Die Hl. Gottesmutter Maria

Mater misericordiae …, Mater Spei …, Solacium migrantium … Ora pro nobis.
Mutter der Barmherzigkeit …, Mutter der Hoffnung …, Hilfe für Migranten … Bitte für uns.

Das sind die drei von Papst Franziskus im Juni 2020
der 
Lauretanischen (Marien-)Litanei (Gotteslob Nr. 566)
für den liturgischen Gebrauch hinzugefügten Anrufungen Mariens.

 

Bitte für uns, o heilige Gottesmutter,
auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

So lautet traditionell der Vers zum Abschluss der Lauretanischen Litanei
der allerdings nicht ins Gotteslob (Nr. 566) übernommen wurde. 

Über niemand anderen, außer Jesus Christus selbst, ist in der Kirche in zweitausend Jahren mehr nachgedacht, geredet und geschrieben, nicht selten auch gestritten worden, als über die Hl. Gottesmutter Maria. 

Die Kirche kennt aber auch keine andere Heilige und keinen anderen Heiligen, die oder der auch nur halb so oft von Gläubigen um Hilfe und Beistand in der Not und um Fürsprache bei Gott angerufen wurde, wie sie. 

In der Volksfrömmigkeit nimmt die Marienverehrung seit Jahrhunderten eine herausragende Stellung ein. Für unzählige Gläubige war und ist bis heute, die Verehrung der Hl. Gottesmutter Maria der Schlüssel für das Tor zu ihrem eigenen, ganz persönlichen Weg zu Gott.

Auch im Welfenmünster nimmt die Marienverehrung großen Raum ein. 

 Papst Franziskus in seinem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ vom 24. November 2013:

„Denn jedes Mal, wenn wir auf Maria schauen, glauben wir wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe. An ihr sehen wir, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind, die nicht andere schlecht zu behandeln brauchen, um sich wichtig zu fühlen.“

Vielleicht der schönste und einladendste Ort zur stillen Einkehr und zur persönlichen Anrufung der Hl. Gottesmutter Maria im Welfenmünster eröffnet sich gleich nachdem man durch das Hauptportal das Vorzeichen des Welfenmünsters betreten hat. 

Die Tür links im Vorzeichen lädt zum Eintreten in die Sebastianskapelle ein, in der eine besonders anrührende Figur der Maria mit dem Kind die Gläubigen erwartet.

Die Darstellung des Heiligen Sebastian auf dem großen Altarbild scheint in der Kapelle dezent in den Hintergrund getreten zu sein, seit vor einigen Jahren die Madonna mit dem Kind hier ihren festen Platz bekommen hat.

Die Madonnenfigur zeigt uns eine in sich gekehrte Gottesmutter mit einem ebenso in sich gekehrten Kind auf dem Arm. Fast möchte man meinen, die beiden hätten selbst auch die Stille dieses besonderen Ortes aufgesucht, um über das unergründliche Geheimnis des in dem Kind menschgewordenen Gottes nachzudenken. 

Dabei trägt Maria die Krone und das Zepter der Himmelskönigin, aber nicht stolz erhobenen Hauptes, sondern in zurückhaltender Demut.

Die moderne Zeit macht es möglich, die Unergründlichkeit des Glaubens an den menschgewordenen Gott, für den Maria hier steht, im Wechsel von Licht und Schatten um diese Figur auszudrücken und ihr in der Betrachtung des Zusammenspiels von Licht und Schatten nachzuspüren. 

Die Grotte aus warmem Licht, in die eine einzige Lampe hier die Madonna mit dem Kind einhüllt, strahlt vielleicht mehr Tiefe und Seelenruhe aus als dies eine Grotte aus Steinen, Gips oder Pappmaché je könnte. 

 

Papst Leo XIV. in seiner Predigt am 12. Oktober 2025:

„Der Weg Marias führt hinter Jesus her, und der Weg Jesu führt zu jedem Menschen, insbesondere zu den Armen, den Verletzten, den Sündern. Deshalb macht die […] marianische Spiritualität in der Kirche die Zärtlichkeit Gottes, ihre Mütterlichkeit gegenwärtig.“

Aber auch eine ganz andere, fast winzig anmutende und leicht zu übersehende Spur jahrhundertelanger Marienverehrung im Welfenmünster findet sich, wenn man sich im Vorzeichen umschaut.

