Predigttexte zum Nachlesen

DANKE an Pater Joyice, der uns seine Predigttexte zur Veröffentlichung auf dieser Seite zur Verfügung stellt.

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Alle Predigttexte (in Standardschrift):

Liebe Schwestern und Brüder.

Heute feiern wir Kirchweih. Wir erinnern uns an die Menschen, die dieses Gotteshaus gebaut und mit Leben erfüllt haben. Wie viele Menschen haben hier gebetet, gesungen, getauft, geheiratet und Abschied genommen! Wie viele haben hier Freude und Dankbarkeit erlebt, aber auch Sorgen und Trauer vor Gott gebracht.

Die Lesung aus der Offenbarung des Johannes schenkt uns dazu ein wunderbares Bild von der Kirche. Johannes sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde. Er sieht die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen. Und er hört die Verheißung: „Siehe, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen.“

Ja, Gott will nicht fern von uns bleiben. Er will mitten unter uns wohnen. Genau das feiern wir an Kirchweih.
Für das Volk Israel war Jerusalem die Heilige Stadt. Dort stand der Tempel, der Ort der besonderen Gegenwart Gottes. Jerusalem war der Ort, zu dem die Menschen pilgerten, um Gott zu begegnen, zu beten und ihre Hoffnung vor ihn zu bringen. 

Doch mit Jesus Christus hat sich etwas Entscheidendes verändert. Jesus selbst ist der Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen. In ihm ist Gott uns nahegekommen. Durch seine Auferstehung hat er den Tod überwunden und eine neue Zukunft eröffnet.

Und seine Gegenwart bleibt lebendig in der Gemeinschaft der Glaubenden, in seiner Kirche, in seinem Wort und in den Sakramenten.

Der Apostel Paulus schreibt im Ersten Korintherbrief: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Korinther 3,16)

Unsere Kirche ist mehr als ein Gebäude aus Stein. Sie ist ein Ort, an dem Menschen Gott begegnen, miteinander beten, sein Wort hören und die Eucharistie feiern. Doch die lebendige Kirche besteht nicht nur aus Mauern und Dächern. Sie besteht aus Menschen, die miteinander glauben, hoffen und lieben.

Kirchweih erinnert uns daran: Wir feiern nicht nur ein Gotteshaus. Wir feiern auch die Gemeinschaft, zu der Christus uns zusammenruft.
In der Vision des Johannes hören wir die tröstlichen Worte: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.“ Diese Worte schenken uns Hoffnung. Ja. Gott kennt unsere Sorgen, unsere Trauer und unsere Ängste. Er lässt uns in unserem Leid nicht allein.
Liebe Mitchristen! Wie viele Menschen kommen in unsere Kirche, um Trost zu finden! Manche suchen in der Stille Ruhe, andere sprechen ein persönliches Gebet oder bringen ihre Sorgen vor Gott. Hier teilen wir die Freude des Lebens, aber auch die Trauer, wenn wir in Abschiedsgottesdiensten einen geliebten Menschen Gott anvertrauen.

Dieser heilige Ort lädt uns ein, still zu werden, zur Ruhe zu kommen, zu beten und die Nähe Gottes zu suchen. Hier dürfen wir unsere Sorgen vor ihn bringen, Trost erfahren und neue Kraft schöpfen. Hier wartet der Herr auf uns, um uns zu trösten, uns zu stärken und uns neue Hoffnung zu schenken.

Wenn uns etwas bedrückt, wenn wir Sorgen im Herzen tragen oder einfach eine Zeit der Stille und des Innehaltens brauchen, müssen wir nicht bis zur nächsten heiligen Messe warten. Wir dürfen jederzeit, auch mitten in der Woche und mitten im Alltag, in unsere Kirche kommen.
Die Tür unserer Kirche steht offen – als Einladung, zu Gott zu kommen, bei ihm Ruhe zu finden und gestärkt wieder in unseren Alltag zurückzukehren.

Unsere Kirche ist nicht nur ein Ort der Klage und der Bitten, sondern auch ein Ort der Freude und des Dankes. Hier feiern wir die Taufe, die Erstkommunion und die Firmung, hier schließen Paare den Bund der Ehe. Gemeinsam hören wir Gottes Wort und feiern die Auferstehung Jesu Christi.

Unsere Kirche ist ein Ort der Gemeinschaft, an dem Menschen willkommen sind und spüren dürfen: Ich bin nicht allein – Gott ist bei mir, und ich gehöre dazu. Hier begegnen wir Gott und einander, teilen Freude und Hoffnung, aber auch Sorgen und Fragen. In der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen erfahren wir Halt, gegenseitige Unterstützung und die Stärkung unseres Glaubens. Hier dürfen wir so kommen, wie wir sind, und darauf vertrauen, dass Gott uns annimmt und begleitet. Wir dürfen einander stärken, füreinander da sein und gemeinsam im Glauben wachsen. So wird unsere Kirche zu einem Ort, an dem Gottes Liebe spürbar wird, Gemeinschaft lebendig ist und die Freude am Glauben wächst.

Johannes hört Gott selbst sprechen: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

Unsere Kirche ist auch ein Ort des neuen Anfangs. Denn unser Leben ist nicht immer leicht. Wir erleben Sorgen und Unsicherheiten, müssen mit Trauer und Verlust umgehen und erkennen manchmal, dass wir Fehler gemacht oder andere Menschen verletzt haben. Manches belastet uns länger, als uns lieb ist, und manchmal fällt es uns schwer, uns selbst oder anderen zu vergeben. Gerade dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns nicht allein lässt, sondern uns hilft, neue Wege zu finden und wieder nach vorne zu schauen.

Doch bei Gott müssen wir mit unseren Fehlern und unserer Schuld nicht stehen bleiben. Wenn wir zu ihm kommen, dürfen wir auf seine Barmherzigkeit vertrauen. Er tröstet uns, er vergibt uns und schenkt uns neue Kraft. Im Sakrament der Versöhnung, in der Beichte, dürfen wir unsere Schuld vor Gott bringen und seine Vergebung empfangen. Wir dürfen darauf vertrauen: Gott schreibt uns nicht ab. Er eröffnet uns einen neuen Anfang.

Auch in der Feier der Eucharistie schenkt Gott uns, was wir für unseren Weg brauchen: In seinem Wort spricht er uns Mut zu und schenkt uns Hoffnung. Im heiligen Brot, im Leib Christi, stärkt er uns für unseren Alltag und für die Herausforderungen, die vor uns liegen. So wird unsere Kirche zu einem Ort, an dem wir aufatmen und neue Hoffnung finden können.

Liebe Schwestern und Brüder, 

an unserem Kirchweihfest danken wir Gott für unsere Kirche, diesen heiligen Ort der Begegnung mit ihm und miteinander. Doch Kirche lebt nicht allein von ihren Mauern, sondern vor allem durch uns, die wir als „lebendige Steine“ Gottes Kirche mitgestalten.

Jesus sagte zu Petrus: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen. Das gilt auch uns: Jesus baut seine Kirche auf uns.

Machen wir unsere Kirche zu einem Ort des Gebets, der Freude und der Gemeinschaft, an dem Menschen Trost finden, Hoffnung schöpfen und spüren: Ich bin nicht allein. Teilen wir unseren Glauben, stärken wir einander und halten wir unsere Herzen offen für alle.

So bauen wir gemeinsam an einer lebendigen Kirche, getragen von Gottes Verheißung: „Siehe, ich mache alles neu!“ 

Amen

Liebe Schwestern und Brüder!

Stellen wir uns einmal vor: Wir bekommen eine Einladung zu einer Hochzeit. Eine schöne Einladungskarte liegt im Briefkasten. Wir lesen den Namen des Brautpaares, schauen auf das Datum und freuen uns vielleicht schon auf diesen besonderen Tag.

Eine Hochzeit ist schließlich etwas Schönes. Menschen kommen zusammen. Man isst und trinkt miteinander, erzählt, lacht, erinnert sich und feiert gemeinsam. Ein Fest ist eine Zeit der Freude und der Begegnung.

Aber was geschieht, wenn wir eingeladen sind und einfach nicht hingehen? Vielleicht sagen wir: „Ich habe keine Zeit.“ Oder: „An diesem Wochenende passt es mir nicht.“ Oder: „Ich habe gerade so viel anderes zu tun.“ Vielleicht legen wir die Einladung beiseite – und irgendwann gerät sie sogar in Vergessenheit.

Genau davon erzählt uns Jesus heute im Evangelium. Ein König lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Alles ist vorbereitet. Das Fest kann beginnen. Das Essen steht bereit. Die Gäste könnten kommen. Aber sie kommen nicht.

Und das Erstaunliche ist: Der König gibt nicht sofort auf. Er schickt seine Diener noch einmal und lässt ihnen ausrichten: „Kommt! Alles ist bereit!“

Doch wieder finden die Eingeladenen Gründe, warum sie nicht kommen können. Der eine muss auf seinen Acker, der andere in seinen Laden. Jeder hat etwas anderes zu tun.

Und dann sagt Jesus einen Satz, der uns besonders nachdenklich machen kann: „Sie aber kümmerten sich nicht darum.“

Sie haben Gott nicht bewusst ablehnen. Sie haben einfach anderes zu tun. Ihr Alltag ist ihnen wichtiger geworden. Darin liegt genau eine Gefahr, die auch uns betrifft:

Wir leben unseren Alltag. Wir haben unsere Arbeit, unsere Familie, unsere Termine, unsere Sorgen und unsere Pläne. Es gibt so vieles zu erledigen und so vieles, um das wir uns kümmern müssen. Und Gott?

Gott kann dabei ganz leicht an den Rand unseres Lebens geraten. Nicht unbedingt, weil wir ihn bewusst ablehnen. Aber weil anderes gerade wichtiger erscheint. „Heute geht es nicht, ich habe noch etwas anderes vor.“ „Ich bin zu müde.“ „Ich habe so viel zu tun.“ „Nächste Woche vielleicht.“ Und irgendwann merken wir: Aus „nächste Woche“ ist ein Monat geworden. Aus einem Monat vielleicht ein Jahr.

Dabei sagen uns die heutigen Lesungen etwas ganz anderes: Gott möchte uns nichts wegnehmen. Er möchte uns etwas schenken. Der Prophet Jesaja erzählt von einem großen Festmahl. Gott selbst bereitet den Tisch. Und dann heißt es: Gott wird die Tränen von allen Gesichtern abwischen.

Genau das brauche wir.“ Vielleicht gibt es Sorgen, über die wir nicht sprechen. Eine Krankheit. Einen Menschen, um den wir uns sorgen. Einen Verlust, der noch schmerzt. Eine Beziehung, die schwierig geworden ist. Oder einfach eine Müdigkeit, die sich manchmal auf die Seele legt.

Und Gott sagt uns: Ich sehe dich. Ich kenne deine Tränen. Und ich lade dich ein.

Gott hört nicht auf, an unsere Tür zu klopfen. Er kann durch einen Menschen zu uns sprechen, durch ein Wort der Heiligen Schrift, durch einen Gottesdienst, durch einen stillen Moment oder durch eine Begegnung, die uns tief berührt.

Ganz besonders erfahren wir diese Einladung Gottes in der Eucharistie. Wenn wir hier miteinander Gottesdienst feiern, sind wir nicht einfach für eine Stunde in der Kirche zusammengekommen. Wir sind Gäste am Tisch des Herrn. In der Heiligen Messe dürfen wir erfahren, dass Christus selbst uns an seinen Tisch ruft. Das ist nicht einfach eine religiöse Pflicht. Es ist ein Geschenk. Wir kommen mit unserem ganzen Leben: mit unserer Freude, aber auch mit unseren Sorgen; mit unserem Glauben, aber auch mit unseren Fragen; mit unserer Dankbarkeit, aber auch mit unserer Schuld.

Und Christus sagt zu uns: „Komm. Du bist willkommen.“ In der Eucharistie schenkt Christus sich uns selbst. Er sagt uns immer wieder: „Du bist nicht vergessen. Ich bin bei dir.“  Es ist eine Einladung zur Begegnung mit Christus. Eine Einladung, die wir uns nicht verdienen müssen. Wir dürfen einfach kommen.

Im Evangelium kommt dann noch ein zweiter, überraschender Teil. Der König lädt schließlich alle ein. Arme und Reiche, Angesehene und Unbekannte. Der Festsaal soll voll werden.

Das ist ein wunderschönes Bild für die Kirche. Gott lädt uns alle ein. Nicht erst dann, wenn unser Leben vollkommen ist. Nicht erst dann, wenn wir alles im Griff haben. Nicht erst dann, wenn wir alle Fehler überwunden haben. Er lädt uns jetzt ein. Mitten in unserem Leben. Mitten in unseren Sorgen. Mitten in unserem Alltag.

Doch dann erzählt Jesus von einem Mann, der ohne Hochzeitsgewand zum Fest kommt. Und wir fragen uns vielleicht: Warum ist dieses Hochzeitsgewand plötzlich so wichtig?

Das Hochzeitsgewand ist ein Bild für unser Leben. Gottes Einladung ist kostenlos, aber sie bleibt nicht folgenlos. Gott nimmt uns an, wie wir sind. Aber seine Liebe möchte uns verändern. Sie möchte, dass wir vergeben können, geduldiger werden, barmherziger mit anderen umgehen und immer wieder neu nach dem Guten suchen.

Das ist das Hochzeitsgewand: ein Herz, das sich von Gottes Liebe berühren und verändern lässt. Ein Herz, das Reue kennt und bereit ist, einen neuen Weg zu beginnen.

Und genau hier bekommt auch das Sakrament der Versöhnung seine besondere Bedeutung. Wenn wir merken, dass wir uns von Gott entfernt haben oder einen Menschen verletzt haben, dürfen wir zu Gott zurückkehren. Gott vergibt und schenkt uns einen neuen Anfang.

Gott lädt uns ein zu seinem Fest – hier auf Erden, wenn wir miteinander Eucharistie feiern, wenn wir seine Liebe erfahren und diese Liebe an andere weitergeben. Und diese Einladung reicht noch weiter: Sie weist voraus auf das große Fest im Himmel, auf die ewige Gemeinschaft mit Gott, wo alle Tränen getrocknet werden und unsere Sehnsucht ihre Erfüllung findet.

Bereiten wir uns auf dieses Fest vor. Nicht mit einem kostbaren Gewand aus Stoff, sondern mit dem Festgewand eines liebenden Herzens: mit unserem Glauben, mit unserer Bereitschaft zur Versöhnung, mit unserer Barmherzigkeit und unserer Liebe zueinander.

Nehmen wir Gottes Einladung an. Denn Gott wartet auf uns. Der Tisch ist bereitet. Die Einladung gilt. Kommen wir zu ihm – heute und alle Tage unseres Lebens, bis wir einmal für immer bei ihm sein dürfen.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute haben wir allen Grund, dankbar und betend vor Gott zu stehen. Wir feiern Erntedank und zugleich erinnern wir an den heiligen Franz von Assisi, dessen 800. Todestag wir begehen. Damit geht auch das von Papst Leo ausgerufene Franziskusjahr zu Ende.

Erntedank und der heilige Franziskus passen wunderbar zusammen. Denn Franziskus war ein Mensch, der mit offenen Augen und einem dankbaren Herzen durch die Welt ging. Er sah in der Natur nicht einfach nur Bäume, Blumen, Tiere und Landschaften. Er entdeckte darin die Spuren Gottes. Für ihn war die ganze Schöpfung ein großes Lob Gottes.

Aus dieser tiefen Verbundenheit mit Gott und seiner Schöpfung entstand der berühmte Sonnengesang. Ein Gebet, das bis heute Menschen berührt:

„Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Sonne, durch Schwester Mond und die Sterne am Himmel.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du die Nacht erleuchtest.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“

Auffällig ist: Franziskus sagt nicht einfach: Ich danke Gott für die Sonne, für das Wasser und für die Erde. Er lässt die ganze Schöpfung selbst zum Lobpreis werden. Sonne, Mond, Wind, Wasser, Feuer und Erde – sie alle sind für ihn wie Geschwister, die gemeinsam Gott loben.

Was für ein wunderbarer Gedanke! Die Schöpfung ist nicht bloß etwas, das uns Menschen zur Verfügung steht. Sie hat ihren eigenen Wert. Sie ist Gottes Werk und lädt uns ein, in ihren Lobgesang einzustimmen.

Genau das feiern wir heute an Erntedank. Wir schauen auf die Früchte der Erde, auf das Getreide, das Obst, das Gemüse und auf alles, was durch die Arbeit vieler Menschen gewachsen ist. Wir wissen, dass eine gute Ernte nicht selbstverständlich ist. Die große Hitze und die Trockenheit dieses Jahres haben uns wieder vor Augen geführt, wie verletzlich die Natur und wie abhängig wir Menschen von ihr sind.

Erntedank bedeutet deshalb mehr als nur einen schönen Erntealtar und volle Körbe. Erntedank heißt: innehalten, staunen und erkennen, dass wir vieles nicht selbst in der Hand haben. Wir können säen, pflanzen, pflegen und ernten. Aber das Leben selbst können wir nicht machen. Es bleibt ein Geschenk Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder, in der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja hören wir vom Weinberg. Ein Freund legt einen Weinberg an. Er bereitet den Boden, entfernt die Steine, pflanzt edle Reben, baut einen Turm und richtet eine Kelter ein. Er tut alles, damit der Weinberg gute Früchte hervorbringen kann.

Doch dann kommt die Enttäuschung: Der Weinberg bringt nicht die erwarteten Früchte.

Und Gott stellt die Frage: „Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn getan habe?“

Diese Frage geht tief. Denn der Weinberg ist nicht nur ein Bild für das Volk Israel. Er ist auch ein Bild für unser Leben und für die Welt, in der wir leben.

Gott hat uns eine wunderbare Erde anvertraut. Eine Erde, die uns ernährt. Eine Sonne, die uns Licht schenkt. Wasser, ohne das kein Leben möglich wäre. Luft zum Atmen, Pflanzen und Tiere, Menschen, die mit uns unterwegs sind.

Wir stehen mitten in diesem Weinberg. Doch die entscheidende Frage lautet: Was machen wir mit dem Weinberg, der uns anvertraut ist?

Jesus greift im Evangelium das Bild vom Weinberg wieder auf. Die Pächter wollen den Weinberg besitzen. Sie vergessen, wem er gehört. Sie behandeln ihn, als wäre er ihr Eigentum, und nicht ein Geschenk, das ihnen anvertraut wurde.

Ist das nicht auch eine Gefahr für uns heute? Wir leben auf dieser Erde, als würde sie nur uns gehören. Wir nehmen, was wir brauchen, und manchmal auch mehr, als wir brauchen. Dabei vergessen wir leicht, dass wir nicht die Eigentümer der Schöpfung sind, sondern ihre Hüter.

Der heilige Franziskus zeigt uns einen anderen Weg. Er begegnet der Natur nicht mit dem Gedanken: Was kann ich aus ihr herausholen? Sondern mit einer Haltung des Staunens, der Ehrfurcht und der Dankbarkeit.

Für Franziskus ist die Erde nicht einfach ein Gegenstand, den man ausnutzt. Sie ist Schwester und Mutter. Die Tiere sind seine Geschwister. Die ganze Schöpfung verbindet ihn mit Gott.

Vielleicht ist das eine wichtige Botschaft dieses Franziskusjahres: Wir müssen die Schöpfung nicht beherrschen, sondern lernen, mit ihr in Frieden zu leben. Wir dürfen uns an ihren Gaben freuen, aber wir tragen auch Verantwortung für sie.

Liebe Schwestern und Brüder, Wenn wir heute Erntedank feiern und das Franziskusjahr abschließen, dann dürfen wir uns fragen: Was bleibt von diesem Fest? Was nehmen wir mit in unseren Alltag?

Vielleicht ist es eine kleine Veränderung unserer Haltung: dankbarer zu leben, bewusster mit den Gaben der Erde umzugehen, achtsamer mit unseren Mitmenschen zu sein und uns immer wieder Zeit zu nehmen, Gottes Spuren in unserem Leben zu entdecken.

Vielleicht können wir auch lernen, wieder öfter das einfache Gebet des heiligen Franziskus zu sprechen: „Laudato si – Gelobt seist du, mein Herr!“

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder.

Heute ist ein besonderer Sonntag. Wir feiern unser Patrozinium – den heiligen Erzengel Michael, unseren Kirchenpatron. Und zugleich feiern wir Erntedank. Auf den ersten Blick sind das vielleicht zwei ganz unterschiedliche Themen: Hier der Erzengel Michael mit seinem Schwert und seinem Kampf gegen das Böse, dort die Ernte, die Früchte unserer Felder und die Gaben der Schöpfung, für die wir Gott danken. Aber wenn wir genauer hinschauen, dann gehören diese beiden Feste sehr schön zusammen. Denn beide erinnern uns an etwas ganz Grundlegendes: Das Gute in unserem Leben ist ein Geschenk, aber es braucht auch unseren Einsatz.

Wenn wir an den heiligen Michael denken, haben viele von uns sofort ein Bild vor Augen: Michael mit Flügeln, mit dem Schwert in der Hand, den Fuß auf dem Drachen gesetzt. Im Buch der Offenbarung wird Michael als derjenige beschrieben, der gegen den Drachen kämpft.

Der Drache steht dort für die Macht des Bösen. Vielleicht denken wir zunächst: Das ist eine Geschichte aus einer anderen Welt, eine Geschichte von Engeln und Dämonen, von Himmel und Hölle. Was hat das mit unserem Leben hier in Prem zu tun?

Ich glaube: sehr viel. Denn wir wissen alle, dass es im Leben Dinge gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Es gibt das Gute – und es gibt das, was dieses Gute bedroht. Es gibt Frieden – und es gibt Streit. Es gibt Versöhnung – und es gibt Verletzungen. Es gibt Mitmenschlichkeit – und es gibt Gleichgültigkeit.

Und vielleicht kennen wir auch die kleinen „Drachen“ unseres Alltags. Manchmal heißen sie Ärger, Neid oder Stolz. Manchmal sind es Worte, die wir gesagt haben und später bereuen. Manchmal sind es Vorurteile, die sich in unseren Gedanken festsetzen. Und manchmal ist der größte Kampf nicht der gegen einen anderen Menschen, sondern gegen etwas in uns selbst.

Im heutigen Evangelium hören wir von den 72 Jüngern, die Jesus aussendet. Sie sollen zu den Menschen gehen, ihnen Frieden bringen, Kranke heilen und das Reich Gottes verkünden. Als sie zurückkommen, sind sie begeistert und erzählen Jesus von allem, was sie erlebt haben. Und Jesus sagt den bemerkenswerten Satz: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.“

Was für ein Bild! Jesus sagt damit: Das Böse hat nicht das letzte Wort. Gott hat das letzte Wort. Das ist eine der großen Hoffnungen unseres Glaubens.

Wenn wir heute den heiligen Michael anschauen, sehen wir ihn mit dem Schwert in der Hand.

Aber was bedeutet das für uns? Vielleicht nicht, dass wir alle ein Schwert in die Hand nehmen müssen. Vielleicht bedeutet es etwas viel Einfacheres – und zugleich viel Schwierigeres: Wir sollen den Mut haben, für das Gute einzustehen. Manchmal braucht es Mut, Frieden zu stiften, wenn andere lieber streiten. Manchmal braucht es Mut, den ersten Schritt auf einen anderen Menschen zuzugehen. Manchmal braucht es Mut, zu vergeben. Manchmal braucht es Mut, zu sagen: „So möchte ich nicht über einen anderen Menschen reden.“ Und manchmal braucht es Mut, einen Menschen nicht aufzugeben.

Michael steht mit seinem Fuß auf dem Drachen. Vielleicht ist das auch ein Bild für unser eigenes Leben. Wir müssen nicht jeden Kampf gewinnen. Aber wir dürfen uns immer wieder entscheiden, welchem Geist wir Raum geben: dem Geist der Angst oder dem Geist des Vertrauens, dem Geist des Neides oder dem Geist der Dankbarkeit, dem Geist der Gleichgültigkeit oder dem Geist der Barmherzigkeit, dem Geist des Streits oder dem Geist des Friedens.

Und damit kommen wir zu unserem zweiten Thema an diesem Sonntag: Erntedank. Heute schauen wir auf die Früchte der Erde und auf das, was gewachsen ist. Wir sagen: Danke, Gott, für die Schöpfung, für die Erde, für Regen und Sonne und für die Menschen, die säen, pflegen und ernten. Vieles in unserem Leben ist selbstverständlich geworden. Das Brot liegt im Geschäft, das Wasser kommt aus dem Wasserhahn, und vieles ist jederzeit verfügbar. Erntedank erinnert uns daran, wieder genauer hinzuschauen und dankbar zu sein. Denn wir können vieles planen und arbeiten, aber das Leben selbst bleibt ein Geschenk.

Und wer dankbar ist, übernimmt auch Verantwortung. Wenn Gott uns die Schöpfung anvertraut, dann dürfen wir sorgsam mit ihr umgehen. Wenn Gott uns Menschen anvertraut, dann dürfen wir sie nicht einfach fallen lassen. Erntedank heißt deshalb nicht nur: „Danke, Gott, für das, was wir haben“, sondern auch: „Gott, zeige uns, was wir daraus machen können.“

Damit treffen sich heute Michael und Erntedank. Michael erinnert uns: Kämpfe für das Gute. Erntedank erinnert uns: Sei dankbar für das Gute, das dir geschenkt ist. Wir empfangen Gottes Güte und dürfen selbst zu Menschen werden, durch die Gottes Güte weitergeht.

Das führt uns noch einmal zu den Engeln. Engel sind in unserem Glauben Boten Gottes. Und vielleicht begegnen uns Engel viel häufiger, als wir denken. Nicht immer mit Flügeln. Manchmal haben Engel ganz normale Kleidung an. Sie sitzen neben einem Kranken, besuchen einen Menschen, der allein ist, helfen einem älteren Menschen, kümmern sich um ihre Familie oder engagieren sich in der Pfarrgemeinde. Sie arbeiten im Hintergrund, ohne dass jemand groß darüber spricht. Sie sind einfach da, wenn ein anderer Mensch sie braucht.

Vielleicht kennen wir alle solche Menschen, von denen wir irgendwann sagen: „Gut, dass du da warst.“ Vielleicht war dieser Mensch in diesem Augenblick für uns ein Engel. Und vielleicht dürfen wir uns heute selbst fragen: Für wen könnte ich ein Engel sein? Für wen könnte ich ein gutes Wort haben? Wem könnte ich Mut machen? Wem könnte ich zeigen: Du bist nicht allein? Wem könnte ich vergeben? Wem könnte ich eine Last abnehmen?

So dürfen wir heute unseren heiligen Erzengel Michael bitten: Heiliger Michael, gib uns den Mut, für das Gute einzustehen. Wenn wir müde werden, gib uns Kraft. Wenn wir uns ärgern, schenke uns Besonnenheit. Wenn wir verletzt sind, hilf uns zu vergeben. Wenn wir Angst haben, schenke uns Vertrauen. Wenn wir unsicher sind, zeige uns den nächsten Schritt. Wenn wir nur noch die Dunkelheit sehen, erinnere uns daran, dass Gott stärker ist als die Dunkelheit. 

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

„Was meint ihr?“ – mit diesen Worten beginnt Jesus das Gleichnis von den beiden Söhnen.

Ein Vater bittet seine beiden Söhne: „Geh heute und arbeite im Weinberg!“ Der erste antwortet: „Ja, Herr!“ Doch er geht nicht. Der zweite sagt zunächst: „Ich will nicht.“ Aber später tut es ihm leid. Er denkt noch einmal darüber nach und geht schließlich doch. Zwei Söhne. Zwei Antworten.

Jesus erzählt dieses Gleichnis in einer Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie kennen die Heilige Schrift und die Gebote. Sie wissen, was Gott von den Menschen erwartet. Doch Jesus sagt nicht einfach: „Ihr seid schlecht.“ Er fragt: „Was meint ihr?“ Denkt nach. Schaut auf euren Leben. Passt euer Reden zu eurem Handeln?

Damit hält Jesus auch uns einen Spiegel vor. Denn vielleicht kennen wir beide Söhne aus unserem eigenen Leben. Manchmal sind wir wie der erste Sohn. Wir sagen schnell „Ja“. „Ja, natürlich, Gott ist mir wichtig.“ „Ja, ich will meinen Glauben leben.“ „Ja, ich will für andere da sein.“ Wir sagen „Ja“ – und trotzdem bleibt es manchmal nur bei unseren Worten.

Denken wir einmal an unseren Glaubensweg. Er beginnt mit einem großen Ja. Bei unserer Taufe haben unsere Eltern und Paten stellvertretend für uns Ja zu Gott und zum Glauben gesagt. Später haben viele von uns dieses Ja selbst ausgesprochen – bei der Erstkommunion, bei der Firmung oder in anderen wichtigen Momenten.

Ehepaare sagen zueinander: „Ja, ich will mit dir durchs Leben gehen.“ Als Eltern sagen wir Ja zu unseren Kindern und übernehmen die Verantwortung, sie christlich zu erziehen. Und als Christen sagen wir immer wieder Ja zu Gott und zu unserem Nächsten.

Aber die entscheidende Frage lautet: Ist unser Ja auch im Alltag ein Ja?

Gott braucht kein bloßes Lippenbekenntnis. Unser Glaube soll nicht nur gesprochen, sondern gelebt werden. Und deshalb ist der zweite Sohn besonders interessant. Er sagt zunächst: „Nein.“ Vielleicht hat er keine Lust. Vielleicht ist er müde oder hat andere Pläne. Doch später bereut er es. Er denkt noch einmal nach – und geht.

