Nachfahre Abrahams und König Davids (nach dem Mattäus-Evangelium)
Licht der Patriarchen …
Bräutigam der Mutter Gottes …
Beschützer der Heiligen Jungfrau …
Nährvater des Sohnes Gottes …
Beschirmer Christi …
Haupt der Heiligen Familie …
(Anrufungen des Hl. Joseph nach einer traditionellen Litanei)
Patron der ganzen katholischen Kirche (Proklamation durch Papst Pius IX.; 1870)
Patron der Arbeiter (Proklamation durch Papst Pius XII. am 1. Mai 1955)
Der Hl. Joseph von Nazareth ist eine wichtige biblische Figur, obwohl er an keiner Stelle in der Bibel selbst zu Wort kommt.
Er trägt ganz entscheidend zur Heilsgeschichte der durch Jesus Christus erlösten Menschheit bei. Das beginnt schon mit der Abstammung Jesu, die Matthäus über dreimal vierzehn Generationen direkt vom Urvater Abraham, über König David und den Hl. Joseph herleitet.
Nach der Babylonischen Gefangenschaft zeugte Jojachin den Schealtiël, […] Mattan zeugte den Jakob. Jakob zeugte den Josef, den Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus genannt wird. Im Ganzen sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft vierzehn Generationen und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus vierzehn Generationen.
Matthäus 1,12-17 (nach der Einheitsübersetzung)
Über die Vermählung von Maria und Joseph erfüllen sich die alttestamentarischen Prophezeiungen nach denen der Messias aus dem Stamme Davids kommen wird. Die Verbindung von Maria und Joseph ist also keine zufällige Liebesgeschichte.
Auf göttliche Anweisung hin entscheidet der zunächst zweifelnde Joseph sich ganz bewusst für diese Verbindung und setzt sich damit über die gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit hinweg. Die Kraft dazu schöpft Joseph aus seinem unerschütterlichen Glauben an die Allmacht Gottes, die auch das unmöglich Erscheinende, möglich macht.
Als erster Mensch, nach Maria selbst, wird Joseph mit der göttlichen Natur („das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“) des Jesuskindes konfrontiert. Gegen alle Wahrscheinlichkeit entscheidet Joseph sich, an das ihm offenbarte, göttliche Geheimnis zu glauben und sich ihn seinen Dienst zustellen.
Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. […] Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
Matthäus 1,18-24
Eine einst populäre, heute weitgehend in Vergessenheit geratene Legende erklärt das Zustandekommen der Verbindung von Joseph und Maria auf eine ganz andere, ebenfalls sehr schöne Weise.
Diese Legende hat ihren Ursprung im sog. Protoevangelium des Jakobus, das vermutlich im 2. Jahrhundert nach Christi Geburt entstand und sich eingehend mit Maria und der Vorgeschichte der Geburt Jesu befasst. Das Jakobusevangelium wird deshalb auch als „Marienevangelium“ bezeichnet.
Auch in dieser Legende wird uns der Hl. Joseph als zurückhaltender, bescheidener und Gottes Wille annehmender Gläubiger vorgestellt.
„Nach dem sogenannten Jakobus-Evangelium …
wurde Maria im Jerusalemer Tempel erzogen und wollte sich einer Verheiratung entziehen – was im Judentum nicht vorgesehen war. Auf Gottes Veranlassung versammelten die Priester alle Unverheirateten aus dem Stamm Davids im Tempel und ließen sie einen Stab auf den Altar legen.
Derjenige, dessen Stab zu blühen begann, sollte der Bräutigam Marias werden. Der schon etwas ältere Josef hielt sich einer solchen Verheiratung für unwürdig und legte seinen Stab erst gar nicht auf den Altar. Doch die Stimme Gottes entlarvte ihn, sein Stab begann zu blühen, und so wurde Maria seine Braut.“
Quelle: Bistum Augsburg
Nach Jesu Geburt ist es Josephs Auftrag zu verhindern, dass die Heilsgeschichte Jesu unter dem Schwert des Herodes endet, noch bevor sie richtig begonnen hat. Aufgeschreckt durch die Erzählungen der Weisen (Sterndeuter) aus dem Morgenland, versucht nämlich König Herodes, das Jesuskind zu ermorden. Wieder entscheidet Joseph sich dazu, zu glauben und zu tun was Gott ihm abverlangt, ohne lange zu fragen.
Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.
Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.
Matthäus 2, 13-14
Ein weiteres Mal lässt Joseph sich durch eine Prophezeiung für den Heilsplan Gottes mit Jesus Christus einspannen, als er seine Familie, nach dem Tod des Königs Herodes, wieder zurück nach Israel bringt.
Als Herodes gestorben war, siehe, da erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.
Matthäus 2, 22-23
Anrufung des Hl. Joseph
Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.
O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.
(Papst Franziskus)
Nach der Ankunft in Nazareth verliert sich in den Evangelien die Spur des Hl. Josef. Deshalb wird häufig vermutet, der Hl. Joseph sei verstorben, bevor Jesus sein öffentliches Wirken begann.
Aus dem Leben des Hl. Josef wissen wir ansonsten nur, dass er als Handwerker (Zimmermann, Schreiner, Schmied) in Nazareth lebte. An diesem Punkt setzt auch seit mehr als tausend Jahren die Verehrung des Hl. Joseph als Patron der Handwerker an.
