Die Hl. Katharina von Siena

Schutzpatronin Europas, Italiens und der Stadt Rom

Ordensfrau, Mystikerin, Kirchenlehrerin 

* 25. März 1347 in Siena
+ 29. April 1380 in Rom

Gedenktag: 29. April

Papst Johannes Paul II. erhob die Hl. Katharina im Jahr 1999 zu einer der Patroninnen Europas. 

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Im Welfenmünster begegnet uns die Hl. Katharina in der idealisierenden Darstellung des Altarbildes am Marienaltar, links zwischen Langhaus und Chorraum. Das Altarbild zeigt rechts die Hl. Katharina, links den Hl. Dominikus. Beide knien in tiefer Verehrung vor der Hl. Gottesmutter mit dem Kind, die von Engeln umschwärmt auf einer Wolke schwebt und von dort aus den beiden Heiligen den Rosenkranz übergibt.

Die Hl. Katharina (1347-1380) ist im Ordensgewand einer Dominikanerin des „dritten Ordens“, zusammen mit dem Ordensgründer, dem Hl. Dominikus (1170-1121)  dargestellt.

Die Lilien zu Füßen der
Hl. Katharina verweisen auf die Jungfräulichkeit, die sie  bereits in sehr jungen Jahren der
Hl. Gottesmutter angelobte. 

Das Kruzifix, das zu ihren Füßen im Vordergrund liegt, deutet auf die große spirituelle und religiöse Bedeutung der Hl. Katharina als Kirchenlehrerin hin. 

Die Hl. Katharina gilt als eine der einflussreichsten Frauen in der Kirchengeschichte. Sie ist eine der am meisten verehrten heiligen Frauen der katholischen Kirche. Um ihr Leben ranken sich viele, teils widersprüchliche Legenden.

Unzweifelhaft ist, dass das Mädchen im Jahr 1347 in Siena, in eine schwere Zeit hineingeboren wurde, in der die Menschen in ganz Europa seit langem unter endlosen, oft kriegerisch ausgetragenen Rivalitäten verfeindeter Mächte, Naturkatastrophen (Klimawandel!), Hungersnöten und wiederkehrenden Pestepidemien zu leiden hatten. 

Auch die Kirche und das Papsttum hatten es in der Zeit schwer. Der Vorherrschaftsanspruch  der  Kirche und der Machtanspruch des Papstes wurden von den weltlichen Machthabern, allen voran dem französischen König, schon lange nicht mehr anerkannt. Die Päpste des 13. und 14. Jahrhunderts hatten sich daraufhin in Machtkämpfe verstrickt und waren dabei zum politischen Spielball von Königen und Kaisern geworden.  Im Jahr 1305 setzte der König von Frankreich sogar einen französischen Kardinal seiner Wahl als Papst in Rom durch. Papst Clemens V. war jedoch in Rom seines Lebens nicht sicher und floh deshalb im Jahr 1309 nach Avignon, unter den Schutz des französischen Königs. Dort, in Avignon, residierten die Nachfolger von Clemens V. zur Zeit der Hl. Katharina immer noch. 

Den Papst zur Rückkehr von Avignon nach Rom zu bewegen, war eine der vordringlichsten Aufgaben, denen sich die Hl. Katharina im Lauf ihres Lebens verschrieb. Dass es ihr gelang, gilt als ihre wichtigste kirchengeschichtliche Großtat.

Schon um ihre Geburt und ihre Kindheit ranken sich viele Legenden. Im Alter von nur 6 Jahren soll sie, mitten auf der Straße ihre erste Vision von Jesus Christus gehabt haben, woraufhin sie sich schon als Kind immer mehr zurückzog und die Einsamkeit suchte. Bereits im Alter von 7 Jahren soll sie der Gottesmutter ewige Jungfräulichkeit gelobt und mit 10 Jahren bereits erste Kontakte zum Dominikanerorden aufgenommen haben.

Mit 16 Jahren trat Katharina in den „Orden der Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus“ (den sogenannten dritten Orden der Dominikaner) ein. Zu deren Habit gehört der langen schwarze Umhang, mit dem die Hl. Katharina auf dem Bild im Welfenmünster dargestellt ist (s.o.). 

Als Ordensschwester lebte sie zunächst in asketischer Strenge und sehr zurückgezogen. In der Zeit lernte sie vermutlich auch, anhand des Breviers der katholischen Kirche und von Heiligenlegenden, Lesen und Schreiben.