Neben dem Eingang zur Sebastianskapelle steht ein uralter Opferstock mit einem kaum je beachteten Medaillon darauf.

Das Bildnis zeigt den Hl. Johannes Baptist (links) und den Hl. Dominikus  (rechts) in kniender Anbetung vor der Hl. Jungfrau und Himmelskönigin mit dem Kind auf dem Arm. 

Auf dem rechten Arm trägt Maria das Jesuskind, mit der linken Hand reicht sie dem Hl. Dominikus den Rosenkranz.

Papst Johannes Paul II.: „Der Rosenkranz ist mein Lieblingsgebet.“

Der Marienaltar auf der linken Seite des Mittelschiffs im Welfenmünster weist das gleiche Motiv auf. 

In idealisierter Darstellung zeigt das Altarbild die himmlische Jungfrau Maria mit dem Kind auf dem Schoß, die sich, umringt von allerlei Engeln, dem Hl. Dominikus (1170-1221) und der Hl. Katharina von Siena (1347-1380) zuwendet und den beiden den Rosenkranz übergibt.

Dieses Bild greift die Legende auf, nach der dem Hl. Dominikus der Rosenkranz während einer Marienerscheinung im Jahr 1208 von Maria selbst übergeben worden sei. Dabei soll ihm die Muttergottes den Rosenkranz „als Waffe“ für den Kampf gegen die von der Kirche abtrünnigen Albigenser übergeben haben.  

Wenn man genau hinsieht, bemerkt man, dass auf dem Rosenkranz, den Maria auf dem Bild in ihrer Hand hält,  nicht wie heute üblich 50, sondern 150 Ave-Maria-Perlen aufgefädelt sind. 

Die mittleren 50 Perlen sind blutrot gefärbt und deuten auf die „Schmerzensreichen Geheimnisse„, die 50 weißen Perlen davor auf die „Freudenreichen Geheimnisse “ und die 50 goldenen nach den roten Perlen auf den „Glorreichen Geheimnisse“ des Rosenkranzgebetes hin. Lange Zeit galten nur diese drei Gesätze in der Kirche als verbindlich für das Rosenkranzgebet.

Das Gotteslob (Nr. 4, 4-8) führt heute daneben auch noch die „Lichtreichen Geheimnisse“ des Rosenkranzes auf, die im Jahr 2002 von Papst Johannes Paul II. eingeführt wurden, und die „Trostreichen Geheimnisse“.

Frère Roger, Prior von Taizé: 

„Maria hat ihren Sohn nicht für sich behalten, sondern der Welt hingegeben. In gleicher Weise sind auch wir berufen, die Menschen, die Gott uns anvertraut, nicht für uns zu behalten, sondern hinzugeben, was Gott uns gibt.“

Eine Marienstatue, die nicht ständig im Welfenmünster zu sehen, für die Tradition der Marienverehrung in Steingaden dennoch von großer Bedeutung ist, ist die Madonna mit dem Kind, die Mädchen des Trachtenvereins „Almfrieden“ jedes Jahr mit der Fronleichnamsprozession durchs Dorf tragen. 

Das Foto zeigt die Madonnenfigur des „Almfrieden“ in den Tagen nach Fronleichnam 2026, als sie noch eine Weile im vorderen linken Seitenschiff des Welfenmünsters ausgestellt war und dort die Gläubigen zu stiller Einkehr und zum Gebet einlud.

Martin Luther in seiner Denkschrift „Das Magnifikat – verdeutscht und ausgelegt“, 1512:

„… die zarte Mutter Christi, lehrt uns mit dem Exempel ihrer Erfahrung und mit Worten, wie man Gott erkennen, lieben und loben soll.“

Mehrmals ist die Gottesmutter im Welfenmünster dargestellt, wie sie dem Gründer des Prämonstratenser-Ordens oder einem seiner Ordensbrüder ihre Gunst erweist.