Das Fest des Hl. Joseph am 19. März, das erstmals im Jahr 850 dokumentiert ist, ersetzte im frühen christlichen Mittelalter das in der Antike am diesem Tag (dem „fünften Tag nach den Iden des März“) beginnende und mehrere Tage andauernde Fest der Minerva, der römischen Göttin der Handwerker.
Die Verehrung des Hl. Joseph als Patron der Handwerker lässt sich auch am Josephsaltar im Welfenmünster erkennen, der sich an der Stirnseite des linken Seitenschiffs befindet.
In der typischen, weiß-goldenen Manier des Rokoko ausgeführt, steht eine prächtige Figur des Heiligen Joseph im Mittelpunkt des Altarprpospekts.
In der rechten Hand trägt der Hl. Joseph den erblühenden Stab, der ihn nach der oben zitierten Legende als von Gott erwählten Gemahl der Jungfrau Maria ausweist.
Die linke Hand legt er beschützend um den kleinen Jesus, der sich ihm zuwendet, dabei aber gleichzeitig mit seiner rechten Hand nach oben weist, wo eine strahlenbekränzte figürliche Darstellung seines göttlichen Vaters den Josepsaltar krönt.

Überraschend ist, dass der kleine Jesus in dieser Darstellung bereits sein leeres Kreuz in der Hand hält. Es erscheint fast so, als wollte Jesus damit andeuten, dass der Hl. Joseph selbst, schon früh in seiner Kindheit, das Kreuz für Jesus gezimmert hätte.
Wer weiß? Vielleicht will uns der Künstler damit daran erinnern, dass die Heilgeschichte von Jesu Tod und Auferstehung ohne den gläubigen und treusorgenden Beitrag des Hl. Joseph undenkbar wäre? (s.o.)
Eingerahmt ist die Figur des Hl. Joseph im Altarprospekt von allerlei Engeln und Wolken, die die Werkszeuge des Zimmermanns tragen und damit auf den Hl. Joseph als Patron der Handwerker verweisen.
Bitte um Schutz und Hilfe des Hl. Joseph
Heiliger Josef, in unserer Not kommen wir zu dir und bitten voll Vertrauen um deinen Schutz.
Du warst in Liebe mit der unbefleckten Gottesmutter verbunden und hast väterlich für Jesus gesorgt.
Darum bitten wir dich: Sieh auf das Volk, das Jesus mit seinem Blut erworben hat und hilf uns mit deinem mächtigen Beistand.
Du Beschützer der Heiligen Familie, wache über das Haus Gottes.
Halte fern von uns alle Ansteckungen durch Irrtum und Verderben.
Du starker Helfer, steh uns bei im Kampf mit den Mächten der Finsternis.
Du hast das Jesuskind aus der Lebensgefahr errettet; so verteidige jetzt die Heilige Kirche Gottes gegen den bösen Feind und seine Verführung.
Nimm uns unter deinen Schutz, dass wir nach deinem Beispiel und mit deiner Hilfe heilig leben, selig sterben und das ewige Leben erlangen.
Amen.
(Papst Leo XIII.)
Links und rechts neben dem Hauptprosekt de Josephsaltars stehen, eigentlich unübersehbar und doch oft unbeachtet, zwei weitere Figuren. Sie verweisen auf zwei wichtige Persönlichkeiten des Alten Testaments, die die Bedeutung des Hl. Joseph unterstreichen sollen.
Die rechte Figur zeigt König David, leicht zu erkennen an der Krone und dem pelzverbrämten, königlichen Habit, mit denen die Figur bekleidet ist, aber auch an der vergoldeten Harfe, die die Figur in der linken Hand hält. Allerdings ist die Harfe fast ganz hinter der Säule verborgen und nur von der Seite gut zu erkennen.
Die Figur König Davids verweist an dieser Stelle einerseits auf die göttliche Erwählung des Hl. Joseph als den irdischen Ziehvater Jesu, vor allem aber auf die göttliche Natur Jesu als den von Gott gesandten Messias „von Stamme Davids“.
Links, der Figur König Davids gegenüber, steht eine Figur, die Jonathan darstellt, den Sohn des Königs Saul und engen Freund Davids.
Erkennbar ist Jonathan an Pfeil und Bogen in seiner Hand.
Damit gab Jonathan nach biblischer Überlieferung David das rettende Zeichen, damit dieser sich vor dem auf ihn eifersüchtigen König Saul in Sicherheit bringen konnte.
Zusammen symbolisieren die beiden alttestamentlichen Figuren von David und Jonathan an dieser Stelle den festen Glauben an Gott und die unverbrüchlichen Liebe und Treue, die auch den Hl. Joseph als Gemahl und Begleiter der Hl. Jungfrau und Gottesmutter Maria, aber auch als Beschützer des Jesuskindes auszeichnen.
Lange bevor der prächtige, spätbarocke Josephsaltar seinen Platz im Welfenmünster fand, zeigten die Prämonstratenser Chorherren ihre Verehrung des Hl. Joseph in der frühbarocken Ausgestaltung des Gewölbes über den Chorraum.
In einer prächtigen Kassette der Gewölbedecke, der dritten vom Hochaltar aus gezählt, ist dort bis heute das Monogramm „IPH“ zu sehen, das für den Hl. Joseph steht und, zusammen mit den Monogrammen „MRA“ für Maria und „IHS“ für Jesus Christus, eine auf den Hochaltar ausgerichtete und der Heiligen Familie gewidmete Anbetungsreihe bildet.
Text und Fotos, soweit nicht anders vermerkt: Bruno Wilhelm
Pfarreiengemeinschaft Steingaden
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