Wie kam das Welfenmünster zu seinem Namenspatron?
27 Jahre vor der Stiftung des Klosters Steingaden durch Welf VI. gründete der Hl. Norbert 1120 in Prémontré in Frankreich die Gemeinschaft, aus der der Orden der Prämonstratenser hervorging.
Bereits im Jahr 1122 konnten die Prämonstratenser ihre erste Abteikirche in Prémontré weihen. Sie wählten den Hl. Johannes Baptist als Namenspatron für ihre Kirche.
Zur Erinnerung daran weihten die Prämonstratenser später viele ihrer Klosterkirchen, auch die in Steingaden im Jahr 1176, ebenfalls dem Hl. Johannes Baptist.
Gedenktag des Hl. Johannes Baptist ist der 24. Juni.
An diesem Tag, bzw. am darauffolgenden Sonntag, feiert die Pfarrei Steingaden jedes Jahr das Patrozinium ihrer heutigen Pfarrkirche.
Wer ist der Hl. Johannes Baptist?
Das Lukasevangelium stellt uns Johannes als den Sohn der Elisabeth und des Zaharias vor.
Der schon alte und immer noch kinderlose Priester Zacharias opfert im Tempel und erhält durch den Erzengel Gabriel die Verheißung, dass im ein Sohn geboren werde. Als er zweifelt und um ein Zeichen bittet, wird er vom Engel mit Stummheit geschlagen.
Elisabeth wird tatsächlich schwanger. Maria besucht sie und bleibt bis zur Geburt des Johannes bei ihr. Zu der Zeit ist Maria bereits mit Jesus schwanger. Der Überlieferung nach kommt Johannes sechs Monate vor Jesus zur Welt. Dementsprechend wird später der Gedenktag des Johannes auf den 24. Juni, genau sechs Monate vor Weihnachten, gelegt.
Gefragt, welchen Namen das Kind tragen soll, besteht Elisabeth, gegen die Familientradition, darauf, dass der Bub „Johannes“ heißen soll. Als Zacharias den gleichen Namen auf eine Tafel schreibt, erhält er seine Sprache zurück und bricht in den berühmten Lobgesang aus, der uns im Lukas Evangelium überliefert ist (Lk 1, 68-79, siehe unten).
Der Name „Johannes“ bedeutet im Hebräischen „Gott ist gnädig“.
Johannes als einziger Prophet im Neuen Testament.
Als Erwachsener geht Johannes zunächst in die Wüste. Er lebt dort als Asket, trägt ein Gewand aus Kamelhaar und isst Heuschrecken und wilden Honig (vgl. Mk, 1,6), was seine Zeitgenossen an den Propheten Elia erinnert.
Am Jordan verkündet Johannes das Kommen des ersehnten Messias und vollzieht, zur Vorbereitung darauf, die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die Rettung im kommenden Weltgericht. Schnell sammelt er eine Schar von Anhängern um sich. Dazu schreibt das Lukasevangelium: „Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Lk 3,15)
Lobpreis des Zaharias
Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels!
Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen;
er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David.
So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten.
Er hat uns errettet vor unseren Feinden
und aus der Hand aller, die uns hassen;
er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet
und an seinen heiligen Bund gedacht,
an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;
er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit,
ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit
vor seinem Angesicht all unsere Tage.
Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen;
denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.
Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken
in der Vergebung seiner Sünden.
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes
wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
um allen zu leuchten,
die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes,
und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.
Lukas (1, 68-79)
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Eine Miniaturdarstellung des Hl. Johannes Baptist findet sich in der Plakette über dem alten Opferstock, links neben dem Eingang zur Sebastianskapelle. Der Hl. Johannes kniet zu Füßen der gekrönten Muttergottes mit dem Jesuskind.
Die Darstellung ist so klein und unscheinbar, dass sie leicht übersehen wird.
Was bedeutet es, dass Johannes Jesus im Jordan tauft?
Als Jesus ungefähr dreißig Jahre alt ist, kommt er an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes hält dies nicht für nötig und wehrt ab:
„Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?” Aber Jesus gibt ihm zur Antwort: „Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert!“ (Mt 3,13-16).