Vielleicht haben wir in unserem Leben auch schon einmal Nein gesagt. Nein zu einem Menschen. Nein zu einer Aufgabe. Nein zu Gott. Vielleicht haben wir jemanden enttäuscht. Vielleicht haben wir eine Chance nicht ergriffen. Vielleicht haben wir etwas versäumt, was uns heute noch beschäftigt. Aber Jesus sagt uns mit diesem Gleichnis: Ein Nein muss nicht das letzte Wort bleiben. Der zweite Sohn kehrt um. Er denkt nach. Er erkennt: So kann es nicht bleiben. Und dann geht er in den Weinberg.

Es ist eine innere Veränderung. Er macht den Willen des Vaters schließlich zu seinem eigenen Willen. Und genau das nennt die Bibel Umkehr. Umkehr bedeutet nicht, dass wir plötzlich vollkommen werden. Umkehr bedeutet, dass wir bereit sind, ehrlich auf unser Leben zu schauen und einen neuen Schritt zu wagen. Vielleicht ist das manchmal der schwierigste Schritt überhaupt. Denn sich selbst ehrlich anzuschauen, kann wehtun.

Die Frage Jesu „Was meint ihr?“ auch heute an uns gerichtet. Er fragt nicht: Was sagen die anderen? Nicht: Was machen die anderen? Sondern: Was ist mit mir? Wo steht mein Leben? Wo steht mein Glaube? Wo steht mein Ja?

Ähnlich wie der zweite Sohn im Gleichnis dürfen auch wir innehalten und uns fragen: Wo brauche ich Umkehr? Wo stehe ich mit meinem „Ja“ zu Gott? Ist dieses Ja nur ein Wort auf meinen Lippen – oder wird es in meinem Leben sichtbar? Wo habe ich mich von Gott entfernt? Wo bin ich meinen Mitmenschen und den Aufgaben, die Gott mir anvertraut hat, ferngeblieben?

Gott sagt nicht: Du hast einmal Nein gesagt, deshalb bist du für immer abgeschrieben. Nein. Der Vater wartet. Der Weinberg bleibt offen. Die Aufgabe bleibt bestehen. Und wir dürfen immer wieder neu beginnen.

Und Gott sagt auch zu uns: „Geh in meinen Weinberg!“ In den Weinberg gehen“ bedeutet, sich auf die Sache Gottes einzulassen. Es bedeutet, Gottes Liebe nicht nur zu empfangen, sondern sie weiterzugeben. Es bedeutet, einen Menschen nicht links liegen zu lassen. Es bedeutet, zu vergeben, auch wenn es schwerfällt. Es bedeutet, einem Einsamen Zeit zu schenken. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet, dort zu helfen, wo unsere Hilfe gebraucht wird. Der Weinberg Gottes ist nicht irgendwo weit weg. Der Weinberg Gottes ist mitten in unserem Alltag: in unserer Familie, in unserer Nachbarschaft, am Arbeitsplatz und in unserer Gemeinde. Überall dort, wo Menschen miteinander leben, lachen, leiden und hoffen.

Jesus fragt uns heute: „Was meint ihr?“

Nehmen wir diese Frage mit in unseren Alltag. Fragen wir uns ganz persönlich: Wo ruft Gott mich? Wo wartet mein Ja? Wo kann ich heute einen neuen Schritt wagen? 

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wann ist es eigentlich zu spät, um neu anzufangen?

Zu spät, um etwas im Leben zu verändern? Zu spät, um einen Fehler zu korrigieren? Zu spät, um einen neuen Weg einzuschlagen? Und vielleicht fragen wir uns manchmal auch: Ist es zu spät, um wirklich zu Gott zurückzukehren?

Doch genau hier hinein spricht die erste Lesung heute ganz deutlich: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“  Gott lässt sich finden. Gott ist nahe. Und solange wir leben, dürfen wir uns immer wieder neu auf den Weg zu ihm machen.

Und genau diese Botschaft finden wir auch im heutigen Evangelium.

Jesus erzählt von einem Gutsbesitzer, der Arbeiter für seinen Weinberg sucht. Früh am Morgen geht er hinaus. Dann wieder um die dritte, die sechste und die neunte Stunde. Und sogar in der elften Stunde geht er noch einmal hinaus.

Das ist eigentlich erstaunlich: Kurz vor Ende des Arbeitstages sucht er immer noch Menschen.

Warum? Weil er niemanden aufgibt.

Und darin liegt eine der schönsten Botschaften dieses Evangeliums: Nicht nur wir suchen Gott. Gott sucht uns.

Wir sprechen oft davon, dass wir Gott suchen müssen. Wir sollen beten, glauben und seinen Willen suchen. Das ist richtig. Aber die Bibel zeigt uns heute auch die andere Seite: Während wir Gott suchen, ist Gott längst auf dem Weg zu uns.

Denken wir an den Propheten Elija. Er sucht Gott und wartet auf ihn. Er erwartet ihn im Sturm, im Erdbeben und im Feuer. Doch Gott kommt nicht im Lärm, sondern in einem leisen Säuseln. Elija muss still werden, um Gott wahrzunehmen.

Oder Zachäus: Er möchte Jesus sehen und steigt deshalb auf einen Baum. Aber Jesus bleibt stehen und schaut zu ihm hinauf. Zachäus sucht Jesus – und entdeckt: Jesus hat schon nach ihm gesucht.

Auch Matthäus sitzt an seiner Zollstelle. Jesus kommt vorbei, sieht ihn und sagt: „Folge mir nach!“ Jesus wartet nicht, bis Matthäus vollkommen geworden ist. Er ruft ihn mitten in seinem bisherigen Leben.

Der Mensch sucht Gott – aber Gott ist immer schon auf dem Weg zum Menschen.

Und deshalb passt die erste Lesung so gut zum Evangelium: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt.“

Manche Menschen suchen Gott schon früh in ihrem Leben. Sie wachsen im Glauben auf, beten von Kindheit an und gehen viele Jahre ihren Weg mit Gott.

Andere brauchen länger. Manche finden erst als Erwachsene zum Glauben. Manche kehren nach vielen Jahren wieder zu Gott zurück. Manche entdecken ihn erst in einer schweren Lebenssituation oder sogar im hohen Alter.

Auch die Kirche kennt viele Heilige, deren Weg zu Gott nicht von Anfang an klar war. Denken wir an den heiligen Augustinus, der erst nach vielen Jahren zu Christus gefunden hat. Oder an den heiligen Martin, den heiligen Ignatius und den heiligen Norbert, deren Leben ebenfalls eine entscheidende Wendung zu Gott erfahren hat.

Ihre Lebensgeschichten sagen uns: Es ist niemals zu spät, mit Gott neu anzufangen.

Vielleicht gibt es auch unter uns jemanden, der denkt: „Für mich ist es zu spät. Ich habe mich zu weit von Gott entfernt. Ich habe zu lange nicht an ihn gedacht.“

Aber das heutige Evangelium sagt: Nein. Bei Gott ist es nicht zu spät.

Die Arbeiter, die erst in der elften Stunde kamen, wurden nicht weggeschickt. Auch er wird in den Weinberg gerufen. Auch sie wurden genauso bezahlt wie die Ersten.

Wir Menschen rechnen anders. Wir sagen: „Ich war mein ganzes Leben treu. Ich habe gebetet, gearbeitet und mich bemüht. Warum soll jemand, der erst am Ende kommt, dasselbe bekommen?“

Aber Gott rechnet anders. Deshalb sagt Jesaja: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege.“

Wir schauen oft auf die Vergangenheit. Gott schaut auf das Herz.

Wir rechnen in Stunden. Gott rechnet in Liebe.

Manchmal verstecken wir uns hinter unserer Arbeit, unseren Sorgen und unseren Plänen. Manchmal auch hinter unserer Schuld. Wir denken: „So, wie ich bin, kann Gott mich nicht lieben.“

Doch Gott wartet nicht darauf, dass wir vollkommen werden. Er kommt zu uns, so wie wir sind.

Darum sagt Jesaja: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“

Vielleicht begegnet Gott uns heute in einem Menschen. Vielleicht in einem Wort der Heiligen Schrift. Vielleicht in einem stillen Gebet. Vielleicht in einem Menschen, dem wir vergeben sollen. Vielleicht in einer Situation, in der wir selbst Vergebung brauchen.

Gott kommt oft leise – wie bei Elija. Er kommt uns entgegen – wie bei Zachäus. Er ruft uns – wie Matthäus. Und er geht immer wieder hinaus, um uns zu suchen – wie der Weinbergbesitzer.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage heute nicht: „Habe ich Gott schon gefunden?“

Vielleicht lautet die wichtigere Frage: „Lasse ich mich von Gott finden?“

Vielleicht denken wir manchmal: „Ich bin zu spät.“ Aber der Weinbergbesitzer geht sogar in der elften Stunde noch hinaus.

Und deshalb dürfen wir glauben: Bei Gott gibt es keine zu späte Stunde. Darum nehmen wir heute diese Einladung des Propheten Jesaja mit: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“

Und vielleicht ist das die schönste Antwort, die wir heute geben können:

Herr, hier bin ich. Ich suche dich. Und ich lasse mich von dir finden.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Vergebung – kaum ein anderes Wort berührt so tief unser christliches Leben und unsere menschlichen Beziehungen.

Wo Menschen miteinander leben, lieben und füreinander da sind, erfahren wir Freude, Nähe und Verbundenheit. Aber gerade dort, wo wir einander nahekommen, können wir uns auch verletzen, enttäuschen und schuldig werden. Ein unbedachtes Wort, eine Enttäuschung, ein gebrochenes Versprechen, eine Ungerechtigkeit oder eine Verletzung, die uns noch nach Jahren beschäftigt.

Und irgendwann steht die Frage im Raum: Kann ich vergeben? Will ich vergeben? Und wenn ja – wie oft?

Genau diese Frage stellt Petrus im heutigen Evangelium: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?“ Siebenmal – das klingt zunächst nach großer Großzügigkeit. Doch Jesus antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“

Jesus gibt damit keine Rechenaufgabe. Er möchte uns eine andere Haltung zeigen: Vergebung kennt keine Grenze. Um das zu verdeutlichen, erzählt er das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht.

Ein Mann hat eine Schuld, die er niemals zurückzahlen könnte. Sein Herr sieht seine Not, hat Mitleid mit ihm und erlässt ihm die gesamte Schuld. Dieser Mensch erfährt etwas, das er sich selbst niemals hätte schenken können: Er bekommt einen neuen Anfang und eine neue Freiheit.

Doch kaum verlässt er seinen Herrn, begegnet er einem anderen Menschen, der ihm eine viel kleinere Schuld schuldet. Statt die Barmherzigkeit weiterzugeben, die er selbst erfahren hat, begegnet er seinem Mitmenschen mit Härte.

Er hat Vergebung empfangen – aber er kann sie nicht weitergeben.

Und genau hier liegt die Mitte der Botschaft Jesu: Wer selbst Vergebung empfängt, ist eingeladen, Vergebung weiterzuschenken.

Denn wir sind nicht nur Menschen, die verletzt werden. Wir kennen auch die andere Seite. Auch wir haben Menschen enttäuscht. Auch wir haben Worte gesagt, die wir später bereut haben. Auch wir haben vielleicht jemanden ungerecht behandelt oder geschwiegen, obwohl ein gutes Wort notwendig gewesen wäre.

Wir alle leben deshalb von Vergebung. Wir brauchen die Vergebung unserer Mitmenschen. Und vor allem brauchen wir die Barmherzigkeit Gottes.

Die Lesung aus dem Buch Jesus Sirach sagt: „Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft!“

Manchmal tragen wir eine Verletzung jahrelang mit uns. Doch wenn wir an der Verletzung festhalten, geschieht etwas: Das Vergangene beginnt, Macht über unsere Gegenwart zu gewinnen. Der andere hat uns verletzt – aber wenn wir den Groll immer wieder nähren, bleibt die Verletzung in unserem eigenen Herzen lebendig.

Vielleicht können wir uns eine Verletzung wie einen Stachel im Herzen vorstellen. Solange wir immer wieder daran rühren, tut es weh. Wir denken darüber nach, was geschehen ist und was wir hätten sagen oder tun sollen. Vergebung bedeutet nicht, dass der Stachel nie da gewesen wäre. Vergebung zieht den Stachel aus meinem Herzen! „Ich möchte nicht, dass diese Verletzung mein weiteres Leben bestimmt.“

Vergebung bedeutet vielmehr: Ich gebe die Vergeltung aus der Hand. Ich überlasse das Geschehene Gott. Ich lasse den Menschen los – und gewinne dadurch selbst wieder Freiheit. Mein Leben ist größer als das, was mir geschehen ist.
Wir können nicht alles, was in unserem Leben falsch geworden ist, selbst wieder gutmachen. Wir können Vergangenes nicht ungeschehen machen. Aber Gott sieht uns nicht nur mit unserer Schuld. Er sieht uns mit seiner Barmherzigkeit.

Und seine Antwort lautet: „Dir ist vergeben.“

Von hier aus verstehen wir auch die Antwort Jesu an Petrus besser: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“

Jesus verlangt von uns keine übermenschliche Leistung. Er lädt uns ein, aus derselben Barmherzigkeit zu leben, die wir selbst von Gott empfangen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie oft muss ich noch vergeben?“ Sondern: „Wie viel Barmherzigkeit habe ich selbst erfahren?“

Wenn wir nur auf die Schuld des anderen schauen, erscheint sie riesig. Wenn wir aber zugleich auf Gottes Barmherzigkeit schauen, verändert sich unser Blick. Dann erkennen wir: 

Wir beten es jedes Mal im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Diese Worte sind anspruchsvoll. Denn wir bitten Gott nicht nur um Vergebung. Wir bitten zugleich darum, selbst barmherzig werden zu können. Gott schenkt uns die Kraft zu einem Schritt, den wir aus eigener Kraft vielleicht noch nicht gehen können.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht gibt es heute einen Menschen, an den wir denken müssen. Jemanden, der uns verletzt hat. Vielleicht ist es ein aktueller Streit. Vielleicht liegt das Geschehene viele Jahre zurück. Vielleicht ist dieser Mensch längst nicht mehr in unserem Leben.

Wir müssen heute nicht so tun, als wäre plötzlich alles gut. Vergebung braucht manchmal Zeit. Aber vielleicht können wir heute einen ersten Schritt wagen und die Sache vor Gott bringen:

„Herr, du kennst meinen Schmerz. Du kennst meine Wut und meine Enttäuschung. Ich kann noch nicht vergeben. Aber ich möchte nicht für immer in diesem Schmerz bleiben. Hilf mir, den Groll loszulassen. Hilf mir, diesen Menschen dir zu überlassen. Und schenke mir die Freiheit meines Herzens.“

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus sagt heute: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“ Es ist keine Forderung, die uns überfordern soll. Es ist eine Einladung, aus Gottes Barmherzigkeit zu leben.

Denn das letzte Wort über unser Leben hat nicht die Verletzung. Nicht der Hass. Nicht die Schuld. Das letzte Wort hat die Barmherzigkeit Gottes.

Amen.

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Liebe Schwestern und Brüder.

Die heutigen Schrifttexte haben ein gemeinsames Hauptthema: die Begegnung mit Gott. In der ersten Lesung begegnet der Prophet Elija Gott. Im Evangelium erleben die Jünger Jesus in seiner göttlichen Macht und erkennen: Jesus ist wirklich der Sohn Gottes.

Beide Texte zeigen uns: Gott begegnet dem Menschen oft anders, als wir es erwarten. Er kommt nicht immer im Lärm, in der Stärke oder in spektakulären Ereignissen. Oft begegnet er uns in der Stille, im Vertrauen und in einem offenen Herzen.

Schauen wir zuerst auf den Propheten Elija.

Elija hatte sich mutig für den wahren Gott eingesetzt und gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priester des Baal gekämpft. Doch danach musste er fliehen. Er war erschöpft, enttäuscht und voller Angst. Er kommt zum Berg Horeb, dem Berg Gottes, und sucht dort eine neue Begegnung mit dem Herrn.

Gott sagt zu ihm: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ Dann kommen ein gewaltiger Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer. Doch Gott ist nicht in diesen mächtigen Zeichen. Erst danach kommt ein leises, sanftes Säuseln – und darin erkennt Elija die Gegenwart Gottes.

Diese Erfahrung ist auch für unser Leben wichtig: Gott spricht nicht nur durch große Ereignisse. Oft begegnet er uns in der Stille – im Gebet, in einem ruhigen Moment, in unserem Gewissen oder durch einen Menschen, der uns nahekommt.

Auch das Evangelium führt uns in eine Situation der Stille und des Vertrauens.

Nach der Brotvermehrung, bei der Jesus mehr als fünftausend Menschen gespeist hatte, schickt er die Jünger mit dem Boot voraus. Jesus selbst zieht sich auf einen Berg zurück, um allein zu beten und die Gemeinschaft mit seinem Vater zu suchen.

Die Jünger geraten inzwischen auf dem See in einen heftigen Sturm. Die Wellen sind stark und sie bekommen Angst. In dieser Situation kommt Jesus zu ihnen über das Wasser. Zuerst erschrecken sie, doch Jesus sagt: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“

Da bittet Petrus: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Jesus sagt nur ein Wort: „Komm!“ Petrus steigt aus dem Boot und geht tatsächlich auf Jesus zu. Solange sein Blick auf den Herrn gerichtet bleibt, trägt ihn das Vertrauen. Doch als er den starken Wind und die hohen Wellen wahrnimmt, lässt er sich von der Angst bestimmen. Sein Blick richtet sich nicht mehr auf Jesus, sondern auf die Gefahr – und er beginnt zu sinken. Sofort streckt Jesus seine Hand aus, ergreift ihn und rettet ihn.

Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns: Nicht der Sturm bringt Petrus zu Fall, sondern der Augenblick, in dem sein Vertrauen nachlässt. Solange sein Blick auf Jesus gerichtet ist, trägt ihn der Glaube. Auch wir erleben Stürme: Sorgen, Krankheiten, Konflikte oder Unsicherheit. Sie werden nicht einfach verschwinden. Aber wenn wir unseren Blick auf Christus richten, dürfen wir erfahren, dass er uns nicht untergehen lässt. Seine ausgestreckte Hand ist immer da – oft schon, bevor wir sie wahrnehmen.

Wenn wir Elija und das Evangelium zusammen betrachten, erkennen wir eine gemeinsame Botschaft:

  • Elija begegnet Gott in der Stille auf dem Berg.
  • Jesus sucht in der Stille die Nähe seines Vaters.
  • Die Jünger erfahren Jesus mitten im Sturm.

In allen drei Situationen lernen die Menschen: Gott ist da – auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen.

Liebe Schwestern und Brüder, auch unser Leben braucht Zeiten der Stille. Gerade in dieser Ferien- und Urlaubszeit suchen viele Menschen Erholung, Abstand vom Alltag und neue Kraft. Vielleicht ist diese Zeit auch eine besondere Einladung, nicht nur unserem Körper Ruhe zu gönnen, sondern auch unserer Seele.

Im Urlaub verlassen wir oft den gewohnten Rhythmus. Wir haben vielleicht mehr Zeit für einen Spaziergang, für die Familie oder für einen stillen Moment. Nutzen wir diese Gelegenheit auch für Gott. Ein kurzer Besuch in der Kirche, ein stilles Gebet oder einige Minuten in der Gegenwart Gottes können uns neue Kraft schenken.

Denn unsere Welt ist oft voller Stimmen: Nachrichten, Handys, Termine und Sorgen. Manchmal vergessen wir, still zu werden und Gott Raum zu geben.

Darum ist es gut, jeden Tag einige Momente für Gott zu reservieren. Am Morgen können wir ihn fragen: „Herr, begleite mich durch diesen Tag.“ Und am Abend können wir zurückblicken: Wo habe ich deine Nähe erfahren? Wofür kann ich danken? Wo brauche ich deine Hilfe?

Gerade an diesen heißen Sommertagen können wir vielleicht unsere Kirche neu als einen Ort der Stille entdecken. Ein paar Minuten vor dem Tabernakel, ein stilles Gebet oder einfach das Verweilen in Gottes Gegenwart können zu einer Begegnung mit ihm werden.

Die Stille ist nicht leer. Sie ist ein Raum, in dem Gott zu uns sprechen kann.

Elija musste den Lärm von Sturm, Erdbeben und Feuer hinter sich lassen, um Gottes leise Stimme zu hören. Die Jünger mussten durch den Sturm gehen, um zu erkennen: Jesus ist bei ihnen.

Auch wir dürfen darauf vertrauen: Gott ist da – in unseren Freuden und Sorgen, in unseren starken und schwachen Momenten. Er kommt uns entgegen und spricht auch heute:

„Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir stehen am Anfang der Ferienzeit. Viele Menschen fahren in diesen Tagen in den Urlaub. Sie freuen sich auf Erholung, auf Ruhe und neue Kraft. Man möchte für einige Tage den Alltag hinter sich lassen, den Terminkalender schließen und die Last der Verantwortung ein wenig ablegen. Es tut gut, einmal an einem anderen Ort zu sein und frei durchatmen zu können.

Auch Jesus kennt dieses menschliche Bedürfnis. Das Evangelium erzählt uns, dass er sich mit dem Boot an einen einsamen Ort zurückziehen wollte. Hinter ihm lagen schmerzvolle Tage. Johannes der Täufer, sein Wegbereiter, war auf grausame Weise hingerichtet worden. Jesus sucht die Stille. Er sucht einen Ort, an dem seine Seele zur Ruhe kommen kann.

Doch die Menschen lassen ihn nicht allein. Sie folgen ihm. Sie bringen ihre Krankheiten, ihre Sorgen, ihre Ängste und ihre Hoffnungen mit. Sie spüren: Bei diesem Jesus finden wir, was wir sonst nirgends finden.

Das Evangelium berichtet nicht, dass Jesus ungeduldig wird. Es heißt vielmehr: „Er hatte Mitleid mit ihnen.“ Das Herz Jesu bleibt offen. Er sieht die Not der Menschen und nimmt sie ernst.

Wie tröstlich ist das auch für uns! Wir dürfen mit allem zu Christus kommen: mit unserer Freude und Dankbarkeit, aber auch mit unserer Müdigkeit, unseren Sorgen, unseren Enttäuschungen und unserer Schuld. Niemand muss sich verstellen. Niemand muss erst stark sein, bevor er zu Jesus kommen darf.

Die Jünger sehen am Abend vor allem das Problem. Fünf Brote und zwei Fische – das reicht doch niemals. Jesus aber sieht nicht zuerst den Mangel, sondern die Möglichkeit des Vaters. Er nimmt das Wenige, dankt, bricht das Brot und lässt es austeilen. Alle werden satt. Ja, es bleibt sogar noch mehr übrig, als am Anfang vorhanden war.

Dieses Wunder ist nicht nur eine Erinnerung an ein vergangenes Ereignis. Es weist voraus auf das größte Geschenk Jesu: die Eucharistie. Auch heute nimmt Christus Brot in seine Hände. Auch heute spricht er das Dankgebet. Auch heute bricht er das Brot und gibt sich selbst zur Speise des Lebens. Christus selbst lädt uns an seinen Tisch. Darum ist jede Eucharistie viel mehr als eine religiöse Pflicht. Sie ist die Antwort Gottes auf den Hunger unseres Herzens. Wir kommen mit leeren Händen – und Christus beschenkt uns mit sich selbst.

Genau dazu lädt uns auch die erste Lesung ein. Der Prophet Jesaja ruft im Namen Gottes:

„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst; kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung.“

Welch wunderbare Einladung! Gottes Gaben kann niemand verdienen und niemand bezahlen. Seine Liebe ist Geschenk. Seine Vergebung ist Geschenk. Seine Barmherzigkeit ist Geschenk. Seine Eucharistie ist Geschenk.

Dann stellt Gott eine Frage, die uns tief ins Gewissen geht:

„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“

Wie oft suchen wir unser Glück dort, wo es auf Dauer nicht zu finden ist. Wir hoffen, dass Besitz, Erfolg oder Unterhaltung unser Herz erfüllen. Doch der Hunger der Seele bleibt.

Nur Christus kann diesen Hunger stillen. Nur er spricht Worte, die Leben schenken. Nur er gibt ein Brot, das bleibt.

Deshalb sagt Gott weiter:

„Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir; hört, dann werdet ihr leben.“

Das ist vielleicht die wichtigste Einladung dieser Ferienzeit. Nicht nur den Koffer zu packen, sondern auch Zeit für Gott einzuplanen. Vielleicht besuchen wir im Urlaub eine Kirche, zünden eine Kerze an, nehmen uns Zeit für das persönliche Gebet oder feiern bewusst den Sonntagsgottesdienst mit. Wahre Erholung braucht nicht nur Ruhe für den Körper, sondern auch Nahrung für die Seele.

In wenigen Augenblicken wird der Herr seinen Tisch für uns bereiten. Wie damals die Menschen am See dürfen auch wir Platz nehmen. Wir bringen ihm das Wenige, das wir haben: unseren Glauben, der manchmal klein ist; unsere Hoffnung, die manchmal schwach ist; unsere Liebe, die immer wieder der Erneuerung bedarf.

Christus nimmt unser Weniges an und macht daraus ein Geschenk seiner Gnade. Wer sich von ihm beschenken lässt, geht nicht leer nach Hause. Denn bei Gott gibt es keinen Mangel. Seine Liebe ist größer als unsere Not, seine Barmherzigkeit tiefer als unsere Schuld und seine Gnade reicher als alle unsere Erwartungen.

Bitten wir den Herrn, dass wir heute mit offenem Herzen an seinen Tisch treten und aus dieser Eucharistie die Kraft empfangen, die wir für unser Leben brauchen. Denn wer zu Christus kommt, den lässt er niemals leer ausgehen.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute feiern wir das Patrozinium unserer Kirche. Unsere Kirche steht unter dem Schutz der heiligen Maria Magdalena. Sie nimmt unter den Jüngern Jesu einen besonderen Platz ein. Die Kirche nennt sie die „Apostolin der Apostel“, denn sie war die erste, die dem auferstandenen Herrn begegnete und den Jüngern die frohe Botschaft von der Auferstehung verkündete.

Die Texte des heutigen Tages führen uns in das Herz dieser Frau hinein. Maria Magdalena war eine suchende Frau.

Die erste Lesung aus dem Hohelied beschreibt diese Suche mit den Worten:

„Ich suchte ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.“

Diese Worte beschreiben nicht nur die Liebe zwischen zwei Menschen. Sie erzählen von der tiefen Sehnsucht des Menschen nach Gott. Jeder Mensch trägt diese Sehnsucht in seinem Herzen. Jeder Mensch sucht nach einem Leben, das wirklich erfüllt.

Auch Maria Magdalena war eine solche Suchende. Ihr Leben wurde durch die Begegnung mit Jesus grundlegend verändert. Sie hatte erfahren, dass es im Menschen eine Sehnsucht gibt, die durch nichts Irdisches ganz gestillt werden kann. Es ist die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, nach einer Liebe, die trägt, und nach einem Frieden, der auch in schweren Stunden nicht zerbricht.

Das Leben der heiligen Maria Magdalena kann deshalb auch uns inspirieren.

Denn auch wir leben in einer Welt voller Möglichkeiten und zugleich voller Unsicherheit. Kriege, wirtschaftliche Sorgen und gesellschaftliche Spannungen verunsichern viele Menschen. Familien stehen unter Druck. Junge Menschen fragen sich, welche Zukunft sie erwartet. Ältere Menschen leiden unter Krankheit oder Einsamkeit. Jeder trägt seine eigenen Sorgen und Belastungen.

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung unserer Zeit. Viele Menschen meinen, sie könnten ihr Leben auch ohne Gott gestalten. Solange alles gut läuft, scheint der Glaube nicht notwendig zu sein. Man vertraut auf die eigenen Fähigkeiten, auf Wohlstand, Technik und menschliche Planung. Gott gerät an den Rand des Lebens. Das Gebet wird seltener, und die Kirche spielt für viele kaum noch eine Rolle. Doch wenn Krankheit, Leid oder Enttäuschungen kommen, merken wir, dass wir unser Leben nicht allein tragen können.

Ja, wir alle tragen eine tiefe Sehnsucht in uns. Wir suchen nach Glück, nach Anerkennung, nach Sicherheit, nach Liebe und Geborgenheit. Wir wünschen uns Gesundheit, Erfolg und gelingende Beziehungen. Das alles ist gut und wertvoll. Es sind Geschenke Gottes.

Aber wir machen immer wieder dieselbe Erfahrung: Die Dinge dieser Welt können unser Leben bereichern, sie können Freude schenken und unser Leben schöner machen. Doch sie vermögen die tiefste Sehnsucht unseres Herzens nicht endgültig zu erfüllen. Der Mensch ist auf mehr hin geschaffen. Er sehnt sich nach einer Liebe, die bleibt, nach einem Frieden, den niemand nehmen kann, und nach einer Hoffnung, die auch in schweren Zeiten trägt.

Gerade jetzt, in der Urlaubszeit, wird uns das besonders bewusst. Viele Menschen freuen sich darauf, sich zu erholen, neue Orte kennenzulernen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Das ist gut und wichtig. Auch unser Körper braucht Ruhe und neue Kraft.

Doch wir Menschen bestehen nicht nur aus unserem Körper. Wir sind Leib und Seele. Deshalb braucht nicht nur unser Körper Erholung, sondern auch unsere Seele. Eine Reise kann den Horizont erweitern, aber sie kann die innere Leere nicht füllen. Auch die Seele braucht Zeiten der Stille, des Gebets und der Begegnung mit Gott.

