Der Hl. Ulrich von Augsburg

Patron des Bistums Augsburg

Bischof von Augsburg

* um 890, vermutlich in Wittislingen bei Dillingen
+ 4. Juli 973 in Augsburg

Gedenktag: 4. Juli

Bedeutung des Namens: „der an Erbgut Reiche“

Im Welfenmünster findet sich die Figur, die den Hl. Ulrich im Bischofsornat zeigt, rechts in Chorraum. Sie steht hoch oben auf einem Gesims, in einer der flachen Nischen zwischen den Bögen zum Seitengewölbe (s.u.). Wenn man von der Sakristei kommend in den Chorraum tritt und gleich linker Hand nach oben schaut, ist es die Figur, die direkt über dem Ende des Chorgestühl steht.

Ulrich kam als Sohn des alemannischen Gaugrafen Hubald von Dillingen zur Welt und war tatsächlich sehr „reich an Erbgut“ (s.o. Bedeutung des Namens). 

Sein Onkel Adalbero, zuvor Abt des Klosters in Ellwangen, war seit 887 Bischof von Augsburg.

Ulrich war von seiner Familie für eine geistliche Laufbahn vorgesehen und, im Alter von 10 Jahren, zum Studium in die Benediktinerabtei St. Gallen gegeben worden. Dort blieb er bis zum Jahr 908. 

Anschließend, im Jahr 909, holte ihn sein Onkel Bischof Adalbero, als seinen Kämmerer, nach Augsburg. Dort empfing Ulrich vermutlich auch die Priesterweihe. 

Allerdings starb Bischof Adalbero noch im gleichen Jahr. Ulrich zog sich daraufhin, aus Enttäuschung darüber, dass er nicht selbst, als  Nachfolger seines Onkels, Bischof von Augsburg wurde, auf den Besitz seiner Familie zurück. 

Zehn Jahre später, im Jahr 919, wurde Ulrich das Amt des Abtes in St. Gallen angetragen. Der Legende nach lehnte er dies ab, weil ihm eine St. Gallener Ordensfrau einen anderen Weg prophezeite.

Tatsächlich wurde Ulrich im Jahr 923 doch noch Bischof von Augsburg, wo er am 28. Dezember die Bischofsweihe empfing und danach fünfzig (!) Jahre lang, als Bischof und Reichsfürst, regierte.

Das Ökumenischen Heiligenlexikon erzählt über die ersten Jahre seiner Zeit als Bischof (Zitat): „Ulrich verkehrte aufgrund verwandtschaftlicher Beziehungen am Hof von König Heinrich I. und von Otto I., er beriet Fürsten, hielt Synoden ab, sorgte 926 für die Befestigung Augsburgs mit steinernen Mauern und verteidigte die Ansprüche seines Bistums.

Das Ulrichskreuz als Siegeszeichen

Um das Leben des Hl. Ulrich ranken sich viele Legenden.

Die bekannteste dieser Legenden geht auf eine historisch belegte Begebenheit zurück: Im Jahr 955 waren ungarische Reiterhorden, zum wiederholten Mal, über Süddeutschland hereingefallen und belagerten die Stadt Augsburg. In der Schlacht auf dem Lechfeld wurden die Ungarn von den Verteidigern der Stadt Augsburg besiegt. Als Bischof und Reichsfürst von Augsburg war Ulrich Oberbefehlshaber über die siegreichen Truppen der Verteidiger.

Die Legende besagt nun, dass der Hl. Ulrich hoch zu Ross, ohne Schild und Waffen, nur mit der Bibel bewaffnet den militärisch und zahlenmäßig überlegenen „Heiden“ entgegengeritten sei. Während der Schlacht soll ihm daraufhin ein Engel ein Kreuz dargereicht haben. Bischof Ulrich deutete dieses Kreuz, wie seinerzeit Kaiser Konstantin der Große (s.u.), als ein Siegeszeichen – auf althochdeutsch (Zitat): „zuo ainem zaichen vnd gewißhait der kuenfftigen ueberwindtnuß wider die feind.“  Das Kreuz, das er von dem Engel erhalten hatte, soll der Hl. Ulrich während der Schlacht auf dem Lechfeld hochgehalten haben, um seinen kämpfenden Soldaten Mut und Siegeszuversicht zu geben. Dadurch konnte, mit Gottes Hilfe, wie die Legende berichtet, die Schlacht gewonnen werden. 

