Hl. Apostel Paulus "von Tarsus"

Hebräische Form des Namens: Saulus

Apostel und Märtyrer

* um das Jahr 8 in Tarsus (in der heutigen Türkei)

+ vermutlich um das Jahr 64, der Legende nach als Märtyrer in Rom

Gedenktag: 29. Juni „Peter und Paul“

Im Welfenmünster begegnet uns der Hl. Apostel Paulus in einer Figur im Chorraum. Es ist, vom Kirchenschiff aus gesehen, die dritte der drei Figuren über dem linksseitigen Chorgestühl.

Saulus entstammte einer vermögenden römisch-jüdischen Familie, die in Tarsus, an der Mittelmeerküste der heutigen Türkei lebte und der strenggläubigen Gruppe der Pharisäer zuzurechnen war, die sich als Schriftgelehrte bzw. als Theologen im Laienstand betrachteten. Aufgrund seiner Herkunft besaß Paulus zeitlebens das römische Bürgerrecht.

Zunächst erlernte Saulus, neben einer intensiven theologischen Schulung, von seinem Vater den Beruf des Zeltteppichwebers. Später ging er zur weiteren theologischen Ausbildung nach Jerusalem.

In seinem Glaubenseifer sah Saulus in der aufkommenden christlichen Kirche zunächst nur eine ketzerische jüdische Sekte, die vom Gesetz abwich und deshalb bekämpft und zerschlagen werden müsste. In der Apostelgeschichte begegnet er uns zum ersten Mal bei der Steinigung des Stephanus, wo es heißt: „Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.“ (Apg. 7, 58.2) 

Zwei Kapitel später lesen wir in der Apostelgeschichte, wie Saulus, der „immer noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn wütete“ (Apg 9,1) den Hohepriester um einen Freibrief zur Verfolgung der Christen in Damaskus bittet.

Auf dem Weg nach Damaskus erlebt Saulus dann aber seine Bekehrung, lässt sich taufen und beginnt sofort, Jesus in den Synagogen zu verkünden. In der Apostelgeschichte heißt es, er „brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen darlegte, dass Jesus der Christus ist“ (Apg. 9,22). Damit macht Saulus sich selbst vom Christenverfolger zum verfolgten Christen. Er musste bald aus Damaskus flüchten und ging nach Jerusalem zurück. Es dauerte eine Weile, bis er die Jünger Jesu und die Gemeinde in Jerusalem von seiner Bekehrung überzeugte. Es gelang ihm, aber er brachte mit seinen Predigten einen Teil der Gemeinde, die Apostelgeschichte nennt sie die „Hellenisten“, so sehr gegen sich auf, dass diese versuchten, ihn zu töten. 

Also schickte man ihn erst einmal zurück in seine Heimat nach Tarsus und „die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samarien hatte nun Frieden„. (Apg. 9,31.1),

Die Bekehrung des Paulus

(Apostelgeschichte 9,3-18, nach der Einheitsübersetzung von 2016)

Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst! 

Die Männer aber, die mit ihm unterwegs waren, standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden. 

Saulus erhob sich vom Boden. Obwohl seine Augen offen waren, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. 

Und er war drei Tage blind und er aß nicht und trank nicht. 

In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Siehe, hier bin ich, Herr. Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zu der Straße, die man Die Gerade nennt, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus! Denn siehe, er betet und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. 

Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. Auch hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen. 

Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mir ein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Denn ich werde ihm zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss. 

Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte ihm die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg, den du gekommen bist, erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. 

Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen. 

Oft wird gesagt, mit seinem Bekehrungserlebnis auf dem Weg nach Damaskus sei Saulus zum Paulus geworden. 

Das ist richtig. Saulus musste dazu aber nicht seinen Namen ändern. „Saulus“ ist nämlich die hebräische Form des selben Namens, der in seiner lateinischen Form „Paulus“ lautet. 

Es dauert nach seiner Bekehrung auch noch eine ganze Weile, bis er als Paulus auftritt. In der Apostelgeschichte heißt er bis zur ersten Missionsreise um das Jahr 47 n. Chr. weiterhin „Saulus“. 

Erst in der Schilderung dieser Missionsreise spricht die  Apostel-geschichte zum ersten Mal von ihm als „Saulus, der auch Paulus heißt“ (Apg 13,9). Ab da nennt die Apostelgeschichte ihn konsequent „Paulus“.

Paulus unternahm mehrere Missionsreisen, die ihn in fast alle Länder der damals bekannten Welt führten. Dadurch wurde er zum Begründer der Heidenmission, d.h. der Mission, die auch Nichtjuden zum Christentum bekehren will.

