Bekannt als Helfer zum Wiederfinden verlorener Sachen
(in Bayern deshalb oft auch der „Schlamper-Toni“ genannt)
Schutzheiliger der Liebenden und der Eheleute
Schutzheiliger der Armen …
Ordensmann des Franziskanerordens und Kirchenlehrer
* um 1195 in Lissabon, Portugal
+ 13. Juni 1231 in Arcella, heute Stadtteil von Padua, Italien
Gedenktag: 13. Juni
Im Welfenmünster begegnet uns der Hl. Antonius in der prächtigen, weiß-vergoldeten Figur im Zentrum des Altars an der Stirnseite des rechten Seitenschiffs.
Der Hl. Antonius kniet in tiefer Anbetung vor dem Jesuskind, das sich ihm mit nach oben weisender Segenshand zuwendet und ihm ein Kreuz vorhält.
Das Jesuskind als Attribut und der Beiname des Hl. Antonius „vom Kinde Jesu“ beziehen sich auf eine Vision des Heiligen.
Der Legende nach wurde die Vision von einem Grafen bezeugt, der den Heiligen eine Zeitlang in seinem Haus beherbergte.
Demnach wollte der Graf eines Nachts den Heiligen in seiner Kammer aufsuchen, um sich nach dessen Befinden zu erkundigen. Als er dort ankam, drang aber aus der Kammer des Heiligen ein so heller Lichtschein, dass der Hausherr einen Brand vermutete und erschrocken die Tür aufriss.
In der Kammer fand er jedoch den lächelnden Antonius vor, der in seinen Händen das strahlende Jesuskind hielt, von dem das helle Licht ausging.
Der Augenzeuge durfte anderen erst von diesem Geschehnis berichten, als Antonius nicht mehr lebte.
Der Taufname des in eine reiche portugiesische Adelsfamilie hineingeborenen Heiligen war Fernando Martim de Bulhoes e Taveira Azevdo. Seine Ausbildung und sein Studium, vor allem in Theologie, absolvierte er in mehreren Schulen des Augustinerordens, zunächst in Lissabon, später in Coimbra, wo er im Jahr 1212 zum Priester geweiht wurde.
Prägend für seinen weiteren Lebensweg soll das Erlebnis der Bestattung der fünf marokkanischen Märtyrer in der Kirche zum Heiligen Kreuz in Coimbra gewesen sein.
Tief erschüttert vom Schicksal der Missionare aus dem Franziskanerorden, entschied er sich im Jahr 1220 dazu, auch selbst als Missionar dem Franziskanerorden (gegründet im Jahr 1209) beizutreten und den Ordensnamen Antonius anzunehmen
Wer waren die fünf marokkanischen Märtyrer?
Franz von Assisi lag die Verbreitung des Evangeliums sehr am Herzen. Deshalb sandte er fünf seiner Ordensbrüder, angeführt von Bernhard von Carbio, nach Marokko, um Sultan Miramolin zu Christus zu bekehren. Trotz einiger Warnungen, gingen die Fünf direkt zum Sultan, um ihm ihr missionarisches Anliegen vorzutragen. Dieser ließ sie sofort einkerkern und schwer misshandeln, bis er sie eigenhändig umbrachte.
Wenn man die Geschichte von Franz von Assisi, des Franziskanerordens und seiner ersten fünf Märtyrer nachliest, bekommt man den Eindruck , die Fünf – und in ihrer Nachfolge auch Antonius – hätten das Martyrium bewusst gesucht oder zumindest in Kauf genommen.
Das passt in die damalige Zeit, in der viele, darunter auch der Franziskanerorden, urchristlichen Idealvorstellungen nacheiferten und ein um des Glaubens willen erlittenes Martyrium als höchste, seligmachende Gnade ansahen.
Wer waren die Katharer und Waldenser?
Gegründet Ende des 12.Jahrhunderts von Petrus Walds in Lyon, kritisierten die Waldenser das Leben der Kleriker und die sakramentale Lehre der Kirche. Noch radikaler in ihrer Ablehnung von kirchlicher Tradition und Autorität waren die um die gleiche Zeit aufkommenden Katharer. Beide Bewegungen breiteten sich von Frankreich bis nach Oberitalien aus. Die katholische Kirche verurteilte sie als Ketzerei. Die Bewegung der Katharer wurde später, im Zuge der Inquisition, komplett ausgelöscht. Die Waldenser existieren bis heute in der reformierten Waldenserkirche weiter.