Eine andere Version der Legende sagt, der Hl. Ulrich hätte 954 bei einem Papstbesuch in Rom ein Teilchen vom Kreuze Christi (ein „Kreuzpartikel“) erhalten, das er fortan im Brustkreuz bei sich trug. Das Kreuz wurde ihm bei seinem Tode 973 mit ins Grab gegeben, 210 Jahre später bei der ersten Öffnung der Grabstätte gefunden und entnommen. Den glücklichen Ausgang der Schlacht am Lechfeld 955 brachte man später mit dem Gebet des Heiligen und dem Segen seines Kreuzes in Verbindung. 

Bis heute wird das Urlichskreuz in der „Heiltumskammer“ von St. Ulrich und Afra aufbewahrt.

Wer weiß? Hat der Hl. Ulrich das Kreuz aus der Hand des Engels erhalten oder hat er doch „nur“ ein Kreuzpartikel aus Rom mitgebracht. So oder so: die Kreuzlegende und das „Siegeskreuz“ des Hl. Ulrich spielen seit jeher eine große Rolle in der Verehrung des Hl. Ulrich. 

 Die Benediktiner von St. Ulrich und Afra in Augsburg gaben, bis in die frühe Neuzeit hinein, Nachbildungen des Ulrichskreuzes (s. Foto rechts) an die Wallfahrer aus. Mit diesen Kreuzen war zuvor die Kreuzreliquie berührt worden. Damit galten sie selbst als „Berührungsreliquien“. Die Wallfahrer trugen damit den Segen des Hl. Ulrichs nach Hause, um ihn dort an ihre Angehörigen weitergeben.

Mehr zum Ulrichskreuz können Sie beispielsweise bei der  Pfarreiengemeinschaft St. Ulrich und Afra/St. Anton in Augsburg nachlesen. Von dort stamm auch das Foto des originalen Ulrichskreuzes (rechts).

in hoc signum vinces“ 

Parallelen der Legende vom Sieg Bischof Ulrichs auf dem Lechfeld zur Legende um die Bekehrung des römischen Kaisers Konstantin.

Die Legende Konstantin und sein Heer hätten vor einer Schlacht im Jahr 312, zu Mittag, ein Kreuz aus Licht über der Sonne mit den Worten „in hoc signo vinces“ – auf deutsch: „Unter diesem Zeichen wirst du siegen“ – gesehen. In der Nacht vor der Schlacht sei ihm dann Jesus Christus erschienen, der ihm auftrug, das Zeichen des Kreuzes gegen seine Feinde einzusetzen und fortan als Schutz- und Siegeszeichen zu verwenden. Konstantin befolgte was ihm aufgetragen war. Und bald nach der gewonnenen Schlacht bekehrte sich Konstantin, als erster römischer Kaiser, zum Christentum.

Der Spruch „in hoc signum vinces“ wurde später oft auch auf die Kreuzerscheinung des Hl. Ulrich während der Schlacht auf dem Lechfeld bezogen. So beispielsweise auch im Deckenfresko in St. Ulrich auf dem Kreuzberg bei Steingaden (s.u.).

Wie ging es mit Bischof Ulrich nach dem Sieg über die Ungarn weiter?

Nachdem die ungarischen Reiterhorden zurückgeschlagen waren, ließ Bischof Ulrich nach und nach die von den Ungarn zerstörten Klöster und Dörfer seines Bistums wieder aufbauen, darunter auch das Kloster Benediktbeuern. Im Augsburg ließ Ulrich den von den Ungarn zerstörten Dom neu errichten.

Bischof Ulrich sorgte sich besonders um würdige und zur rechten Zeit gehaltene kirchliche Feste, um eine feierliche Liturgie, aber auch um Arme und Kranke. Im Jahr 968 gründete er am Rand der Stadt Augsburg das Frauenkloster St. Stephan und ein Spital. 

Neben seinem Amt als Bischof war Bischof Ulrich zeitweise auch Abt des Klosters in Kempten und ab 973 Abt des Klosters in Ottobeuren.

Als der Hl. Ulrich starb, wurde er in Augsburg, auf eigenen Wunsch nicht im Dom sondern in der Kirche St. Afra – heute St. Ulrich und Afra – beigesetzt. Die Trauerfeier für den Hl. Ulrich, Bischof von Augsburg, leitete der Hl. Wolfgang, Bischof von Regensburg.

Der erste offiziell „heiliggesprochene“ Heilige der katholischen Kirche.

Nur wenige Jahre nach seinem Tod im Jahr 973 setzte um den verstorbenen Bischof Ulrich eine lebhafte Heiligenverehrung ein. Ulrich wurde zum Patron vieler Kirchen in Süddeutschland erwählt. Hymnen und Litaneien besangen den Hl. Ulrich. Seine Lebensgeschichten wurde in vielen Versionen veröffentlicht und sogar in Theaterstücken weiter erzählt. Die Verehrung des Heiligen breitete sich schnell in der Kirche aus.