Große Bedeutung hat Paulus für die Kirche aber vor allem durch die ihm zugeschriebenen 13 Briefe des Neuen Testaments, die in den Jahren 48 bis 61 n. Chr. entstanden und als die ältesten überlieferten Schriften des Urchristentums gelten. Man nimmt heute an, dass mindestens 7 dieser Briefe tatsächlich von ihm persönlich  verfasst wurden (1. Thessalonicher, 1. und 2. Korinther, Galater, Römer, Philipper und Philemon).

Die Paulusbriefe behandeln zentrale Themen des christlichen Glaubens: Kreuz und Auferstehung Jesu, Glaube, Gnade, Sünde, Gerechtigkeit, Einheit der Gemeinde und das Leben in Christus. Außerdem gibt er viele praktische Anweisungen für das Zusammenleben der christlichen Gemeinden: Disziplin, Reue, Liebe, Frieden und Einheit. 

Bis heute sind die Lehren, die Paulus in seinen Briefen entwickelt, von zentraler Bedeutung für den Glauben, die Theologie und das Zusammenleben in allen christlichen Konfessionen. 

Die von Paulus in seinen Briefen entwickelte Rechtfertigungslehre, trug in jüngster Zeit ganz entscheidend dazu bei, die Ökumene zwischen katholischer und evangelisch-lutherischer Kirche zu stärken und, ungeachtet aller weiterhin bestehenden theologischen Unterschiede, deren Gemeinsamkeiten in wichtigen Glaubensfragen zu betonen. 

Der in unserer Zeit vermutlich meistzitierte Text aus den Paulusbriefen findet sich im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes, in dem Paulus den „Weg der Liebe“ beschreibt (s. rechts).

Der Weg der Liebe

(1. Kor. 12, 37 und 1. Kor 13.)

Strebt aber nach den höheren Gnadengaben! Dazu zeige ich euch einen überragenden Weg:

Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, / hätte aber die Liebe nicht, / wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. 

Und wenn ich prophetisch reden könnte / und alle Geheimnisse wüsste / und alle Erkenntnis hätte; / wenn ich alle Glaubenskraft besäße / und Berge damit versetzen könnte, / hätte aber die Liebe nicht, / wäre ich nichts. 

Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte / und wenn ich meinen Leib opferte, um mich zu rühmen, / hätte aber die Liebe nicht, / nützte es mir nichts. 

Die Liebe ist langmütig, / die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, / sie prahlt nicht, / sie bläht sich nicht auf. 

Sie handelt nicht ungehörig, / sucht nicht ihren Vorteil, / lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach. 

Sie freut sich nicht über das Unrecht, / sondern freut sich an der Wahrheit. 

Sie erträgt alles, / glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand. 

Die Liebe hört niemals auf. / Prophetisches Reden hat ein Ende, / Zungenrede verstummt, / Erkenntnis vergeht. 

Denn Stückwerk ist unser Erkennen, / Stückwerk unser prophetisches Reden; 

wenn aber das Vollendete kommt, / vergeht alles Stückwerk. 

Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, / dachte wie ein Kind / und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, / legte ich ab, was Kind an mir war. 

Jetzt schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse, / dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, / dann aber werde ich durch und durch erkennen, / so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. 

Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; / doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

Darüber, wann, wo und auf welche Weise Paulus ums Leben kam, gibt die Apostelgeschichte keine Auskunft. Es gibt auch keine andere zeitgenössische Quelle, die wir dazu befragen könnten. Dem entsprechend ranken sich seit dem 2. Jahrhundert viele Legenden um den Tod
des Hl. Paulus. 

Die am weitesten verbreitete Legende besagt, dass Paulus in der Christenverfolgung unter Kaiser Nero wegen seines Glaubens enthauptet wurde und den Märtyrertod starb. Darauf verweist das Schwert, mit dem der Hl. Paulus häufig dargestellt ist (siehe auch oben, die Figur des Hl. Paulus
im Welfenmünster).

Anmerkung: Die biblische und die legendäre Person des Hl. Paulus und seine theologische Bedeutung für Glauben und Kirche angemessen zu würdigen, kann in einem so knappen Artikel nur ansatzweise gelingen. Wenn Sie mehr über das Leben und Wirken den Hl. Paulus lesen möchten, bietet die Apostelgeschichte (z.B. Apg. 7,58.2 ff.) oder auch der Artikel von Joachim Schäfer zum Hl. Paulus im Ökumenischen Heiligenlexikon eventuell einen guten Ausgangspunkt. Von beiden Quellen hat auch dieser Artikel hier ganz wesentlich profitiert.

Quellenhinweis: Joachim Schäfer: Artikel Paulus, aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon – https://www.heiligenlexikon.de/BiographienP/Paulus.htm, abgerufen am 22.10.2026