Gemeinsamer Gedenktag: 8. August
Im großen Altarprospekt auf dem Seitenaltar rechts vorne im Mittelschiff des Welfenmünsters, dem sogenannten Nothelferaltar sind die vierzehn heiligen Nothelfer dargestellt. Sie huldigen gemeinsam der Gottesmutter mit dem Jesuskind.
Wer sind die vierzehn heiligen Nothelfer?
Im von der Pest bedrohten 13./14. Jahrhundert gewann die Heiligenverehrung stark an Bedeutung. Heilige Nothelfer sollten den Menschen beistehen, die den Schicksalsschlägen und Katastrophen ihrer Zeit ansonsten ohnmächtig ausgeliefert waren. Jedem heiligen Nothelfer wurden bestimmte Lebenssituationen oder existenzielle Notlagen zugeordnet, in denen die Gläubigen sie um ihren besonderen Beistand bitten konnten.
Im Jahr 1377 ordnete der damalige Bischof von Regensburg die Verehrung der Heiligen Barbara an, und zwar zugleich mit der Heiligen Katharina von Alexandria und der Heiligen Margareta. Der Volksmund schmiedete sich dazu den Merkvers: St. Margaretha mit dem Wurm, St. Barbara mit dem Turm, St. Katharina mit dem Radl, das sind die heiligen drei Madl.
Die drei heiligen Jungfrauen gehörten damals zu den beliebtesten Heiligen.
In Handschriften aus dieser Zeit werden, neben den drei heiligen Jungfrauen, noch elf weitere heilige Nothelfer aufgezählt: Achatius, Ägidius, Blasius, Erasmus, Eustachius, Georgius, Christophorus, Cyriacus, Dionysius, Pantaleon und Vitus. Mit Ausnahme des Hl. Ägidius, lebten sie alle in 2. bis 4. Jahrhundert und starben als Märtyrer der Christenverfolgung im römischen Reich (s.u.).
Aus der oben angegebenen Aufzählung der heiligen Nothelfer wurde die sogenannte „Regensburger Normalreihe“, mit der im Jahr 1408 verbindlich festgelegt werden sollte, welche Heiligen zu den vierzehn heiligen Nothelfern zu zählen seien. Trotzdem gab es weiterhin regionale Unterschiede. So wurde beispielsweise in einigen Regionen Bayerns, bis ins 16. Jahrhundert hinein, der Hl. Leonhard (anstelle des Hl. Cyriacus) zu den vierzehn heiligen Nothelfern gezählt.
Durch eine Vision wurde der Kult um die vierzehn Nothelfer volkstümlich: Der Legende nach sind einem Schäfer in Oberfranken in den Jahren 1445 und 1446 vierzehn Gestalten erschienen, die sich als die vierzehn Nothelfer
zu erkennen gaben und die Errichtung einer Kapelle am Ort ihrer Erscheinung forderten. Dort steht heute die Wallfahrtskirche „Vierzehnheiligen“.
Die Verehrung der vierzehn heiligen Nothelfer breitete sich über den gesamten deutschen Sprachraum, und sogar bis nach Italien, Schweden und Ungarn aus. Mehr als 800 Kirchen wurden im Lauf der Zeit den Vierzehnheiligen
gewidmet.
Warum sind es eigentlich „14“ Nothelfer?
Dass es 14 Nothelfer sind, geht wahrscheinlich auf die Verdopplung der heiligen Zahl 7 zurück. Die heilige Zahl 7 taucht im christlichen Kontext immer wieder auf, beispielsweise in den 7 Tagen der Schöpfung, den 7 Tagen der Woche; den 2 x 7 Werken der Barmherzigkeit, den 7 christlichen Tugenden; den 7 Geistesgaben, den 7 Todsünden oder dem Buch mit 7 Siegeln in der Offenbarung des Johannes.
Wer ist wer in dem Bild im Welfenmünster?
Im oberen Zentrum des Bildes s.o.) thront unübersehbar die Hl. Gottesmutter mit dem Jesuskind.