Der heilige Augustinus hat diese Erfahrung in einem berühmten Satz zusammengefasst: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.“

Maria Magdalena hat diese Ruhe gefunden. In Jesus Christus fand sie die Quelle des lebendigen Wassers, die den tiefsten Durst des Menschen stillen kann. Darum blieb sie bei ihm – nicht nur in den Tagen der Freude, sondern auch unter dem Kreuz. Während viele geflohen waren, hielt sie Jesus die Treue.

Am frühen Ostermorgen geht sie wieder zum Grab. Sie sucht ihren Herrn. Doch zunächst findet sie ihn nicht. Das Grab ist leer, und ihre Trauer wird noch größer. Weinend steht sie vor dem Grab und versteht nicht, was geschehen ist.

Dann geschieht das Entscheidende.

Jesus spricht nur ein einziges Wort: „Maria!“

In diesem Augenblick verändert sich alles. Maria erkennt den Auferstandenen. Genauer gesagt: Nicht sie findet Jesus, sondern Jesus findet sie. Er kennt ihren Namen. Er kennt ihre Geschichte, ihre Sehnsucht und ihre Tränen.

Das ist auch für uns eine große Hoffnung. Vielleicht erleben wir Zeiten, in denen Gott fern zu sein scheint. Vielleicht suchen wir ihn und meinen, keine Antwort zu finden. Doch der Auferstandene kennt auch unseren Namen. Er kennt unsere Sorgen, unsere Fragen und unsere Zweifel. Er lässt uns nicht allein. Er begegnet uns oft leise – im Gebet, in seinem Wort, in der Feier der Eucharistie oder durch Menschen, die uns Hoffnung schenken.

Jesus sendet Maria Magdalena zu den Aposteln mit der Botschaft: „Ich habe den Herrn gesehen.“

Aus der suchenden und weinenden Frau wird die erste Zeugin der Auferstehung. Aus ihrer Suche wird eine Begegnung, aus ihrer Trauer wird Freude und aus ihrer Hoffnungslosigkeit eine Sendung.

Liebe Schwestern und Brüder, das Fest der heiligen Maria Magdalena lädt auch uns heute ein, neu zu fragen:

Wo suche ich mein Leben?

Welche Quellen geben mir wirklich Kraft?

Bin ich bereit, Jesus Christus neu zu begegnen – der Quelle des lebendigen Wassers, die allein den Durst meines Herzens stillen kann?

Bitten wir die heilige Maria Magdalena, dass sie uns auf unserem Glaubensweg begleitet. Möge sie uns helfen, Jesus immer wieder neu zu suchen, ihm zu vertrauen und wie sie zu glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe und seiner Auferstehung zu werden. 

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder, besonders liebe Firmlinge!

Vor wenigen Wochen habt ihr das Sakrament der Firmung empfangen. Der Heilige Geist wurde euch zugesagt, damit ihr euren Glauben bewusst leben und gute Entscheidungen treffen könnt. Genau darum geht es auch im heutigen Evangelium.

Jesus erzählt das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut. Ein Bauer sät guten Samen aus. Doch in der Nacht kommt ein Feind und sät Unkraut zwischen den Weizen. Als beides wächst, fragen die Knechte: „Sollen wir das Unkraut ausreißen?“ Der Bauer antwortet: „Nein. Lasst beides wachsen bis zur Ernte.“

Dieses Gleichnis zeigt uns eine Wirklichkeit, die wir alle kennen: In unserer Welt wächst Gutes – aber auch viel Unkraut.

Für euch Firmlinge ist das besonders aktuell. Ihr beginnt immer mehr, eigene Entscheidungen zu treffen. Ihr merkt, dass nicht alles, was modern, beliebt oder oft geklickt wird, auch gut ist. Es gibt viel „Unkraut“, das uns umgibt:

  • Hass und Beleidigungen in den sozialen Medien.
  • Mobbing in der Schule oder im Internet.
  • Gruppenzwang: „Mach doch mit, alle machen es.“
  • Die Versuchung zu lügen oder andere schlechtzumachen.
  • Gleichgültigkeit gegenüber Menschen, die Hilfe brauchen.
  • Die Vorstellung, dass nur Leistung, Geld oder Aussehen zählen.

Dieses Unkraut wächst oft schneller als der gute Weizen. Es wirkt manchmal attraktiver, einfacher oder bequemer. Deshalb sagt Jesus uns heute: Seid wachsam! Seid bewusst! Schaut genau hin, was ihr in euer Herz hineinlasst.

Denn nicht nur um uns herum wächst Unkraut. Auch in unserem Herzen können Neid, Egoismus, Wut, Hass, Bequemlichkeit und Gelichgültigkeit wachsen. Jeder von uns kennt das. Aber genauso hat Gott auch den guten Samen in unser Herz gelegt: Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit, Mut, Vergebung und Glauben.

Mit der Firmung habt ihr den Heiligen Geist empfangen. Er möchte euch helfen, das Gute zu erkennen und ihm zu folgen. Gott nimmt euch die Entscheidungen nicht ab. Aber er lässt euch nicht allein.

Vielleicht fragen manche: Warum lässt Gott das Böse überhaupt zu? Warum gibt es Krieg, Ungerechtigkeit und Leid?

Jesus gibt darauf keine einfache Antwort. Aber er macht deutlich: Gott verliert die Geduld mit den Menschen nicht. Er gibt jedem Zeit zur Umkehr. Er möchte retten und nicht vernichten. Am Ende wird das Gute siegen. Darauf dürfen wir vertrauen.

Doch bis dahin liegt eine wichtige Aufgabe bei uns. Wir müssen jeden Tag entscheiden: Was säe ich?

Säe ich Hoffnung oder Entmutigung?

Säe ich Frieden oder Streit?

Säe ich Liebe oder Hass?

Säe ich Wahrheit oder Lüge?

Mit jedem Wort, das wir sprechen, jedem Kommentar, den wir schreiben, jeder Entscheidung, die wir treffen, säen wir entweder guten Samen oder Unkraut.

Liebe Firmlinge, ihr seid nicht einfach Zuschauer in dieser Welt. Gott braucht euch. Er möchte, dass ihr Menschen seid, die Licht bringen, die Mut machen, die für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten. Gerade heute braucht unsere Welt junge Menschen, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und sich nicht von jedem Trend mitreißen zu lassen.

Wenn ihr unsicher seid, fragt euch: Was würde Jesus jetzt tun?

Lest in der Bibel. Betet. Kommt zur Eucharistie. Sucht das Gespräch mit Menschen, die euch im Glauben begleiten. Der Heilige Geist wird euch helfen, den richtigen Weg zu erkennen.

Heute schenkt euch die Kirche eine Bibel – Gottes Wort für euren Lebensweg. Bewahrt sie nicht nur als Erinnerung an diesen besonderen Tag auf, sondern nehmt sie immer wieder zur Hand. Sie soll für euch wie ein Kompass oder ein GPS im Leben sein: eine Orientierung, wenn ihr Entscheidungen treffen müsst, eine Hilfe in Zeiten der Suche und eine Quelle der Hoffnung, wenn ihr neue Wege geht.

Am Ende des Gleichnisses macht Jesus uns Mut: Das Unkraut wird nicht das letzte Wort haben. Der gute Weizen wird reifen. Gottes Liebe ist stärker als das Böse. Sein Reich wird siegen.

Darum lasst uns bewusst leben. Lasst uns darauf achten, was wir in unser Herz hineinlassen und was wir in das Leben anderer hineinsäen. Bitten wir den Heiligen Geist, den ihr in der Firmung empfangen habt, dass er euch Kraft schenkt, das Gute zu wählen und als Christen glaubwürdig zu leben.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Ereignisse der vergangenen Tage an der Schule in Schongau haben uns alle tief erschüttert. Ein Ort des Lernens, der Gemeinschaft und des Lebens wurde plötzlich zu einem Ort der Angst und der Gewalt. Wir denken heute besonders an die Verletzten, an ihre Familien, an die Schülerinnen und Schüler, an die Lehrkräfte und an alle, die dieses Geschehen miterleben mussten.

Viele Menschen fragen sich: Wie konnte das geschehen? Woher kommt so viel Gewalt? Und vor allem: Wo finden wir Hoffnung?

Der französische Schriftsteller Jean Giono erzählt in seiner berühmten Erzählung „Der Mann, der Bäume pflanzte“ die Geschichte eines Hirten namens Elzéard Bouffier. Es ist eine erfundene Geschichte, aber sie erzählt eine tiefe Wahrheit.

Nachdem Elzéard Bouffier seine Frau und seinen einzigen Sohn verloren hatte, zog er sich in eine einsame und verwüstete Landschaft der Provence zurück. Doch anstatt zu verzweifeln, begann er, jeden Tag Eicheln in den Boden zu setzen. Geduldig tat er dies über viele Jahre hinweg. Schließlich entstand aus den kleinen Samen ein großer Wald. Das Wasser kehrte zurück, Bäche begannen wieder zu fließen, Tiere fanden eine Heimat, Menschen siedelten sich wieder an, und aus einer trostlosen Landschaft wurde ein Ort neuen Lebens.

Diese Geschichte erinnert uns daran: Hoffnung wächst oft ganz klein. Große Veränderungen beginnen häufig mit unscheinbaren Schritten. Ein einzelner Mensch kann viel Gutes bewirken, wenn er nicht aufgibt.

Genau dieses Bild greift Jesus im heutigen Evangelium auf. Er erzählt vom Sämann. Der Sämann ist Gott selbst. Christus streut den Samen seines Wortes großzügig aus. Er sät Liebe statt Hass, Hoffnung statt Verzweiflung, Frieden statt Gewalt und Versöhnung statt Feindschaft.

Gerade nach den Ereignissen von Schongau spüren wir, wie notwendig diese Saat Gottes ist. Unsere Welt kennt viele andere Samen: Hass, Ausgrenzung, Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit. Worte können verletzen, Menschen zerstören und Herzen verhärten. Wir erleben, wie schnell Gewalt entstehen kann, wenn Verzweiflung, Einsamkeit oder Hass Raum gewinnen.

Das Evangelium lädt uns heute aber ein, nicht bei der Dunkelheit stehen zu bleiben. Jesus spricht nicht zuerst über das Unkraut, sondern über den guten Samen. Er vertraut darauf, dass das Gute wachsen kann.

Der Samen ist immer derselbe. Das Wort Gottes verliert niemals seine Kraft. Entscheidend ist der Boden, auf den er fällt. Dieser Boden ist unser Herz.

Da ist zunächst der harte Weg. Ein Herz kann hart werden – durch Enttäuschungen, Verletzungen oder Gleichgültigkeit. Gottes Wort findet dann keinen Platz.

Da ist der felsige Boden. Man nimmt Gottes Wort zwar gerne auf, doch es schlägt keine tiefen Wurzeln. Sobald Schwierigkeiten kommen, verliert der Glaube seinen Halt.

Da sind die Dornen. Sorgen, Leistungsdruck, der Wunsch nach Erfolg, Besitz oder Anerkennung können das Gute im Menschen überwuchern und ersticken.

Und schließlich spricht Jesus vom guten Boden. Das ist das Herz, das offen bleibt für Gott und für den Mitmenschen. Dort kann der Same wachsen und Frucht bringen – dreißigfach, sechzigfach, ja hundertfach.

Nach den erschütternden Ereignissen in Schongau dürfen wir keine vorschnellen Antworten geben. Wir wissen nicht, warum ein Mensch einen solchen Weg einschlägt. Das Leid lässt sich nicht einfach erklären. Aber wir können uns fragen: Was können wir selbst dazu beitragen, dass weniger Hass und mehr Menschlichkeit wachsen?

Vielleicht beginnt es mit einem freundlichen Wort für jemanden, der sich einsam fühlt. Vielleicht mit der Bereitschaft zuzuhören. Vielleicht damit, dass wir Kinder und Jugendliche ernst nehmen, sie begleiten und ihnen zeigen, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist. Vielleicht auch dadurch, dass wir in unseren Familien und Gemeinden den Glauben leben, der Vertrauen, Barmherzigkeit und Versöhnung schenkt.

Als Christen dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wir können das Böse nicht vollständig aus der Welt schaffen. Aber wir können jeden Tag Samen des Guten aussäen. Kein Gebet, keine Tat der Liebe, kein Wort der Ermutigung und keine Geste der Versöhnung gehen bei Gott verloren. Vieles wächst im Verborgenen – so wie ein Samenkorn unter der Erde oder wie die Eicheln des Elzéard Bouffier.

Unsere Welt braucht heute Menschen, die Hoffnung säen. Menschen, die Frieden stiften. Menschen, die Brücken bauen statt Mauern. Menschen, die den Mut haben, das Gute zu tun, auch wenn es klein erscheint.

Bitten wir heute besonders für alle Betroffenen des Amoklaufs in Schongau: für die Verletzten, für ihre Angehörigen, für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrkräfte und für alle, die unter den Folgen dieses Geschehens leiden. Bitten wir auch für unsere Kinder und Jugendlichen, dass sie in Liebe, Geborgenheit und Vertrauen aufwachsen dürfen. Und beten wir für unsere Gesellschaft, dass Respekt, Mitgefühl und der Glaube an die unantastbare Würde jedes Menschen neu wachsen.

Der Herr schenke uns ein offenes Herz, damit sein Wort in uns Wurzeln schlagen kann und wir selbst zu Menschen werden, die Hoffnung säen und reiche Frucht bringen.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Es gibt Menschen, die längst gestorben sind und doch nicht vergangen sind. Ihr Leben ist nicht einfach abgeschlossen, sondern es wirkt weiter. Ihre Worte, ihre Entscheidungen und ihr Glaube berühren Menschen bis heute. Solche Menschen bleiben gegenwärtig – gerade dann, wenn wir selbst auf der Suche sind nach Orientierung, Halt und Hoffnung.

Ein solcher Mensch ist der heilige Ulrich, dessen Fest wir heute feiern. Seit mehr als tausend Jahren schauen die Menschen unserer Heimat auf ihn als Vorbild im Glauben und als Fürsprecher bei Gott. Sein Name ist mit unserer Diözese Augsburg untrennbar verbunden. Und doch bleibt die entscheidende Frage: Was macht ihn so bedeutend? Was hat sein Leben, das so lange zurückliegt, uns heute noch zu sagen?

Der heilige Ulrich war ein Mensch des Glaubens – und zwar im tiefsten Sinn. Sein Leben war geprägt vom Vertrauen auf Gott. Er wusste: Der Mensch trägt sich nicht selbst. Er lebt aus Gottes Kraft, aus Gottes Segen, aus Gottes Führung.

Darum war das Gebet für ihn nicht eine Pflicht unter vielen, sondern die Mitte seines Lebens. Die Stille vor Gott, das Hören auf sein Wort, das bewusste Leben aus dem Glauben – all das gab ihm inneren Halt und Klarheit für seine Entscheidungen.

Die heutige Lesung aus dem Buch Jesus Sirach zeichnet uns das Bild des Hohenpriesters Simon. Er stärkte sein Volk, er sorgte für den Tempel, und am Ende seines Dienstes erhob er seine Hände und segnete das Volk Gottes.

Dieses Bild passt auch zum heiligen Ulrich. Auch er war ein Hirte der Kirche, ein Bischof, der sein Volk im Glauben stärken wollte. Nicht seine eigene Person stand im Mittelpunkt, sondern Gott. Nicht seine eigene Größe war entscheidend, sondern das Wohl der Menschen, die ihm anvertraut waren.

Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns heute. Wir leben in einer Zeit, die oft laut und schnell ist. Viele Stimmen prallen auf uns ein. Viele Erwartungen fordern uns heraus. Und nicht selten entsteht dabei Unsicherheit oder innere Unruhe.

Der heilige Ulrich erinnert uns daran: Ein Mensch findet seinen Halt nicht zuerst in sich selbst, sondern in Gott. Wer in ihm verwurzelt ist, der kann auch in bewegten Zeiten bestehen.

Ulrich hat diesen Glauben aber nicht nur für sich selbst gelebt. Er hat ihn weitergegeben. Als Bischof hat er sich um die Menschen seiner Diözese gekümmert. Er hat Gemeinden besucht, Priester gestärkt und sich besonders den Armen und Bedürftigen zugewandt.

Er wusste: Glaube lebt davon, dass er geteilt wird. Glaube wird glaubwürdig, wenn er sichtbar wird im Handeln.

Darum hören wir im Hebräerbrief die Worte: „Betrachtet den Ertrag ihres Lebenswandels und ahmt ihren Glauben nach.“ Genau das dürfen wir beim heiligen Ulrich tun: auf sein Leben schauen und uns von seinem Vertrauen auf Gott inspirieren lassen.

Im Evangelium haben wir die Worte Jesu gehört: „Bleibt in meiner Liebe!“ und: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“

Das ist der innerste Kern des christlichen Glaubens. Und genau darin liegt auch das Geheimnis des heiligen Ulrich. Er ist in der Liebe Christi geblieben – und er hat aus dieser Liebe gelebt.

Diese Liebe zeigte sich in seiner Sorge um die Menschen, in seiner Treue zur Kirche und in seinem Einsatz für die Schwachen. Sie war keine Theorie, sondern gelebte Wirklichkeit.

Jesus nennt seine Jünger nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Auch Ulrich hat aus dieser Freundschaft mit Christus gelebt. Diese Beziehung war seine Kraftquelle – und sie hat sein ganzes Wirken geprägt.

Darum ist es auch kein Zufall, dass wir dieses Fest als Patrozinium feiern. Es geht nicht nur um Erinnerung, sondern um lebendige Gegenwart des Glaubens. Wir stehen in einer langen Geschichte von Menschen, die geglaubt haben – und dieser Glaube trägt auch uns heute.

Ulrich war zudem ein Mensch, der mitten im Leben stand. Sein Glaube war nicht fern vom Alltag, sondern tief in ihm verwurzelt. Deshalb verbindet dieses Fest Himmel und Erde, Glaube und Leben, Kirche und Alltag.

Und wenn wir heute seinen Namen feiern, dann tun wir das nicht nur rückblickend, sondern auch als Einladung: den Glauben neu ins eigene Leben hinein zu lassen.

Denn auch Ulrich war bereit, seinen Glauben zu verteidigen. In schwierigen Zeiten blieb er standhaft. Er vertraute nicht auf Macht oder Einfluss, sondern auf Gott. Darin zeigt sich seine innere Stärke – und seine geistliche Tiefe.

Liebe Schwestern und Brüder, dieses Fest ist deshalb auch ein Ruf an uns:  Der Glaube ist kein Besitz, den man einfach verwaltet. Er ist ein lebendiges Geschenk, das weitergegeben werden will.

Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Menschen, die glaubwürdig vom Glauben sprechen – nicht nur mit Worten, sondern mit ihrem Leben. Denn Glaube wächst dort, wo er gesehen und erlebt wird.

Der heilige Ulrich zeigt uns: Der Glaube ist keine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er ist eine lebendige Kraft, die Menschen verwandelt, Gemeinschaft stärkt und Heimat prägt.

Der Ulrichsritt ist mehr als ein schönes Brauchtum oder eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er zeigt uns ganz konkret: Der Glaube gehört mitten ins Leben. Ein Ulrichsritt ohne Glauben wäre nur noch ein historisches Schauspiel. Eine Segnung ohne Vertrauen auf Gott wäre nur noch eine schöne Zeremonie. Erst der lebendige Glaube gibt diesen Zeichen ihren eigentlichen Sinn.

Darum bitten wir ihn heute: dass er für uns eintritt, damit auch wir Menschen des Glaubens werden – Menschen des Gebets, des Vertrauens und der Liebe. Und dass wir bereit sind, diesen Glauben zu leben – heute, hier und in unserem Alltag.

Der heilige Ulrich begleite uns auf diesem Weg und führe uns tiefer in die Freundschaft mit Christus. Amen.

Alle Predigttexte (in großer Schrift):

Liebe Schwestern und Brüder.

Heute feiern wir Kirchweih. Wir erinnern uns an die Menschen, die dieses Gotteshaus gebaut und mit Leben erfüllt haben. Wie viele Menschen haben hier gebetet, gesungen, getauft, geheiratet und Abschied genommen! Wie viele haben hier Freude und Dankbarkeit erlebt, aber auch Sorgen und Trauer vor Gott gebracht.

Die Lesung aus der Offenbarung des Johannes schenkt uns dazu ein wunderbares Bild von der Kirche. Johannes sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde. Er sieht die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen. Und er hört die Verheißung: „Siehe, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen.“

Ja, Gott will nicht fern von uns bleiben. Er will mitten unter uns wohnen. Genau das feiern wir an Kirchweih.
Für das Volk Israel war Jerusalem die Heilige Stadt. Dort stand der Tempel, der Ort der besonderen Gegenwart Gottes. Jerusalem war der Ort, zu dem die Menschen pilgerten, um Gott zu begegnen, zu beten und ihre Hoffnung vor ihn zu bringen. 

Doch mit Jesus Christus hat sich etwas Entscheidendes verändert. Jesus selbst ist der Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen. In ihm ist Gott uns nahegekommen. Durch seine Auferstehung hat er den Tod überwunden und eine neue Zukunft eröffnet.

Und seine Gegenwart bleibt lebendig in der Gemeinschaft der Glaubenden, in seiner Kirche, in seinem Wort und in den Sakramenten.

Der Apostel Paulus schreibt im Ersten Korintherbrief: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Korinther 3,16)

Unsere Kirche ist mehr als ein Gebäude aus Stein. Sie ist ein Ort, an dem Menschen Gott begegnen, miteinander beten, sein Wort hören und die Eucharistie feiern. Doch die lebendige Kirche besteht nicht nur aus Mauern und Dächern. Sie besteht aus Menschen, die miteinander glauben, hoffen und lieben.

Kirchweih erinnert uns daran: Wir feiern nicht nur ein Gotteshaus. Wir feiern auch die Gemeinschaft, zu der Christus uns zusammenruft.
In der Vision des Johannes hören wir die tröstlichen Worte: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.“ Diese Worte schenken uns Hoffnung. Ja. Gott kennt unsere Sorgen, unsere Trauer und unsere Ängste. Er lässt uns in unserem Leid nicht allein.
Liebe Mitchristen! Wie viele Menschen kommen in unsere Kirche, um Trost zu finden! Manche suchen in der Stille Ruhe, andere sprechen ein persönliches Gebet oder bringen ihre Sorgen vor Gott. Hier teilen wir die Freude des Lebens, aber auch die Trauer, wenn wir in Abschiedsgottesdiensten einen geliebten Menschen Gott anvertrauen.

Dieser heilige Ort lädt uns ein, still zu werden, zur Ruhe zu kommen, zu beten und die Nähe Gottes zu suchen. Hier dürfen wir unsere Sorgen vor ihn bringen, Trost erfahren und neue Kraft schöpfen. Hier wartet der Herr auf uns, um uns zu trösten, uns zu stärken und uns neue Hoffnung zu schenken.

Wenn uns etwas bedrückt, wenn wir Sorgen im Herzen tragen oder einfach eine Zeit der Stille und des Innehaltens brauchen, müssen wir nicht bis zur nächsten heiligen Messe warten. Wir dürfen jederzeit, auch mitten in der Woche und mitten im Alltag, in unsere Kirche kommen.
Die Tür unserer Kirche steht offen – als Einladung, zu Gott zu kommen, bei ihm Ruhe zu finden und gestärkt wieder in unseren Alltag zurückzukehren.

Unsere Kirche ist nicht nur ein Ort der Klage und der Bitten, sondern auch ein Ort der Freude und des Dankes. Hier feiern wir die Taufe, die Erstkommunion und die Firmung, hier schließen Paare den Bund der Ehe. Gemeinsam hören wir Gottes Wort und feiern die Auferstehung Jesu Christi.

Unsere Kirche ist ein Ort der Gemeinschaft, an dem Menschen willkommen sind und spüren dürfen: Ich bin nicht allein – Gott ist bei mir, und ich gehöre dazu. Hier begegnen wir Gott und einander, teilen Freude und Hoffnung, aber auch Sorgen und Fragen. In der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen erfahren wir Halt, gegenseitige Unterstützung und die Stärkung unseres Glaubens. Hier dürfen wir so kommen, wie wir sind, und darauf vertrauen, dass Gott uns annimmt und begleitet. Wir dürfen einander stärken, füreinander da sein und gemeinsam im Glauben wachsen. So wird unsere Kirche zu einem Ort, an dem Gottes Liebe spürbar wird, Gemeinschaft lebendig ist und die Freude am Glauben wächst.

Johannes hört Gott selbst sprechen: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

Unsere Kirche ist auch ein Ort des neuen Anfangs. Denn unser Leben ist nicht immer leicht. Wir erleben Sorgen und Unsicherheiten, müssen mit Trauer und Verlust umgehen und erkennen manchmal, dass wir Fehler gemacht oder andere Menschen verletzt haben. Manches belastet uns länger, als uns lieb ist, und manchmal fällt es uns schwer, uns selbst oder anderen zu vergeben. Gerade dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns nicht allein lässt, sondern uns hilft, neue Wege zu finden und wieder nach vorne zu schauen.

Doch bei Gott müssen wir mit unseren Fehlern und unserer Schuld nicht stehen bleiben. Wenn wir zu ihm kommen, dürfen wir auf seine Barmherzigkeit vertrauen. Er tröstet uns, er vergibt uns und schenkt uns neue Kraft. Im Sakrament der Versöhnung, in der Beichte, dürfen wir unsere Schuld vor Gott bringen und seine Vergebung empfangen. Wir dürfen darauf vertrauen: Gott schreibt uns nicht ab. Er eröffnet uns einen neuen Anfang.

Auch in der Feier der Eucharistie schenkt Gott uns, was wir für unseren Weg brauchen: In seinem Wort spricht er uns Mut zu und schenkt uns Hoffnung. Im heiligen Brot, im Leib Christi, stärkt er uns für unseren Alltag und für die Herausforderungen, die vor uns liegen. So wird unsere Kirche zu einem Ort, an dem wir aufatmen und neue Hoffnung finden können.

Liebe Schwestern und Brüder, 

an unserem Kirchweihfest danken wir Gott für unsere Kirche, diesen heiligen Ort der Begegnung mit ihm und miteinander. Doch Kirche lebt nicht allein von ihren Mauern, sondern vor allem durch uns, die wir als „lebendige Steine“ Gottes Kirche mitgestalten.

Jesus sagte zu Petrus: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen. Das gilt auch uns: Jesus baut seine Kirche auf uns.

Machen wir unsere Kirche zu einem Ort des Gebets, der Freude und der Gemeinschaft, an dem Menschen Trost finden, Hoffnung schöpfen und spüren: Ich bin nicht allein. Teilen wir unseren Glauben, stärken wir einander und halten wir unsere Herzen offen für alle.

So bauen wir gemeinsam an einer lebendigen Kirche, getragen von Gottes Verheißung: „Siehe, ich mache alles neu!“ 

Amen

Liebe Schwestern und Brüder!

Stellen wir uns einmal vor: Wir bekommen eine Einladung zu einer Hochzeit. Eine schöne Einladungskarte liegt im Briefkasten. Wir lesen den Namen des Brautpaares, schauen auf das Datum und freuen uns vielleicht schon auf diesen besonderen Tag.

Eine Hochzeit ist schließlich etwas Schönes. Menschen kommen zusammen. Man isst und trinkt miteinander, erzählt, lacht, erinnert sich und feiert gemeinsam. Ein Fest ist eine Zeit der Freude und der Begegnung.

Aber was geschieht, wenn wir eingeladen sind und einfach nicht hingehen? Vielleicht sagen wir: „Ich habe keine Zeit.“ Oder: „An diesem Wochenende passt es mir nicht.“ Oder: „Ich habe gerade so viel anderes zu tun.“ Vielleicht legen wir die Einladung beiseite – und irgendwann gerät sie sogar in Vergessenheit.

Genau davon erzählt uns Jesus heute im Evangelium. Ein König lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Alles ist vorbereitet. Das Fest kann beginnen. Das Essen steht bereit. Die Gäste könnten kommen. Aber sie kommen nicht.

Und das Erstaunliche ist: Der König gibt nicht sofort auf. Er schickt seine Diener noch einmal und lässt ihnen ausrichten: „Kommt! Alles ist bereit!“

Doch wieder finden die Eingeladenen Gründe, warum sie nicht kommen können. Der eine muss auf seinen Acker, der andere in seinen Laden. Jeder hat etwas anderes zu tun.

Und dann sagt Jesus einen Satz, der uns besonders nachdenklich machen kann: „Sie aber kümmerten sich nicht darum.“

Sie haben Gott nicht bewusst ablehnen. Sie haben einfach anderes zu tun. Ihr Alltag ist ihnen wichtiger geworden. Darin liegt genau eine Gefahr, die auch uns betrifft:

Wir leben unseren Alltag. Wir haben unsere Arbeit, unsere Familie, unsere Termine, unsere Sorgen und unsere Pläne. Es gibt so vieles zu erledigen und so vieles, um das wir uns kümmern müssen. Und Gott?

Gott kann dabei ganz leicht an den Rand unseres Lebens geraten. Nicht unbedingt, weil wir ihn bewusst ablehnen. Aber weil anderes gerade wichtiger erscheint. „Heute geht es nicht, ich habe noch etwas anderes vor.“ „Ich bin zu müde.“ „Ich habe so viel zu tun.“ „Nächste Woche vielleicht.“ Und irgendwann merken wir: Aus „nächste Woche“ ist ein Monat geworden. Aus einem Monat vielleicht ein Jahr.

