Pfarreiengemeinschaft   Steingaden   Prem

Grüß Gott und herzlich willkommen in unserem Welfenmünster in Steingaden.

Die Kirche wurde in den Jahren 1147 bis 1176, als Klosterkirche der Prämonstratenser-Abtei Steingaden, im Stil einer romanischen Basilika erbaut.

In den Jahrhunderten danach wurde die Kirche mehrfach, nach dem Geschmack der jeweiligen Zeit, erneuert und umgestaltet. Heute weist die Kirche in ihrer Ausstattung deshalb, in einzigartiger Weise, Merkmale aller wichtigen Stilepochen der abendländischen Kunst- und Kulturgeschichte seit dem 12. Jahrhundert auf.

Im Vorraum der Kirche

Sie haben die Kirche durch das Hauptportal betreten und befinden sich jetzt im Vorraum der Kirche. 

Der Vorraum wurde im 15. Jahrhundert an die Kirche angebaut. Das Kreuzgewölbe im Vorraum stammt aus derselben Zeit.

Das Wandgemälde an der Nordwand des Vorraums zeigt den Stammbaum der im Hochmittelalter in Europa sehr bedeutenden Herrscherfamilie der Welfen bis hin zu Welf VI. 

Dieser stiftete im Jahr 1147 das Kloster Steingaden für sein Seelenheil, bevor er zum Kreuzzug aufbrach.

Vom Vorraum gelangen Sie durch das romanische Portal aus dem 12. Jahrhundert in das Mittelschiff der Kirche.

Die bronzene Tür, die Sie dazu öffnen, und das darüber eingefügte Relief, stammen aus dem 20. Jahrhundert.

Im Mittelschiff der Kirche

Wenn Sie zurück schauen, sehen Sie links und rechts neben dem Portal, durch das sie eingetreten sind, zwei große Wandgemälde, die die Stifter  des Klosters Steingaden zeigen: Welf VI. (1115-1191; links) und sein früh verstorbener Sohn Welf VII. (1140-1167; rechts).

Beide, Welf VI. und Welf VII.,  sind auch hier im Welfenmünster bestattet. Dort wo sie bestattet sind, ist eine Bronzeplatte in den Boden des Mittelgangs eingelassen.

Patron der Kirche ist der Hl. Johannes der Täufer. Er ist unter anderem in der großen Figur im linken Seitenschiff der Kirche dargestellt.

Die farbige Ausmalung des mittleren Kirchenschiffs stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und gilt als besonders schönes Beispiel der Kirchenmalerei des Rokoko.

In den Fresken aus dieser Zeit zeigten die Prämonstratenser Chorherren ihre Verehrung für den Gründer ihres Ordens, den Hl. Norbert von Xanten, und die übrigen Heiligen ihres Ordens.

Darstellungen des Hl. Norbert finden sich vor allem im vorderen (östlichen) und im mittleren Deckenfresko über dem Mittelschiff.

Das vordere Deckenfresko nimmt Bezug auf die Gründung des ersten Klosters des Ordens im französischen Prémontré.

Das mittlere Fresko zeigt die Aufnahme des Hl. Norbert durch die Hl. Gottesmutter Maria in den Himmel.

Das hintere (westliche) Deckenfresko zeigt den Bau des Klosters in Steingaden.

Elf Heilige und Selige aus dem Orden der Prämonstratenser sind in den Wandfresken links und rechts oberhalb der Arkadenbögen des Mittelschiffes dargestellt.

Das folgende Beispiel (vgl. das vierte Arkadenbild – vom Altarraum her gezählt – auf der linken Seite des Mittelschiffs) zeigt die einzige Frau unter den dargestellten Heiligen des Ordens: Die Sel. Gertrud von Altenberg (1227-1297). Sie war die Tochter der Hl. Elisabeth von Thüringen und hatte die Gabe Streit zu schlichten und Frieden zu stiften.

Ein Blick in den Chorraum der Kirche

BITTE: Beachten Sie unbedingt die Absperrungen und überschreiten Sie nie eines der Absperrseile. ALARMANLAGE!

Der tiefe Chorraum, der lange Zeit allein den Klerikern vorbehalten war, ist typisch für eine mittelalterliche Klosterkirche.

Das Chorgestühl auf beiden Seiten stammt aus dem Jahr 1535. Seine Gestaltung ist an den klassischen Stil der Renaissance angelehnt.

Das große Altarbild auf dem barocken Hochaltar nimmt wieder Bezug auf die Geschichte des Prämonstratenserordens. Es zeigt, wie der Hl. Norbert von der Hl. Gottesmutter Maria den weißen Habit seines Ordens und vom Hl. Augustinus dessen Ordensregel übergeben bekommt.

Der neue, moderne Hauptaltar aus Kalkstein und der steinerne Ambo, am Übergang zwischen Chorraum und Mittelschiff, wurden im Jahr 2019 hier aufgestellt und geweiht. 

Im Jahr 1803 wurde das Kloster, wie alle Klöster in Bayern, auf kurfürstlichen Befehl hin, aufgelöst und geplündert.

Das Welfenmünster hat die Zerstörungen dieser Zeit nur überstanden, weil es zur Pfarrkirche umgewidmet werden konnte. Seit mehr als 200 Jahren feiert die katholische Pfarrei Steingaden mehrmals pro Woche hier ihre Gottesdienste.

Die Pfarrei Steingaden ist seit 1803 auch Besitzer des Welfenmünster und bemüht sich seitdem nach Kräften um den Erhalt dieses einzigartigen Zeugnisses vielhundertjähriger christlicher Kloster- und Glaubensgeschichte. Die letzte große Renovierung führte die Pfarrei in den Jahren 2016-19 durch.

Außer dem Welfenmünster ist von den Gebäuden des früheren Kloster Steingaden fast nichts mehr erhalten. Sehenswert sind die Reste des ehemals vierflügeligen Kreuzgangs aus dem 12. Jahrhundert mit der Brunnenkapelle, die dem Hl. Silvester geweiht ist.

Durch die Seitentür im rechten Seitenschiff der Kirche können Sie in den Kreuzgang gelangen.

Das Kreuzgewölbe im gotischen Stil wurde im 15. Jahrhundert in den Kreuzgang eingebracht.

Bevor Sie die Kirche wieder verlassen, gönnen Sie sich bitte noch ein paar Minuten der Stille und der Einkehr in unserem Welfenmünster. Schauen Sie sich auch gerne noch weiter darin um.

Und wenn Sie Gott suchen: Bei uns im Welfenmünster ist er Ihnen ganz nahe.

Gottes Segen auf Ihrem weiteren Weg!

Ihr

Pater Joyice Thomas Lanithottam CMI.

Pfarrer der Pfarrei St. Johannes Baptist Steingaden