Übrigens: Vom Begriff „Katharer“ leitete sich in der weiteren geschichtlichen Entwicklung der Begriff „Ketzer“ ab.
Noch im gleichen Jahr (1220) ging Antonius als Missionar nach Marokko, wurde jedoch kurz darauf durch eine Krankheit gezwungen, nach Portugal zurückzukehren. Dort kam er allerdings nicht an. Ein Sturm verschlug ihn stattdessen nach Sizilien, von wo aus er nach Assisi ging und im Jahr 1221, zusammen mit 3.000 Ordensbrüdern, am Generalkapitel seines Ordens teilnahm.
Dort lernte er auch den Hl. Franziskus persönlich kennen, der, wie auch die anderen Ordensbrüder, sehr bald Antonius außerordentliche Begabung als Prediger bemerkte.
Nach Abschluss des Generalkapitels hielt Antonius sich über ein Jahr lang in der Einsiedelei Montepaolo bei Forli in der italienischen Region Emilia-Romagna auf, wo er in den Jahren 1221 und 1222 zu einem bedeutenden Prediger wurde und enge Verbindungen zu den Franziskanern in der regionalen Ordensprovinz aufbaute.
Der Ordensprovinzial der Franziskaner in der Romagna berief Antonius im Jahr 1222 aus der Einsiedelei ab und beauftragte ihn mit dem Kampf gegen die Katharer und Waldenser in Oberitalien.
Lange vor der gewaltsamen Verfolgung dieser Bewegungen und deren teilweise Auslöschung durch die Inquisition, führte Antonius diesen Kampf als geduldiger Prediger, mit nichts anderem bewaffnet als der Glaubwürdigkeit seiner franziskanischen Armut, der Überzeugungskraft seiner enormen theologischen Bildung und seiner großen Redebegabung.
Vielen galt der Hl. Antonius als der wichtigste und bedeutendste Prediger seiner Zeit.
Sein Erfolg als Prediger gründete vermutlich auch darauf, dass er sich in seinen Predigten nicht nur am Evangelium und an seiner augustinischen Theologie orientierte, sondern auch an der genauen Beobachtung seiner Zeitgenossen. Er bemühte sich ganz bewusst darum, „zielgruppenorientiert“ zu predigen.
An einer Stelle im Prolog seiner Sammlung von Predigtskizzen schreibt er dazu: „Unsere Zeit ist durch das hohle Wissen ihrer Leser und Zuhörer so weit gekommen, dass sie des Lesens überdrüssig wird und nur ungern zuhört, wenn sie nicht gewählte, wohlüberlegte und modern klingende Worte liest oder hört. …“
Um die Überzeugungskraft der Predigten des Hl. Antonius ranken sich viele Legenden. Zu den bekanntesten gehört die von der Predigt des Hl. Antonius im Hafen von Rimini: die Einwohner der Stadt wollten ihm nicht zuhören, aber die Fische versammelten sich um ihn und streckten die Köpfe aus dem Wasser, um seine Predigt zu hören, woraufhin sich fast die ganze Bevölkerung der Stadt bekehrte.
Franz von Assisi selbst ernannte Antonius im Jahr 1224 zum Lektor der Theologie (vergleichbar einem Professor) für die Minderen Brüder des Ordens an der Universität Bologna und zum theologischen Leiter des Ordens.
Antonius führte daraufhin die Theologie von Augustinus, die er in den Jahren seiner Ausbildung studiert hatte, in den Franziskanerorden ein.
Ab 1227 war Antonius Ordensprovinzial der Romagna mit Sitz in Padua, wo er bis zu seinem Lebensende blieb (daher der Beiname Antonius „von Padua“).
Legendär war der Erfolg seiner Fastenpredigten in Padua im Jahr 1231, die er nur wenige Monate vor seinem Tod hielt. Die Überlieferung berichtet von bis zu 30.000 Zuhörern, für die jede Kirche zu klein war, so dass der Hl. Antonius für seine Predigten ins Freie ausweichen musste. Es heißt, die Region um Padua sei nach diesen Predigten des Hl. Antonius wie umgewandelt gewesen: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, Dirnen kehrten ins ehrbare Leben zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet.
Ein junger Mann aus Padua, der seiner eigenen Mutter einen Fußtritt verpasst hatte, sei von Antonius Predigt sogar so ergriffen gewesen , dass er sich zur Buße sein Bein mit einem Beil abhackte, das Antonius allerdings auf wundersame Weise wieder anfügte.