Dabei sagen uns die heutigen Lesungen etwas ganz anderes: Gott möchte uns nichts wegnehmen. Er möchte uns etwas schenken. Der Prophet Jesaja erzählt von einem großen Festmahl. Gott selbst bereitet den Tisch. Und dann heißt es: Gott wird die Tränen von allen Gesichtern abwischen.

Genau das brauche wir.“ Vielleicht gibt es Sorgen, über die wir nicht sprechen. Eine Krankheit. Einen Menschen, um den wir uns sorgen. Einen Verlust, der noch schmerzt. Eine Beziehung, die schwierig geworden ist. Oder einfach eine Müdigkeit, die sich manchmal auf die Seele legt.

Und Gott sagt uns: Ich sehe dich. Ich kenne deine Tränen. Und ich lade dich ein.

Gott hört nicht auf, an unsere Tür zu klopfen. Er kann durch einen Menschen zu uns sprechen, durch ein Wort der Heiligen Schrift, durch einen Gottesdienst, durch einen stillen Moment oder durch eine Begegnung, die uns tief berührt.

Ganz besonders erfahren wir diese Einladung Gottes in der Eucharistie. Wenn wir hier miteinander Gottesdienst feiern, sind wir nicht einfach für eine Stunde in der Kirche zusammengekommen. Wir sind Gäste am Tisch des Herrn. In der Heiligen Messe dürfen wir erfahren, dass Christus selbst uns an seinen Tisch ruft. Das ist nicht einfach eine religiöse Pflicht. Es ist ein Geschenk. Wir kommen mit unserem ganzen Leben: mit unserer Freude, aber auch mit unseren Sorgen; mit unserem Glauben, aber auch mit unseren Fragen; mit unserer Dankbarkeit, aber auch mit unserer Schuld.

Und Christus sagt zu uns: „Komm. Du bist willkommen.“ In der Eucharistie schenkt Christus sich uns selbst. Er sagt uns immer wieder: „Du bist nicht vergessen. Ich bin bei dir.“  Es ist eine Einladung zur Begegnung mit Christus. Eine Einladung, die wir uns nicht verdienen müssen. Wir dürfen einfach kommen.

Im Evangelium kommt dann noch ein zweiter, überraschender Teil. Der König lädt schließlich alle ein. Arme und Reiche, Angesehene und Unbekannte. Der Festsaal soll voll werden.

Das ist ein wunderschönes Bild für die Kirche. Gott lädt uns alle ein. Nicht erst dann, wenn unser Leben vollkommen ist. Nicht erst dann, wenn wir alles im Griff haben. Nicht erst dann, wenn wir alle Fehler überwunden haben. Er lädt uns jetzt ein. Mitten in unserem Leben. Mitten in unseren Sorgen. Mitten in unserem Alltag.

Doch dann erzählt Jesus von einem Mann, der ohne Hochzeitsgewand zum Fest kommt. Und wir fragen uns vielleicht: Warum ist dieses Hochzeitsgewand plötzlich so wichtig?

Das Hochzeitsgewand ist ein Bild für unser Leben. Gottes Einladung ist kostenlos, aber sie bleibt nicht folgenlos. Gott nimmt uns an, wie wir sind. Aber seine Liebe möchte uns verändern. Sie möchte, dass wir vergeben können, geduldiger werden, barmherziger mit anderen umgehen und immer wieder neu nach dem Guten suchen.

Das ist das Hochzeitsgewand: ein Herz, das sich von Gottes Liebe berühren und verändern lässt. Ein Herz, das Reue kennt und bereit ist, einen neuen Weg zu beginnen.

Und genau hier bekommt auch das Sakrament der Versöhnung seine besondere Bedeutung. Wenn wir merken, dass wir uns von Gott entfernt haben oder einen Menschen verletzt haben, dürfen wir zu Gott zurückkehren. Gott vergibt und schenkt uns einen neuen Anfang.

Gott lädt uns ein zu seinem Fest – hier auf Erden, wenn wir miteinander Eucharistie feiern, wenn wir seine Liebe erfahren und diese Liebe an andere weitergeben. Und diese Einladung reicht noch weiter: Sie weist voraus auf das große Fest im Himmel, auf die ewige Gemeinschaft mit Gott, wo alle Tränen getrocknet werden und unsere Sehnsucht ihre Erfüllung findet.

Bereiten wir uns auf dieses Fest vor. Nicht mit einem kostbaren Gewand aus Stoff, sondern mit dem Festgewand eines liebenden Herzens: mit unserem Glauben, mit unserer Bereitschaft zur Versöhnung, mit unserer Barmherzigkeit und unserer Liebe zueinander.

Nehmen wir Gottes Einladung an. Denn Gott wartet auf uns. Der Tisch ist bereitet. Die Einladung gilt. Kommen wir zu ihm – heute und alle Tage unseres Lebens, bis wir einmal für immer bei ihm sein dürfen.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute haben wir allen Grund, dankbar und betend vor Gott zu stehen. Wir feiern Erntedank und zugleich erinnern wir an den heiligen Franz von Assisi, dessen 800. Todestag wir begehen. Damit geht auch das von Papst Leo ausgerufene Franziskusjahr zu Ende.

Erntedank und der heilige Franziskus passen wunderbar zusammen. Denn Franziskus war ein Mensch, der mit offenen Augen und einem dankbaren Herzen durch die Welt ging. Er sah in der Natur nicht einfach nur Bäume, Blumen, Tiere und Landschaften. Er entdeckte darin die Spuren Gottes. Für ihn war die ganze Schöpfung ein großes Lob Gottes.

Aus dieser tiefen Verbundenheit mit Gott und seiner Schöpfung entstand der berühmte Sonnengesang. Ein Gebet, das bis heute Menschen berührt:

„Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Sonne, durch Schwester Mond und die Sterne am Himmel.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du die Nacht erleuchtest.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“

Auffällig ist: Franziskus sagt nicht einfach: Ich danke Gott für die Sonne, für das Wasser und für die Erde. Er lässt die ganze Schöpfung selbst zum Lobpreis werden. Sonne, Mond, Wind, Wasser, Feuer und Erde – sie alle sind für ihn wie Geschwister, die gemeinsam Gott loben.

Was für ein wunderbarer Gedanke! Die Schöpfung ist nicht bloß etwas, das uns Menschen zur Verfügung steht. Sie hat ihren eigenen Wert. Sie ist Gottes Werk und lädt uns ein, in ihren Lobgesang einzustimmen.

Genau das feiern wir heute an Erntedank. Wir schauen auf die Früchte der Erde, auf das Getreide, das Obst, das Gemüse und auf alles, was durch die Arbeit vieler Menschen gewachsen ist. Wir wissen, dass eine gute Ernte nicht selbstverständlich ist. Die große Hitze und die Trockenheit dieses Jahres haben uns wieder vor Augen geführt, wie verletzlich die Natur und wie abhängig wir Menschen von ihr sind.

Erntedank bedeutet deshalb mehr als nur einen schönen Erntealtar und volle Körbe. Erntedank heißt: innehalten, staunen und erkennen, dass wir vieles nicht selbst in der Hand haben. Wir können säen, pflanzen, pflegen und ernten. Aber das Leben selbst können wir nicht machen. Es bleibt ein Geschenk Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder, in der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja hören wir vom Weinberg. Ein Freund legt einen Weinberg an. Er bereitet den Boden, entfernt die Steine, pflanzt edle Reben, baut einen Turm und richtet eine Kelter ein. Er tut alles, damit der Weinberg gute Früchte hervorbringen kann.

Doch dann kommt die Enttäuschung: Der Weinberg bringt nicht die erwarteten Früchte.

Und Gott stellt die Frage: „Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn getan habe?“

Diese Frage geht tief. Denn der Weinberg ist nicht nur ein Bild für das Volk Israel. Er ist auch ein Bild für unser Leben und für die Welt, in der wir leben.

Gott hat uns eine wunderbare Erde anvertraut. Eine Erde, die uns ernährt. Eine Sonne, die uns Licht schenkt. Wasser, ohne das kein Leben möglich wäre. Luft zum Atmen, Pflanzen und Tiere, Menschen, die mit uns unterwegs sind.

Wir stehen mitten in diesem Weinberg. Doch die entscheidende Frage lautet: Was machen wir mit dem Weinberg, der uns anvertraut ist?

Jesus greift im Evangelium das Bild vom Weinberg wieder auf. Die Pächter wollen den Weinberg besitzen. Sie vergessen, wem er gehört. Sie behandeln ihn, als wäre er ihr Eigentum, und nicht ein Geschenk, das ihnen anvertraut wurde.

Ist das nicht auch eine Gefahr für uns heute? Wir leben auf dieser Erde, als würde sie nur uns gehören. Wir nehmen, was wir brauchen, und manchmal auch mehr, als wir brauchen. Dabei vergessen wir leicht, dass wir nicht die Eigentümer der Schöpfung sind, sondern ihre Hüter.

Der heilige Franziskus zeigt uns einen anderen Weg. Er begegnet der Natur nicht mit dem Gedanken: Was kann ich aus ihr herausholen? Sondern mit einer Haltung des Staunens, der Ehrfurcht und der Dankbarkeit.

Für Franziskus ist die Erde nicht einfach ein Gegenstand, den man ausnutzt. Sie ist Schwester und Mutter. Die Tiere sind seine Geschwister. Die ganze Schöpfung verbindet ihn mit Gott.

Vielleicht ist das eine wichtige Botschaft dieses Franziskusjahres: Wir müssen die Schöpfung nicht beherrschen, sondern lernen, mit ihr in Frieden zu leben. Wir dürfen uns an ihren Gaben freuen, aber wir tragen auch Verantwortung für sie.

Liebe Schwestern und Brüder, Wenn wir heute Erntedank feiern und das Franziskusjahr abschließen, dann dürfen wir uns fragen: Was bleibt von diesem Fest? Was nehmen wir mit in unseren Alltag?

Vielleicht ist es eine kleine Veränderung unserer Haltung: dankbarer zu leben, bewusster mit den Gaben der Erde umzugehen, achtsamer mit unseren Mitmenschen zu sein und uns immer wieder Zeit zu nehmen, Gottes Spuren in unserem Leben zu entdecken.

Vielleicht können wir auch lernen, wieder öfter das einfache Gebet des heiligen Franziskus zu sprechen: „Laudato si – Gelobt seist du, mein Herr!“

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder.

Heute ist ein besonderer Sonntag. Wir feiern unser Patrozinium – den heiligen Erzengel Michael, unseren Kirchenpatron. Und zugleich feiern wir Erntedank. Auf den ersten Blick sind das vielleicht zwei ganz unterschiedliche Themen: Hier der Erzengel Michael mit seinem Schwert und seinem Kampf gegen das Böse, dort die Ernte, die Früchte unserer Felder und die Gaben der Schöpfung, für die wir Gott danken. Aber wenn wir genauer hinschauen, dann gehören diese beiden Feste sehr schön zusammen. Denn beide erinnern uns an etwas ganz Grundlegendes: Das Gute in unserem Leben ist ein Geschenk, aber es braucht auch unseren Einsatz.

Wenn wir an den heiligen Michael denken, haben viele von uns sofort ein Bild vor Augen: Michael mit Flügeln, mit dem Schwert in der Hand, den Fuß auf dem Drachen gesetzt. Im Buch der Offenbarung wird Michael als derjenige beschrieben, der gegen den Drachen kämpft.

Der Drache steht dort für die Macht des Bösen. Vielleicht denken wir zunächst: Das ist eine Geschichte aus einer anderen Welt, eine Geschichte von Engeln und Dämonen, von Himmel und Hölle. Was hat das mit unserem Leben hier in Prem zu tun?

Ich glaube: sehr viel. Denn wir wissen alle, dass es im Leben Dinge gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Es gibt das Gute – und es gibt das, was dieses Gute bedroht. Es gibt Frieden – und es gibt Streit. Es gibt Versöhnung – und es gibt Verletzungen. Es gibt Mitmenschlichkeit – und es gibt Gleichgültigkeit.

Und vielleicht kennen wir auch die kleinen „Drachen“ unseres Alltags. Manchmal heißen sie Ärger, Neid oder Stolz. Manchmal sind es Worte, die wir gesagt haben und später bereuen. Manchmal sind es Vorurteile, die sich in unseren Gedanken festsetzen. Und manchmal ist der größte Kampf nicht der gegen einen anderen Menschen, sondern gegen etwas in uns selbst.

Im heutigen Evangelium hören wir von den 72 Jüngern, die Jesus aussendet. Sie sollen zu den Menschen gehen, ihnen Frieden bringen, Kranke heilen und das Reich Gottes verkünden. Als sie zurückkommen, sind sie begeistert und erzählen Jesus von allem, was sie erlebt haben. Und Jesus sagt den bemerkenswerten Satz: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.“

Was für ein Bild! Jesus sagt damit: Das Böse hat nicht das letzte Wort. Gott hat das letzte Wort. Das ist eine der großen Hoffnungen unseres Glaubens.

Wenn wir heute den heiligen Michael anschauen, sehen wir ihn mit dem Schwert in der Hand.

Aber was bedeutet das für uns? Vielleicht nicht, dass wir alle ein Schwert in die Hand nehmen müssen. Vielleicht bedeutet es etwas viel Einfacheres – und zugleich viel Schwierigeres: Wir sollen den Mut haben, für das Gute einzustehen. Manchmal braucht es Mut, Frieden zu stiften, wenn andere lieber streiten. Manchmal braucht es Mut, den ersten Schritt auf einen anderen Menschen zuzugehen. Manchmal braucht es Mut, zu vergeben. Manchmal braucht es Mut, zu sagen: „So möchte ich nicht über einen anderen Menschen reden.“ Und manchmal braucht es Mut, einen Menschen nicht aufzugeben.

Michael steht mit seinem Fuß auf dem Drachen. Vielleicht ist das auch ein Bild für unser eigenes Leben. Wir müssen nicht jeden Kampf gewinnen. Aber wir dürfen uns immer wieder entscheiden, welchem Geist wir Raum geben: dem Geist der Angst oder dem Geist des Vertrauens, dem Geist des Neides oder dem Geist der Dankbarkeit, dem Geist der Gleichgültigkeit oder dem Geist der Barmherzigkeit, dem Geist des Streits oder dem Geist des Friedens.

Und damit kommen wir zu unserem zweiten Thema an diesem Sonntag: Erntedank. Heute schauen wir auf die Früchte der Erde und auf das, was gewachsen ist. Wir sagen: Danke, Gott, für die Schöpfung, für die Erde, für Regen und Sonne und für die Menschen, die säen, pflegen und ernten. Vieles in unserem Leben ist selbstverständlich geworden. Das Brot liegt im Geschäft, das Wasser kommt aus dem Wasserhahn, und vieles ist jederzeit verfügbar. Erntedank erinnert uns daran, wieder genauer hinzuschauen und dankbar zu sein. Denn wir können vieles planen und arbeiten, aber das Leben selbst bleibt ein Geschenk.

Und wer dankbar ist, übernimmt auch Verantwortung. Wenn Gott uns die Schöpfung anvertraut, dann dürfen wir sorgsam mit ihr umgehen. Wenn Gott uns Menschen anvertraut, dann dürfen wir sie nicht einfach fallen lassen. Erntedank heißt deshalb nicht nur: „Danke, Gott, für das, was wir haben“, sondern auch: „Gott, zeige uns, was wir daraus machen können.“

Damit treffen sich heute Michael und Erntedank. Michael erinnert uns: Kämpfe für das Gute. Erntedank erinnert uns: Sei dankbar für das Gute, das dir geschenkt ist. Wir empfangen Gottes Güte und dürfen selbst zu Menschen werden, durch die Gottes Güte weitergeht.

Das führt uns noch einmal zu den Engeln. Engel sind in unserem Glauben Boten Gottes. Und vielleicht begegnen uns Engel viel häufiger, als wir denken. Nicht immer mit Flügeln. Manchmal haben Engel ganz normale Kleidung an. Sie sitzen neben einem Kranken, besuchen einen Menschen, der allein ist, helfen einem älteren Menschen, kümmern sich um ihre Familie oder engagieren sich in der Pfarrgemeinde. Sie arbeiten im Hintergrund, ohne dass jemand groß darüber spricht. Sie sind einfach da, wenn ein anderer Mensch sie braucht.

Vielleicht kennen wir alle solche Menschen, von denen wir irgendwann sagen: „Gut, dass du da warst.“ Vielleicht war dieser Mensch in diesem Augenblick für uns ein Engel. Und vielleicht dürfen wir uns heute selbst fragen: Für wen könnte ich ein Engel sein? Für wen könnte ich ein gutes Wort haben? Wem könnte ich Mut machen? Wem könnte ich zeigen: Du bist nicht allein? Wem könnte ich vergeben? Wem könnte ich eine Last abnehmen?

So dürfen wir heute unseren heiligen Erzengel Michael bitten: Heiliger Michael, gib uns den Mut, für das Gute einzustehen. Wenn wir müde werden, gib uns Kraft. Wenn wir uns ärgern, schenke uns Besonnenheit. Wenn wir verletzt sind, hilf uns zu vergeben. Wenn wir Angst haben, schenke uns Vertrauen. Wenn wir unsicher sind, zeige uns den nächsten Schritt. Wenn wir nur noch die Dunkelheit sehen, erinnere uns daran, dass Gott stärker ist als die Dunkelheit. 

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

„Was meint ihr?“ – mit diesen Worten beginnt Jesus das Gleichnis von den beiden Söhnen.

Ein Vater bittet seine beiden Söhne: „Geh heute und arbeite im Weinberg!“ Der erste antwortet: „Ja, Herr!“ Doch er geht nicht. Der zweite sagt zunächst: „Ich will nicht.“ Aber später tut es ihm leid. Er denkt noch einmal darüber nach und geht schließlich doch. Zwei Söhne. Zwei Antworten.

Jesus erzählt dieses Gleichnis in einer Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie kennen die Heilige Schrift und die Gebote. Sie wissen, was Gott von den Menschen erwartet. Doch Jesus sagt nicht einfach: „Ihr seid schlecht.“ Er fragt: „Was meint ihr?“ Denkt nach. Schaut auf euren Leben. Passt euer Reden zu eurem Handeln?

Damit hält Jesus auch uns einen Spiegel vor. Denn vielleicht kennen wir beide Söhne aus unserem eigenen Leben. Manchmal sind wir wie der erste Sohn. Wir sagen schnell „Ja“. „Ja, natürlich, Gott ist mir wichtig.“ „Ja, ich will meinen Glauben leben.“ „Ja, ich will für andere da sein.“ Wir sagen „Ja“ – und trotzdem bleibt es manchmal nur bei unseren Worten.

Denken wir einmal an unseren Glaubensweg. Er beginnt mit einem großen Ja. Bei unserer Taufe haben unsere Eltern und Paten stellvertretend für uns Ja zu Gott und zum Glauben gesagt. Später haben viele von uns dieses Ja selbst ausgesprochen – bei der Erstkommunion, bei der Firmung oder in anderen wichtigen Momenten.

Ehepaare sagen zueinander: „Ja, ich will mit dir durchs Leben gehen.“ Als Eltern sagen wir Ja zu unseren Kindern und übernehmen die Verantwortung, sie christlich zu erziehen. Und als Christen sagen wir immer wieder Ja zu Gott und zu unserem Nächsten.

Aber die entscheidende Frage lautet: Ist unser Ja auch im Alltag ein Ja?

Gott braucht kein bloßes Lippenbekenntnis. Unser Glaube soll nicht nur gesprochen, sondern gelebt werden. Und deshalb ist der zweite Sohn besonders interessant. Er sagt zunächst: „Nein.“ Vielleicht hat er keine Lust. Vielleicht ist er müde oder hat andere Pläne. Doch später bereut er es. Er denkt noch einmal nach – und geht.

Vielleicht haben wir in unserem Leben auch schon einmal Nein gesagt. Nein zu einem Menschen. Nein zu einer Aufgabe. Nein zu Gott. Vielleicht haben wir jemanden enttäuscht. Vielleicht haben wir eine Chance nicht ergriffen. Vielleicht haben wir etwas versäumt, was uns heute noch beschäftigt. Aber Jesus sagt uns mit diesem Gleichnis: Ein Nein muss nicht das letzte Wort bleiben. Der zweite Sohn kehrt um. Er denkt nach. Er erkennt: So kann es nicht bleiben. Und dann geht er in den Weinberg.

Es ist eine innere Veränderung. Er macht den Willen des Vaters schließlich zu seinem eigenen Willen. Und genau das nennt die Bibel Umkehr. Umkehr bedeutet nicht, dass wir plötzlich vollkommen werden. Umkehr bedeutet, dass wir bereit sind, ehrlich auf unser Leben zu schauen und einen neuen Schritt zu wagen. Vielleicht ist das manchmal der schwierigste Schritt überhaupt. Denn sich selbst ehrlich anzuschauen, kann wehtun.

Die Frage Jesu „Was meint ihr?“ auch heute an uns gerichtet. Er fragt nicht: Was sagen die anderen? Nicht: Was machen die anderen? Sondern: Was ist mit mir? Wo steht mein Leben? Wo steht mein Glaube? Wo steht mein Ja?

Ähnlich wie der zweite Sohn im Gleichnis dürfen auch wir innehalten und uns fragen: Wo brauche ich Umkehr? Wo stehe ich mit meinem „Ja“ zu Gott? Ist dieses Ja nur ein Wort auf meinen Lippen – oder wird es in meinem Leben sichtbar? Wo habe ich mich von Gott entfernt? Wo bin ich meinen Mitmenschen und den Aufgaben, die Gott mir anvertraut hat, ferngeblieben?

Gott sagt nicht: Du hast einmal Nein gesagt, deshalb bist du für immer abgeschrieben. Nein. Der Vater wartet. Der Weinberg bleibt offen. Die Aufgabe bleibt bestehen. Und wir dürfen immer wieder neu beginnen.

Und Gott sagt auch zu uns: „Geh in meinen Weinberg!“ In den Weinberg gehen“ bedeutet, sich auf die Sache Gottes einzulassen. Es bedeutet, Gottes Liebe nicht nur zu empfangen, sondern sie weiterzugeben. Es bedeutet, einen Menschen nicht links liegen zu lassen. Es bedeutet, zu vergeben, auch wenn es schwerfällt. Es bedeutet, einem Einsamen Zeit zu schenken. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet, dort zu helfen, wo unsere Hilfe gebraucht wird. Der Weinberg Gottes ist nicht irgendwo weit weg. Der Weinberg Gottes ist mitten in unserem Alltag: in unserer Familie, in unserer Nachbarschaft, am Arbeitsplatz und in unserer Gemeinde. Überall dort, wo Menschen miteinander leben, lachen, leiden und hoffen.

Jesus fragt uns heute: „Was meint ihr?“

Nehmen wir diese Frage mit in unseren Alltag. Fragen wir uns ganz persönlich: Wo ruft Gott mich? Wo wartet mein Ja? Wo kann ich heute einen neuen Schritt wagen? 

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wann ist es eigentlich zu spät, um neu anzufangen?

Zu spät, um etwas im Leben zu verändern? Zu spät, um einen Fehler zu korrigieren? Zu spät, um einen neuen Weg einzuschlagen? Und vielleicht fragen wir uns manchmal auch: Ist es zu spät, um wirklich zu Gott zurückzukehren?

Doch genau hier hinein spricht die erste Lesung heute ganz deutlich: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“  Gott lässt sich finden. Gott ist nahe. Und solange wir leben, dürfen wir uns immer wieder neu auf den Weg zu ihm machen.

Und genau diese Botschaft finden wir auch im heutigen Evangelium.

Jesus erzählt von einem Gutsbesitzer, der Arbeiter für seinen Weinberg sucht. Früh am Morgen geht er hinaus. Dann wieder um die dritte, die sechste und die neunte Stunde. Und sogar in der elften Stunde geht er noch einmal hinaus.

Das ist eigentlich erstaunlich: Kurz vor Ende des Arbeitstages sucht er immer noch Menschen.

Warum? Weil er niemanden aufgibt.

Und darin liegt eine der schönsten Botschaften dieses Evangeliums: Nicht nur wir suchen Gott. Gott sucht uns.

Wir sprechen oft davon, dass wir Gott suchen müssen. Wir sollen beten, glauben und seinen Willen suchen. Das ist richtig. Aber die Bibel zeigt uns heute auch die andere Seite: Während wir Gott suchen, ist Gott längst auf dem Weg zu uns.

Denken wir an den Propheten Elija. Er sucht Gott und wartet auf ihn. Er erwartet ihn im Sturm, im Erdbeben und im Feuer. Doch Gott kommt nicht im Lärm, sondern in einem leisen Säuseln. Elija muss still werden, um Gott wahrzunehmen.

Oder Zachäus: Er möchte Jesus sehen und steigt deshalb auf einen Baum. Aber Jesus bleibt stehen und schaut zu ihm hinauf. Zachäus sucht Jesus – und entdeckt: Jesus hat schon nach ihm gesucht.

Auch Matthäus sitzt an seiner Zollstelle. Jesus kommt vorbei, sieht ihn und sagt: „Folge mir nach!“ Jesus wartet nicht, bis Matthäus vollkommen geworden ist. Er ruft ihn mitten in seinem bisherigen Leben.

Der Mensch sucht Gott – aber Gott ist immer schon auf dem Weg zum Menschen.

Und deshalb passt die erste Lesung so gut zum Evangelium: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt.“

Manche Menschen suchen Gott schon früh in ihrem Leben. Sie wachsen im Glauben auf, beten von Kindheit an und gehen viele Jahre ihren Weg mit Gott.

Andere brauchen länger. Manche finden erst als Erwachsene zum Glauben. Manche kehren nach vielen Jahren wieder zu Gott zurück. Manche entdecken ihn erst in einer schweren Lebenssituation oder sogar im hohen Alter.

Auch die Kirche kennt viele Heilige, deren Weg zu Gott nicht von Anfang an klar war. Denken wir an den heiligen Augustinus, der erst nach vielen Jahren zu Christus gefunden hat. Oder an den heiligen Martin, den heiligen Ignatius und den heiligen Norbert, deren Leben ebenfalls eine entscheidende Wendung zu Gott erfahren hat.

Ihre Lebensgeschichten sagen uns: Es ist niemals zu spät, mit Gott neu anzufangen.

Vielleicht gibt es auch unter uns jemanden, der denkt: „Für mich ist es zu spät. Ich habe mich zu weit von Gott entfernt. Ich habe zu lange nicht an ihn gedacht.“

Aber das heutige Evangelium sagt: Nein. Bei Gott ist es nicht zu spät.

Die Arbeiter, die erst in der elften Stunde kamen, wurden nicht weggeschickt. Auch er wird in den Weinberg gerufen. Auch sie wurden genauso bezahlt wie die Ersten.

Wir Menschen rechnen anders. Wir sagen: „Ich war mein ganzes Leben treu. Ich habe gebetet, gearbeitet und mich bemüht. Warum soll jemand, der erst am Ende kommt, dasselbe bekommen?“

Aber Gott rechnet anders. Deshalb sagt Jesaja: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege.“

Wir schauen oft auf die Vergangenheit. Gott schaut auf das Herz.

Wir rechnen in Stunden. Gott rechnet in Liebe.

Manchmal verstecken wir uns hinter unserer Arbeit, unseren Sorgen und unseren Plänen. Manchmal auch hinter unserer Schuld. Wir denken: „So, wie ich bin, kann Gott mich nicht lieben.“

Doch Gott wartet nicht darauf, dass wir vollkommen werden. Er kommt zu uns, so wie wir sind.

Darum sagt Jesaja: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“

Vielleicht begegnet Gott uns heute in einem Menschen. Vielleicht in einem Wort der Heiligen Schrift. Vielleicht in einem stillen Gebet. Vielleicht in einem Menschen, dem wir vergeben sollen. Vielleicht in einer Situation, in der wir selbst Vergebung brauchen.

Gott kommt oft leise – wie bei Elija. Er kommt uns entgegen – wie bei Zachäus. Er ruft uns – wie Matthäus. Und er geht immer wieder hinaus, um uns zu suchen – wie der Weinbergbesitzer.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage heute nicht: „Habe ich Gott schon gefunden?“

Vielleicht lautet die wichtigere Frage: „Lasse ich mich von Gott finden?“

Vielleicht denken wir manchmal: „Ich bin zu spät.“ Aber der Weinbergbesitzer geht sogar in der elften Stunde noch hinaus.

Und deshalb dürfen wir glauben: Bei Gott gibt es keine zu späte Stunde. Darum nehmen wir heute diese Einladung des Propheten Jesaja mit: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“

Und vielleicht ist das die schönste Antwort, die wir heute geben können:

Herr, hier bin ich. Ich suche dich. Und ich lasse mich von dir finden.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Vergebung – kaum ein anderes Wort berührt so tief unser christliches Leben und unsere menschlichen Beziehungen.

Wo Menschen miteinander leben, lieben und füreinander da sind, erfahren wir Freude, Nähe und Verbundenheit. Aber gerade dort, wo wir einander nahekommen, können wir uns auch verletzen, enttäuschen und schuldig werden. Ein unbedachtes Wort, eine Enttäuschung, ein gebrochenes Versprechen, eine Ungerechtigkeit oder eine Verletzung, die uns noch nach Jahren beschäftigt.

Und irgendwann steht die Frage im Raum: Kann ich vergeben? Will ich vergeben? Und wenn ja – wie oft?

Genau diese Frage stellt Petrus im heutigen Evangelium: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?“ Siebenmal – das klingt zunächst nach großer Großzügigkeit. Doch Jesus antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“

Jesus gibt damit keine Rechenaufgabe. Er möchte uns eine andere Haltung zeigen: Vergebung kennt keine Grenze. Um das zu verdeutlichen, erzählt er das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht.