Außerdem sind gut zu erkennen (s.u. von links: die drei Hl. Jungfrauen, der Hl. Georg, der Hl. Christophorus und der Hl. Achatius <Soldat mit Helm>)
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Vermutlich liegt es an der Patina der Jahrhunderte, dass die übrigen dargestellten Heiligen für uns nicht so eindeutig identifizierbar sind.
13 der 14 Nothelfer gelten als Märtyrer
im römischen Reich des 2., 3. und 4. Jahrhunderts.
Warum hat der römische Staat die Christen verfolgt und getötet?
Die Verehrung der römischen Götter galt als entscheidend für das Wohl des Reiches. Der römische Staat hätte vermutlich nichts dagegen gehabt, wenn die Christen ihrem Gott „neben“ den römischen Göttern und dem römischen Kaiser gehuldigt hätten. Im Vielgötterstaat des römischen Reiches war es nicht ungewöhnlich, wenn eine Gemeinschaft, neben den römischen Göttern, auch noch eigene Götter verehrte.
Für die Christen kam es aber nicht in Frage, neben Jesus Christus, auch den römischen Göttern oder dem Kaiser zu huldigen. Damit stellten sie sich, in den Augen der Römer, gegen den Staat. Und als Staatsfeinde wurden sie von den Römern verfolgt und hingerichtet.
Verfolgte Christen die, um der Hinrichtung zu entgehen, an Kulthandlungen zu Ehren der römischen Götter oder des Kaisers teilnahmen, taten dies meist nur „pro forma“, um des äußeren Scheines willen und um damit ihr Leben zu retten. Den Römern reichte das. Von ihren christlichen Gemeinschaften wurden sie dafür jedoch in der Regel als Sünder verurteilt und ausgeschlossen.
Diejenigen, die dem Druck der Verfolgung standhielten und deshalb den Märtyrertod starben, galten den frühen Christen als Vorbilder. Viele wurden als Heilige verehrt.
Mehr dazu z.B. in: Dünzl, Franz: Fremd in dieser Welt? Das frühe Christentum zwischen Weltdistanz und Verantwortung, Herder-Verlag 2015. (Kann bei Interesse vom Autor dieses Beitrags ausgeliehen werden.)
In der Not einen Heiligen anrufen, half im Verständnis des Volkes viel, in der Not viele Heilige anrufen, half mehr.
Unter den vierzehn heiligen Nothelfern fanden die Gläubigen in nahezu jeder Lebenslage und nahezu jeder menschlichen Not Helferinnen und Helfer, die sie um ihren Beistand anrufen konnten. Viele der heiligen Nothelfer wurden zudem im Lauf der Zeit von verschiedenen Gruppen (Ständen) zu deren Schutzpatrone erkoren.
Für einige, besonders schlimme oder besonders häufige Übel wurden gleich mehrere Nothelfer angerufen und einige Stände erkoren sich gleich mehrere Nothelfer zu Schutzpatronen. So gelten z.B. drei Nothelfer (Barbara, Christophorus und Georg) als Schutzpatrone der Bergleute und mindestes drei Nothelfer (Achatius, Dionysius und Katharina) können z.B. bei Kopfweh angerufen werden. Selbstverständlich bekamen auch die Pferde und das Vieh Nothelfer als Schutzpatrone zugewiesen, insgesamt sogar vier (Ägidius, Blasius, Erasmus und Georg).
Einige der heiligen Nothelfer (z.B. die Hl. Barbara und die Hl. Katharina) gehören zu den sogenannten „legendären“ Märtyrern, deren Historizität nicht als gesichert gilt.
Das heißt, dass die Lebensgeschichten und das Martyrium, welche ihnen im Laufe der Jahrhundert zugeschrieben wurden, sich wahrscheinlich nicht auf konkrete Persönlichkeiten beziehen, die tatsächlich in der Zeit des 3. oder 4. Jahrhunderts gelebt hätten. Demnach wären nicht nur die ihnen zugeschriebenen Legenden, sondern auch die „legendären“ Heiligen selbst, in erster Linie Imaginationen gläubiger Hoffnung und tiefer Frömmigkeit. Das tat, und tut bis heute, ihrer Verehrung durch die Gläubigen und der Wirkmächtigkeit ihrer Anrufung in großer Not aber keinen Abbruch. Die Hl. Barbara und die Hl. Katharina gehören immer noch zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligen
Eine besondere Stellung unter den Nothelfern nahm in der Volksfrömmigkeit oftmals der Hl. Christophorus ein.