Mit der Taufe ordnet sich Jesus ganz dem Willen Gottes unter und stellt sich als Sündloser auf die gleiche Stufe mit den sündigen Menschen. Manche Theologen verweisen heute darauf, dass die Taufe Jesu nicht auf einer Anhöhe, wie z.B. dem Tempelberg in Jerusalem, stattfindet, sondern am Ostufer des Jordans. Das liegt 380 Meter unterhalb des Meeresspiegels am tiefsten Punkt der Erde liegt. „Er erniedrigte sich selbst“, käme demnach auch in den äußeren Umständen der Taufe zum Ausdruck.
Bei der Taufe wurde auch die besondere Sendung Jesu und seine Göttlichkeit zum ersten Mal öffentlich offenbar, als eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.
(Lk 3, 22)
Die Taufe Jesu durch Johannes ist auf dem in Bronze gegossenen Hauptportal des Welfenmünsters in zeitgenössischer, heutiger Reliefsprache dargestellt. Die Darstellung stammt von dem Bildhauer Wirtl aus Weilheim.
Das Bronzeportal ist eine Schenkung der Marie Eberth.
„Am Tag darauf sah Johannes Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 3.5)
Die Worte des Johannes sind ein zentrale Bestandteil der Liturgie. Der Priester spricht sie vor der Kommunion und zeigt dazu den Gläubigen das Allerheiligste.
Im Welfenmünster sind sie, auch als Zeichen der Verbundenheit mit dem Pfarrpatron, vielfach in die Oberfläche neuen Hochaltar eingeschrieben, der im Jahr 2019 geweiht wurde.
Johannes als Märtyrer.
Herodes Antipas, einer der drei Herrscher im aufgeteilten, von Rom abhängigen Königreich im Heiligen Land, lässt Johannes wenig später gefangen nehmen, weil dieser ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorhält. Die hasserfüllte Herodias stachelt ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Stiefvater einen Wunsch äußern darf, Johannes‘ Haupt zu fordern. Johannes wird enthauptet und Salome bringt ihrer Mutter den Kopf auf einer Schale (Mk 6, 14 – 29).
Nicht nur die Bibel, auch der römische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen Aufzeichnungen von der Tötung des Johannes durch Herodes Antipas. Der Historiker gibt sogar den genauen Ort an, an dem sich das abgespielt hat. Auch schon zuvor hat Flavius Josephus immer wieder vom Wirken des Propheten im Heiligen Land berichtet. Was die Bibel über Johannes berichte, kann deshalb als historisch gesichert gelten.
Die Enthauptung des Johannes ist die einzige biblische Geschichte, die in den Fresken dargestellt ist, mit denen das Welfenmünster in der Zeit des Barock, anlässlich der 600-Jahr-Feier des Klosters im Jahr 1747. ausgestaltet wurde. Das Fresko befindet sich im Hauptschiff unter der Orgelempore, direkt über der Innenseite des Hauptportals.
Johannes der Täufer wacht über dem Welfenmünster.
Das Fresko über der Orgelempore zeigt das Kloster Steingaden im Bau. Darüber, auf einer Wolke sitzend, beobachtet Johannes der Täufer wohlwollend die Szenerie. Rechts neben sich hat er seinen Namensvetter, Johannes Evangelist.
Fast sieht es so aus, als seien die beiden in ein Gespräch vertieft. Vielleicht amüsieren sie sich ja darüber, dass viele bis heute vom „Sommerhansl“ und vom „Winterhansl“ reden, wenn sie auf das Bild schauen.
Während nämlich Johannes der Täufer seinen Gedenktag um die Zeit der Sommersonnenwende hat, hat Johannnes Evangelist seine Gedenktag um die Zeit der Wintersonnenwende.
Johannes Baptist ist bis heute einer der bedeutendsten Heiligen für uns Christen. Er wird meistens mit dem Kreuzstab und dem Spruchband „Ecce Agnus Dei“ dargestellt, so wie dies z.B. auch bei der großen Johannes-Figur im Welfenmünster der Fall ist.
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