Auf dem großen Altarprospekt des Hauptaltars übergibt sie dem Hl. Norbert den weißen Habit der Prämonstratenser. 

Im mittleren Fresko über dem Mittelschiff, kommt sie dem Hl. Norbert entgegen und nimmt ihn nach dessen Tod in den Himmel auf. 

In einem der Arkadenbilder oberhalb des Mittelschiffs wendet sie sich in mystischer Verlobung dem Hl. Hermann-Joseph zu.

Die von Engeln umschwärmte, Himmlische Muttergottes im Sternenkranz (im mittleren Deckenfresko)
.
Sie, die selbst ohne Erbsünde empfangen ist (siehe die weiße Lilie in ihrer Hand), zertritt mit dem Fuß den Kopf der Schlange und befreit damit die ganze Welt (dargestellt durch die Mondsichel).
Madonna mit dem Kind
im Altarprospekt des Hauptaltars
(5. Arkadenbild links)
Maria Himmelskönigin übergibt sich in mystischer Verlobung dem Hl. Hermann-Joseph den Ring.

Hl. Papst Johannes XXIII.: O Maria, zu Dir bete ich am Morgen und am Abend, um Gott zu ehren und zur ewigen Seligkeit zu gelangen“

Im Welfenmünster und darum herum lassen sich immer noch weitere Zeugnisse tiefer Marienfrömmigkeit finden, so beispielsweise auf dem Altar der Johanneskapelle neben dem Eingang in den Friedhof, oder auf dem Nothelfer-Altar rechts vorne im Mittelschiff des Welfenmünsters.

Vielleicht möchten Sie sich die Zeit nehmen und auch einmal selbst schauen, welche weiteren Spuren der Marienverehrung im Welfenmünster Sie noch finden können. 

Madonna mit dem Kind im Zentrum des Altarbildes auf dem Nothelfer-Atars
Madonna mit dem Kind in der Johannes-Kapelle

Papst Franziskus betet am Ende seines Lehrschreibens
„Evangelii Gaudium“ (2103):

Jungfrau und Mutter Maria,
vom Heiligen Geist geführt
nahmst du das Wort des Lebens auf,
in der Tiefe deines demütigen Glaubens
ganz dem ewigen Gott hingegeben.
Hilf uns, unser » Ja « zu sagen
angesichts der Notwendigkeit, die dringlicher ist denn je,
die Frohe Botschaft Jesu erklingen zu lassen.

Du, von der Gegenwart Christi erfüllt,
brachtest die Freude zu Johannes dem Täufer
und ließest ihn im Schoß seiner Mutter frohlocken.
Du hast, bebend vor Freude,
den Lobpreis der Wundertaten Gottes gesungen.
Du verharrtest standhaft unter dem Kreuz
in unerschütterlichem Glauben
und empfingst den freudigen Trost der Auferstehung,
du versammeltest die Jünger
in der Erwartung des Heiligen Geistes,
damit die missionarische Kirche entstehen konnte.

Erwirke uns nun einen neuen Eifer als Auferstandene,
um allen das Evangelium des Lebens zu bringen,
das den Tod besiegt.

 

Gib uns den heiligen Wagemut, neue Wege zu suchen,
damit das Geschenk der Schönheit, die nie erlischt,
zu allen gelange.

Du, Jungfrau des hörenden Herzens und des Betrachtens,
Mutter der Liebe, Braut der ewigen Hochzeit,
tritt für die Kirche ein, deren reinstes Urbild du bist,
damit sie sich niemals verschließt oder still steht
in ihrer Leidenschaft, das Reich Gottes aufzubauen.

Stern der neuen Evangelisierung,
hilf uns, dass wir leuchten
im Zeugnis der Gemeinschaft,
des Dienstes, des brennenden und hochherzigen Glaubens,
der Gerechtigkeit und der Liebe zu den Armen,
damit die Freude aus dem Evangelium
bis an die Grenzen der Erde gelange
und keiner Peripherie sein Licht vorenthalten werde.

Mutter des lebendigen Evangeliums,
Quelle der Freude für die Kleinen,
bitte für uns.
Amen. Halleluja!

Text und Fotos: Bruno Wilhelm