Ein Mann hat eine Schuld, die er niemals zurückzahlen könnte. Sein Herr sieht seine Not, hat Mitleid mit ihm und erlässt ihm die gesamte Schuld. Dieser Mensch erfährt etwas, das er sich selbst niemals hätte schenken können: Er bekommt einen neuen Anfang und eine neue Freiheit.

Doch kaum verlässt er seinen Herrn, begegnet er einem anderen Menschen, der ihm eine viel kleinere Schuld schuldet. Statt die Barmherzigkeit weiterzugeben, die er selbst erfahren hat, begegnet er seinem Mitmenschen mit Härte.

Er hat Vergebung empfangen – aber er kann sie nicht weitergeben.

Und genau hier liegt die Mitte der Botschaft Jesu: Wer selbst Vergebung empfängt, ist eingeladen, Vergebung weiterzuschenken.

Denn wir sind nicht nur Menschen, die verletzt werden. Wir kennen auch die andere Seite. Auch wir haben Menschen enttäuscht. Auch wir haben Worte gesagt, die wir später bereut haben. Auch wir haben vielleicht jemanden ungerecht behandelt oder geschwiegen, obwohl ein gutes Wort notwendig gewesen wäre.

Wir alle leben deshalb von Vergebung. Wir brauchen die Vergebung unserer Mitmenschen. Und vor allem brauchen wir die Barmherzigkeit Gottes.

Die Lesung aus dem Buch Jesus Sirach sagt: „Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft!“

Manchmal tragen wir eine Verletzung jahrelang mit uns. Doch wenn wir an der Verletzung festhalten, geschieht etwas: Das Vergangene beginnt, Macht über unsere Gegenwart zu gewinnen. Der andere hat uns verletzt – aber wenn wir den Groll immer wieder nähren, bleibt die Verletzung in unserem eigenen Herzen lebendig.

Vielleicht können wir uns eine Verletzung wie einen Stachel im Herzen vorstellen. Solange wir immer wieder daran rühren, tut es weh. Wir denken darüber nach, was geschehen ist und was wir hätten sagen oder tun sollen. Vergebung bedeutet nicht, dass der Stachel nie da gewesen wäre. Vergebung zieht den Stachel aus meinem Herzen! „Ich möchte nicht, dass diese Verletzung mein weiteres Leben bestimmt.“

Vergebung bedeutet vielmehr: Ich gebe die Vergeltung aus der Hand. Ich überlasse das Geschehene Gott. Ich lasse den Menschen los – und gewinne dadurch selbst wieder Freiheit. Mein Leben ist größer als das, was mir geschehen ist.
Wir können nicht alles, was in unserem Leben falsch geworden ist, selbst wieder gutmachen. Wir können Vergangenes nicht ungeschehen machen. Aber Gott sieht uns nicht nur mit unserer Schuld. Er sieht uns mit seiner Barmherzigkeit.

Und seine Antwort lautet: „Dir ist vergeben.“

Von hier aus verstehen wir auch die Antwort Jesu an Petrus besser: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“

Jesus verlangt von uns keine übermenschliche Leistung. Er lädt uns ein, aus derselben Barmherzigkeit zu leben, die wir selbst von Gott empfangen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie oft muss ich noch vergeben?“ Sondern: „Wie viel Barmherzigkeit habe ich selbst erfahren?“

Wenn wir nur auf die Schuld des anderen schauen, erscheint sie riesig. Wenn wir aber zugleich auf Gottes Barmherzigkeit schauen, verändert sich unser Blick. Dann erkennen wir: 

Wir beten es jedes Mal im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Diese Worte sind anspruchsvoll. Denn wir bitten Gott nicht nur um Vergebung. Wir bitten zugleich darum, selbst barmherzig werden zu können. Gott schenkt uns die Kraft zu einem Schritt, den wir aus eigener Kraft vielleicht noch nicht gehen können.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht gibt es heute einen Menschen, an den wir denken müssen. Jemanden, der uns verletzt hat. Vielleicht ist es ein aktueller Streit. Vielleicht liegt das Geschehene viele Jahre zurück. Vielleicht ist dieser Mensch längst nicht mehr in unserem Leben.

Wir müssen heute nicht so tun, als wäre plötzlich alles gut. Vergebung braucht manchmal Zeit. Aber vielleicht können wir heute einen ersten Schritt wagen und die Sache vor Gott bringen:

„Herr, du kennst meinen Schmerz. Du kennst meine Wut und meine Enttäuschung. Ich kann noch nicht vergeben. Aber ich möchte nicht für immer in diesem Schmerz bleiben. Hilf mir, den Groll loszulassen. Hilf mir, diesen Menschen dir zu überlassen. Und schenke mir die Freiheit meines Herzens.“

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus sagt heute: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“ Es ist keine Forderung, die uns überfordern soll. Es ist eine Einladung, aus Gottes Barmherzigkeit zu leben.

Denn das letzte Wort über unser Leben hat nicht die Verletzung. Nicht der Hass. Nicht die Schuld. Das letzte Wort hat die Barmherzigkeit Gottes.

Amen.

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Liebe Schwestern und Brüder.

Die heutigen Schrifttexte haben ein gemeinsames Hauptthema: die Begegnung mit Gott. In der ersten Lesung begegnet der Prophet Elija Gott. Im Evangelium erleben die Jünger Jesus in seiner göttlichen Macht und erkennen: Jesus ist wirklich der Sohn Gottes.

Beide Texte zeigen uns: Gott begegnet dem Menschen oft anders, als wir es erwarten. Er kommt nicht immer im Lärm, in der Stärke oder in spektakulären Ereignissen. Oft begegnet er uns in der Stille, im Vertrauen und in einem offenen Herzen.

Schauen wir zuerst auf den Propheten Elija.

Elija hatte sich mutig für den wahren Gott eingesetzt und gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priester des Baal gekämpft. Doch danach musste er fliehen. Er war erschöpft, enttäuscht und voller Angst. Er kommt zum Berg Horeb, dem Berg Gottes, und sucht dort eine neue Begegnung mit dem Herrn.

Gott sagt zu ihm: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ Dann kommen ein gewaltiger Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer. Doch Gott ist nicht in diesen mächtigen Zeichen. Erst danach kommt ein leises, sanftes Säuseln – und darin erkennt Elija die Gegenwart Gottes.

Diese Erfahrung ist auch für unser Leben wichtig: Gott spricht nicht nur durch große Ereignisse. Oft begegnet er uns in der Stille – im Gebet, in einem ruhigen Moment, in unserem Gewissen oder durch einen Menschen, der uns nahekommt.

Auch das Evangelium führt uns in eine Situation der Stille und des Vertrauens.

Nach der Brotvermehrung, bei der Jesus mehr als fünftausend Menschen gespeist hatte, schickt er die Jünger mit dem Boot voraus. Jesus selbst zieht sich auf einen Berg zurück, um allein zu beten und die Gemeinschaft mit seinem Vater zu suchen.

Die Jünger geraten inzwischen auf dem See in einen heftigen Sturm. Die Wellen sind stark und sie bekommen Angst. In dieser Situation kommt Jesus zu ihnen über das Wasser. Zuerst erschrecken sie, doch Jesus sagt: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“

Da bittet Petrus: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Jesus sagt nur ein Wort: „Komm!“ Petrus steigt aus dem Boot und geht tatsächlich auf Jesus zu. Solange sein Blick auf den Herrn gerichtet bleibt, trägt ihn das Vertrauen. Doch als er den starken Wind und die hohen Wellen wahrnimmt, lässt er sich von der Angst bestimmen. Sein Blick richtet sich nicht mehr auf Jesus, sondern auf die Gefahr – und er beginnt zu sinken. Sofort streckt Jesus seine Hand aus, ergreift ihn und rettet ihn.

Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns: Nicht der Sturm bringt Petrus zu Fall, sondern der Augenblick, in dem sein Vertrauen nachlässt. Solange sein Blick auf Jesus gerichtet ist, trägt ihn der Glaube. Auch wir erleben Stürme: Sorgen, Krankheiten, Konflikte oder Unsicherheit. Sie werden nicht einfach verschwinden. Aber wenn wir unseren Blick auf Christus richten, dürfen wir erfahren, dass er uns nicht untergehen lässt. Seine ausgestreckte Hand ist immer da – oft schon, bevor wir sie wahrnehmen.

Wenn wir Elija und das Evangelium zusammen betrachten, erkennen wir eine gemeinsame Botschaft:

  • Elija begegnet Gott in der Stille auf dem Berg.
  • Jesus sucht in der Stille die Nähe seines Vaters.
  • Die Jünger erfahren Jesus mitten im Sturm.

In allen drei Situationen lernen die Menschen: Gott ist da – auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen.

Liebe Schwestern und Brüder, auch unser Leben braucht Zeiten der Stille. Gerade in dieser Ferien- und Urlaubszeit suchen viele Menschen Erholung, Abstand vom Alltag und neue Kraft. Vielleicht ist diese Zeit auch eine besondere Einladung, nicht nur unserem Körper Ruhe zu gönnen, sondern auch unserer Seele.

Im Urlaub verlassen wir oft den gewohnten Rhythmus. Wir haben vielleicht mehr Zeit für einen Spaziergang, für die Familie oder für einen stillen Moment. Nutzen wir diese Gelegenheit auch für Gott. Ein kurzer Besuch in der Kirche, ein stilles Gebet oder einige Minuten in der Gegenwart Gottes können uns neue Kraft schenken.

Denn unsere Welt ist oft voller Stimmen: Nachrichten, Handys, Termine und Sorgen. Manchmal vergessen wir, still zu werden und Gott Raum zu geben.

Darum ist es gut, jeden Tag einige Momente für Gott zu reservieren. Am Morgen können wir ihn fragen: „Herr, begleite mich durch diesen Tag.“ Und am Abend können wir zurückblicken: Wo habe ich deine Nähe erfahren? Wofür kann ich danken? Wo brauche ich deine Hilfe?

Gerade an diesen heißen Sommertagen können wir vielleicht unsere Kirche neu als einen Ort der Stille entdecken. Ein paar Minuten vor dem Tabernakel, ein stilles Gebet oder einfach das Verweilen in Gottes Gegenwart können zu einer Begegnung mit ihm werden.

Die Stille ist nicht leer. Sie ist ein Raum, in dem Gott zu uns sprechen kann.

Elija musste den Lärm von Sturm, Erdbeben und Feuer hinter sich lassen, um Gottes leise Stimme zu hören. Die Jünger mussten durch den Sturm gehen, um zu erkennen: Jesus ist bei ihnen.

Auch wir dürfen darauf vertrauen: Gott ist da – in unseren Freuden und Sorgen, in unseren starken und schwachen Momenten. Er kommt uns entgegen und spricht auch heute:

„Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir stehen am Anfang der Ferienzeit. Viele Menschen fahren in diesen Tagen in den Urlaub. Sie freuen sich auf Erholung, auf Ruhe und neue Kraft. Man möchte für einige Tage den Alltag hinter sich lassen, den Terminkalender schließen und die Last der Verantwortung ein wenig ablegen. Es tut gut, einmal an einem anderen Ort zu sein und frei durchatmen zu können.

Auch Jesus kennt dieses menschliche Bedürfnis. Das Evangelium erzählt uns, dass er sich mit dem Boot an einen einsamen Ort zurückziehen wollte. Hinter ihm lagen schmerzvolle Tage. Johannes der Täufer, sein Wegbereiter, war auf grausame Weise hingerichtet worden. Jesus sucht die Stille. Er sucht einen Ort, an dem seine Seele zur Ruhe kommen kann.

Doch die Menschen lassen ihn nicht allein. Sie folgen ihm. Sie bringen ihre Krankheiten, ihre Sorgen, ihre Ängste und ihre Hoffnungen mit. Sie spüren: Bei diesem Jesus finden wir, was wir sonst nirgends finden.

Das Evangelium berichtet nicht, dass Jesus ungeduldig wird. Es heißt vielmehr: „Er hatte Mitleid mit ihnen.“ Das Herz Jesu bleibt offen. Er sieht die Not der Menschen und nimmt sie ernst.

Wie tröstlich ist das auch für uns! Wir dürfen mit allem zu Christus kommen: mit unserer Freude und Dankbarkeit, aber auch mit unserer Müdigkeit, unseren Sorgen, unseren Enttäuschungen und unserer Schuld. Niemand muss sich verstellen. Niemand muss erst stark sein, bevor er zu Jesus kommen darf.

Die Jünger sehen am Abend vor allem das Problem. Fünf Brote und zwei Fische – das reicht doch niemals. Jesus aber sieht nicht zuerst den Mangel, sondern die Möglichkeit des Vaters. Er nimmt das Wenige, dankt, bricht das Brot und lässt es austeilen. Alle werden satt. Ja, es bleibt sogar noch mehr übrig, als am Anfang vorhanden war.

Dieses Wunder ist nicht nur eine Erinnerung an ein vergangenes Ereignis. Es weist voraus auf das größte Geschenk Jesu: die Eucharistie. Auch heute nimmt Christus Brot in seine Hände. Auch heute spricht er das Dankgebet. Auch heute bricht er das Brot und gibt sich selbst zur Speise des Lebens. Christus selbst lädt uns an seinen Tisch. Darum ist jede Eucharistie viel mehr als eine religiöse Pflicht. Sie ist die Antwort Gottes auf den Hunger unseres Herzens. Wir kommen mit leeren Händen – und Christus beschenkt uns mit sich selbst.

Genau dazu lädt uns auch die erste Lesung ein. Der Prophet Jesaja ruft im Namen Gottes:

„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst; kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung.“

Welch wunderbare Einladung! Gottes Gaben kann niemand verdienen und niemand bezahlen. Seine Liebe ist Geschenk. Seine Vergebung ist Geschenk. Seine Barmherzigkeit ist Geschenk. Seine Eucharistie ist Geschenk.

Dann stellt Gott eine Frage, die uns tief ins Gewissen geht:

„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“

Wie oft suchen wir unser Glück dort, wo es auf Dauer nicht zu finden ist. Wir hoffen, dass Besitz, Erfolg oder Unterhaltung unser Herz erfüllen. Doch der Hunger der Seele bleibt.

Nur Christus kann diesen Hunger stillen. Nur er spricht Worte, die Leben schenken. Nur er gibt ein Brot, das bleibt.

Deshalb sagt Gott weiter:

„Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir; hört, dann werdet ihr leben.“

Das ist vielleicht die wichtigste Einladung dieser Ferienzeit. Nicht nur den Koffer zu packen, sondern auch Zeit für Gott einzuplanen. Vielleicht besuchen wir im Urlaub eine Kirche, zünden eine Kerze an, nehmen uns Zeit für das persönliche Gebet oder feiern bewusst den Sonntagsgottesdienst mit. Wahre Erholung braucht nicht nur Ruhe für den Körper, sondern auch Nahrung für die Seele.

In wenigen Augenblicken wird der Herr seinen Tisch für uns bereiten. Wie damals die Menschen am See dürfen auch wir Platz nehmen. Wir bringen ihm das Wenige, das wir haben: unseren Glauben, der manchmal klein ist; unsere Hoffnung, die manchmal schwach ist; unsere Liebe, die immer wieder der Erneuerung bedarf.

Christus nimmt unser Weniges an und macht daraus ein Geschenk seiner Gnade. Wer sich von ihm beschenken lässt, geht nicht leer nach Hause. Denn bei Gott gibt es keinen Mangel. Seine Liebe ist größer als unsere Not, seine Barmherzigkeit tiefer als unsere Schuld und seine Gnade reicher als alle unsere Erwartungen.

Bitten wir den Herrn, dass wir heute mit offenem Herzen an seinen Tisch treten und aus dieser Eucharistie die Kraft empfangen, die wir für unser Leben brauchen. Denn wer zu Christus kommt, den lässt er niemals leer ausgehen.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute feiern wir das Patrozinium unserer Kirche. Unsere Kirche steht unter dem Schutz der heiligen Maria Magdalena. Sie nimmt unter den Jüngern Jesu einen besonderen Platz ein. Die Kirche nennt sie die „Apostolin der Apostel“, denn sie war die erste, die dem auferstandenen Herrn begegnete und den Jüngern die frohe Botschaft von der Auferstehung verkündete.

Die Texte des heutigen Tages führen uns in das Herz dieser Frau hinein. Maria Magdalena war eine suchende Frau.

Die erste Lesung aus dem Hohelied beschreibt diese Suche mit den Worten:

„Ich suchte ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.“

Diese Worte beschreiben nicht nur die Liebe zwischen zwei Menschen. Sie erzählen von der tiefen Sehnsucht des Menschen nach Gott. Jeder Mensch trägt diese Sehnsucht in seinem Herzen. Jeder Mensch sucht nach einem Leben, das wirklich erfüllt.

Auch Maria Magdalena war eine solche Suchende. Ihr Leben wurde durch die Begegnung mit Jesus grundlegend verändert. Sie hatte erfahren, dass es im Menschen eine Sehnsucht gibt, die durch nichts Irdisches ganz gestillt werden kann. Es ist die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, nach einer Liebe, die trägt, und nach einem Frieden, der auch in schweren Stunden nicht zerbricht.

Das Leben der heiligen Maria Magdalena kann deshalb auch uns inspirieren.

Denn auch wir leben in einer Welt voller Möglichkeiten und zugleich voller Unsicherheit. Kriege, wirtschaftliche Sorgen und gesellschaftliche Spannungen verunsichern viele Menschen. Familien stehen unter Druck. Junge Menschen fragen sich, welche Zukunft sie erwartet. Ältere Menschen leiden unter Krankheit oder Einsamkeit. Jeder trägt seine eigenen Sorgen und Belastungen.

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung unserer Zeit. Viele Menschen meinen, sie könnten ihr Leben auch ohne Gott gestalten. Solange alles gut läuft, scheint der Glaube nicht notwendig zu sein. Man vertraut auf die eigenen Fähigkeiten, auf Wohlstand, Technik und menschliche Planung. Gott gerät an den Rand des Lebens. Das Gebet wird seltener, und die Kirche spielt für viele kaum noch eine Rolle. Doch wenn Krankheit, Leid oder Enttäuschungen kommen, merken wir, dass wir unser Leben nicht allein tragen können.

Ja, wir alle tragen eine tiefe Sehnsucht in uns. Wir suchen nach Glück, nach Anerkennung, nach Sicherheit, nach Liebe und Geborgenheit. Wir wünschen uns Gesundheit, Erfolg und gelingende Beziehungen. Das alles ist gut und wertvoll. Es sind Geschenke Gottes.

Aber wir machen immer wieder dieselbe Erfahrung: Die Dinge dieser Welt können unser Leben bereichern, sie können Freude schenken und unser Leben schöner machen. Doch sie vermögen die tiefste Sehnsucht unseres Herzens nicht endgültig zu erfüllen. Der Mensch ist auf mehr hin geschaffen. Er sehnt sich nach einer Liebe, die bleibt, nach einem Frieden, den niemand nehmen kann, und nach einer Hoffnung, die auch in schweren Zeiten trägt.

Gerade jetzt, in der Urlaubszeit, wird uns das besonders bewusst. Viele Menschen freuen sich darauf, sich zu erholen, neue Orte kennenzulernen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Das ist gut und wichtig. Auch unser Körper braucht Ruhe und neue Kraft.

Doch wir Menschen bestehen nicht nur aus unserem Körper. Wir sind Leib und Seele. Deshalb braucht nicht nur unser Körper Erholung, sondern auch unsere Seele. Eine Reise kann den Horizont erweitern, aber sie kann die innere Leere nicht füllen. Auch die Seele braucht Zeiten der Stille, des Gebets und der Begegnung mit Gott.

Der heilige Augustinus hat diese Erfahrung in einem berühmten Satz zusammengefasst: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.“

Maria Magdalena hat diese Ruhe gefunden. In Jesus Christus fand sie die Quelle des lebendigen Wassers, die den tiefsten Durst des Menschen stillen kann. Darum blieb sie bei ihm – nicht nur in den Tagen der Freude, sondern auch unter dem Kreuz. Während viele geflohen waren, hielt sie Jesus die Treue.

Am frühen Ostermorgen geht sie wieder zum Grab. Sie sucht ihren Herrn. Doch zunächst findet sie ihn nicht. Das Grab ist leer, und ihre Trauer wird noch größer. Weinend steht sie vor dem Grab und versteht nicht, was geschehen ist.

Dann geschieht das Entscheidende.

Jesus spricht nur ein einziges Wort: „Maria!“

In diesem Augenblick verändert sich alles. Maria erkennt den Auferstandenen. Genauer gesagt: Nicht sie findet Jesus, sondern Jesus findet sie. Er kennt ihren Namen. Er kennt ihre Geschichte, ihre Sehnsucht und ihre Tränen.

Das ist auch für uns eine große Hoffnung. Vielleicht erleben wir Zeiten, in denen Gott fern zu sein scheint. Vielleicht suchen wir ihn und meinen, keine Antwort zu finden. Doch der Auferstandene kennt auch unseren Namen. Er kennt unsere Sorgen, unsere Fragen und unsere Zweifel. Er lässt uns nicht allein. Er begegnet uns oft leise – im Gebet, in seinem Wort, in der Feier der Eucharistie oder durch Menschen, die uns Hoffnung schenken.

Jesus sendet Maria Magdalena zu den Aposteln mit der Botschaft: „Ich habe den Herrn gesehen.“

Aus der suchenden und weinenden Frau wird die erste Zeugin der Auferstehung. Aus ihrer Suche wird eine Begegnung, aus ihrer Trauer wird Freude und aus ihrer Hoffnungslosigkeit eine Sendung.

Liebe Schwestern und Brüder, das Fest der heiligen Maria Magdalena lädt auch uns heute ein, neu zu fragen:

Wo suche ich mein Leben?

Welche Quellen geben mir wirklich Kraft?

Bin ich bereit, Jesus Christus neu zu begegnen – der Quelle des lebendigen Wassers, die allein den Durst meines Herzens stillen kann?

Bitten wir die heilige Maria Magdalena, dass sie uns auf unserem Glaubensweg begleitet. Möge sie uns helfen, Jesus immer wieder neu zu suchen, ihm zu vertrauen und wie sie zu glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe und seiner Auferstehung zu werden. 

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder, besonders liebe Firmlinge!

Vor wenigen Wochen habt ihr das Sakrament der Firmung empfangen. Der Heilige Geist wurde euch zugesagt, damit ihr euren Glauben bewusst leben und gute Entscheidungen treffen könnt. Genau darum geht es auch im heutigen Evangelium.

Jesus erzählt das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut. Ein Bauer sät guten Samen aus. Doch in der Nacht kommt ein Feind und sät Unkraut zwischen den Weizen. Als beides wächst, fragen die Knechte: „Sollen wir das Unkraut ausreißen?“ Der Bauer antwortet: „Nein. Lasst beides wachsen bis zur Ernte.“

Dieses Gleichnis zeigt uns eine Wirklichkeit, die wir alle kennen: In unserer Welt wächst Gutes – aber auch viel Unkraut.

Für euch Firmlinge ist das besonders aktuell. Ihr beginnt immer mehr, eigene Entscheidungen zu treffen. Ihr merkt, dass nicht alles, was modern, beliebt oder oft geklickt wird, auch gut ist. Es gibt viel „Unkraut“, das uns umgibt:

  • Hass und Beleidigungen in den sozialen Medien.
  • Mobbing in der Schule oder im Internet.
  • Gruppenzwang: „Mach doch mit, alle machen es.“
  • Die Versuchung zu lügen oder andere schlechtzumachen.
  • Gleichgültigkeit gegenüber Menschen, die Hilfe brauchen.
  • Die Vorstellung, dass nur Leistung, Geld oder Aussehen zählen.

Dieses Unkraut wächst oft schneller als der gute Weizen. Es wirkt manchmal attraktiver, einfacher oder bequemer. Deshalb sagt Jesus uns heute: Seid wachsam! Seid bewusst! Schaut genau hin, was ihr in euer Herz hineinlasst.

Denn nicht nur um uns herum wächst Unkraut. Auch in unserem Herzen können Neid, Egoismus, Wut, Hass, Bequemlichkeit und Gelichgültigkeit wachsen. Jeder von uns kennt das. Aber genauso hat Gott auch den guten Samen in unser Herz gelegt: Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit, Mut, Vergebung und Glauben.

Mit der Firmung habt ihr den Heiligen Geist empfangen. Er möchte euch helfen, das Gute zu erkennen und ihm zu folgen. Gott nimmt euch die Entscheidungen nicht ab. Aber er lässt euch nicht allein.

Vielleicht fragen manche: Warum lässt Gott das Böse überhaupt zu? Warum gibt es Krieg, Ungerechtigkeit und Leid?

Jesus gibt darauf keine einfache Antwort. Aber er macht deutlich: Gott verliert die Geduld mit den Menschen nicht. Er gibt jedem Zeit zur Umkehr. Er möchte retten und nicht vernichten. Am Ende wird das Gute siegen. Darauf dürfen wir vertrauen.

Doch bis dahin liegt eine wichtige Aufgabe bei uns. Wir müssen jeden Tag entscheiden: Was säe ich?

Säe ich Hoffnung oder Entmutigung?

Säe ich Frieden oder Streit?

Säe ich Liebe oder Hass?

Säe ich Wahrheit oder Lüge?

Mit jedem Wort, das wir sprechen, jedem Kommentar, den wir schreiben, jeder Entscheidung, die wir treffen, säen wir entweder guten Samen oder Unkraut.

Liebe Firmlinge, ihr seid nicht einfach Zuschauer in dieser Welt. Gott braucht euch. Er möchte, dass ihr Menschen seid, die Licht bringen, die Mut machen, die für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten. Gerade heute braucht unsere Welt junge Menschen, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und sich nicht von jedem Trend mitreißen zu lassen.

Wenn ihr unsicher seid, fragt euch: Was würde Jesus jetzt tun?

Lest in der Bibel. Betet. Kommt zur Eucharistie. Sucht das Gespräch mit Menschen, die euch im Glauben begleiten. Der Heilige Geist wird euch helfen, den richtigen Weg zu erkennen.

Heute schenkt euch die Kirche eine Bibel – Gottes Wort für euren Lebensweg. Bewahrt sie nicht nur als Erinnerung an diesen besonderen Tag auf, sondern nehmt sie immer wieder zur Hand. Sie soll für euch wie ein Kompass oder ein GPS im Leben sein: eine Orientierung, wenn ihr Entscheidungen treffen müsst, eine Hilfe in Zeiten der Suche und eine Quelle der Hoffnung, wenn ihr neue Wege geht.

Am Ende des Gleichnisses macht Jesus uns Mut: Das Unkraut wird nicht das letzte Wort haben. Der gute Weizen wird reifen. Gottes Liebe ist stärker als das Böse. Sein Reich wird siegen.

Darum lasst uns bewusst leben. Lasst uns darauf achten, was wir in unser Herz hineinlassen und was wir in das Leben anderer hineinsäen. Bitten wir den Heiligen Geist, den ihr in der Firmung empfangen habt, dass er euch Kraft schenkt, das Gute zu wählen und als Christen glaubwürdig zu leben.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Ereignisse der vergangenen Tage an der Schule in Schongau haben uns alle tief erschüttert. Ein Ort des Lernens, der Gemeinschaft und des Lebens wurde plötzlich zu einem Ort der Angst und der Gewalt. Wir denken heute besonders an die Verletzten, an ihre Familien, an die Schülerinnen und Schüler, an die Lehrkräfte und an alle, die dieses Geschehen miterleben mussten.

Viele Menschen fragen sich: Wie konnte das geschehen? Woher kommt so viel Gewalt? Und vor allem: Wo finden wir Hoffnung?

Der französische Schriftsteller Jean Giono erzählt in seiner berühmten Erzählung „Der Mann, der Bäume pflanzte“ die Geschichte eines Hirten namens Elzéard Bouffier. Es ist eine erfundene Geschichte, aber sie erzählt eine tiefe Wahrheit.

Nachdem Elzéard Bouffier seine Frau und seinen einzigen Sohn verloren hatte, zog er sich in eine einsame und verwüstete Landschaft der Provence zurück. Doch anstatt zu verzweifeln, begann er, jeden Tag Eicheln in den Boden zu setzen. Geduldig tat er dies über viele Jahre hinweg. Schließlich entstand aus den kleinen Samen ein großer Wald. Das Wasser kehrte zurück, Bäche begannen wieder zu fließen, Tiere fanden eine Heimat, Menschen siedelten sich wieder an, und aus einer trostlosen Landschaft wurde ein Ort neuen Lebens.

Diese Geschichte erinnert uns daran: Hoffnung wächst oft ganz klein. Große Veränderungen beginnen häufig mit unscheinbaren Schritten. Ein einzelner Mensch kann viel Gutes bewirken, wenn er nicht aufgibt.

Genau dieses Bild greift Jesus im heutigen Evangelium auf. Er erzählt vom Sämann. Der Sämann ist Gott selbst. Christus streut den Samen seines Wortes großzügig aus. Er sät Liebe statt Hass, Hoffnung statt Verzweiflung, Frieden statt Gewalt und Versöhnung statt Feindschaft.

Gerade nach den Ereignissen von Schongau spüren wir, wie notwendig diese Saat Gottes ist. Unsere Welt kennt viele andere Samen: Hass, Ausgrenzung, Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit. Worte können verletzen, Menschen zerstören und Herzen verhärten. Wir erleben, wie schnell Gewalt entstehen kann, wenn Verzweiflung, Einsamkeit oder Hass Raum gewinnen.

Das Evangelium lädt uns heute aber ein, nicht bei der Dunkelheit stehen zu bleiben. Jesus spricht nicht zuerst über das Unkraut, sondern über den guten Samen. Er vertraut darauf, dass das Gute wachsen kann.

