Jungsteinzeitliche und bronzezeitliche Funde in Peiting belegen, dass die Siedlungsgeschichte in unserer Region mindestens bis ins 3. vorchristliche Jahrtausend zurückreicht. Später hinterließen Kelten und Römer ihre Spuren in der Region (z.B. auf dem Auerberg und in Peiting).
Entlang des Lechs verlief zur Zeit der Römer die Via Claudia Augusta durch unsere Region. Sie war eine der wichtigste Handelsstraßen in römischer Zeit und verband Norditalien mit Süddeutschland. Auf ihr konnten bereits zur Zeit um Christi Geburt Handelswaren mit Fuhrwerken über die Alpen transportiert werden.
Zur Römerzeit begann auch die Flößerei auf dem Lech. Holz und andere Waren wurden mit Flößen über Lech und Donau bis nach Augsburg, Ulm, Regensburg, Wien und manchmal sogar noch weiter transportiert. Lange Zeit spielte die Flößerei eine wichtige Rolle für die Region. Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie ganz eingestellt.
Mit der Flößerei entwickelte sich früh das ehemalige Flößerdorf Prem, das als eine der ältesten, heute noch bestehenden Siedlungen am Lech gilt. Seine Anfänge liegen im Dunkeln und wir wissen auch nicht, zu welcher Zeit Prem erstmals Kirchdorf und Pfarrei wurde. Was wir wissen ist, dass es Anfang des 12. Jahrhunderts in Prem eine romanische Kirche zu „Unserer lieben Frau“ gab. An ihrer Stelle steht heute die Pfarrkirche „St. Michael“. Von der ursprünglichen Kirche erhalten geblieben ist der romanische Kirchturm.
Im 12. Jahrhundert gehörte, bis zur Klostergründung, das gesamte Gebiet unserer heutigen Pfarreiengemeinschaft zur Pfarrei Prem.
Aus verschiedenen Quellen ergibt sich, dass zum Zeitpunkt der Klostergründung in Steingaden hier bereits eine Ortschaft dieses Namens mit einem Meierhof bestand, der im Besitz Welfs VI. war. Hier gab es eine dem Hl. Dionysius geweihten Kirche gab. Historiker vermuten deshalb, dass hier bereits zur Frankenzeit (ca. 5. bis 9. Jahrhundert) ein fränkischer Reichshof bestanden haben könnte. Insbesondere die Ortsbezeichnung „Steingaden“ und das Patrozinium der Kirche „St. Dyonisius“ sprächen dafür.
Mit der Klostergründung und der Ausgliederung der Pfarrei Steingaden aus der Mutterpfarrei Prem wurde die Dionysiskirche zur Pfarrkirche. Historiker nehmen an, dass die Prämonstratenser Chorherren in Steingaden während der langen Bauzeit ihrer neuen Klosterkirche (Welfenmünster), einige Jahrzehnte lang die ältere Pfarrkirche nutzten.
Zur Bedeutung eines fränkischen Reichshofs: Ein fränkischer Reichshof (oder „Königshof“) des 5. bis 9. Jahrhunderts war meist ein landwirtschaftliches Gut, das dem fränkischen König gehörte. Es bestand typischerweise aus einem großen, festen Haus und einem Wirtschaftshof mit Wohnhäusern für das Gesinde, Stallungen, Scheuern, Speicher und Backhaus. Reichshöfe wurden in der Regel an wichtigen Straßen, in Abständen von einer halben oder ganzen Tagesreise errichtet. Sie dienten als Verwaltungsmittelpunkte und Gerichtsorte für ihr Umland und als Stützpunkte für den König und seinem Gefolge auf ihren ständigen Reisen durch das Reich.
Die Geschichte des Prämonstratenserklosters Steingaden beginnt mit der Stiftung des Klosters durch Herzog Welf VI. am 17. April 1147.
Mit der Auflösung aller Klöster in Bayern durch Kurfürst Max Joseph IV. (später König Max I. Joseph) im März 1803 kommt sie an ein abruptes Ende.
Zwischen 1147 und 1803 führen 44 Prälaten der Prämonstratenser nacheinander das Kloster durch die wechselhafte europäische Geschichte. Fast 300 Jahre lang tragen die Prälaten des Klosters den Titel „Probst“. Ab dem Jahr 1433 wird den Prälat das Klosters die Abtswürde verliehen. Das Kloster ist fortan Abtei.
Von vielen Pröbsten und Äbten sind uns Portraits überliefert, die in der Prälatengalerie des Klostermuseums bezeigt werden (s. auch die Bildershow rechts).
Alle großen politischen Verwerfungen und Kriege, kunstgeschichtlichen Strömungen, kirchengeschichtliche Entwicklungen, wirtschaftlichen Auf- und Abschwünge, Seuchen und Naturkatastrophen, die Europa über die Jahrhunderte heimsuchten, wirkten sich auch unmittelbar auf die Lebensverhältnisse im Kloster und in den vielen, in ihrer Existenz vom Kloster abhängigen Bauern- und Arbeiterfamilien im der näheren und weiteren Umgebung Steingadens aus.
Die folgende Zeitleiste versucht einen knappen Überblick über wichtige Ereignisse und prägende Epochen aus der Geschichte des Klosters Steingaden zu geben.
Chronisten des Klosters:
Viele haben über die Zeit zu dem vielfältigen und reichen Schatz an geschichtlichen Informationen aus der Klosterzeit beigetragen, auf den auch dieser Artikel und die folgende Zeitleiste gegründet sind. Ihnen allen sei an dieser Stelle gedankt.
Gerhard Klein (1939-2023), stellte in seiner Festschrift „Der Fohlenhof in Steingaden“ aus dem Jahr 2005 einige der Chronisten des Klosters vor:
Der Wildsteiger Historiker Prof. Dr. Hans Pörnbacher (*1929) verweist in seiner Festschrift „Steingaden 1147*1997“ auch auf das Jahrbuch des Historischen Vereins Schongau, das sich in den Jahren 1996-98 eingehend mit der Klostergeschichte Steingadens beschäftigt. Pörnbacher selbst verfasste unter dem Titel „Quod divinabat Norbertus – Steingaden zwischen Ideal und Wirklichkeit“ die Einführung dazu. Wichtige Beiträge lieferten, unter anderen Pankraz Fried, Hermann Hauke, Gerhard Klein, Heide-Maria Krauthauf, Johanna Lauchs-Liebel und Dietmar Stutzer.
Ihnen allen sei an dieser Stelle gedankt.
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