Heilige im Welfenmünster

Unsere Serie zum Jubiläumsjahr "850 Jahre Welfenmünster"

Hl. Johannes Baptist "der Täufer"

Namenspatron des Welfenmünsters
und der Pfarrei Steingaden

Wie kam das Welfenmünster zu seinem Namenspatron?

27 Jahre vor der Stiftung des Klosters Steingaden durch Welf VI. gründete der Hl. Norbert 1120 in Prémontré in Frankreich die Gemeinschaft, aus der der Orden der Prämonstratenser  hervorging.

Bereits im Jahr 1122 konnten die Prämonstratenser ihre erste Abteikirche in Prémontré weihen. Sie wählten den Hl. Johannes Baptist als Namenspatron für ihre Kirche. 

Zur Erinnerung daran weihten die Prämonstratenser später viele ihrer Klosterkirchen, auch die in Steingaden im Jahr 1176, ebenfalls dem Hl. Johannes Baptist.

Gedenktag des Hl. Johannes Baptist ist der 24. Juni.

An diesem Tag, bzw. am darauffolgenden Sonntag, feiert die Pfarrei Steingaden jedes Jahr das Patrozinium ihrer heutigen Pfarrkirche.

Zur Erinnerung: Eine Gruppe aus der Pfarrei Steingaden pilgerte zu Ostern 2014 "auf den Spuren des Hl. Norbert" nach Prémontré. Hier halt die Gruppe Andacht in den Ruinen der mittelalterlichen Abteikirche St. Johannes Baptist.
Die Figur des Hl. Johannes Baptist steht in der ehemaligen Taufkapelle im nördlichen Seitenschiff de Welfenmünsters. Sie begrüßt die Besucher auf der linken Seite, wenn sie die Kirche durch das Hauptportal betreten haben.

Wer war der Hl. Johannes Baptist?

Das Lukasevangelium stellt uns Johannes als den Sohn der Elisabeth und des Zaharias vor. 

Der schon alte und immer noch kinderlose Priester Zacharias opferte im Tempel und erhielt durch den Erzengel Gabriel die Verheißung, dass ihm ein Sohn geboren werde. Als er zweifelte und um ein Zeichen bat, wurde er vom Engel mit Stummheit geschlagen.

Elisabeth wurde tatsächlich bald schwanger. Maria besuchte sie und blieb bis zur Geburt des Johannes bei ihr.  Zu der Zeit war Maria bereits mit Jesus schwanger. Der Überlieferung nach kam Johannes sechs Monate vor Jesus zur Welt. Dementsprechend wurde später der Gedenktag des Johannes auf den 24. Juni, genau sechs Monate vor Weihnachten, gelegt. 

Gefragt, welchen Namen das Kind tragen sollte, bestand Elisabeth, gegen die Familientradition, darauf, dass der Bub „Johannes“ heißen müsste. Als Zacharias den gleichen Namen auf eine Tafel schrieb, erhielt er seine Sprache zurück und brach in den berühmten Lobgesang, das „Benedictus“ aus, der uns im Lukas Evangelium überliefert ist (Lk 1.68-79, siehe unten).

Der Name „Johannes“ bedeutet im Hebräischen „Gott ist gnädig“.

Johannes war der einzige Prophet im Neuen Testament.

Als Erwachsener ging Johannes zunächst in die Wüste. Er lebte dort als Asket, trug ein Gewand aus Kamelhaar und aß Heuschrecken und wilden Honig (Mk 1.6), was seine Zeitgenossen an den Propheten Elia erinnerte.

Am Jordan verkündete Johannes das Kommen des ersehnten Messias und vollzog, zur Vorbereitung darauf, die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die Rettung im kommenden Weltgericht.  Schnell sammelte er eine Schar von Anhängern um sich. Dazu schreibt das Lukasevangelium: Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Lk 3.15) 

Lobpreis des Zaharias

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! 
Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen; 
er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David.

So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten.

Er hat uns errettet vor unseren Feinden 
und aus der Hand aller, die uns hassen;
er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet 
und an seinen heiligen Bund gedacht, 
an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;
er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit,
ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit
vor seinem Angesicht all unsere Tage.

Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen;
denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.
Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken
in der Vergebung seiner S
ünden.

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes
wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
um allen zu leuchten,
die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes,
und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Lukas (1, 68-79)

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Eine Miniaturdarstellung des Hl. Johannes Baptist findet sich in der Plakette
über dem alten Opferstock, links neben dem Eingang zur Sebastianskapelle.
Sie zeigt den Hl. Johannes Baptist, kniend zu Füßen der gekrönten Muttergottes
mit dem Jesuskind.  Diese Darstellung des Heiligen im Welfenmünster
ist so klein und unscheinbar, dass sie leicht übersehen werden kann.