Antonius Patronat für verlorene Sachen geht nach einer Legende darauf zurück, dass ein junger Mönch – des Ordenslebens überdrüssig geworden – das Kloster heimlich verlassen und den Psalter des Antonius mitgenommen hatte. Antonius versenkte sich ins Gebet für den jungen Mönch, aber auch für die Wiedererlangung seines Buches. Daraufhin wurde der Abtrünnige von Erscheinungen heimgesucht, so dass er das Buch schleunigst zurückbrachte.
Auf seine Rolle als Helfer beim Wiederfinden verlorener Sachen geht vermutlich auch sein Patronat über die Liebenden und die Eheleute zurück. Bis heute pilgern beispielsweise katholische Singles zum Hl. Antonius nach Padua, um ihn um Hilfe beim Finden eines guten Ehepartners anzurufen.
Antonius ist bis heute einer der im katholischen Kirchenvolk bekanntesten und beliebtesten Heiligen.
Mittelalterliches Lobgebet
zu Ehren des hl. Antonius von Padua
Si Quaeris miracula
(„Wenn du suchest Wunderzeichen“)
Du fragst mich um die Wunder an,
die Gott durch St. Antonius getan?
Ihm weichen Aussatz, Unglücksfälle,
Tod, Irrtum, selbst die Macht der Hölle.
Und der Gesundheit hohes Glück
kehrt zu den Kranken schnell zurück.
Das Meer bleibt ruhig in dem Strand,
die Fesseln fallen von der Hand,
es heilen die verletzten Glieder,
verlorene Sachen kommen wieder.
Ihm singt der Jüngling und der Greis,
als seinem Helfer Dank und Preis.
Er rettet, wenn Gefahr uns droht,
er hilft Verlassenen in der Not.
Es rühmen seine Wundergaben,
die seine Hilf‘ erfahren haben.
Ihn preiset dankbar Padua,
das seiner Wunder viele sah.
Dem Vater auf dem Himmelsthron
mit seinem eingeborenen Sohn
und auch dem Geist der reinen Lehr‘
sei Jubel, Preis und Dank und Ehr‘.
Amen
Überliefert von Cäsar von Speyer,
nach einem Gesangbuch
aus dem Jahr 1233,
zwei Jahre nach dem Tod
des Hl. Antonius von Padua.
Wie ging es um die Zeit des Hl. Antonius in Steingaden zu?
Als Antonius um das Jahr 1195 geboren wurde, bestand das Kloster der Prämonstratenser Chorherren in Steingaden bereits seit 48 Jahren.
Das Welfenmünster war 19 Jahre Jahre zuvor, nach 29 Jahren Bauzeit eingeweiht worden.
Vier Jahre bevor Antonius in Lissabon zur Welt kam, war Herzog Welf VI., der Stifter des Klosters Steingaden, im Jahr 1191 in Memmingen gestorben und im Welfenmünster in Steingaden beigesetzt worden.
Vier Prälaten regierten zur Lebenszeit des Hl. Antonius nacheinander im Kloster Steingaden: Gebezo I. (1190-1198), Walther (1198-1208), Berthold I. (1208-1220) und Gebezo II. (1220-1239).
Unter Gebezo I. erhielt das Kloster im Jahr 1194 die Herrschaft über Fronreiten, im Jahr 1197 über die Pfarrei Prem, womit das Kloster auch die Verpflichtung zum Unterhalt der Kirche und des Pfarrers in Prem übernahm. Unter Berthold I. gewann das Kloster erste Besitzungen in Südtirol (Tschars im Vinschgau, Lana und Mais bei Meran). Macht und Einfluss des Klosters nahmen in der Zeit also beständig zu. Zeitweilig war damit bestimmt auch eine wirtschaftliches Aufblühen des Klosters verbunden.
In der Steingadener Chronik wird aber auch über Notzeiten berichtet, die in diesen Jahren über das Kloster Steingaden und die Menschen in der Region hereinbrachen. Jahr 1196, so steht beispielsweise in der Chronik, führte ein nasser Sommer zu einer Teuerung, die mehrere Jahre anhielt. In den Jahren 1210/11 folgte auf zwei heiße Sommer ein kalter Winter. Wie groß die Not war, lässt sich daran ablesen, dass es in der Chronik dazu heißt: „Vieh und Mensch erfrieren, Bäume verdorren.“
Ab dem 16. Jahrhundert übertraf der Hl. Antonius von Padua in der Verehrung des Volkes sogar seinen Ordensvater, den Hl. Franz von Assisi (ca.1180-1226) und seinen bis dahin ebenfalls sehr populären Namenspatron, den Hl. Antonius der Große (ca.251-356).