Mehrfach im Leben hatte die Hl. Katharina Visionen, die ihrem Leben die Richtung vorgaben. Die einschneidendste dieser Visionen war die „mystische Vermählung“, die ihr Leben radikal verändert haben soll. In dieser Vision, heißt es, sei ihr Christus erschienen, der ihr einen goldenen Ring übergestreift und dazu gesagt haben soll: „Siehe, ich vermähle dich mit mir, deinem Schöpfer und Heiland, im Glauben. […] Meine Tochter, was ich dir in weiser Voraussicht auferlege, das vollbringe zuversichtlich und ohne Zaudern. Jetzt nämlich stählt dich die Kraft des Glaubens. Wer dir widersteht, den wirst du überwinden.“ (Zitat nach der „Legenda major„, Nr. 115.)

Was ist die „Legenda major“ aus der gerade zitiert wurde?

Der hochrangige Dominikaner Raimund von Capua war ab 1374 Beichtvater und Begleiter der Hl. Katharina. Ihre Persönlichkeit beeindruckte ihn tief und hatte großen Einfluss auf sein eigenes Leben. Im Jahr 1376 begleitete Raimund von Capua sie nach Avignon und anschließend nach Rom. Nach ihrem Tod setzte er sich, zu der Zeit schon als Ordensmeister der Dominikaner, sehr für eine baldige Heiligsprechung der Hl. Katharina ein. Zu diesem Zweck schrieb er, zwischen 1385 und 1395 die „Legenda major“ über die Hl. Katharina von Siena. Das ist eine ausführliche, zeitgenössische Biographie der Heiligen. Sie gilt bis heute als wichtigste Quelle zum Verständnis der Spiritualität und des Wirkens der Hl. Katharina. Im Jahr 2004 veröffentlichte Jörg Jungmayr die erste vollständige Übersetzung der „Legenda major“ über die Hl. Katharina von Siena.

Nicht zu verwechseln mit der etwas früher vom Hl. Bonaventura verfassten „Legenda major“ über den Hl. Franz von Assisi.

Katharina ging daraufhin in die Öffentlichkeit und stellte ihr Leben in den Dienst der Menschen in ihrer nächsten Umgebung. Sie wurde vielen zur geistlichen Mutter. 

Darüber hinaus äußerte sie sich aber auch unüberhörbar zu allen wichtigen kirchlichen, politischen und gesellschaftlichen Frage ihrer Zeit, was damals für eine geistliche Frau sehr ungewöhnlich war und Aufsehen erregte. Vermutlich deshalb wurde sie im Jahr 1374 vor das Generalkapitel des Dominikanerordens zitiert. Was dort mit ihr verhandelt wurde, ist allerdings nicht dokumentiert.

Sie hielt öffentliche Ansprachen und schrieb viele Briefe und brachte dabei – wenn sie es für nötig hielt – auch scharfe Kritik an den kirchlichen und politischen Verantwortlichen an. Bald verbreitete sich ihr Ruf in ganz Europa. Menschen aus allen Ländern fragten sie um Rat. Darunter auch der Papst, den sie angeblich ebenfalls nicht mit ihrer Kritik verschonte. Allerdings war ihr jede Auflehnung gegen die päpstliche Autorität fremd. In einem Brief schrieb sie dazu sogar einmal: „Und selbst wenn der Papst ein fleischgewordener Teufel wäre, statt eines gütigen Vaters, so müssten wir ihm dennoch gehorchen, […]„.

Am 1. April 1375 soll sie vor einem Kreuz in Pisa die Stigmatisation erfahren haben. Es heißt, an ihrem Körper seien die Wundmale Jesu erschienen, die allerdings nur für Katharina selbst zu erkennen waren.

Im darauffolgenden Jahr reiste Katharina nach Avignon und überzeugte Papst Gregor XI. nach Rom zurückzukehren. Auf seinen Wunsch hin, folgte sie ihm nach Rom und setzte sich von dort aus für die Einheit der Kirche und für eine Friedenslösung im krisengeschüttelten Italien ein. Fünf Jahre später starb Katharina, im Alter von 33 Jahren, in Rom. 

Im Jahr 1491 wurde sie heiliggesprochen. Fast 500 Jahre später, im Jahr 1939 wurde die Hl. Katharina von Siena zur Schutzpatronin Italiens erklärt. Papst Paul VI. erhob sie 1970 zur „doctor ecclesiae universalis„, also zur Kirchenlehrerin. 