Was bedeutet es, dass sich Jesus von Johannes taufen ließ?

Als Jesus ungefähr dreißig Jahre alt ist, kam er an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes hielt dies nicht für nötig und wehrte ab: „Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?” Aber Jesus gab ihm zur Antwort: „Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert!“ (Mt 3.13-16).

Mit der Taufe ordnete sich Jesus ganz dem Willen Gottes unter und stellte sich als Sündloser auf die gleiche Stufe mit den sündigen Menschen. 

Manche Theologen verweisen darauf, dass die Taufe Jesu nicht auf einer Anhöhe, wie z.B. dem Tempelberg in Jerusalem, stattfand, sondern am Ostufer des Jordans. Das liegt 380 Meter unterhalb des Meeresspiegels am tiefsten Punkt der Erde. „Er erniedrigte sich selbst“, sei demnach auch in den äußeren Umständen der Taufe zum Ausdruck gekommen.

Bei der Taufe wurde auch die Sendung Jesu und seine Göttlichkeit zum ersten Mal öffentlich offenbar, als eine Stimme aus dem Himmel kam: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. (Lk 3, 22)

Die Taufe Jesu durch Johannes ist im unteren teil des in Bronze gegossenen
Hauptportals des Welfenmünsters in zeitgenössischer Reliefsprache dargestellt. 
Das Portal wurde 1964 von dem Weilheimer Bildhauer Ernst Wirtl (1923-2014)
angefertigt. Es war eine Schenkung der Marie Eberth (1884-1971).

Am Tag darauf sah Johannes Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“ (Joh 3.5)

Die Worte, die Johannes am Tag nach der Taufe im Jordan sprach, sind ein zentraler Bestandteil der Liturgie. Der Priester spricht sie in jeder Messe vor der Kommunion und präsentiert dazu den Gläubigen das Allerheiligste. 

Die Worte „Ecce Agnus Dei, Ecce Qui Tollit Pecata Mundi“ sind, auch als Zeichen der Verbundenheit mit dem Pfarrpatron, vielfach in den neuen Hochaltar eingeschrieben.

Johannes war auch ein früher Märtyrer.

Herodes Antipas, einer der drei Herrscher im aufgeteilten, von Rom abhängigen Königreich im Heiligen Land, ließ Johannes kurze Zeit nach der Taufe im Jordan gefangen nehmen, weil dieser ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorhielt. Die hasserfüllte Herodias stachelte daraufhin ihre Tochter Salome an, Johannes Haupt von Herodias zu fordern. Salome hatte ihren Schwiegervater nämlich mit ihrem Tanz entzückt und deshalb einen Wunsch bei ihm frei.  Johannes wurde daraufhin enthauptet und Salome brachte ihrer Mutter den Kopf auf einer Schale (Mk 6, 14 – 29). 

Nicht nur die Bibel, auch der römische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen Aufzeichnungen von der Tötung des Johannes durch Herodes Antipas. Der Historiker gibt sogar den genauen Ort an, an dem sich das abgespielt hat. Auch schon zuvor hat Flavius Josephus immer wieder vom Wirken des Propheten im Heiligen Land berichtet. Was die Bibel über Johannes berichte, kann deshalb als historisch gesichert gelten.

Die Enthauptung des Johannes ist übrigens die einzige biblische Geschichte, die in den Fresken dargestellt ist, mit denen das Welfenmünster in der Zeit des Barock, anlässlich der 600-Jahr-Feier des Klosters im Jahr 1747. ausgestaltet wurde. Das Fresko befindet sich im Hauptschiff unter der Orgelempore, direkt über der Innenseite des Hauptportals. 

Johannes der Täufer wacht über dem Welfenmünster.

Das Fresko über der Orgelempore zeigt das Kloster Steingaden im Bau. Darüber, auf einer Wolke sitzend, beobachtet Johannes der Täufer wohlwollend die Szenerie. Rechts neben sich hat er seinen Namensvetter, Johannes Evangelist. 

Fast sieht es so aus, als seien die beiden Johannes in ein Gespräch vertieft. Vielleicht amüsieren sie sich ja darüber, dass viele bis heute vom „Sommerhansl“ und vom „Winterhansl“ reden, wenn sie auf das Bild schauen. Während nämlich  Johannes der Täufer seinen Gedenktag um die Zeit der Sommersonnenwende hat, hat Johannes Evangelist seine Gedenktag um die Zeit der Wintersonnenwende.

Johannes Baptist ist bis heute einer der bedeutendsten Heiligen für uns Christen. Er wird meistens mit dem Kreuzstab und dem Spruchband „Ecce Agnus Dei“ dargestellt, so wie auch in allen Darstellungen des Heiligen im Welfenmünster.