Unsere Geschichte

Vorgeschichte (ca. 3000 v. Chr. - 1147 n. Chr.)

Jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Funde in Peiting belegen, dass die Siedlungsgeschichte in unserer Region mindestens bis ins 3. vorchristliche Jahrtausend zurückreicht. Später hinterließen Kelten und Römer ihre Spuren in der Region (z.B. auf dem Auerberg und in Peiting). 

Entlang des Lechs verlief zur Zeit der Römer die Via Claudia Augusta durch unsere Region. Sie war eine der wichtigste Handelsstraßen in römischer Zeit und verband Norditalien mit Süddeutschland. Auf ihr konnten bereits zur Zeit um Christi Geburt Handelswaren mit Fuhrwerken über die Alpen transportiert werden. 

Zur Römerzeit begann auch die Flößerei auf dem Lech. Holz und andere Waren wurden mit Flößen über Lech und Donau bis nach Augsburg, Ulm, Regensburg, Wien und manchmal sogar noch weiter transportiert. Lange Zeit spielte die Flößerei eine wichtige Rolle für die Region. Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie ganz eingestellt. 

Mit der Flößerei entwickelte sich früh das ehemalige Flößerdorf Prem, das als eine der ältesten, heute noch bestehenden Siedlungen am Lech gilt. Seine Anfänge liegen im Dunkeln und wir wissen auch nicht, zu welcher Zeit Prem erstmals Kirchdorf und Pfarrei wurde. Was wir wissen ist, dass es Anfang des 12. Jahrhunderts in Prem eine romanische Kirche zu „Unserer lieben Frau“ gab. An ihrer Stelle steht heute die Pfarrkirche „St. Michael“. Von der ursprünglichen Kirche erhalten geblieben ist der romanische Kirchturm.

Im 12. Jahrhundert gehörte, bis zur Klostergründung, das gesamte Gebiet unserer heutigen Pfarreiengemeinschaft zur Pfarrei Prem.

Aus verschiedenen Quellen ergibt sich, dass zum Zeitpunkt der Klostergründung in Steingaden hier bereits eine Ortschaft dieses Namens  mit einem Meierhof bestand, der im Besitz Welfs VI. war. Hier gab es eine dem Hl. Dionysius geweihten Kirche gab. Historiker vermuten deshalb, dass hier bereits zur Frankenzeit (ca. 5. bis 9. Jahrhundert) ein fränkischer Reichshof bestanden haben könnte. Insbesondere die Ortsbezeichnung „Steingaden“ und das Patrozinium der Kirche „St. Dyonisius“ sprächen dafür.

Mit der Klostergründung und der Ausgliederung der Pfarrei Steingaden aus der Mutterpfarrei Prem wurde die Dionysiskirche zur Pfarrkirche. Historiker nehmen an, dass die Prämonstratenser Chorherren in Steingaden während der langen Bauzeit ihrer neuen Klosterkirche (Welfenmünster), einige Jahrzehnte lang die ältere Pfarrkirche nutzten.

Zur Bedeutung eines fränkischen Reichshofs: Ein fränkischer Reichshof (oder „Königshof“) des 5. bis 9. Jahrhunderts war meist ein landwirtschaftliches Gut, das dem fränkischen König gehörte. Es bestand typischerweise aus einem großen, festen Haus und einem Wirtschaftshof mit Wohnhäusern für das Gesinde, Stallungen, Scheuern, Speicher und Backhaus. Reichshöfe wurden in der Regel an wichtigen Straßen, in Abständen von einer halben oder ganzen Tagesreise errichtet. Sie dienten als Verwaltungsmittelpunkte und Gerichtsorte für ihr Umland und als Stützpunkte für den König und seinem Gefolge auf ihren ständigen Reisen durch das Reich.

Geschichte des Klosters Steingaden (1147 - 1803)

Die Geschichte des Prämonstratenserklosters Steingaden beginnt mit der Stiftung des Klosters durch Herzog Welf VI. am 17. April 1147. 

Mit der Auflösung aller Klöster in Bayern durch Kurfürst Max Joseph IV. (später König Max I. Joseph) im März 1803 kommt sie an ein abruptes Ende.