Zusammen mit der Hl. Birgitta von Schweden und der Hl. Edith Stein erhob Papst Johannes Paul II. die Hl. Katharina von Siena im Jahr 1999 zur Schutzpatronin Europas. In diesem Zusammenhang schrieb der Papst: „Das Leben der heiligen Katharina hat sich für ihr Vaterland und die Kirche deshalb so wunderbar wirksam und fruchtbar erwiesen, weil sie dem Antrieb des Heiligen Geistes gegenüber fügsam war und vom Lehramt der Kirche geführt wurde. Dieses Beispiel möge in sehr vielen Seelen eine lebendige Bewunderung hervorrufen und auch die Sehnsucht erwecken, sie in ihren heroischen Tugenden nachzuahmen.

Wer sich intensiv mit der Hl. Katharina von Siena beschäftigen will, kann auf eine unüberschaubare Fülle von Büchern, auch aus jüngerer Zeit, zurückgreifen, die sich mit Leben, Spiritualität und Wirken der Hl. Katharina befassen. 

Für einen vertieften Überblick über die verschiedenen Legenden, die sich um die Hl. Katharina von Siena ranken, bieten einige, im Internet verfügbare Quellen eine gute Grundlage, so zum Beispiel das Ökumenische Heiligenlexikon oder Stadlers Heiligenlexikon

Zu diesem Artikel: Im Vergleich der Quellen, soweit sie dem Verfasser zugänglich waren, tauchen an vielen Stellen Widersprüche und Ungereimtheiten in den Legenden um die Hl. Katharina auf. Dies ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass Heiligenverehrung sich, in der Betrachtung von Leben und Werk der Hochverehrten, nicht immer mit dem historisch Belegbaren begnügen will. Angesichts dessen, hat der Autor dieses Artikels versucht, einen gemeinsamen Kern aus verschiedenen Quellen zu Katharina von Siena zusammenzufassen. Fehler und Irrtümer sind dabei sicher nicht ausgeschlossen, aber hoffentlich verzeihlich.

Wie ging es um die Zeit der Hl. Katharina eigentlich in Steingaden zu?

Als Katharina im Jahr 1347 geboren wurde, bestand das Kloster der Prämonstratenser Chorherren in Steingaden bereits 200 Jahre lang. Allerdings hatte nur das Männerkloster die Zeit überdauert. Das Frauenkloster, das daneben, irgendwo im Bereich der heutigen Kissinger Straße, eine Zeitlang bestand, war bereits mehr als 50 Jahre zuvor aufgelöst worden.

Für das Kloster Steingaden war die Zeit um die Mitte des 14. Jahrhunderts eine sehr schwere Zeit. 

In der Steingadener Chronik wird von einem „großen Sterben von Menschen und Vieh“ (1337) und von einer Heuschreckenplage (1338) berichtet. Die Pestepidemie, die sich zur Zeit von Katharinas Geburt über Europa ausbreitete, erreichte auch Steingaden (1348). In den folgenden Jahren (bis 1350) wurde das Allgäu in weiten Teilen von der Pest entvölkert. Kurz danach (1355) gab es in der Region ein schweres Erdbeben, dass „in Schwaben Kirchen und Häuser einstürzen“ ließ. Das Kloster wurde bald „von Schuldenlast gedrückt“ (1361).

Die folgenden Jahre und Jahrzehnte lassen sich zusammenfassend beschreiben mit „Armut und Not im Kloster“ (Zitat H. Pörnbacher)

In der Steingadener Chronik heißt es später: „wegen Kriegsläufe herrschte große Not in Steingaden“ (1395) und: „In diesem Jahr [gemeint ist das Jahr 1340] wütet in Deutschland ein ‚großer Sterb‘.“  Kriege verschärften die Not in Steingaden noch weiter. Nurmehr sechs Chorherren gehörten Ende des 14. Jahrhunderts dem Kloster an. Im Jahr 1400 mussten sie, bis auf einen, sogar in benachbarten Klöstern Zuflucht suchen, um nicht zu verhungern. 

Wenn schon das Kloster solche Not litt, wie mag es dann erst dem einfachen Volk ergangen sein? Darüber schweigen Historiker und Chronisten sich aus.

Womöglich wäre das Kloster in diesen Notzeiten untergegangen, wenn nicht im Jahr 1402 Probst Johannes II. (1402-1431) aus dem Prämonstratenser-Kloster Rot an der Rot nach Steingaden gekommen wäre und die Regentschaft übernommen hätte. Er schaffte es mit großem politischem und wirtschaftlichem Geschick, das Kloster innerhalb weniger Jahrzehnte wieder aufblühen zu lassen. Seitdem gilt Probst Johannes II. als der zweite Gründer des Klosters Steingaden. 

Autor & Fotos: Bruno Wilhelm