Der Samen ist immer derselbe. Das Wort Gottes verliert niemals seine Kraft. Entscheidend ist der Boden, auf den er fällt. Dieser Boden ist unser Herz.

Da ist zunächst der harte Weg. Ein Herz kann hart werden – durch Enttäuschungen, Verletzungen oder Gleichgültigkeit. Gottes Wort findet dann keinen Platz.

Da ist der felsige Boden. Man nimmt Gottes Wort zwar gerne auf, doch es schlägt keine tiefen Wurzeln. Sobald Schwierigkeiten kommen, verliert der Glaube seinen Halt.

Da sind die Dornen. Sorgen, Leistungsdruck, der Wunsch nach Erfolg, Besitz oder Anerkennung können das Gute im Menschen überwuchern und ersticken.

Und schließlich spricht Jesus vom guten Boden. Das ist das Herz, das offen bleibt für Gott und für den Mitmenschen. Dort kann der Same wachsen und Frucht bringen – dreißigfach, sechzigfach, ja hundertfach.

Nach den erschütternden Ereignissen in Schongau dürfen wir keine vorschnellen Antworten geben. Wir wissen nicht, warum ein Mensch einen solchen Weg einschlägt. Das Leid lässt sich nicht einfach erklären. Aber wir können uns fragen: Was können wir selbst dazu beitragen, dass weniger Hass und mehr Menschlichkeit wachsen?

Vielleicht beginnt es mit einem freundlichen Wort für jemanden, der sich einsam fühlt. Vielleicht mit der Bereitschaft zuzuhören. Vielleicht damit, dass wir Kinder und Jugendliche ernst nehmen, sie begleiten und ihnen zeigen, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist. Vielleicht auch dadurch, dass wir in unseren Familien und Gemeinden den Glauben leben, der Vertrauen, Barmherzigkeit und Versöhnung schenkt.

Als Christen dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wir können das Böse nicht vollständig aus der Welt schaffen. Aber wir können jeden Tag Samen des Guten aussäen. Kein Gebet, keine Tat der Liebe, kein Wort der Ermutigung und keine Geste der Versöhnung gehen bei Gott verloren. Vieles wächst im Verborgenen – so wie ein Samenkorn unter der Erde oder wie die Eicheln des Elzéard Bouffier.

Unsere Welt braucht heute Menschen, die Hoffnung säen. Menschen, die Frieden stiften. Menschen, die Brücken bauen statt Mauern. Menschen, die den Mut haben, das Gute zu tun, auch wenn es klein erscheint.

Bitten wir heute besonders für alle Betroffenen des Amoklaufs in Schongau: für die Verletzten, für ihre Angehörigen, für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrkräfte und für alle, die unter den Folgen dieses Geschehens leiden. Bitten wir auch für unsere Kinder und Jugendlichen, dass sie in Liebe, Geborgenheit und Vertrauen aufwachsen dürfen. Und beten wir für unsere Gesellschaft, dass Respekt, Mitgefühl und der Glaube an die unantastbare Würde jedes Menschen neu wachsen.

Der Herr schenke uns ein offenes Herz, damit sein Wort in uns Wurzeln schlagen kann und wir selbst zu Menschen werden, die Hoffnung säen und reiche Frucht bringen.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Es gibt Menschen, die längst gestorben sind und doch nicht vergangen sind. Ihr Leben ist nicht einfach abgeschlossen, sondern es wirkt weiter. Ihre Worte, ihre Entscheidungen und ihr Glaube berühren Menschen bis heute. Solche Menschen bleiben gegenwärtig – gerade dann, wenn wir selbst auf der Suche sind nach Orientierung, Halt und Hoffnung.

Ein solcher Mensch ist der heilige Ulrich, dessen Fest wir heute feiern. Seit mehr als tausend Jahren schauen die Menschen unserer Heimat auf ihn als Vorbild im Glauben und als Fürsprecher bei Gott. Sein Name ist mit unserer Diözese Augsburg untrennbar verbunden. Und doch bleibt die entscheidende Frage: Was macht ihn so bedeutend? Was hat sein Leben, das so lange zurückliegt, uns heute noch zu sagen?

Der heilige Ulrich war ein Mensch des Glaubens – und zwar im tiefsten Sinn. Sein Leben war geprägt vom Vertrauen auf Gott. Er wusste: Der Mensch trägt sich nicht selbst. Er lebt aus Gottes Kraft, aus Gottes Segen, aus Gottes Führung.

Darum war das Gebet für ihn nicht eine Pflicht unter vielen, sondern die Mitte seines Lebens. Die Stille vor Gott, das Hören auf sein Wort, das bewusste Leben aus dem Glauben – all das gab ihm inneren Halt und Klarheit für seine Entscheidungen.

Die heutige Lesung aus dem Buch Jesus Sirach zeichnet uns das Bild des Hohenpriesters Simon. Er stärkte sein Volk, er sorgte für den Tempel, und am Ende seines Dienstes erhob er seine Hände und segnete das Volk Gottes.

Dieses Bild passt auch zum heiligen Ulrich. Auch er war ein Hirte der Kirche, ein Bischof, der sein Volk im Glauben stärken wollte. Nicht seine eigene Person stand im Mittelpunkt, sondern Gott. Nicht seine eigene Größe war entscheidend, sondern das Wohl der Menschen, die ihm anvertraut waren.

Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns heute. Wir leben in einer Zeit, die oft laut und schnell ist. Viele Stimmen prallen auf uns ein. Viele Erwartungen fordern uns heraus. Und nicht selten entsteht dabei Unsicherheit oder innere Unruhe.

Der heilige Ulrich erinnert uns daran: Ein Mensch findet seinen Halt nicht zuerst in sich selbst, sondern in Gott. Wer in ihm verwurzelt ist, der kann auch in bewegten Zeiten bestehen.

Ulrich hat diesen Glauben aber nicht nur für sich selbst gelebt. Er hat ihn weitergegeben. Als Bischof hat er sich um die Menschen seiner Diözese gekümmert. Er hat Gemeinden besucht, Priester gestärkt und sich besonders den Armen und Bedürftigen zugewandt.

Er wusste: Glaube lebt davon, dass er geteilt wird. Glaube wird glaubwürdig, wenn er sichtbar wird im Handeln.

Darum hören wir im Hebräerbrief die Worte: „Betrachtet den Ertrag ihres Lebenswandels und ahmt ihren Glauben nach.“ Genau das dürfen wir beim heiligen Ulrich tun: auf sein Leben schauen und uns von seinem Vertrauen auf Gott inspirieren lassen.

Im Evangelium haben wir die Worte Jesu gehört: „Bleibt in meiner Liebe!“ und: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“

Das ist der innerste Kern des christlichen Glaubens. Und genau darin liegt auch das Geheimnis des heiligen Ulrich. Er ist in der Liebe Christi geblieben – und er hat aus dieser Liebe gelebt.

Diese Liebe zeigte sich in seiner Sorge um die Menschen, in seiner Treue zur Kirche und in seinem Einsatz für die Schwachen. Sie war keine Theorie, sondern gelebte Wirklichkeit.

Jesus nennt seine Jünger nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Auch Ulrich hat aus dieser Freundschaft mit Christus gelebt. Diese Beziehung war seine Kraftquelle – und sie hat sein ganzes Wirken geprägt.

Darum ist es auch kein Zufall, dass wir dieses Fest als Patrozinium feiern. Es geht nicht nur um Erinnerung, sondern um lebendige Gegenwart des Glaubens. Wir stehen in einer langen Geschichte von Menschen, die geglaubt haben – und dieser Glaube trägt auch uns heute.

Ulrich war zudem ein Mensch, der mitten im Leben stand. Sein Glaube war nicht fern vom Alltag, sondern tief in ihm verwurzelt. Deshalb verbindet dieses Fest Himmel und Erde, Glaube und Leben, Kirche und Alltag.

Und wenn wir heute seinen Namen feiern, dann tun wir das nicht nur rückblickend, sondern auch als Einladung: den Glauben neu ins eigene Leben hinein zu lassen.

Denn auch Ulrich war bereit, seinen Glauben zu verteidigen. In schwierigen Zeiten blieb er standhaft. Er vertraute nicht auf Macht oder Einfluss, sondern auf Gott. Darin zeigt sich seine innere Stärke – und seine geistliche Tiefe.

Liebe Schwestern und Brüder, dieses Fest ist deshalb auch ein Ruf an uns:  Der Glaube ist kein Besitz, den man einfach verwaltet. Er ist ein lebendiges Geschenk, das weitergegeben werden will.

Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Menschen, die glaubwürdig vom Glauben sprechen – nicht nur mit Worten, sondern mit ihrem Leben. Denn Glaube wächst dort, wo er gesehen und erlebt wird.

Der heilige Ulrich zeigt uns: Der Glaube ist keine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er ist eine lebendige Kraft, die Menschen verwandelt, Gemeinschaft stärkt und Heimat prägt.

Der Ulrichsritt ist mehr als ein schönes Brauchtum oder eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er zeigt uns ganz konkret: Der Glaube gehört mitten ins Leben. Ein Ulrichsritt ohne Glauben wäre nur noch ein historisches Schauspiel. Eine Segnung ohne Vertrauen auf Gott wäre nur noch eine schöne Zeremonie. Erst der lebendige Glaube gibt diesen Zeichen ihren eigentlichen Sinn.

Darum bitten wir ihn heute: dass er für uns eintritt, damit auch wir Menschen des Glaubens werden – Menschen des Gebets, des Vertrauens und der Liebe. Und dass wir bereit sind, diesen Glauben zu leben – heute, hier und in unserem Alltag.

Der heilige Ulrich begleite uns auf diesem Weg und führe uns tiefer in die Freundschaft mit Christus. Amen.

Alle Predigttexte (in extra großer Schrift):

Liebe Schwestern und Brüder.

Heute feiern wir Kirchweih. Wir erinnern uns an die Menschen, die dieses Gotteshaus gebaut und mit Leben erfüllt haben. Wie viele Menschen haben hier gebetet, gesungen, getauft, geheiratet und Abschied genommen! Wie viele haben hier Freude und Dankbarkeit erlebt, aber auch Sorgen und Trauer vor Gott gebracht.

Die Lesung aus der Offenbarung des Johannes schenkt uns dazu ein wunderbares Bild von der Kirche. Johannes sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde. Er sieht die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen. Und er hört die Verheißung: „Siehe, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen.“

Ja, Gott will nicht fern von uns bleiben. Er will mitten unter uns wohnen. Genau das feiern wir an Kirchweih.
Für das Volk Israel war Jerusalem die Heilige Stadt. Dort stand der Tempel, der Ort der besonderen Gegenwart Gottes. Jerusalem war der Ort, zu dem die Menschen pilgerten, um Gott zu begegnen, zu beten und ihre Hoffnung vor ihn zu bringen. 

Doch mit Jesus Christus hat sich etwas Entscheidendes verändert. Jesus selbst ist der Ort der Begegnung zwischen Gott und den Menschen. In ihm ist Gott uns nahegekommen. Durch seine Auferstehung hat er den Tod überwunden und eine neue Zukunft eröffnet.

Und seine Gegenwart bleibt lebendig in der Gemeinschaft der Glaubenden, in seiner Kirche, in seinem Wort und in den Sakramenten.

Der Apostel Paulus schreibt im Ersten Korintherbrief: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Korinther 3,16)

Unsere Kirche ist mehr als ein Gebäude aus Stein. Sie ist ein Ort, an dem Menschen Gott begegnen, miteinander beten, sein Wort hören und die Eucharistie feiern. Doch die lebendige Kirche besteht nicht nur aus Mauern und Dächern. Sie besteht aus Menschen, die miteinander glauben, hoffen und lieben.

Kirchweih erinnert uns daran: Wir feiern nicht nur ein Gotteshaus. Wir feiern auch die Gemeinschaft, zu der Christus uns zusammenruft.
In der Vision des Johannes hören wir die tröstlichen Worte: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.“ Diese Worte schenken uns Hoffnung. Ja. Gott kennt unsere Sorgen, unsere Trauer und unsere Ängste. Er lässt uns in unserem Leid nicht allein.
Liebe Mitchristen! Wie viele Menschen kommen in unsere Kirche, um Trost zu finden! Manche suchen in der Stille Ruhe, andere sprechen ein persönliches Gebet oder bringen ihre Sorgen vor Gott. Hier teilen wir die Freude des Lebens, aber auch die Trauer, wenn wir in Abschiedsgottesdiensten einen geliebten Menschen Gott anvertrauen.

Dieser heilige Ort lädt uns ein, still zu werden, zur Ruhe zu kommen, zu beten und die Nähe Gottes zu suchen. Hier dürfen wir unsere Sorgen vor ihn bringen, Trost erfahren und neue Kraft schöpfen. Hier wartet der Herr auf uns, um uns zu trösten, uns zu stärken und uns neue Hoffnung zu schenken.

Wenn uns etwas bedrückt, wenn wir Sorgen im Herzen tragen oder einfach eine Zeit der Stille und des Innehaltens brauchen, müssen wir nicht bis zur nächsten heiligen Messe warten. Wir dürfen jederzeit, auch mitten in der Woche und mitten im Alltag, in unsere Kirche kommen.
Die Tür unserer Kirche steht offen – als Einladung, zu Gott zu kommen, bei ihm Ruhe zu finden und gestärkt wieder in unseren Alltag zurückzukehren.

Unsere Kirche ist nicht nur ein Ort der Klage und der Bitten, sondern auch ein Ort der Freude und des Dankes. Hier feiern wir die Taufe, die Erstkommunion und die Firmung, hier schließen Paare den Bund der Ehe. Gemeinsam hören wir Gottes Wort und feiern die Auferstehung Jesu Christi.

Unsere Kirche ist ein Ort der Gemeinschaft, an dem Menschen willkommen sind und spüren dürfen: Ich bin nicht allein – Gott ist bei mir, und ich gehöre dazu. Hier begegnen wir Gott und einander, teilen Freude und Hoffnung, aber auch Sorgen und Fragen. In der Gemeinschaft mit anderen Gläubigen erfahren wir Halt, gegenseitige Unterstützung und die Stärkung unseres Glaubens. Hier dürfen wir so kommen, wie wir sind, und darauf vertrauen, dass Gott uns annimmt und begleitet. Wir dürfen einander stärken, füreinander da sein und gemeinsam im Glauben wachsen. So wird unsere Kirche zu einem Ort, an dem Gottes Liebe spürbar wird, Gemeinschaft lebendig ist und die Freude am Glauben wächst.

Johannes hört Gott selbst sprechen: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

Unsere Kirche ist auch ein Ort des neuen Anfangs. Denn unser Leben ist nicht immer leicht. Wir erleben Sorgen und Unsicherheiten, müssen mit Trauer und Verlust umgehen und erkennen manchmal, dass wir Fehler gemacht oder andere Menschen verletzt haben. Manches belastet uns länger, als uns lieb ist, und manchmal fällt es uns schwer, uns selbst oder anderen zu vergeben. Gerade dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns nicht allein lässt, sondern uns hilft, neue Wege zu finden und wieder nach vorne zu schauen.

Doch bei Gott müssen wir mit unseren Fehlern und unserer Schuld nicht stehen bleiben. Wenn wir zu ihm kommen, dürfen wir auf seine Barmherzigkeit vertrauen. Er tröstet uns, er vergibt uns und schenkt uns neue Kraft. Im Sakrament der Versöhnung, in der Beichte, dürfen wir unsere Schuld vor Gott bringen und seine Vergebung empfangen. Wir dürfen darauf vertrauen: Gott schreibt uns nicht ab. Er eröffnet uns einen neuen Anfang.

Auch in der Feier der Eucharistie schenkt Gott uns, was wir für unseren Weg brauchen: In seinem Wort spricht er uns Mut zu und schenkt uns Hoffnung. Im heiligen Brot, im Leib Christi, stärkt er uns für unseren Alltag und für die Herausforderungen, die vor uns liegen. So wird unsere Kirche zu einem Ort, an dem wir aufatmen und neue Hoffnung finden können.

Liebe Schwestern und Brüder, 

an unserem Kirchweihfest danken wir Gott für unsere Kirche, diesen heiligen Ort der Begegnung mit ihm und miteinander. Doch Kirche lebt nicht allein von ihren Mauern, sondern vor allem durch uns, die wir als „lebendige Steine“ Gottes Kirche mitgestalten.

Jesus sagte zu Petrus: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen. Das gilt auch uns: Jesus baut seine Kirche auf uns.

Machen wir unsere Kirche zu einem Ort des Gebets, der Freude und der Gemeinschaft, an dem Menschen Trost finden, Hoffnung schöpfen und spüren: Ich bin nicht allein. Teilen wir unseren Glauben, stärken wir einander und halten wir unsere Herzen offen für alle.

So bauen wir gemeinsam an einer lebendigen Kirche, getragen von Gottes Verheißung: „Siehe, ich mache alles neu!“ 

Amen

Liebe Schwestern und Brüder!

Stellen wir uns einmal vor: Wir bekommen eine Einladung zu einer Hochzeit. Eine schöne Einladungskarte liegt im Briefkasten. Wir lesen den Namen des Brautpaares, schauen auf das Datum und freuen uns vielleicht schon auf diesen besonderen Tag.

Eine Hochzeit ist schließlich etwas Schönes. Menschen kommen zusammen. Man isst und trinkt miteinander, erzählt, lacht, erinnert sich und feiert gemeinsam. Ein Fest ist eine Zeit der Freude und der Begegnung.

Aber was geschieht, wenn wir eingeladen sind und einfach nicht hingehen? Vielleicht sagen wir: „Ich habe keine Zeit.“ Oder: „An diesem Wochenende passt es mir nicht.“ Oder: „Ich habe gerade so viel anderes zu tun.“ Vielleicht legen wir die Einladung beiseite – und irgendwann gerät sie sogar in Vergessenheit.

Genau davon erzählt uns Jesus heute im Evangelium. Ein König lädt zur Hochzeit seines Sohnes ein. Alles ist vorbereitet. Das Fest kann beginnen. Das Essen steht bereit. Die Gäste könnten kommen. Aber sie kommen nicht.

Und das Erstaunliche ist: Der König gibt nicht sofort auf. Er schickt seine Diener noch einmal und lässt ihnen ausrichten: „Kommt! Alles ist bereit!“

Doch wieder finden die Eingeladenen Gründe, warum sie nicht kommen können. Der eine muss auf seinen Acker, der andere in seinen Laden. Jeder hat etwas anderes zu tun.

Und dann sagt Jesus einen Satz, der uns besonders nachdenklich machen kann: „Sie aber kümmerten sich nicht darum.“

Sie haben Gott nicht bewusst ablehnen. Sie haben einfach anderes zu tun. Ihr Alltag ist ihnen wichtiger geworden. Darin liegt genau eine Gefahr, die auch uns betrifft:

Wir leben unseren Alltag. Wir haben unsere Arbeit, unsere Familie, unsere Termine, unsere Sorgen und unsere Pläne. Es gibt so vieles zu erledigen und so vieles, um das wir uns kümmern müssen. Und Gott?

Gott kann dabei ganz leicht an den Rand unseres Lebens geraten. Nicht unbedingt, weil wir ihn bewusst ablehnen. Aber weil anderes gerade wichtiger erscheint. „Heute geht es nicht, ich habe noch etwas anderes vor.“ „Ich bin zu müde.“ „Ich habe so viel zu tun.“ „Nächste Woche vielleicht.“ Und irgendwann merken wir: Aus „nächste Woche“ ist ein Monat geworden. Aus einem Monat vielleicht ein Jahr.

Dabei sagen uns die heutigen Lesungen etwas ganz anderes: Gott möchte uns nichts wegnehmen. Er möchte uns etwas schenken. Der Prophet Jesaja erzählt von einem großen Festmahl. Gott selbst bereitet den Tisch. Und dann heißt es: Gott wird die Tränen von allen Gesichtern abwischen.

Genau das brauche wir.“ Vielleicht gibt es Sorgen, über die wir nicht sprechen. Eine Krankheit. Einen Menschen, um den wir uns sorgen. Einen Verlust, der noch schmerzt. Eine Beziehung, die schwierig geworden ist. Oder einfach eine Müdigkeit, die sich manchmal auf die Seele legt.

Und Gott sagt uns: Ich sehe dich. Ich kenne deine Tränen. Und ich lade dich ein.

Gott hört nicht auf, an unsere Tür zu klopfen. Er kann durch einen Menschen zu uns sprechen, durch ein Wort der Heiligen Schrift, durch einen Gottesdienst, durch einen stillen Moment oder durch eine Begegnung, die uns tief berührt.

Ganz besonders erfahren wir diese Einladung Gottes in der Eucharistie. Wenn wir hier miteinander Gottesdienst feiern, sind wir nicht einfach für eine Stunde in der Kirche zusammengekommen. Wir sind Gäste am Tisch des Herrn. In der Heiligen Messe dürfen wir erfahren, dass Christus selbst uns an seinen Tisch ruft. Das ist nicht einfach eine religiöse Pflicht. Es ist ein Geschenk. Wir kommen mit unserem ganzen Leben: mit unserer Freude, aber auch mit unseren Sorgen; mit unserem Glauben, aber auch mit unseren Fragen; mit unserer Dankbarkeit, aber auch mit unserer Schuld.

Und Christus sagt zu uns: „Komm. Du bist willkommen.“ In der Eucharistie schenkt Christus sich uns selbst. Er sagt uns immer wieder: „Du bist nicht vergessen. Ich bin bei dir.“  Es ist eine Einladung zur Begegnung mit Christus. Eine Einladung, die wir uns nicht verdienen müssen. Wir dürfen einfach kommen.

Im Evangelium kommt dann noch ein zweiter, überraschender Teil. Der König lädt schließlich alle ein. Arme und Reiche, Angesehene und Unbekannte. Der Festsaal soll voll werden.

Das ist ein wunderschönes Bild für die Kirche. Gott lädt uns alle ein. Nicht erst dann, wenn unser Leben vollkommen ist. Nicht erst dann, wenn wir alles im Griff haben. Nicht erst dann, wenn wir alle Fehler überwunden haben. Er lädt uns jetzt ein. Mitten in unserem Leben. Mitten in unseren Sorgen. Mitten in unserem Alltag.

Doch dann erzählt Jesus von einem Mann, der ohne Hochzeitsgewand zum Fest kommt. Und wir fragen uns vielleicht: Warum ist dieses Hochzeitsgewand plötzlich so wichtig?

Das Hochzeitsgewand ist ein Bild für unser Leben. Gottes Einladung ist kostenlos, aber sie bleibt nicht folgenlos. Gott nimmt uns an, wie wir sind. Aber seine Liebe möchte uns verändern. Sie möchte, dass wir vergeben können, geduldiger werden, barmherziger mit anderen umgehen und immer wieder neu nach dem Guten suchen.

Das ist das Hochzeitsgewand: ein Herz, das sich von Gottes Liebe berühren und verändern lässt. Ein Herz, das Reue kennt und bereit ist, einen neuen Weg zu beginnen.

Und genau hier bekommt auch das Sakrament der Versöhnung seine besondere Bedeutung. Wenn wir merken, dass wir uns von Gott entfernt haben oder einen Menschen verletzt haben, dürfen wir zu Gott zurückkehren. Gott vergibt und schenkt uns einen neuen Anfang.

Gott lädt uns ein zu seinem Fest – hier auf Erden, wenn wir miteinander Eucharistie feiern, wenn wir seine Liebe erfahren und diese Liebe an andere weitergeben. Und diese Einladung reicht noch weiter: Sie weist voraus auf das große Fest im Himmel, auf die ewige Gemeinschaft mit Gott, wo alle Tränen getrocknet werden und unsere Sehnsucht ihre Erfüllung findet.

Bereiten wir uns auf dieses Fest vor. Nicht mit einem kostbaren Gewand aus Stoff, sondern mit dem Festgewand eines liebenden Herzens: mit unserem Glauben, mit unserer Bereitschaft zur Versöhnung, mit unserer Barmherzigkeit und unserer Liebe zueinander.

Nehmen wir Gottes Einladung an. Denn Gott wartet auf uns. Der Tisch ist bereitet. Die Einladung gilt. Kommen wir zu ihm – heute und alle Tage unseres Lebens, bis wir einmal für immer bei ihm sein dürfen.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute haben wir allen Grund, dankbar und betend vor Gott zu stehen. Wir feiern Erntedank und zugleich erinnern wir an den heiligen Franz von Assisi, dessen 800. Todestag wir begehen. Damit geht auch das von Papst Leo ausgerufene Franziskusjahr zu Ende.

Erntedank und der heilige Franziskus passen wunderbar zusammen. Denn Franziskus war ein Mensch, der mit offenen Augen und einem dankbaren Herzen durch die Welt ging. Er sah in der Natur nicht einfach nur Bäume, Blumen, Tiere und Landschaften. Er entdeckte darin die Spuren Gottes. Für ihn war die ganze Schöpfung ein großes Lob Gottes.

Aus dieser tiefen Verbundenheit mit Gott und seiner Schöpfung entstand der berühmte Sonnengesang. Ein Gebet, das bis heute Menschen berührt:

„Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Sonne, durch Schwester Mond und die Sterne am Himmel.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteres und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du die Nacht erleuchtest.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“

Auffällig ist: Franziskus sagt nicht einfach: Ich danke Gott für die Sonne, für das Wasser und für die Erde. Er lässt die ganze Schöpfung selbst zum Lobpreis werden. Sonne, Mond, Wind, Wasser, Feuer und Erde – sie alle sind für ihn wie Geschwister, die gemeinsam Gott loben.

Was für ein wunderbarer Gedanke! Die Schöpfung ist nicht bloß etwas, das uns Menschen zur Verfügung steht. Sie hat ihren eigenen Wert. Sie ist Gottes Werk und lädt uns ein, in ihren Lobgesang einzustimmen.

Genau das feiern wir heute an Erntedank. Wir schauen auf die Früchte der Erde, auf das Getreide, das Obst, das Gemüse und auf alles, was durch die Arbeit vieler Menschen gewachsen ist. Wir wissen, dass eine gute Ernte nicht selbstverständlich ist. Die große Hitze und die Trockenheit dieses Jahres haben uns wieder vor Augen geführt, wie verletzlich die Natur und wie abhängig wir Menschen von ihr sind.

Erntedank bedeutet deshalb mehr als nur einen schönen Erntealtar und volle Körbe. Erntedank heißt: innehalten, staunen und erkennen, dass wir vieles nicht selbst in der Hand haben. Wir können säen, pflanzen, pflegen und ernten. Aber das Leben selbst können wir nicht machen. Es bleibt ein Geschenk Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder, in der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja hören wir vom Weinberg. Ein Freund legt einen Weinberg an. Er bereitet den Boden, entfernt die Steine, pflanzt edle Reben, baut einen Turm und richtet eine Kelter ein. Er tut alles, damit der Weinberg gute Früchte hervorbringen kann.

Doch dann kommt die Enttäuschung: Der Weinberg bringt nicht die erwarteten Früchte.

Und Gott stellt die Frage: „Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn getan habe?“

Diese Frage geht tief. Denn der Weinberg ist nicht nur ein Bild für das Volk Israel. Er ist auch ein Bild für unser Leben und für die Welt, in der wir leben.

Gott hat uns eine wunderbare Erde anvertraut. Eine Erde, die uns ernährt. Eine Sonne, die uns Licht schenkt. Wasser, ohne das kein Leben möglich wäre. Luft zum Atmen, Pflanzen und Tiere, Menschen, die mit uns unterwegs sind.

Wir stehen mitten in diesem Weinberg. Doch die entscheidende Frage lautet: Was machen wir mit dem Weinberg, der uns anvertraut ist?

Jesus greift im Evangelium das Bild vom Weinberg wieder auf. Die Pächter wollen den Weinberg besitzen. Sie vergessen, wem er gehört. Sie behandeln ihn, als wäre er ihr Eigentum, und nicht ein Geschenk, das ihnen anvertraut wurde.

Ist das nicht auch eine Gefahr für uns heute? Wir leben auf dieser Erde, als würde sie nur uns gehören. Wir nehmen, was wir brauchen, und manchmal auch mehr, als wir brauchen. Dabei vergessen wir leicht, dass wir nicht die Eigentümer der Schöpfung sind, sondern ihre Hüter.

Der heilige Franziskus zeigt uns einen anderen Weg. Er begegnet der Natur nicht mit dem Gedanken: Was kann ich aus ihr herausholen? Sondern mit einer Haltung des Staunens, der Ehrfurcht und der Dankbarkeit.

Für Franziskus ist die Erde nicht einfach ein Gegenstand, den man ausnutzt. Sie ist Schwester und Mutter. Die Tiere sind seine Geschwister. Die ganze Schöpfung verbindet ihn mit Gott.

Vielleicht ist das eine wichtige Botschaft dieses Franziskusjahres: Wir müssen die Schöpfung nicht beherrschen, sondern lernen, mit ihr in Frieden zu leben. Wir dürfen uns an ihren Gaben freuen, aber wir tragen auch Verantwortung für sie.

Liebe Schwestern und Brüder, Wenn wir heute Erntedank feiern und das Franziskusjahr abschließen, dann dürfen wir uns fragen: Was bleibt von diesem Fest? Was nehmen wir mit in unseren Alltag?

Vielleicht ist es eine kleine Veränderung unserer Haltung: dankbarer zu leben, bewusster mit den Gaben der Erde umzugehen, achtsamer mit unseren Mitmenschen zu sein und uns immer wieder Zeit zu nehmen, Gottes Spuren in unserem Leben zu entdecken.