Zwischen 1147 und 1803 führen 44 Prälaten der Prämonstratenser nacheinander das Kloster durch die wechselhafte europäische Geschichte. Fast 300 Jahre lang tragen die Prälaten des Klosters den Titel „Probst“. Ab dem Jahr 1433 wird den Prälat das Klosters die Abtswürde verliehen. Das Kloster ist fortan Abtei.

Von vielen Pröbsten und Äbten sind uns Portraits überliefert, die in der Prälatengalerie des Klostermuseums bezeigt werden (s. auch die Bildershow rechts).

Alle großen politischen Verwerfungen und Kriege, kunstgeschichtlichen Strömungen, kirchengeschichtliche Entwicklungen, wirtschaftlichen Auf- und Abschwünge, Seuchen und Naturkatastrophen, die Europa über die Jahrhunderte heimsuchten, wirkten sich auch unmittelbar auf die Lebensverhältnisse im Kloster und in den vielen, in ihrer Existenz vom Kloster abhängigen Bauern- und Arbeiterfamilien im der näheren und weiteren Umgebung Steingadens aus.

Die folgende Zeitleiste versucht einen knappen Überblick über wichtige Ereignisse und prägende Epochen aus der Geschichte des Klosters Steingaden zu geben.

Anselm von Rot
"von Steingaden"
1147-1162

Erster Probst des Klosters Steingaden.

Stirbt im Ruf der Heiligkeit.
Conrad I.
1162-1190

Der Sohn des Stifters
Welf VII.
wird im Jahr 1167 im Welfenmünster beigesetzt.

Weihe des Welfenmünsters
im Jahr 1176.
Gebezo I.
1190 -1198

Stifter Welf VI.
stirbt im Jahr 1191 und wird im Welfenmünster beigesetzt.
Berthold I.
1208-1220

Ausdehnung des Klosterbesitzes
nach Südtirol.
Gebezo II.
1190-1198
Berthold II.
1239-1263
Manegold
1263-1270
Dietrich
1281-1293
Ulrich I.
1311-1336

Die Pest in Steingaden
im Jahr 1313.

Die Herren von Schwangau überfallen das Kloster Steingaden
im Jahr 1318.
Berthold III.
1336-1369

Die Pest erneut in Steingaden
im Jahr 1348.
Berthold IV.
1369-1379

Armut und Not
herrschen im Kloster Steingaden.
Conrad II.
1385-1392

Armut und Not
herrschen weiterhin im Kloster Steingaden.
Johannes II. Syrg von Syrgenstein
1402-1431
"Zweiter Gründer"

Verhilft dem Kloster Steingaden zu neuer Blüte.
Abt Johannes III. Scheitter
1431-1445

Erster Abt des Klosters Steingaden
ab 1435.
Abt Johannes IV. Pfeiffer
1445-1450
Abt Caspar Suiter
1456-1491
"Dritter Gründer"

Renovierung des Welfenmünsters und Bau der Vorhalle im gotischen Stil.
Abt Vitus Mayer
1491-1500

Brand der Stadt Schongau
im Jahr 1493.

Das Kloster Steingaden leistet der Stadt Schongau Hilfe.
Abt Ulrich II. Griespeitel
1501-1523

Die Johanneskapelle wird an ihren heutigen Platz übertragen.
Abt Johannes V. Dimpt
1523-1535

Wiederaufbau des Klosters nach der Zerstörung
im Jahr 1525
(Bauernkriege).
Abt Michael Moser
1535-1553
Abt Joachim Wiedemann
1553-1580

Die Pest in Steingaden
ab dem Jahr 1560.

Bau der Ilgenkirche und der Kreuzbergkirche
im Jahr 1564.
Abt Gallus Theininger
1580-1606

Bilderschmuck und Fresken im Kloster
(z.B. Welfengenealogie).
Abt Georg Frühschütz
1606-1623

Abt Norbert Marstaller
1623-1645

Überfälle, Plünderungen und Gewalttaten des dreißigjährigen Krieges stürzen das Kloster ins Elend.
Abt Augustin I. Bonenmayr
1645-1674

"Restaurator und Erhalter des Klosters"

30 Jahre Wiederaufbau nach Brand und Plünderung des Klosters durch die Schweden
im Jahr 1646.
Abt Gilbert I. von Wellenstein
1674-1684
Abt Marianus I. Biechele
1699-1708

Erwirbt das Weingut "Schreckbichl" bei Bozen
im Jahr 1704.