Lange Zeit wurde deshalb der Hl. Antonius von Padua in (fast) allen möglichen Lebens- oder Notlagen angerufen, etwa bei Unfruchtbarkeit, Fieber, Pest, Schiffbruch, in Kriegsnöten, bei Viehkrankheiten. Er sollte bei der Partnersuche, zu einer guten Geburt, zum Altwerden, zu einer guten Ernte und beim Pilze suchen helfen. Außerdem galt er, und gilt vielen bis heute, als Schutzpatron der Frauen und Kinder, der Liebenden, der Eheleute, der Bäcker, der Bergleute, der Reisenden und der Sozialarbeiter, aber auch der Pferde und Esel.
Besonders bekannt ist auch das Patronat des Hl. Antonius über die Armen. Mit Wort und Tat setzte er sich zu Lebzeiten für die Unterstützung von Armen und Hilfsbedürftigen ein. Er trat auch als Anwalt der Armen auf, die durch Wucherzinsen ausgebeutet wurden und erwirkte ein Gesetz, das Wucherzinsen in Italien bis heute verbietet.
Dazu passt auch, dass die Anrufung des Hl. Antonius mit der Bitte um seine Fürsprache traditionell mit dem Versprechen verbunden wurde, Brot für die Armen zu spenden. Das geht auf eine Legende zurück, nach der eine Mutter, die ihr Kind leblos aus einem Wasserfass zog, zum Hl. Antonius betete und ihm versprach, sie würde dem Kloster so viel Brot schenken, wie das Kind wog, wenn es überlebte. Nachdem der Hl. Antonius ihre Bitte erhört hatte, hielt die Frau Wort und schenkte dem Kloster so viel Brot, wie das Kind wog, damit es an arme Mütter verteilt werden konnte. Daraus entwickelte sich auch die Tradition des „Antoniusbrotes“, das jahrhundertelang in vielen Kirchen am Gedenktag des Hl. Antonius (13. Juni) ausgeteilt wurde.
„Wahre Worte“ des Hl. Antonius von Padua
„Jesus sagte zu Petrus: Weide meine Schafe und nicht: Melke oder schere sie.“
„Alles, was in den Geboten Gottes dir schwer scheint, wird leicht und voll Wonne, wenn du die Liebe hast.“
„Die Gnade erfasst alles und lässt keinen Winkel frei.“
„Gottes Schutz scheint uns leicht entbehrlich, solange wir ihn besitzen. Zu unserem eigenen Nutzen und Wohl entzieht ihn Gott zuweilen, damit wir erkennen, dass ohne Gottes Schutz der Mensch ein reines Nichts ist.“
„Unsere Sprache ist eindringlich, wenn unser Tun redet. Ich beschwöre euch daher: lasst doch euren Mund verstummen und eure Taten reden.“
„Klein ist der Mensch, der Vergängliches sucht, groß aber, wer das Ewige im Sinn hat.“
„Wenn du es eilig hast, setze dich.“
Am Grab des Hl. Antonius von Padua ereigneten sich im Lauf der Zeit so viele Wunder, dass der Hl. Bonaventura (1221-1274) sagte: Suchst du Wundertaten, gehe zu Antonius!
Sehr bald nach dem Tod des Antonius von Padua, der nur 36 Jahre alt geworden war, verlangte das Kirchenvolk vehement nach dessen Heiligsprechung. Papst Gregor IX. entsprach dem bereits elf Monate nach dem Tod des Hl. Antonius. Nach dem kürzesten Heiligsprechungsprozess der römischen Kirchengeschichte sprach er Antonius von Padua am 30.Mai 1232 in Spoleto heilig. Zuvor waren bereits 47 Wunder dokumentiert worden, die auf die Anrufung des Hl. Antonius zurückgingen.
1946 ernannte Papst Pius XII. den Hl. Antonius zum Kirchenlehrer, obwohl uns dieser, außer einem umfangreichen Kompendium seiner Predigtskizzen, keine schriftlichen Lehrtexte hinterließ.
Mehr zu Leben und Wirken des Hl. Antonius von Padua können Sie, wenn Sie möchten, beispielsweise bei der Deutschen Ordensprovinz der Franziskaner oder im Ökumenischen Heiligenlexikon nachlesen.
Pfarreiengemeinschaft Steingaden
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