Vielleicht können wir auch lernen, wieder öfter das einfache Gebet des heiligen Franziskus zu sprechen: „Laudato si – Gelobt seist du, mein Herr!“

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder.

Heute ist ein besonderer Sonntag. Wir feiern unser Patrozinium – den heiligen Erzengel Michael, unseren Kirchenpatron. Und zugleich feiern wir Erntedank. Auf den ersten Blick sind das vielleicht zwei ganz unterschiedliche Themen: Hier der Erzengel Michael mit seinem Schwert und seinem Kampf gegen das Böse, dort die Ernte, die Früchte unserer Felder und die Gaben der Schöpfung, für die wir Gott danken. Aber wenn wir genauer hinschauen, dann gehören diese beiden Feste sehr schön zusammen. Denn beide erinnern uns an etwas ganz Grundlegendes: Das Gute in unserem Leben ist ein Geschenk, aber es braucht auch unseren Einsatz.

Wenn wir an den heiligen Michael denken, haben viele von uns sofort ein Bild vor Augen: Michael mit Flügeln, mit dem Schwert in der Hand, den Fuß auf dem Drachen gesetzt. Im Buch der Offenbarung wird Michael als derjenige beschrieben, der gegen den Drachen kämpft.

Der Drache steht dort für die Macht des Bösen. Vielleicht denken wir zunächst: Das ist eine Geschichte aus einer anderen Welt, eine Geschichte von Engeln und Dämonen, von Himmel und Hölle. Was hat das mit unserem Leben hier in Prem zu tun?

Ich glaube: sehr viel. Denn wir wissen alle, dass es im Leben Dinge gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Es gibt das Gute – und es gibt das, was dieses Gute bedroht. Es gibt Frieden – und es gibt Streit. Es gibt Versöhnung – und es gibt Verletzungen. Es gibt Mitmenschlichkeit – und es gibt Gleichgültigkeit.

Und vielleicht kennen wir auch die kleinen „Drachen“ unseres Alltags. Manchmal heißen sie Ärger, Neid oder Stolz. Manchmal sind es Worte, die wir gesagt haben und später bereuen. Manchmal sind es Vorurteile, die sich in unseren Gedanken festsetzen. Und manchmal ist der größte Kampf nicht der gegen einen anderen Menschen, sondern gegen etwas in uns selbst.

Im heutigen Evangelium hören wir von den 72 Jüngern, die Jesus aussendet. Sie sollen zu den Menschen gehen, ihnen Frieden bringen, Kranke heilen und das Reich Gottes verkünden. Als sie zurückkommen, sind sie begeistert und erzählen Jesus von allem, was sie erlebt haben. Und Jesus sagt den bemerkenswerten Satz: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.“

Was für ein Bild! Jesus sagt damit: Das Böse hat nicht das letzte Wort. Gott hat das letzte Wort. Das ist eine der großen Hoffnungen unseres Glaubens.

Wenn wir heute den heiligen Michael anschauen, sehen wir ihn mit dem Schwert in der Hand.

Aber was bedeutet das für uns? Vielleicht nicht, dass wir alle ein Schwert in die Hand nehmen müssen. Vielleicht bedeutet es etwas viel Einfacheres – und zugleich viel Schwierigeres: Wir sollen den Mut haben, für das Gute einzustehen. Manchmal braucht es Mut, Frieden zu stiften, wenn andere lieber streiten. Manchmal braucht es Mut, den ersten Schritt auf einen anderen Menschen zuzugehen. Manchmal braucht es Mut, zu vergeben. Manchmal braucht es Mut, zu sagen: „So möchte ich nicht über einen anderen Menschen reden.“ Und manchmal braucht es Mut, einen Menschen nicht aufzugeben.

Michael steht mit seinem Fuß auf dem Drachen. Vielleicht ist das auch ein Bild für unser eigenes Leben. Wir müssen nicht jeden Kampf gewinnen. Aber wir dürfen uns immer wieder entscheiden, welchem Geist wir Raum geben: dem Geist der Angst oder dem Geist des Vertrauens, dem Geist des Neides oder dem Geist der Dankbarkeit, dem Geist der Gleichgültigkeit oder dem Geist der Barmherzigkeit, dem Geist des Streits oder dem Geist des Friedens.

Und damit kommen wir zu unserem zweiten Thema an diesem Sonntag: Erntedank. Heute schauen wir auf die Früchte der Erde und auf das, was gewachsen ist. Wir sagen: Danke, Gott, für die Schöpfung, für die Erde, für Regen und Sonne und für die Menschen, die säen, pflegen und ernten. Vieles in unserem Leben ist selbstverständlich geworden. Das Brot liegt im Geschäft, das Wasser kommt aus dem Wasserhahn, und vieles ist jederzeit verfügbar. Erntedank erinnert uns daran, wieder genauer hinzuschauen und dankbar zu sein. Denn wir können vieles planen und arbeiten, aber das Leben selbst bleibt ein Geschenk.

Und wer dankbar ist, übernimmt auch Verantwortung. Wenn Gott uns die Schöpfung anvertraut, dann dürfen wir sorgsam mit ihr umgehen. Wenn Gott uns Menschen anvertraut, dann dürfen wir sie nicht einfach fallen lassen. Erntedank heißt deshalb nicht nur: „Danke, Gott, für das, was wir haben“, sondern auch: „Gott, zeige uns, was wir daraus machen können.“

Damit treffen sich heute Michael und Erntedank. Michael erinnert uns: Kämpfe für das Gute. Erntedank erinnert uns: Sei dankbar für das Gute, das dir geschenkt ist. Wir empfangen Gottes Güte und dürfen selbst zu Menschen werden, durch die Gottes Güte weitergeht.

Das führt uns noch einmal zu den Engeln. Engel sind in unserem Glauben Boten Gottes. Und vielleicht begegnen uns Engel viel häufiger, als wir denken. Nicht immer mit Flügeln. Manchmal haben Engel ganz normale Kleidung an. Sie sitzen neben einem Kranken, besuchen einen Menschen, der allein ist, helfen einem älteren Menschen, kümmern sich um ihre Familie oder engagieren sich in der Pfarrgemeinde. Sie arbeiten im Hintergrund, ohne dass jemand groß darüber spricht. Sie sind einfach da, wenn ein anderer Mensch sie braucht.

Vielleicht kennen wir alle solche Menschen, von denen wir irgendwann sagen: „Gut, dass du da warst.“ Vielleicht war dieser Mensch in diesem Augenblick für uns ein Engel. Und vielleicht dürfen wir uns heute selbst fragen: Für wen könnte ich ein Engel sein? Für wen könnte ich ein gutes Wort haben? Wem könnte ich Mut machen? Wem könnte ich zeigen: Du bist nicht allein? Wem könnte ich vergeben? Wem könnte ich eine Last abnehmen?

So dürfen wir heute unseren heiligen Erzengel Michael bitten: Heiliger Michael, gib uns den Mut, für das Gute einzustehen. Wenn wir müde werden, gib uns Kraft. Wenn wir uns ärgern, schenke uns Besonnenheit. Wenn wir verletzt sind, hilf uns zu vergeben. Wenn wir Angst haben, schenke uns Vertrauen. Wenn wir unsicher sind, zeige uns den nächsten Schritt. Wenn wir nur noch die Dunkelheit sehen, erinnere uns daran, dass Gott stärker ist als die Dunkelheit. 

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

„Was meint ihr?“ – mit diesen Worten beginnt Jesus das Gleichnis von den beiden Söhnen.

Ein Vater bittet seine beiden Söhne: „Geh heute und arbeite im Weinberg!“ Der erste antwortet: „Ja, Herr!“ Doch er geht nicht. Der zweite sagt zunächst: „Ich will nicht.“ Aber später tut es ihm leid. Er denkt noch einmal darüber nach und geht schließlich doch. Zwei Söhne. Zwei Antworten.

Jesus erzählt dieses Gleichnis in einer Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie kennen die Heilige Schrift und die Gebote. Sie wissen, was Gott von den Menschen erwartet. Doch Jesus sagt nicht einfach: „Ihr seid schlecht.“ Er fragt: „Was meint ihr?“ Denkt nach. Schaut auf euren Leben. Passt euer Reden zu eurem Handeln?

Damit hält Jesus auch uns einen Spiegel vor. Denn vielleicht kennen wir beide Söhne aus unserem eigenen Leben. Manchmal sind wir wie der erste Sohn. Wir sagen schnell „Ja“. „Ja, natürlich, Gott ist mir wichtig.“ „Ja, ich will meinen Glauben leben.“ „Ja, ich will für andere da sein.“ Wir sagen „Ja“ – und trotzdem bleibt es manchmal nur bei unseren Worten.

Denken wir einmal an unseren Glaubensweg. Er beginnt mit einem großen Ja. Bei unserer Taufe haben unsere Eltern und Paten stellvertretend für uns Ja zu Gott und zum Glauben gesagt. Später haben viele von uns dieses Ja selbst ausgesprochen – bei der Erstkommunion, bei der Firmung oder in anderen wichtigen Momenten.

Ehepaare sagen zueinander: „Ja, ich will mit dir durchs Leben gehen.“ Als Eltern sagen wir Ja zu unseren Kindern und übernehmen die Verantwortung, sie christlich zu erziehen. Und als Christen sagen wir immer wieder Ja zu Gott und zu unserem Nächsten.

Aber die entscheidende Frage lautet: Ist unser Ja auch im Alltag ein Ja?

Gott braucht kein bloßes Lippenbekenntnis. Unser Glaube soll nicht nur gesprochen, sondern gelebt werden. Und deshalb ist der zweite Sohn besonders interessant. Er sagt zunächst: „Nein.“ Vielleicht hat er keine Lust. Vielleicht ist er müde oder hat andere Pläne. Doch später bereut er es. Er denkt noch einmal nach – und geht.

Vielleicht haben wir in unserem Leben auch schon einmal Nein gesagt. Nein zu einem Menschen. Nein zu einer Aufgabe. Nein zu Gott. Vielleicht haben wir jemanden enttäuscht. Vielleicht haben wir eine Chance nicht ergriffen. Vielleicht haben wir etwas versäumt, was uns heute noch beschäftigt. Aber Jesus sagt uns mit diesem Gleichnis: Ein Nein muss nicht das letzte Wort bleiben. Der zweite Sohn kehrt um. Er denkt nach. Er erkennt: So kann es nicht bleiben. Und dann geht er in den Weinberg.

Es ist eine innere Veränderung. Er macht den Willen des Vaters schließlich zu seinem eigenen Willen. Und genau das nennt die Bibel Umkehr. Umkehr bedeutet nicht, dass wir plötzlich vollkommen werden. Umkehr bedeutet, dass wir bereit sind, ehrlich auf unser Leben zu schauen und einen neuen Schritt zu wagen. Vielleicht ist das manchmal der schwierigste Schritt überhaupt. Denn sich selbst ehrlich anzuschauen, kann wehtun.

Die Frage Jesu „Was meint ihr?“ auch heute an uns gerichtet. Er fragt nicht: Was sagen die anderen? Nicht: Was machen die anderen? Sondern: Was ist mit mir? Wo steht mein Leben? Wo steht mein Glaube? Wo steht mein Ja?

Ähnlich wie der zweite Sohn im Gleichnis dürfen auch wir innehalten und uns fragen: Wo brauche ich Umkehr? Wo stehe ich mit meinem „Ja“ zu Gott? Ist dieses Ja nur ein Wort auf meinen Lippen – oder wird es in meinem Leben sichtbar? Wo habe ich mich von Gott entfernt? Wo bin ich meinen Mitmenschen und den Aufgaben, die Gott mir anvertraut hat, ferngeblieben?

Gott sagt nicht: Du hast einmal Nein gesagt, deshalb bist du für immer abgeschrieben. Nein. Der Vater wartet. Der Weinberg bleibt offen. Die Aufgabe bleibt bestehen. Und wir dürfen immer wieder neu beginnen.

Und Gott sagt auch zu uns: „Geh in meinen Weinberg!“ In den Weinberg gehen“ bedeutet, sich auf die Sache Gottes einzulassen. Es bedeutet, Gottes Liebe nicht nur zu empfangen, sondern sie weiterzugeben. Es bedeutet, einen Menschen nicht links liegen zu lassen. Es bedeutet, zu vergeben, auch wenn es schwerfällt. Es bedeutet, einem Einsamen Zeit zu schenken. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet, dort zu helfen, wo unsere Hilfe gebraucht wird. Der Weinberg Gottes ist nicht irgendwo weit weg. Der Weinberg Gottes ist mitten in unserem Alltag: in unserer Familie, in unserer Nachbarschaft, am Arbeitsplatz und in unserer Gemeinde. Überall dort, wo Menschen miteinander leben, lachen, leiden und hoffen.

Jesus fragt uns heute: „Was meint ihr?“

Nehmen wir diese Frage mit in unseren Alltag. Fragen wir uns ganz persönlich: Wo ruft Gott mich? Wo wartet mein Ja? Wo kann ich heute einen neuen Schritt wagen? 

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wann ist es eigentlich zu spät, um neu anzufangen?

Zu spät, um etwas im Leben zu verändern? Zu spät, um einen Fehler zu korrigieren? Zu spät, um einen neuen Weg einzuschlagen? Und vielleicht fragen wir uns manchmal auch: Ist es zu spät, um wirklich zu Gott zurückzukehren?

Doch genau hier hinein spricht die erste Lesung heute ganz deutlich: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“  Gott lässt sich finden. Gott ist nahe. Und solange wir leben, dürfen wir uns immer wieder neu auf den Weg zu ihm machen.

Und genau diese Botschaft finden wir auch im heutigen Evangelium.

Jesus erzählt von einem Gutsbesitzer, der Arbeiter für seinen Weinberg sucht. Früh am Morgen geht er hinaus. Dann wieder um die dritte, die sechste und die neunte Stunde. Und sogar in der elften Stunde geht er noch einmal hinaus.

Das ist eigentlich erstaunlich: Kurz vor Ende des Arbeitstages sucht er immer noch Menschen.

Warum? Weil er niemanden aufgibt.

Und darin liegt eine der schönsten Botschaften dieses Evangeliums: Nicht nur wir suchen Gott. Gott sucht uns.

Wir sprechen oft davon, dass wir Gott suchen müssen. Wir sollen beten, glauben und seinen Willen suchen. Das ist richtig. Aber die Bibel zeigt uns heute auch die andere Seite: Während wir Gott suchen, ist Gott längst auf dem Weg zu uns.

Denken wir an den Propheten Elija. Er sucht Gott und wartet auf ihn. Er erwartet ihn im Sturm, im Erdbeben und im Feuer. Doch Gott kommt nicht im Lärm, sondern in einem leisen Säuseln. Elija muss still werden, um Gott wahrzunehmen.

Oder Zachäus: Er möchte Jesus sehen und steigt deshalb auf einen Baum. Aber Jesus bleibt stehen und schaut zu ihm hinauf. Zachäus sucht Jesus – und entdeckt: Jesus hat schon nach ihm gesucht.

Auch Matthäus sitzt an seiner Zollstelle. Jesus kommt vorbei, sieht ihn und sagt: „Folge mir nach!“ Jesus wartet nicht, bis Matthäus vollkommen geworden ist. Er ruft ihn mitten in seinem bisherigen Leben.

Der Mensch sucht Gott – aber Gott ist immer schon auf dem Weg zum Menschen.

Und deshalb passt die erste Lesung so gut zum Evangelium: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt.“

Manche Menschen suchen Gott schon früh in ihrem Leben. Sie wachsen im Glauben auf, beten von Kindheit an und gehen viele Jahre ihren Weg mit Gott.

Andere brauchen länger. Manche finden erst als Erwachsene zum Glauben. Manche kehren nach vielen Jahren wieder zu Gott zurück. Manche entdecken ihn erst in einer schweren Lebenssituation oder sogar im hohen Alter.

Auch die Kirche kennt viele Heilige, deren Weg zu Gott nicht von Anfang an klar war. Denken wir an den heiligen Augustinus, der erst nach vielen Jahren zu Christus gefunden hat. Oder an den heiligen Martin, den heiligen Ignatius und den heiligen Norbert, deren Leben ebenfalls eine entscheidende Wendung zu Gott erfahren hat.

Ihre Lebensgeschichten sagen uns: Es ist niemals zu spät, mit Gott neu anzufangen.

Vielleicht gibt es auch unter uns jemanden, der denkt: „Für mich ist es zu spät. Ich habe mich zu weit von Gott entfernt. Ich habe zu lange nicht an ihn gedacht.“

Aber das heutige Evangelium sagt: Nein. Bei Gott ist es nicht zu spät.

Die Arbeiter, die erst in der elften Stunde kamen, wurden nicht weggeschickt. Auch er wird in den Weinberg gerufen. Auch sie wurden genauso bezahlt wie die Ersten.

Wir Menschen rechnen anders. Wir sagen: „Ich war mein ganzes Leben treu. Ich habe gebetet, gearbeitet und mich bemüht. Warum soll jemand, der erst am Ende kommt, dasselbe bekommen?“

Aber Gott rechnet anders. Deshalb sagt Jesaja: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege.“

Wir schauen oft auf die Vergangenheit. Gott schaut auf das Herz.

Wir rechnen in Stunden. Gott rechnet in Liebe.

Manchmal verstecken wir uns hinter unserer Arbeit, unseren Sorgen und unseren Plänen. Manchmal auch hinter unserer Schuld. Wir denken: „So, wie ich bin, kann Gott mich nicht lieben.“

Doch Gott wartet nicht darauf, dass wir vollkommen werden. Er kommt zu uns, so wie wir sind.

Darum sagt Jesaja: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“

Vielleicht begegnet Gott uns heute in einem Menschen. Vielleicht in einem Wort der Heiligen Schrift. Vielleicht in einem stillen Gebet. Vielleicht in einem Menschen, dem wir vergeben sollen. Vielleicht in einer Situation, in der wir selbst Vergebung brauchen.

Gott kommt oft leise – wie bei Elija. Er kommt uns entgegen – wie bei Zachäus. Er ruft uns – wie Matthäus. Und er geht immer wieder hinaus, um uns zu suchen – wie der Weinbergbesitzer.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage heute nicht: „Habe ich Gott schon gefunden?“

Vielleicht lautet die wichtigere Frage: „Lasse ich mich von Gott finden?“

Vielleicht denken wir manchmal: „Ich bin zu spät.“ Aber der Weinbergbesitzer geht sogar in der elften Stunde noch hinaus.

Und deshalb dürfen wir glauben: Bei Gott gibt es keine zu späte Stunde. Darum nehmen wir heute diese Einladung des Propheten Jesaja mit: „Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.“

Und vielleicht ist das die schönste Antwort, die wir heute geben können:

Herr, hier bin ich. Ich suche dich. Und ich lasse mich von dir finden.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Vergebung – kaum ein anderes Wort berührt so tief unser christliches Leben und unsere menschlichen Beziehungen.

Wo Menschen miteinander leben, lieben und füreinander da sind, erfahren wir Freude, Nähe und Verbundenheit. Aber gerade dort, wo wir einander nahekommen, können wir uns auch verletzen, enttäuschen und schuldig werden. Ein unbedachtes Wort, eine Enttäuschung, ein gebrochenes Versprechen, eine Ungerechtigkeit oder eine Verletzung, die uns noch nach Jahren beschäftigt.

Und irgendwann steht die Frage im Raum: Kann ich vergeben? Will ich vergeben? Und wenn ja – wie oft?

Genau diese Frage stellt Petrus im heutigen Evangelium: „Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?“ Siebenmal – das klingt zunächst nach großer Großzügigkeit. Doch Jesus antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“

Jesus gibt damit keine Rechenaufgabe. Er möchte uns eine andere Haltung zeigen: Vergebung kennt keine Grenze. Um das zu verdeutlichen, erzählt er das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht.

Ein Mann hat eine Schuld, die er niemals zurückzahlen könnte. Sein Herr sieht seine Not, hat Mitleid mit ihm und erlässt ihm die gesamte Schuld. Dieser Mensch erfährt etwas, das er sich selbst niemals hätte schenken können: Er bekommt einen neuen Anfang und eine neue Freiheit.

Doch kaum verlässt er seinen Herrn, begegnet er einem anderen Menschen, der ihm eine viel kleinere Schuld schuldet. Statt die Barmherzigkeit weiterzugeben, die er selbst erfahren hat, begegnet er seinem Mitmenschen mit Härte.

Er hat Vergebung empfangen – aber er kann sie nicht weitergeben.

Und genau hier liegt die Mitte der Botschaft Jesu: Wer selbst Vergebung empfängt, ist eingeladen, Vergebung weiterzuschenken.

Denn wir sind nicht nur Menschen, die verletzt werden. Wir kennen auch die andere Seite. Auch wir haben Menschen enttäuscht. Auch wir haben Worte gesagt, die wir später bereut haben. Auch wir haben vielleicht jemanden ungerecht behandelt oder geschwiegen, obwohl ein gutes Wort notwendig gewesen wäre.

Wir alle leben deshalb von Vergebung. Wir brauchen die Vergebung unserer Mitmenschen. Und vor allem brauchen wir die Barmherzigkeit Gottes.

Die Lesung aus dem Buch Jesus Sirach sagt: „Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft!“

Manchmal tragen wir eine Verletzung jahrelang mit uns. Doch wenn wir an der Verletzung festhalten, geschieht etwas: Das Vergangene beginnt, Macht über unsere Gegenwart zu gewinnen. Der andere hat uns verletzt – aber wenn wir den Groll immer wieder nähren, bleibt die Verletzung in unserem eigenen Herzen lebendig.

Vielleicht können wir uns eine Verletzung wie einen Stachel im Herzen vorstellen. Solange wir immer wieder daran rühren, tut es weh. Wir denken darüber nach, was geschehen ist und was wir hätten sagen oder tun sollen. Vergebung bedeutet nicht, dass der Stachel nie da gewesen wäre. Vergebung zieht den Stachel aus meinem Herzen! „Ich möchte nicht, dass diese Verletzung mein weiteres Leben bestimmt.“

Vergebung bedeutet vielmehr: Ich gebe die Vergeltung aus der Hand. Ich überlasse das Geschehene Gott. Ich lasse den Menschen los – und gewinne dadurch selbst wieder Freiheit. Mein Leben ist größer als das, was mir geschehen ist.
Wir können nicht alles, was in unserem Leben falsch geworden ist, selbst wieder gutmachen. Wir können Vergangenes nicht ungeschehen machen. Aber Gott sieht uns nicht nur mit unserer Schuld. Er sieht uns mit seiner Barmherzigkeit.

Und seine Antwort lautet: „Dir ist vergeben.“

Von hier aus verstehen wir auch die Antwort Jesu an Petrus besser: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“

Jesus verlangt von uns keine übermenschliche Leistung. Er lädt uns ein, aus derselben Barmherzigkeit zu leben, die wir selbst von Gott empfangen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie oft muss ich noch vergeben?“ Sondern: „Wie viel Barmherzigkeit habe ich selbst erfahren?“

Wenn wir nur auf die Schuld des anderen schauen, erscheint sie riesig. Wenn wir aber zugleich auf Gottes Barmherzigkeit schauen, verändert sich unser Blick. Dann erkennen wir: 

Wir beten es jedes Mal im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“

Diese Worte sind anspruchsvoll. Denn wir bitten Gott nicht nur um Vergebung. Wir bitten zugleich darum, selbst barmherzig werden zu können. Gott schenkt uns die Kraft zu einem Schritt, den wir aus eigener Kraft vielleicht noch nicht gehen können.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht gibt es heute einen Menschen, an den wir denken müssen. Jemanden, der uns verletzt hat. Vielleicht ist es ein aktueller Streit. Vielleicht liegt das Geschehene viele Jahre zurück. Vielleicht ist dieser Mensch längst nicht mehr in unserem Leben.

Wir müssen heute nicht so tun, als wäre plötzlich alles gut. Vergebung braucht manchmal Zeit. Aber vielleicht können wir heute einen ersten Schritt wagen und die Sache vor Gott bringen:

„Herr, du kennst meinen Schmerz. Du kennst meine Wut und meine Enttäuschung. Ich kann noch nicht vergeben. Aber ich möchte nicht für immer in diesem Schmerz bleiben. Hilf mir, den Groll loszulassen. Hilf mir, diesen Menschen dir zu überlassen. Und schenke mir die Freiheit meines Herzens.“

Liebe Schwestern und Brüder, Jesus sagt heute: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.“ Es ist keine Forderung, die uns überfordern soll. Es ist eine Einladung, aus Gottes Barmherzigkeit zu leben.

Denn das letzte Wort über unser Leben hat nicht die Verletzung. Nicht der Hass. Nicht die Schuld. Das letzte Wort hat die Barmherzigkeit Gottes.

Amen.

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Liebe Schwestern und Brüder.

Die heutigen Schrifttexte haben ein gemeinsames Hauptthema: die Begegnung mit Gott. In der ersten Lesung begegnet der Prophet Elija Gott. Im Evangelium erleben die Jünger Jesus in seiner göttlichen Macht und erkennen: Jesus ist wirklich der Sohn Gottes.

Beide Texte zeigen uns: Gott begegnet dem Menschen oft anders, als wir es erwarten. Er kommt nicht immer im Lärm, in der Stärke oder in spektakulären Ereignissen. Oft begegnet er uns in der Stille, im Vertrauen und in einem offenen Herzen.

Schauen wir zuerst auf den Propheten Elija.

Elija hatte sich mutig für den wahren Gott eingesetzt und gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priester des Baal gekämpft. Doch danach musste er fliehen. Er war erschöpft, enttäuscht und voller Angst. Er kommt zum Berg Horeb, dem Berg Gottes, und sucht dort eine neue Begegnung mit dem Herrn.

Gott sagt zu ihm: „Geh hinaus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ Dann kommen ein gewaltiger Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer. Doch Gott ist nicht in diesen mächtigen Zeichen. Erst danach kommt ein leises, sanftes Säuseln – und darin erkennt Elija die Gegenwart Gottes.

Diese Erfahrung ist auch für unser Leben wichtig: Gott spricht nicht nur durch große Ereignisse. Oft begegnet er uns in der Stille – im Gebet, in einem ruhigen Moment, in unserem Gewissen oder durch einen Menschen, der uns nahekommt.

Auch das Evangelium führt uns in eine Situation der Stille und des Vertrauens.

Nach der Brotvermehrung, bei der Jesus mehr als fünftausend Menschen gespeist hatte, schickt er die Jünger mit dem Boot voraus. Jesus selbst zieht sich auf einen Berg zurück, um allein zu beten und die Gemeinschaft mit seinem Vater zu suchen.

Die Jünger geraten inzwischen auf dem See in einen heftigen Sturm. Die Wellen sind stark und sie bekommen Angst. In dieser Situation kommt Jesus zu ihnen über das Wasser. Zuerst erschrecken sie, doch Jesus sagt: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“

Da bittet Petrus: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Jesus sagt nur ein Wort: „Komm!“ Petrus steigt aus dem Boot und geht tatsächlich auf Jesus zu. Solange sein Blick auf den Herrn gerichtet bleibt, trägt ihn das Vertrauen. Doch als er den starken Wind und die hohen Wellen wahrnimmt, lässt er sich von der Angst bestimmen. Sein Blick richtet sich nicht mehr auf Jesus, sondern auf die Gefahr – und er beginnt zu sinken. Sofort streckt Jesus seine Hand aus, ergreift ihn und rettet ihn.

Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns: Nicht der Sturm bringt Petrus zu Fall, sondern der Augenblick, in dem sein Vertrauen nachlässt. Solange sein Blick auf Jesus gerichtet ist, trägt ihn der Glaube. Auch wir erleben Stürme: Sorgen, Krankheiten, Konflikte oder Unsicherheit. Sie werden nicht einfach verschwinden. Aber wenn wir unseren Blick auf Christus richten, dürfen wir erfahren, dass er uns nicht untergehen lässt. Seine ausgestreckte Hand ist immer da – oft schon, bevor wir sie wahrnehmen.

Wenn wir Elija und das Evangelium zusammen betrachten, erkennen wir eine gemeinsame Botschaft:

  • Elija begegnet Gott in der Stille auf dem Berg.
  • Jesus sucht in der Stille die Nähe seines Vaters.
  • Die Jünger erfahren Jesus mitten im Sturm.

In allen drei Situationen lernen die Menschen: Gott ist da – auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen.

Liebe Schwestern und Brüder, auch unser Leben braucht Zeiten der Stille. Gerade in dieser Ferien- und Urlaubszeit suchen viele Menschen Erholung, Abstand vom Alltag und neue Kraft. Vielleicht ist diese Zeit auch eine besondere Einladung, nicht nur unserem Körper Ruhe zu gönnen, sondern auch unserer Seele.

Im Urlaub verlassen wir oft den gewohnten Rhythmus. Wir haben vielleicht mehr Zeit für einen Spaziergang, für die Familie oder für einen stillen Moment. Nutzen wir diese Gelegenheit auch für Gott. Ein kurzer Besuch in der Kirche, ein stilles Gebet oder einige Minuten in der Gegenwart Gottes können uns neue Kraft schenken.

Denn unsere Welt ist oft voller Stimmen: Nachrichten, Handys, Termine und Sorgen. Manchmal vergessen wir, still zu werden und Gott Raum zu geben.

Darum ist es gut, jeden Tag einige Momente für Gott zu reservieren. Am Morgen können wir ihn fragen: „Herr, begleite mich durch diesen Tag.“ Und am Abend können wir zurückblicken: Wo habe ich deine Nähe erfahren? Wofür kann ich danken? Wo brauche ich deine Hilfe?