Am 31. Januar 993, nur zwanzig Jahre nach seinem Tod, wurde Bischof Ulrich von Augsburg als erster Heiliger überhaupt, unter Vorsitz von Papst Johannes XV., durch die Synode im Lateran in Rom, in einem förmlichen Verfahren „kanonisiert“, d.h. offiziell „heiliggesprochen“.

Mehr zu Leben und Wirken des Hl. Ulrich können sie beispielsweise beim Bistum Augsburg oder im Ökumenischen Heiligenlexikon nachlesen.

Warum war der Hl. Ulrich der „erste“ offiziell heiliggesprochene Heilige der katholischen Kirche ?

In den Anfangszeiten des Christentums waren es lange Zeit vor allem Märtyrer, die als Heilige verehrt wurde. Ihre Verehrung war eine lokale Angelegenheit, die sich meist um das Märtyrergrab herum entwickelte. Die Leute bestimmten vor Ort selbst darüber, wen sie als Heilige verehrten.

Ungefähr ab dem 6. Jahrhundert war eine bischöfliche Genehmigung für eine Heiligsprechung erforderlich. Ab dem Ende des 10. Jahrhunderts beanspruchten dann die Päpste in Rom das alleinige Recht zur Heiligsprechung für sich. Der Hl. Ulrich war der erste, der nach dieser, damals noch umstrittenen Regel offiziell vom Papst in Rom für die ganze katholische Kirche „heiliggesprochen“ wurde.

St. Ulrich – Patron der Kreuzbergkirche – Seitenblicke 

Die hohe Verehrung der Prämonstratenser von Steingaden für den Hl. Ulrich lässt sich auch daran erkennen, dass sie im Jahr 1564 den Hl. Ulrich zum Kirchenpatron für die damals neu erbaute Filialkirche des Klosters auf dem Kreuzberg bei Fronreiten bestimmten. 

Die Kirche entstand am Ort des Pestfriedhofs, auf dem in den Jahren 1562-64 die Pesttoten aus der damaligen Gemeinde Fronreiten bestattet worden waren.

Eine Figur des Hl. Ulrich steht dort links am Hauptaltar. Ihr gegenüber steht eine Figur der Hl. Afra (Märtyrerin,
+ um 304), die ebenfalls als Patronin des Bistums Augsburg verehrt wird.

Um die Ulrichskirche auf dem Kreuzberg entwickelte sich schon bald nach ihrer Einweihung, aus der Verehrung des Hl. Ulrich heraus, die lokale Tradition des „Ulrichsritts“. 

Diese Reiterwallfahrt wird seitdem jedes Jahr, um den Gedenktag des Heiligen herum, begangen. Sie ist immer noch ein großes Fest für die Pfarrei, an der auch viele  Gläubige aus der näheren Umgebung teilhaben. Vor wenigen Jahren wurde der 450. (!)  Ulrichsritt begangen.

Siehe dazu der Bericht „Ulrichsritt 2026“ unter „Aktuelles“

Sehr imposant ist das zentrale Deckengemälde der Kreuzbergkirche (s.u.). Es zeigt den Hl. Bischof Ulrich, hoch zu Ross, mitten im Getümmel der Schlacht auf dem Lechfeld. Darüber sieht man den Engel, der Ulrich das Kreuz reicht und ihn auf das Motto „in hoc signo vinces“ verweist . 

Eine besonders charmante Reverenz an den Hl. Ulrich findet sich in der Kreuzbergkirche auch noch auf der Abbildung der großen Votivtafel, die im Vorraum der Kirche in einer Kopie zu sehen ist (das Original der Votivtafel wird andernorts sicher aufbewahrt). 

Auf der Tafel schauen der Hl. Ulrich (Mitte), der Hl. Coloman (links) und der Hl. Wendelin (rechts) vom goldglänzenden Himmel herab auf die Kreuzbergkirche und die davor Betenden. Zwischen den drei Heiligen strahlt die Monstranz mit dem Allerheiligsten, von dem segensreiche Strahlen auf den Kreuzberg ausgehen.

Die Inschrift der Votivtafel lautet
(ins Hochdeutsche unserer Zeit übertragen):

Mit höchstem Vertrauen
hat sich die löbliche Gemeinde Fronreiten
zum Heiligen Kreuz und
auf die Fürbitte der Heiligen verlobt,
damit Gott uns,
allem Vieh und den Pferden
in bester Gesundheit und im Wohlstand
die göttliche Gnade erhalten wolle.
Amen.

1804

Autor & Fotos: Bruno Wilhelm