Das lag vor allem daran, dass der Hl. Christophorus auch als Helfer gegen den unerwarteten Tod angerufen wurde. Vielerorts malte man deshalb sein Bild, als übergroßen Blickfang, quasi „unübersehbar“ auf Kirchenwände. Oftmals malte man sein Bild sogar groß auf die Außenmauern von Kirchen, Türmen, Burgen, Gehöften etc., so dass man den Hl. Christophorus schon von weitem sehen „musste“. Das ist heute z.B. noch an vielen alten Kirchen in Südtirol zu sehen.
Man glaubte, dass, wer gleich als erstes am Tag den Hl. Christophorus ansah und ihn um seinen Beistand anrief, darauf vertrauen durfte, für den Tag gegen einen unerwarteten Tod gefeit zu sein.
An dieser Stelle sei ein kleiner Seitenblick nach Augsburg, in den Dom erlaubt. Wenn man den Augsburger Dom durch das Ostportal betritt, fällt einem sofort das mehr als 14 Meter hohe Christophorus-Fresko (s. Bild) ins Auge. Vermutlich hat es seinen Ursprung ebenfalls in dem oben beschriebenen Volksglauben
Tief in der Volksfrömmigkeit verwurzelt ist bis heute auch der Blasiussegen gegen Halskrankheiten. Er wird jedes Jahr, am Gedenktag des Hl. Blasius (3. Februar) den einzelnen Gläubigen durch den Priester gespendet, der dazu zwei gekreuzte Kerzen über sie hält. Allerdings hat es sich eingebürgert, den Blasiussegen einen Tag vorzuziehen und den Gläubigen im Anschluss an den Festgottesdient zu Mariä Lichtmess (2. Februar) zu spenden („Wenn die Gläubigen nun schon einmal da sind …“).
Bis heute schneiden Menschen auch immer noch jedes Jahr am 4. Dezember Barbara-Zweige und stellen sie in ihren Wohnungen ins Wasser. Wenn die Zweige zu Weihnachten erblühen, gilt das als gutes Zeichen für die Zukunft.
Gedenktage der vierzehn heiligen Nothelfer:
Hl. Achatius: 4. Dezember
Hl. Ägidius: 1. September
Hl. Barbara: 4. Dezember
Hl. Blasius: 3. Februar
Hl. Christophorus: 25. Juli
Hl. Cyriacus: 8.August
Hl. Dionysius: 9. Oktober
Hl. Erasmus: 2. Juni
Hl. Eustachius: 20. September
Hl. Georg: 23. April
Hl. Katharina „von Alexandria“: 25. November
Hl. Margareta: 20. Juni
Hl. Pantaleon: 27. Juli
Hl. Vitus „Veit“: 15. Juni
Mehr über die vierzehn heiligen Nothelfer können Sie beispielsweise bei der Basilika Vierzehnheiligen nachlesen, wenn Sie möchten.
Merkvers aus der Barockzeit:
S. Blasius – bringt wegen Halsweh Fürbitt dar
S. Georgius – ist anzurufen in Kriegs-Gefahr
S. Erasmus – für Darm und Leibesschmerzen
S. Vitus – ein großer Freund der Kinder-Herzen
S. Pantaleon – Patron der Ärzten, bei Gott mächtig
S. Christoph – für Hagl und Wetter beschützt er kräftig
S. Dionysus – in Hauptweh wird gerufen an
S. Cyriacus – von Teufel Besessnen helfen kann
S. Achatius – dem christlichen Kriegsvolk hilft er behend
S. Eustachius – Betrübnis in der Ehe abwendt
S. Ägidius – hilft zu Erkenntnis heimlicher Sünd
S. Margaretha – wo Teufelslist ein Zugang findt
S. Katharina – wenn Weisheit im Studiren mangelt
S. Barbara – im Tod die Sakrament erlangt
Quelle: Ökumenisches Heiligenlexikon
Text & Fotos (soweit nicht anders angegeben): Bruno Wilhelm
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