Gerade an diesen heißen Sommertagen können wir vielleicht unsere Kirche neu als einen Ort der Stille entdecken. Ein paar Minuten vor dem Tabernakel, ein stilles Gebet oder einfach das Verweilen in Gottes Gegenwart können zu einer Begegnung mit ihm werden.

Die Stille ist nicht leer. Sie ist ein Raum, in dem Gott zu uns sprechen kann.

Elija musste den Lärm von Sturm, Erdbeben und Feuer hinter sich lassen, um Gottes leise Stimme zu hören. Die Jünger mussten durch den Sturm gehen, um zu erkennen: Jesus ist bei ihnen.

Auch wir dürfen darauf vertrauen: Gott ist da – in unseren Freuden und Sorgen, in unseren starken und schwachen Momenten. Er kommt uns entgegen und spricht auch heute:

„Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir stehen am Anfang der Ferienzeit. Viele Menschen fahren in diesen Tagen in den Urlaub. Sie freuen sich auf Erholung, auf Ruhe und neue Kraft. Man möchte für einige Tage den Alltag hinter sich lassen, den Terminkalender schließen und die Last der Verantwortung ein wenig ablegen. Es tut gut, einmal an einem anderen Ort zu sein und frei durchatmen zu können.

Auch Jesus kennt dieses menschliche Bedürfnis. Das Evangelium erzählt uns, dass er sich mit dem Boot an einen einsamen Ort zurückziehen wollte. Hinter ihm lagen schmerzvolle Tage. Johannes der Täufer, sein Wegbereiter, war auf grausame Weise hingerichtet worden. Jesus sucht die Stille. Er sucht einen Ort, an dem seine Seele zur Ruhe kommen kann.

Doch die Menschen lassen ihn nicht allein. Sie folgen ihm. Sie bringen ihre Krankheiten, ihre Sorgen, ihre Ängste und ihre Hoffnungen mit. Sie spüren: Bei diesem Jesus finden wir, was wir sonst nirgends finden.

Das Evangelium berichtet nicht, dass Jesus ungeduldig wird. Es heißt vielmehr: „Er hatte Mitleid mit ihnen.“ Das Herz Jesu bleibt offen. Er sieht die Not der Menschen und nimmt sie ernst.

Wie tröstlich ist das auch für uns! Wir dürfen mit allem zu Christus kommen: mit unserer Freude und Dankbarkeit, aber auch mit unserer Müdigkeit, unseren Sorgen, unseren Enttäuschungen und unserer Schuld. Niemand muss sich verstellen. Niemand muss erst stark sein, bevor er zu Jesus kommen darf.

Die Jünger sehen am Abend vor allem das Problem. Fünf Brote und zwei Fische – das reicht doch niemals. Jesus aber sieht nicht zuerst den Mangel, sondern die Möglichkeit des Vaters. Er nimmt das Wenige, dankt, bricht das Brot und lässt es austeilen. Alle werden satt. Ja, es bleibt sogar noch mehr übrig, als am Anfang vorhanden war.

Dieses Wunder ist nicht nur eine Erinnerung an ein vergangenes Ereignis. Es weist voraus auf das größte Geschenk Jesu: die Eucharistie. Auch heute nimmt Christus Brot in seine Hände. Auch heute spricht er das Dankgebet. Auch heute bricht er das Brot und gibt sich selbst zur Speise des Lebens. Christus selbst lädt uns an seinen Tisch. Darum ist jede Eucharistie viel mehr als eine religiöse Pflicht. Sie ist die Antwort Gottes auf den Hunger unseres Herzens. Wir kommen mit leeren Händen – und Christus beschenkt uns mit sich selbst.

Genau dazu lädt uns auch die erste Lesung ein. Der Prophet Jesaja ruft im Namen Gottes:

„Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst; kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung.“

Welch wunderbare Einladung! Gottes Gaben kann niemand verdienen und niemand bezahlen. Seine Liebe ist Geschenk. Seine Vergebung ist Geschenk. Seine Barmherzigkeit ist Geschenk. Seine Eucharistie ist Geschenk.

Dann stellt Gott eine Frage, die uns tief ins Gewissen geht:

„Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?“

Wie oft suchen wir unser Glück dort, wo es auf Dauer nicht zu finden ist. Wir hoffen, dass Besitz, Erfolg oder Unterhaltung unser Herz erfüllen. Doch der Hunger der Seele bleibt.

Nur Christus kann diesen Hunger stillen. Nur er spricht Worte, die Leben schenken. Nur er gibt ein Brot, das bleibt.

Deshalb sagt Gott weiter:

„Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir; hört, dann werdet ihr leben.“

Das ist vielleicht die wichtigste Einladung dieser Ferienzeit. Nicht nur den Koffer zu packen, sondern auch Zeit für Gott einzuplanen. Vielleicht besuchen wir im Urlaub eine Kirche, zünden eine Kerze an, nehmen uns Zeit für das persönliche Gebet oder feiern bewusst den Sonntagsgottesdienst mit. Wahre Erholung braucht nicht nur Ruhe für den Körper, sondern auch Nahrung für die Seele.

In wenigen Augenblicken wird der Herr seinen Tisch für uns bereiten. Wie damals die Menschen am See dürfen auch wir Platz nehmen. Wir bringen ihm das Wenige, das wir haben: unseren Glauben, der manchmal klein ist; unsere Hoffnung, die manchmal schwach ist; unsere Liebe, die immer wieder der Erneuerung bedarf.

Christus nimmt unser Weniges an und macht daraus ein Geschenk seiner Gnade. Wer sich von ihm beschenken lässt, geht nicht leer nach Hause. Denn bei Gott gibt es keinen Mangel. Seine Liebe ist größer als unsere Not, seine Barmherzigkeit tiefer als unsere Schuld und seine Gnade reicher als alle unsere Erwartungen.

Bitten wir den Herrn, dass wir heute mit offenem Herzen an seinen Tisch treten und aus dieser Eucharistie die Kraft empfangen, die wir für unser Leben brauchen. Denn wer zu Christus kommt, den lässt er niemals leer ausgehen.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute feiern wir das Patrozinium unserer Kirche. Unsere Kirche steht unter dem Schutz der heiligen Maria Magdalena. Sie nimmt unter den Jüngern Jesu einen besonderen Platz ein. Die Kirche nennt sie die „Apostolin der Apostel“, denn sie war die erste, die dem auferstandenen Herrn begegnete und den Jüngern die frohe Botschaft von der Auferstehung verkündete.

Die Texte des heutigen Tages führen uns in das Herz dieser Frau hinein. Maria Magdalena war eine suchende Frau.

Die erste Lesung aus dem Hohelied beschreibt diese Suche mit den Worten:

„Ich suchte ihn, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.“

Diese Worte beschreiben nicht nur die Liebe zwischen zwei Menschen. Sie erzählen von der tiefen Sehnsucht des Menschen nach Gott. Jeder Mensch trägt diese Sehnsucht in seinem Herzen. Jeder Mensch sucht nach einem Leben, das wirklich erfüllt.

Auch Maria Magdalena war eine solche Suchende. Ihr Leben wurde durch die Begegnung mit Jesus grundlegend verändert. Sie hatte erfahren, dass es im Menschen eine Sehnsucht gibt, die durch nichts Irdisches ganz gestillt werden kann. Es ist die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, nach einer Liebe, die trägt, und nach einem Frieden, der auch in schweren Stunden nicht zerbricht.

Das Leben der heiligen Maria Magdalena kann deshalb auch uns inspirieren.

Denn auch wir leben in einer Welt voller Möglichkeiten und zugleich voller Unsicherheit. Kriege, wirtschaftliche Sorgen und gesellschaftliche Spannungen verunsichern viele Menschen. Familien stehen unter Druck. Junge Menschen fragen sich, welche Zukunft sie erwartet. Ältere Menschen leiden unter Krankheit oder Einsamkeit. Jeder trägt seine eigenen Sorgen und Belastungen.

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung unserer Zeit. Viele Menschen meinen, sie könnten ihr Leben auch ohne Gott gestalten. Solange alles gut läuft, scheint der Glaube nicht notwendig zu sein. Man vertraut auf die eigenen Fähigkeiten, auf Wohlstand, Technik und menschliche Planung. Gott gerät an den Rand des Lebens. Das Gebet wird seltener, und die Kirche spielt für viele kaum noch eine Rolle. Doch wenn Krankheit, Leid oder Enttäuschungen kommen, merken wir, dass wir unser Leben nicht allein tragen können.

Ja, wir alle tragen eine tiefe Sehnsucht in uns. Wir suchen nach Glück, nach Anerkennung, nach Sicherheit, nach Liebe und Geborgenheit. Wir wünschen uns Gesundheit, Erfolg und gelingende Beziehungen. Das alles ist gut und wertvoll. Es sind Geschenke Gottes.

Aber wir machen immer wieder dieselbe Erfahrung: Die Dinge dieser Welt können unser Leben bereichern, sie können Freude schenken und unser Leben schöner machen. Doch sie vermögen die tiefste Sehnsucht unseres Herzens nicht endgültig zu erfüllen. Der Mensch ist auf mehr hin geschaffen. Er sehnt sich nach einer Liebe, die bleibt, nach einem Frieden, den niemand nehmen kann, und nach einer Hoffnung, die auch in schweren Zeiten trägt.

Gerade jetzt, in der Urlaubszeit, wird uns das besonders bewusst. Viele Menschen freuen sich darauf, sich zu erholen, neue Orte kennenzulernen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. Das ist gut und wichtig. Auch unser Körper braucht Ruhe und neue Kraft.

Doch wir Menschen bestehen nicht nur aus unserem Körper. Wir sind Leib und Seele. Deshalb braucht nicht nur unser Körper Erholung, sondern auch unsere Seele. Eine Reise kann den Horizont erweitern, aber sie kann die innere Leere nicht füllen. Auch die Seele braucht Zeiten der Stille, des Gebets und der Begegnung mit Gott.

Der heilige Augustinus hat diese Erfahrung in einem berühmten Satz zusammengefasst: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.“

Maria Magdalena hat diese Ruhe gefunden. In Jesus Christus fand sie die Quelle des lebendigen Wassers, die den tiefsten Durst des Menschen stillen kann. Darum blieb sie bei ihm – nicht nur in den Tagen der Freude, sondern auch unter dem Kreuz. Während viele geflohen waren, hielt sie Jesus die Treue.

Am frühen Ostermorgen geht sie wieder zum Grab. Sie sucht ihren Herrn. Doch zunächst findet sie ihn nicht. Das Grab ist leer, und ihre Trauer wird noch größer. Weinend steht sie vor dem Grab und versteht nicht, was geschehen ist.

Dann geschieht das Entscheidende.

Jesus spricht nur ein einziges Wort: „Maria!“

In diesem Augenblick verändert sich alles. Maria erkennt den Auferstandenen. Genauer gesagt: Nicht sie findet Jesus, sondern Jesus findet sie. Er kennt ihren Namen. Er kennt ihre Geschichte, ihre Sehnsucht und ihre Tränen.

Das ist auch für uns eine große Hoffnung. Vielleicht erleben wir Zeiten, in denen Gott fern zu sein scheint. Vielleicht suchen wir ihn und meinen, keine Antwort zu finden. Doch der Auferstandene kennt auch unseren Namen. Er kennt unsere Sorgen, unsere Fragen und unsere Zweifel. Er lässt uns nicht allein. Er begegnet uns oft leise – im Gebet, in seinem Wort, in der Feier der Eucharistie oder durch Menschen, die uns Hoffnung schenken.

Jesus sendet Maria Magdalena zu den Aposteln mit der Botschaft: „Ich habe den Herrn gesehen.“

Aus der suchenden und weinenden Frau wird die erste Zeugin der Auferstehung. Aus ihrer Suche wird eine Begegnung, aus ihrer Trauer wird Freude und aus ihrer Hoffnungslosigkeit eine Sendung.

Liebe Schwestern und Brüder, das Fest der heiligen Maria Magdalena lädt auch uns heute ein, neu zu fragen:

Wo suche ich mein Leben?

Welche Quellen geben mir wirklich Kraft?

Bin ich bereit, Jesus Christus neu zu begegnen – der Quelle des lebendigen Wassers, die allein den Durst meines Herzens stillen kann?

Bitten wir die heilige Maria Magdalena, dass sie uns auf unserem Glaubensweg begleitet. Möge sie uns helfen, Jesus immer wieder neu zu suchen, ihm zu vertrauen und wie sie zu glaubwürdigen Zeugen seiner Liebe und seiner Auferstehung zu werden. 

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder, besonders liebe Firmlinge!

Vor wenigen Wochen habt ihr das Sakrament der Firmung empfangen. Der Heilige Geist wurde euch zugesagt, damit ihr euren Glauben bewusst leben und gute Entscheidungen treffen könnt. Genau darum geht es auch im heutigen Evangelium.

Jesus erzählt das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut. Ein Bauer sät guten Samen aus. Doch in der Nacht kommt ein Feind und sät Unkraut zwischen den Weizen. Als beides wächst, fragen die Knechte: „Sollen wir das Unkraut ausreißen?“ Der Bauer antwortet: „Nein. Lasst beides wachsen bis zur Ernte.“

Dieses Gleichnis zeigt uns eine Wirklichkeit, die wir alle kennen: In unserer Welt wächst Gutes – aber auch viel Unkraut.

Für euch Firmlinge ist das besonders aktuell. Ihr beginnt immer mehr, eigene Entscheidungen zu treffen. Ihr merkt, dass nicht alles, was modern, beliebt oder oft geklickt wird, auch gut ist. Es gibt viel „Unkraut“, das uns umgibt:

  • Hass und Beleidigungen in den sozialen Medien.
  • Mobbing in der Schule oder im Internet.
  • Gruppenzwang: „Mach doch mit, alle machen es.“
  • Die Versuchung zu lügen oder andere schlechtzumachen.
  • Gleichgültigkeit gegenüber Menschen, die Hilfe brauchen.
  • Die Vorstellung, dass nur Leistung, Geld oder Aussehen zählen.

Dieses Unkraut wächst oft schneller als der gute Weizen. Es wirkt manchmal attraktiver, einfacher oder bequemer. Deshalb sagt Jesus uns heute: Seid wachsam! Seid bewusst! Schaut genau hin, was ihr in euer Herz hineinlasst.

Denn nicht nur um uns herum wächst Unkraut. Auch in unserem Herzen können Neid, Egoismus, Wut, Hass, Bequemlichkeit und Gelichgültigkeit wachsen. Jeder von uns kennt das. Aber genauso hat Gott auch den guten Samen in unser Herz gelegt: Liebe, Freundschaft, Ehrlichkeit, Mut, Vergebung und Glauben.

Mit der Firmung habt ihr den Heiligen Geist empfangen. Er möchte euch helfen, das Gute zu erkennen und ihm zu folgen. Gott nimmt euch die Entscheidungen nicht ab. Aber er lässt euch nicht allein.

Vielleicht fragen manche: Warum lässt Gott das Böse überhaupt zu? Warum gibt es Krieg, Ungerechtigkeit und Leid?

Jesus gibt darauf keine einfache Antwort. Aber er macht deutlich: Gott verliert die Geduld mit den Menschen nicht. Er gibt jedem Zeit zur Umkehr. Er möchte retten und nicht vernichten. Am Ende wird das Gute siegen. Darauf dürfen wir vertrauen.

Doch bis dahin liegt eine wichtige Aufgabe bei uns. Wir müssen jeden Tag entscheiden: Was säe ich?

Säe ich Hoffnung oder Entmutigung?

Säe ich Frieden oder Streit?

Säe ich Liebe oder Hass?

Säe ich Wahrheit oder Lüge?

Mit jedem Wort, das wir sprechen, jedem Kommentar, den wir schreiben, jeder Entscheidung, die wir treffen, säen wir entweder guten Samen oder Unkraut.

Liebe Firmlinge, ihr seid nicht einfach Zuschauer in dieser Welt. Gott braucht euch. Er möchte, dass ihr Menschen seid, die Licht bringen, die Mut machen, die für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten. Gerade heute braucht unsere Welt junge Menschen, die den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und sich nicht von jedem Trend mitreißen zu lassen.

Wenn ihr unsicher seid, fragt euch: Was würde Jesus jetzt tun?

Lest in der Bibel. Betet. Kommt zur Eucharistie. Sucht das Gespräch mit Menschen, die euch im Glauben begleiten. Der Heilige Geist wird euch helfen, den richtigen Weg zu erkennen.

Heute schenkt euch die Kirche eine Bibel – Gottes Wort für euren Lebensweg. Bewahrt sie nicht nur als Erinnerung an diesen besonderen Tag auf, sondern nehmt sie immer wieder zur Hand. Sie soll für euch wie ein Kompass oder ein GPS im Leben sein: eine Orientierung, wenn ihr Entscheidungen treffen müsst, eine Hilfe in Zeiten der Suche und eine Quelle der Hoffnung, wenn ihr neue Wege geht.

Am Ende des Gleichnisses macht Jesus uns Mut: Das Unkraut wird nicht das letzte Wort haben. Der gute Weizen wird reifen. Gottes Liebe ist stärker als das Böse. Sein Reich wird siegen.

Darum lasst uns bewusst leben. Lasst uns darauf achten, was wir in unser Herz hineinlassen und was wir in das Leben anderer hineinsäen. Bitten wir den Heiligen Geist, den ihr in der Firmung empfangen habt, dass er euch Kraft schenkt, das Gute zu wählen und als Christen glaubwürdig zu leben.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Ereignisse der vergangenen Tage an der Schule in Schongau haben uns alle tief erschüttert. Ein Ort des Lernens, der Gemeinschaft und des Lebens wurde plötzlich zu einem Ort der Angst und der Gewalt. Wir denken heute besonders an die Verletzten, an ihre Familien, an die Schülerinnen und Schüler, an die Lehrkräfte und an alle, die dieses Geschehen miterleben mussten.

Viele Menschen fragen sich: Wie konnte das geschehen? Woher kommt so viel Gewalt? Und vor allem: Wo finden wir Hoffnung?

Der französische Schriftsteller Jean Giono erzählt in seiner berühmten Erzählung „Der Mann, der Bäume pflanzte“ die Geschichte eines Hirten namens Elzéard Bouffier. Es ist eine erfundene Geschichte, aber sie erzählt eine tiefe Wahrheit.

Nachdem Elzéard Bouffier seine Frau und seinen einzigen Sohn verloren hatte, zog er sich in eine einsame und verwüstete Landschaft der Provence zurück. Doch anstatt zu verzweifeln, begann er, jeden Tag Eicheln in den Boden zu setzen. Geduldig tat er dies über viele Jahre hinweg. Schließlich entstand aus den kleinen Samen ein großer Wald. Das Wasser kehrte zurück, Bäche begannen wieder zu fließen, Tiere fanden eine Heimat, Menschen siedelten sich wieder an, und aus einer trostlosen Landschaft wurde ein Ort neuen Lebens.

Diese Geschichte erinnert uns daran: Hoffnung wächst oft ganz klein. Große Veränderungen beginnen häufig mit unscheinbaren Schritten. Ein einzelner Mensch kann viel Gutes bewirken, wenn er nicht aufgibt.

Genau dieses Bild greift Jesus im heutigen Evangelium auf. Er erzählt vom Sämann. Der Sämann ist Gott selbst. Christus streut den Samen seines Wortes großzügig aus. Er sät Liebe statt Hass, Hoffnung statt Verzweiflung, Frieden statt Gewalt und Versöhnung statt Feindschaft.

Gerade nach den Ereignissen von Schongau spüren wir, wie notwendig diese Saat Gottes ist. Unsere Welt kennt viele andere Samen: Hass, Ausgrenzung, Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit. Worte können verletzen, Menschen zerstören und Herzen verhärten. Wir erleben, wie schnell Gewalt entstehen kann, wenn Verzweiflung, Einsamkeit oder Hass Raum gewinnen.

Das Evangelium lädt uns heute aber ein, nicht bei der Dunkelheit stehen zu bleiben. Jesus spricht nicht zuerst über das Unkraut, sondern über den guten Samen. Er vertraut darauf, dass das Gute wachsen kann.

Der Samen ist immer derselbe. Das Wort Gottes verliert niemals seine Kraft. Entscheidend ist der Boden, auf den er fällt. Dieser Boden ist unser Herz.

Da ist zunächst der harte Weg. Ein Herz kann hart werden – durch Enttäuschungen, Verletzungen oder Gleichgültigkeit. Gottes Wort findet dann keinen Platz.

Da ist der felsige Boden. Man nimmt Gottes Wort zwar gerne auf, doch es schlägt keine tiefen Wurzeln. Sobald Schwierigkeiten kommen, verliert der Glaube seinen Halt.

Da sind die Dornen. Sorgen, Leistungsdruck, der Wunsch nach Erfolg, Besitz oder Anerkennung können das Gute im Menschen überwuchern und ersticken.

Und schließlich spricht Jesus vom guten Boden. Das ist das Herz, das offen bleibt für Gott und für den Mitmenschen. Dort kann der Same wachsen und Frucht bringen – dreißigfach, sechzigfach, ja hundertfach.

Nach den erschütternden Ereignissen in Schongau dürfen wir keine vorschnellen Antworten geben. Wir wissen nicht, warum ein Mensch einen solchen Weg einschlägt. Das Leid lässt sich nicht einfach erklären. Aber wir können uns fragen: Was können wir selbst dazu beitragen, dass weniger Hass und mehr Menschlichkeit wachsen?

Vielleicht beginnt es mit einem freundlichen Wort für jemanden, der sich einsam fühlt. Vielleicht mit der Bereitschaft zuzuhören. Vielleicht damit, dass wir Kinder und Jugendliche ernst nehmen, sie begleiten und ihnen zeigen, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist. Vielleicht auch dadurch, dass wir in unseren Familien und Gemeinden den Glauben leben, der Vertrauen, Barmherzigkeit und Versöhnung schenkt.

Als Christen dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Wir können das Böse nicht vollständig aus der Welt schaffen. Aber wir können jeden Tag Samen des Guten aussäen. Kein Gebet, keine Tat der Liebe, kein Wort der Ermutigung und keine Geste der Versöhnung gehen bei Gott verloren. Vieles wächst im Verborgenen – so wie ein Samenkorn unter der Erde oder wie die Eicheln des Elzéard Bouffier.

Unsere Welt braucht heute Menschen, die Hoffnung säen. Menschen, die Frieden stiften. Menschen, die Brücken bauen statt Mauern. Menschen, die den Mut haben, das Gute zu tun, auch wenn es klein erscheint.

Bitten wir heute besonders für alle Betroffenen des Amoklaufs in Schongau: für die Verletzten, für ihre Angehörigen, für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrkräfte und für alle, die unter den Folgen dieses Geschehens leiden. Bitten wir auch für unsere Kinder und Jugendlichen, dass sie in Liebe, Geborgenheit und Vertrauen aufwachsen dürfen. Und beten wir für unsere Gesellschaft, dass Respekt, Mitgefühl und der Glaube an die unantastbare Würde jedes Menschen neu wachsen.

Der Herr schenke uns ein offenes Herz, damit sein Wort in uns Wurzeln schlagen kann und wir selbst zu Menschen werden, die Hoffnung säen und reiche Frucht bringen.

Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Es gibt Menschen, die längst gestorben sind und doch nicht vergangen sind. Ihr Leben ist nicht einfach abgeschlossen, sondern es wirkt weiter. Ihre Worte, ihre Entscheidungen und ihr Glaube berühren Menschen bis heute. Solche Menschen bleiben gegenwärtig – gerade dann, wenn wir selbst auf der Suche sind nach Orientierung, Halt und Hoffnung.

Ein solcher Mensch ist der heilige Ulrich, dessen Fest wir heute feiern. Seit mehr als tausend Jahren schauen die Menschen unserer Heimat auf ihn als Vorbild im Glauben und als Fürsprecher bei Gott. Sein Name ist mit unserer Diözese Augsburg untrennbar verbunden. Und doch bleibt die entscheidende Frage: Was macht ihn so bedeutend? Was hat sein Leben, das so lange zurückliegt, uns heute noch zu sagen?

Der heilige Ulrich war ein Mensch des Glaubens – und zwar im tiefsten Sinn. Sein Leben war geprägt vom Vertrauen auf Gott. Er wusste: Der Mensch trägt sich nicht selbst. Er lebt aus Gottes Kraft, aus Gottes Segen, aus Gottes Führung.

Darum war das Gebet für ihn nicht eine Pflicht unter vielen, sondern die Mitte seines Lebens. Die Stille vor Gott, das Hören auf sein Wort, das bewusste Leben aus dem Glauben – all das gab ihm inneren Halt und Klarheit für seine Entscheidungen.

Die heutige Lesung aus dem Buch Jesus Sirach zeichnet uns das Bild des Hohenpriesters Simon. Er stärkte sein Volk, er sorgte für den Tempel, und am Ende seines Dienstes erhob er seine Hände und segnete das Volk Gottes.

Dieses Bild passt auch zum heiligen Ulrich. Auch er war ein Hirte der Kirche, ein Bischof, der sein Volk im Glauben stärken wollte. Nicht seine eigene Person stand im Mittelpunkt, sondern Gott. Nicht seine eigene Größe war entscheidend, sondern das Wohl der Menschen, die ihm anvertraut waren.

Gerade darin liegt eine wichtige Botschaft für uns heute. Wir leben in einer Zeit, die oft laut und schnell ist. Viele Stimmen prallen auf uns ein. Viele Erwartungen fordern uns heraus. Und nicht selten entsteht dabei Unsicherheit oder innere Unruhe.

Der heilige Ulrich erinnert uns daran: Ein Mensch findet seinen Halt nicht zuerst in sich selbst, sondern in Gott. Wer in ihm verwurzelt ist, der kann auch in bewegten Zeiten bestehen.

Ulrich hat diesen Glauben aber nicht nur für sich selbst gelebt. Er hat ihn weitergegeben. Als Bischof hat er sich um die Menschen seiner Diözese gekümmert. Er hat Gemeinden besucht, Priester gestärkt und sich besonders den Armen und Bedürftigen zugewandt.

Er wusste: Glaube lebt davon, dass er geteilt wird. Glaube wird glaubwürdig, wenn er sichtbar wird im Handeln.

Darum hören wir im Hebräerbrief die Worte: „Betrachtet den Ertrag ihres Lebenswandels und ahmt ihren Glauben nach.“ Genau das dürfen wir beim heiligen Ulrich tun: auf sein Leben schauen und uns von seinem Vertrauen auf Gott inspirieren lassen.

Im Evangelium haben wir die Worte Jesu gehört: „Bleibt in meiner Liebe!“ und: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“

Das ist der innerste Kern des christlichen Glaubens. Und genau darin liegt auch das Geheimnis des heiligen Ulrich. Er ist in der Liebe Christi geblieben – und er hat aus dieser Liebe gelebt.

Diese Liebe zeigte sich in seiner Sorge um die Menschen, in seiner Treue zur Kirche und in seinem Einsatz für die Schwachen. Sie war keine Theorie, sondern gelebte Wirklichkeit.

Jesus nennt seine Jünger nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Auch Ulrich hat aus dieser Freundschaft mit Christus gelebt. Diese Beziehung war seine Kraftquelle – und sie hat sein ganzes Wirken geprägt.

Darum ist es auch kein Zufall, dass wir dieses Fest als Patrozinium feiern. Es geht nicht nur um Erinnerung, sondern um lebendige Gegenwart des Glaubens. Wir stehen in einer langen Geschichte von Menschen, die geglaubt haben – und dieser Glaube trägt auch uns heute.

Ulrich war zudem ein Mensch, der mitten im Leben stand. Sein Glaube war nicht fern vom Alltag, sondern tief in ihm verwurzelt. Deshalb verbindet dieses Fest Himmel und Erde, Glaube und Leben, Kirche und Alltag.

Und wenn wir heute seinen Namen feiern, dann tun wir das nicht nur rückblickend, sondern auch als Einladung: den Glauben neu ins eigene Leben hinein zu lassen.

Denn auch Ulrich war bereit, seinen Glauben zu verteidigen. In schwierigen Zeiten blieb er standhaft. Er vertraute nicht auf Macht oder Einfluss, sondern auf Gott. Darin zeigt sich seine innere Stärke – und seine geistliche Tiefe.

Liebe Schwestern und Brüder, dieses Fest ist deshalb auch ein Ruf an uns:  Der Glaube ist kein Besitz, den man einfach verwaltet. Er ist ein lebendiges Geschenk, das weitergegeben werden will.

Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen Menschen, die glaubwürdig vom Glauben sprechen – nicht nur mit Worten, sondern mit ihrem Leben. Denn Glaube wächst dort, wo er gesehen und erlebt wird.

Der heilige Ulrich zeigt uns: Der Glaube ist keine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er ist eine lebendige Kraft, die Menschen verwandelt, Gemeinschaft stärkt und Heimat prägt.

Der Ulrichsritt ist mehr als ein schönes Brauchtum oder eine Erinnerung an vergangene Zeiten. Er zeigt uns ganz konkret: Der Glaube gehört mitten ins Leben. Ein Ulrichsritt ohne Glauben wäre nur noch ein historisches Schauspiel. Eine Segnung ohne Vertrauen auf Gott wäre nur noch eine schöne Zeremonie. Erst der lebendige Glaube gibt diesen Zeichen ihren eigentlichen Sinn.

Darum bitten wir ihn heute: dass er für uns eintritt, damit auch wir Menschen des Glaubens werden – Menschen des Gebets, des Vertrauens und der Liebe. Und dass wir bereit sind, diesen Glauben zu leben – heute, hier und in unserem Alltag.

Der heilige Ulrich begleite uns auf diesem Weg und führe uns tiefer in die Freundschaft mit Christus. Amen.