Mit einem vollbesetzten Bus machten sich am 7. Mai 2026 die Seniorinnen und Senioren aus Steingaden auf den Weg nach Wessobrunn. Die Sprecherin des Seniorenkreis-Teams, Elisabeth Brennauer, konnte dazu auch den Steingadener Pfarrer, Pater Joyice, begrüßen, der die Ausflügler in seine ehemalige Pfarrei begleitete.
Aufgeteilt auf zwei Gruppen erhielten die Gäste eine hochinteressante und sehr aufschlussreiche Führung durch die imposanten Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters.
Anschließend kehrten alle zu Kaffee und Kuchen im Gasthof zur Post in Wessobrunn ein.
Wer mochte, konnte sich danach einem Rundgang mit Pater Joyice anschließen, der an vielen Stellen rund um Kloster und Kirche als Pfarrer seine Spuren hinterlassen hat. Eine kleine Gruppe dehnte den Rundgang bis zur mächtigen, „tausendjährigen“ Tassilolinde aus.
Beeindruckt waren die Besucher auch von einem ganz besonderen Vermächtnis, das Pater Joyice seiner ehemaligen Pfarrei hinterließ:
Das Wessobrunner Gebet, in goldenen Buchstaben in die Innenseiten der zwei Hälften eines großen, aufgespaltenen Findlings eingeschrieben.
Der mächtige Stein wurde vor wenigen Jahren in einem Acker bei Wessobrunn gefunden. Der Bauer, der ihn fand, überließ den Findling Pater Joyice, damit der ihn von einem Steinmetz bearbeiten, und das Gebet auf den Innenseiten eingravieren lassen konnte.
Bei seinem letzten Gottesdienst als Pfarrer von Wessobrunn konnte Pater Joyice das in Stein gemeißelte Gebet weihen und an die Pfarrei übergeben.
Welch ein Abschiedsgeschenk!
Das Wessobrunner Gebet, auch bekannt als Wessobrunner Schöpfungsgedicht, stammt aus dem frühen Mittelalter und wurde um das Jahr 800 verfasst. Die einzige davon erhaltene Handschrift wurde in Jahr 814 angefertigt und befand sich lange im Kloster Wessobrunn.
Auf der linken Hälfte des Steins vor der Wessobrunner Pfarrkirche ist heute die altbayrische Urfassung des Gebets aus dem Mittelalter eingraviert, auf der rechten Hälfte die Übertragung des Gebets ins Neuhochdeutsche unserer Zeit (siehe unten).
Der Text des Gebets und das Vertrauen des Beters auf Gott, seinen Schöpfer, von dem allein Rettung kommen wird,
ist heute noch genauso bewegend und aktuell, wie vor 1210 Jahren.
Das Wessobrunnder Gebet.
vom Dichter
Das erfuhr ich unter den Menschen
als des Wissens Größtes,
Dass die Erde nicht war,
noch der hohe Himmel,
noch Baum noch Berg war,
noch irgendetwas,
noch die Sonne schien,
noch der Mond leuchtete,
noch das glänzende Meer war.
Als da nichts war an Enden und Wenden,
da war doch der eine allmächtige Gott,
der Wesen freigiebigstes,
und da waren auch mit ihm
viele herrliche Geister
und Gott war heilig.
Allmächtiger Gott,
der du Himmel und Erde erschaffen,
und den Menschen so viel Gutes gegeben hast,
verleih mir in Deiner Güte
rechten Glauben und guten Willen.
Weisheit und Klugheit und Kraft,
dem Teufel zu wiederstehen
und das Bose zu meinden
und deinen Willen zu vollbringen.
um 814
Textwiedergabe nach der auf dem Stein vor der Pfarrkirche in Wessobrunn eingravierten Hochdeutschen Übertragung des Gebets.
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