Zerstörung der Lechbrücke durch den Spanischen Erbfolgekrieg.
Abt Antonius Erath von Erathberg
1708-1715

Wiederaufbau der Lechbrücke.
Abt Hyazinth Gassner
1729-1745

Beginnt den Bau der Wieskirche.
Abt Marianus II. Mayer
1745-1772

600-Jahr-Feier
im Jahr 1747.

Fertigstellung der Wieskirche.

Übertragung des "gegeißelten Heilands"
in den Chor der Wieskirche
im Jahr 1754.
Abt Gregor Fischer
1772-1774

Interessante Widmung auf dem Epitaph;

"Gregor Ordensmann, Theologe, Prior, Pfarrer, Kellermeister: lebte hinreichend lang, weil hinreichend gut..."
Abt Gilbert II. Michel
1784-1803

"Verwaltungsgenie"
Letzter Abt des Klosters Steingaden.

Soll unmittelbar vor der Säkularisation 1803
die Schuldscheine
seiner Untertanen verbrannt haben.

Verbrachte nach 1803
die letzten 25 Jahre seines Lebens in der Wies.

Chronisten des Klosters:

Viele haben über die Zeit zu dem vielfältigen und reichen Schatz an geschichtlichen Informationen aus der Klosterzeit beigetragen, auf den auch dieser Artikel und die folgende Zeitleiste gegründet sind. Ihnen allen sei an dieser Stelle gedankt.

Gerhard Klein (1939-2023),  stellte in seiner Festschrift „Der Fohlenhof in Steingaden“ aus dem Jahr 2005 einige der Chronisten des Klosters vor:

  • Pfarrer Matthias Graf (1866-1934), in den Jahren 1889-1891 Kaplan in Steingaden, veröffentlichte 1906/07 eines detailreiche „Geschichte der Prämonstratenserabtei Steingaden 1147-1803“.
  • Graf stütze sich auf den Steingadener Prämonstratenser Chorherren Gerlacius Heimerle (1709-1785) der seine Chronik von Bayern mit einem 60-seitigen Anhang „Sammlung zu einer Steingadener Chronik“ versah.
  • Auf das Buch von Matthias Graf stützte sich an vielen Stellen der Steingadener Chronist und Ehrenbürger, sowie erster Heimatpfleger des Bezirks Oberbayern Dr. Sigfrid Hofmann (1907-1993). In den Jahren 1983, 1985 und 1987 veröffentlichte Hofmann die drei Bände seiner fast 1000 Seiten umfassenden „Steingadener Chronik„.
  • Sie alle griffen bei ihren historischen Forschungen auf die „Monumenta Steingadensia“ zurück,136 Urkunden aus den Jahren 1154 bis 1538, die Teil einer zehnbändigen Sammlung von historischen Urkunden („Monumenta Boica„) sind. Die Monumenta Boica wurden im 18. Jahrhundert von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben. Der in Gründl geborene ehemalige Steingadener Klosterschüler und spätere Hofrat Johann Georg von Lori (1723-1786) war daran wesentlich beteiligt.

Der Wildsteiger Historiker Prof. Dr. Hans Pörnbacher (*1929) verweist in seiner Festschrift „Steingaden 1147*1997“ auch auf das Jahrbuch des Historischen Vereins Schongau, das sich in den Jahren 1996-98 eingehend mit der Klostergeschichte Steingadens beschäftigt. Pörnbacher selbst verfasste unter dem Titel „Quod divinabat Norbertus – Steingaden zwischen Ideal und Wirklichkeit“ die Einführung dazu. Wichtige Beiträge lieferten, unter anderen Pankraz Fried, Hermann Hauke, Gerhard Klein, Heide-Maria Krauthauf, Johanna Lauchs-Liebel und Dietmar Stutzer.

Ihnen allen sei an dieser Stelle gedankt.