anfang an für das vom Hl. Augustinus selbst gegründete Kloster für Männer gedacht waren.

Daraus entstand jedenfalls die älteste Ordensregel des Christentums. Die „Augustinische Regel“ wurde im Laufe der Jahrhunderte von vielen Ordensgemeinschaften übernommen, darunter auch den Prämonstratenser Chorherren, die im Kloster Steingaden von 1147 bis 1803 wirkten.

Diesem Umstand verdankt es der Hl. Augustinus, dass er als einziger der vier Hl. Kirchenväter im Welfenmünster, als Person auf einem großen Gemälde dargestellt ist.

Das Altarbild auf dem Hochaltar stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es zeigt in idealisierter Darstellung, wie der Hl. Augustinus dem Hl. Norbert, hier noch im dunklen Gewand des Wanderpredigers, die Augustinische Regel für den Orden der Prämonstratenser übergibt. Daneben zeigt das Bild, wie die Gottesmutter Maria Norbert von Engeln den weißen Habit der Prämonstratenser übergeben lässt.

Der Hl. Augustinus in der linken Bildmitte ist gut zu erkennen an dem brennenden Herz, das er in Händen hält. Es nimmt Bezug auf das Augustinuswort:

In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“

Das brennende Herz als Attribut des Hl. Augustinus, steht für das Feuer des Glaubens. Das Feuer im Herzen. Das Feuer, das brennt ohne zu verbrennen. Das Feuer, das andere ansteckt, begeistert und mitreißt.

Ein anderes Wort des Hl. Augustinus, drückt die Sehnsucht des Menschen nach Gott besonders treffend aus:

„Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, Gott!“

Noch kleine, kuriose Randnotiz zur Figur des Hl. Augustinus,
rechts am Hochaltar des Welfenmünsters:

Als man sich im Jahr 1961 daranmachte, die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Figuren des Hl. Augustinus und hl. Hieronymus rechts und links am Hochaltar des Welfenmünsters aufzustellen, empfand man es scheinbar als ungerecht, dass damit eine zweite Darstellung des Hl. Augustinus am Hochaltar Platz finden würde, während zwei andere Kirchenväter, der Hl. Ambrosius und der Hl. Gregorius dort gar nicht dargestellt wären. Also machte man aus der Figur des Hl. Augustinus kurzerhand eine Figur des Hl. Ambrosius. 

Dazu genügte es, der Figur das brennende Herz des Hl. Augustinus aus der Hand zu nehmen und stattdessen, zu ihren Füßen, der Figur einen stilisierten Bienenkorb als Attribut des Hl. Ambrosius dazuzustellen.

Erst im Zuge der erneuten Sanierung des Welfenmünsters in den Jahren 2018/19 bekam die Figur ihr brennendes Herz, das bis dahin im Fundus aufbewahrt worden war, wieder in die Hand gedrückt. So wurde, nach mehr als 50 Jahren, aus dem Hl. Ambrosius, wieder der Hl. Augustinus, den die Figur zuvor schon mehr als 200 Jahre lang dargestellt hatte. 

Hl. Ambrosius "von Mailand"

* 339 oder 340 (?) in Augusta Treverorum, heute Trier in Rheinlandpfalz
+ 4. April 397 in Mediolanum, heut Mailand in Italien

Gedenktag: 7. Dezember

Ambrosius stammte aus einem vornehmen Elternhaus der römischen Senatsaristokratie. Sein Vater war der römische Präfektder Provinz Gallien. Seine Mutter war eine überzeugte Christin. Ambrosius wurde allerdings nicht getauft.

Nach dem Tod des Vaters war auch Ambrosius für eine Beamtenlaufbahn vorgesehen und bekam eine juristische Ausbildung. Seine steile Karriere führte in mit 32 Jahren, als Präfekt der Provinz Ämilien und Ligurien, nach Mailand. Er galt dort wegen seiner milden und gerechten Machtausübung bald als vom Volk geliebt und geachtet.

Das Bistum Mailand war zu der Zeit tief zerstritten zwischen Trinitariern und Arianern (siehe unten der entsprechende info-Kasten). Als Präfekt verhielt er sich in diesem Religionsstreit neutral. Als im Jahr 374 der Bischof von Mailand, ein Arianer, starb und die Wahl eines neuen Bischofs anstand, drohte Aufruhr zwischen den beiden Lagern. Um in dieser Krisensituation für Ruhe und Ordnung zu sorgen, begab sich der Präfekt Ambrosius persönlich in die Basilika, wo er die beiden Lager 


Hl. Hieronymus

* 13. November 354 in Thagaste in Numidien, dem heutigen Souk Ahras in Algerien.
+ 28. August 430 in Hippo Regius, später Bône, nahe des heutigen Annaba in Algerien

Gedenktag: 28. August

Hl. Gregor "der Große"

* 13. November 354 in Thagaste in Numidien, dem heutigen Souk Ahras in Algerien.
+ 28. August 430 in Hippo Regius, später Bône, nahe des heutigen Annaba in Algerien

Gedenktag: 28. August